Dienstag, 22. Dezember 2009

"Der Schnee macht die Welt also leise?"

Na, kann mir jemand sagen aus welchem Film dieser Satz ist?

Kleiner Hinweis: Natürlich wird in dem Film die Gebärdensprache gesprochen, so schwer will ich es euch ja nun wieder auch nicht machen! :-)

Nachtrag von 20:12 Uhr:

Sehr gut - die Kommentatoren haben recht. :-) Der Film ist aber auch schön.

Freitag, 18. Dezember 2009

Danke, ich habe es doch schon!

Letzter Abend auf der politischen Bildungsreise:

Gerade haben mein Mr. Berlin und ich meine wunderbare Dolmetscherin verabschiedet und uns herzlich bei ihr bedankt für die schöne Zeit zusammen. Sie hat wirklich wunderbar gedolmetscht!

Das Essen im Amici war superlecker, es gab Penne Bolognese. Kurz bevor das Essen kam, setzte sich eine Mitfahrerin der Reise zu mir und fragte, ob ich ein Cochlear Implantat hätte, sie würde da an der Ulmer Uni einen Professor kennen, der sich damit sehr gut auskennen würde...

Ich hab dann die Frau freundlich darüber aufgeklärt, dass ich das bereits habe. Aber irgendwie hat sie das nicht verstehen wollen und hat gemeint, ich solle mir das dringend mal überlegen, weil doch die Erfolgsaussichten damit so gut wären und die Lebensqualität auch. Das Cochlear Implantat hing übrigens nicht an meinem Ohr, sondern lag in meiner Tasche aus dem einfachen Grund, dass ich mich ganz und gar auf meine Dolmetscherin konzentieren wollte und nicht gestört werden wollte mittels Zwischenfragen an den Vortragenden. Und außerdem wie schon mal an anderer Stelle erwähnt stört es doch sehr beim Knutschen. ;-)

Sie hat sich dann wieder auf ihren Platz gesetzt und ich dachte, damit hätte es sich erledigt gehabt, aber vorsichtshalber packte ich meine CI-Box aus der Tasche aus, worauf mein Mr. Berlin mich anschaute: "Was machst du da?" "Falls sie wieder zurückkommt, kann ich ihr so zeigen, dass ich das CI bereits habe." Er zog eine Augenbraue hoch und meinte: "Ich fand ihr Verhalten unmöglich. Sowas macht man nicht einfach so vor dem Essen und überhaupt sieht man doch, dass es dir gut geht so wie es ist, ne?"

Das Essen wurde auf die Tische gezaubert. Irgendwie war mein Appetit durch den Schnupfen eher gedämpft gewesen die letzten Tage, doch jetzt konnte ich richtig reinhauen, was meinen Mr. Berlin doch sehr verwunderte: "Du hast ja Hunger!!" "Klar - nicht nur auf dich." Wir hauten dann beiderseits mit einem schuldigen Lächeln auf den Lippen ins Essen.

Die Frau, man möge mir verzeihen, dass ich ihren Namen nicht behalten habe, kam wieder zu mir und begann auf mich einzuquatschen. "Danke, ich habe es doch schon. Außerdem bezweifele ich, ob es wirklich gut ist seitens der Medizin alle Hörgeschädigten implantieren zu wollen. Meiner Meinung nach muss ein Anpassen der Gesellschaft an die Behinderten stattfinden als andersherum." Das fand sie nicht so prickelnd, aber die Adresse des Professor am Uniklinikum Ulm gab sie mir trotzdem.

Herr, schmeiss Hirn vom Himmel! Es war nur lieb gemeint, aber lieb gemeint ist oft das Gegenteil von GUT. Ihre Argumentation war in etwa so, dass ich dann nicht mehr auf eine Dolmetscherin angewiesen wäre, etc.

Es ist immer wieder fazinierend, wie einfach sich manche Menschen sich die ganze moderne Medizin vorstellen und denken, die ganzen Erfolgsaussichten vieler CI-Patienten wären beliebig erweiterbar auf alle Patienten. Das ist aber falsch - Erfolg ist individuell einstellbar.

Außerdem profitiert die Gesellschaft deutlich mehr davon, wenn sie sich den Wünschen der Behinderten anpasst als wenn die Behinderten sich komplett an die Gesellschaft anpassen.

Natürlich müssen sich die Behinderten auch der Gesellschaft anpassen, gar keine Frage, dass diese Anpassung keine Einbahnstraße von beiden Seiten sein sollte!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Lost in Gebärdensprache - mein Lieblingsvideoblogger und die Deutsche Gebärdensprache

Im August 2009 habe ich bereits mal über meinen Lieblingsvideoblogger Brian Melican und seine Videoserie "Lost in Deutschland" berichtet.

Meinen Lieblingsvideoblogger gibt es glücklicherweise auch mit Untertiteln!

Der Journalist und Sprachwissenschaftler hat sich in der heutigen Folge mit der Deutschen Gebärdensprache und ihrer "Unsichtbarkeit" im deutschen Fernsehen beschäfigt.

Anzuschauen ist das hier auf www.lostindeutschland.de - die untertitelte Version wird man wie immer etwas später auf www.deafvision.de finden.

Ich mag diese Folge ein kleines bisschen mehr als alle anderen. ;-)

Nachtrag vom 11.12.09: Auf der Homepage von DerWesten, wo auch die "Lost in Deutschland"-Videos" zur Verfügung gestellt werden, fand ich eine längeren Video-Beitrag über die Unterschiede der britischen und der deutschen Gebärdensprache. Zu sehen ist das längere, über 10-Minuten dauernde Interview mit Dr. Rathmann und Brian Melican hier:

http://www.derwesten.de/nachrichten/Viel-sagen-ohne-Worte-id2239701.html

Habe bereits bei Deafvision nachgefragt, ob man dieses Interview zusätzlich zur aktuellen "Lost in Deutschland"-Folge auch mit Untertiteln online stellen kann. Ich denke schon, dass sie das machen werden. :-)

Nachtrag vom 12.12.09:
Jetzt ist die Folge "Gebärdensprache" von "Lost in Deutschland" auch mit Untertiteln auf http://www.deafvision.de/deaftv/unterhaltung/lost-deutschland-69-gebaerdensprache zu sehen! *freu*

Ich warte noch auf die Untertitelung der längeren Folge mit Dr. Rathmann.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Enormer Arbeitsaufwand - und wo bleibt der Nutzen?

Da hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) für das Vorhaben die UN-Behindertenratskonvention in DGS-Videos (Deutsche Gebärdensprache) zu übersetzen wieder mal die großen Namen der Gehörlosenwelt enagiert. Nett ist übrigens, dass man die Gebärdensprachvideos gleich direkt auf der Startseite zum Anklicken findet!

Unter anderem wirken in den Videos so große Namen wie Thomas Mitterhuber (Spectrum11, München), Helmut Vogel (KUGG-Vorsitzender, Frankfurt) Daniela Gnerlich (Gehörlosenpädagogin, Hamburg) Thomas Zander (1. Vorsitzenden des Gehörlosenverbands Berlin) und Professor Dr. Christian Rathmann (Institut für Deutsche Gebärdensprache, Hamburg) mit.

Hier kann man die Videos anschauen:
Moderierter Überblick der Gebärdensprachvideos
Gebärdensprachvideos zur der UN-Behindertenkonvention

Schöne Sache an sich, aber da habe ich etwas ganz gewaltig zu beanstanden, nämlich der gleiche Punkt wie bei den politischen Gebärdensprachvideos - es wurde NICHT an Untertitel gedacht für Schwerhörige oder für Gehörlose die kaum oder mittelmässige Gebärdensprachkenntnisse haben - achja, da wären ja noch die Spätertaubten, die meistens gar keine Gebärdensprache können und auch die CI-Träger. Besonders ironisch ist, dass die Fremdwörter für Gehörlose wie "Würde" "Beeinträchtigungen" "Un-Behindertenkonvention" eingeblendet werden, was bedeutet, dass sehr wohl die Möglichkeit vorgelegen hätte, die Videos 1:1 zu untertiteln!

Hier sind die Beiträge zu den politischen Gebärdensprachvideos:
Politische Gebärdensprachvideos Teil 1 und Politische Gebärdensprachvideos Teil 2

Entschuldigung, aber das ist Audismus unter Gehörlosen - da sind so große Namen dabei und keiner von ihnen sagt: "Ja, das ist kein Problem, wir übersetzen Ihnen das Gewünschte in unsere Sprache, aber dafür sind die Videos auch mit Untertiteln versehen."?! Ich kann mir das nur so erklären, dass die großen Namen Hardcore-Gehörlose sind und daher schon zufrieden sind, wenn die Videos "wenigstens" in Gebärdensprache vorliegen, weil damit die Abdeckung der meisten Hörgeschädigten erreicht ist und ein beliebtes Argument der Gehörlosenwelt ist oft: "Was, du kannst nicht so gut gebärden? Dann musst du es lernen!"

Besonders von Dr. Rathmann bin ich enttäuscht - noch im Januar 2009 hatte ich das Vergnügen ihn in Ulm auf der KOFO "Audismus" in Action zu erleben und dabei hat er auch betont, dass Audismus nicht nur von Hörenden auf Gehörlosen ausgeübt wird, sondern auch von Gehörlosen auf Gehörlosen und die folgenschweren Auswirkungen dessen auf die Gehörlosenwelt. Er hat genau das bestätigt, was ich schon seit langem festgestellt habe in der Gehörlosenwelt. Und Dr. Rathmann beteiligt sich dann selbst an Audismus?!

Hier argumentiert Dr. Rathmann in einem Video für 100% Untertitel!

Ein Interview mit Dr. Rathmann

Und hier nochmal die Definition von Audismus nachzulesen in Wikipedia!

Ich bin der Meinung, dass sich die Beteiligten an den Videos sich noch mal zusammensetzen sollten und sagen: "Okay, wir fordern zusätzlich Untertitel, damit auch die 100% aller Hörgeschädigten erreicht werden können!"

Ich bin gespannt, wie die Sache noch ausgeht - ich stelle hier noch mal klar: "Ich habe nichts gegen Gebärdensprachvideos, aber wenn dann richtig! Und zwar auch mit Untertiteln!"

Nachtrag um 16:40: Ralph Raule hat sich einem Kommentar zu Wort gemeldet:
"Halllllloooo, hier wird etwas nicht verstanden. Warum soll es Untertitel geben, wenn die Texte doch schon vorliegen? Einfach mal die UN-Konvention in die hand nehmen und lesen. da steht alles. Die Videos in Gebärdensprache geben nur wieder, was schon als Texte vorliegt, nicht anderes, nichts Neues. Warum also Untertitel?!"

Dazu möchte ich folgendes sagen: Die UN-Konvention umfasst 40 Seiten im PDF und es ist sehr umständlich zu lesen, weil man nicht einfach schauen kann, welches Kapitel am interessantesten für einen ist und darauf klicken kann zum Lesen - da ist es meiner Meinung nach besser gemacht mit den Gebärdensprachvideos, die man Kapitel für Kapitel anklicken kann.
Die Un-Kovention liest sich für mich schon ziemlich einfach, aber wie ist es für hörgeschädigte Menschen mit weniger Lesekompetenz? Es ist ja nicht so, dass ein hörgeschädigter Mensch, der wenig Lesekompetenz automatisch gut gebärden kann oder über volle Lesekompetenz verfügt, weil er wenig Gebärdensprachkenntnisse hat. (Es gibt übrigens einen Verein, der sich für "Leichtere Sprache" bei Texten, z.b. Gesetzestexte, einsetzt,
was ich begrüßungswert finde, denn davon profitieren alle, nicht nur die Gehörlosen. Streiten könnte man darüber, ob man dadurch verwöhnt wird, wenn man keine schweren Texte mehr vorgesetzt bekommt. Auf der Homepage des BMAS gibt es keinen Hinweis darüber, ob der Text auf der Seite des BMAS ein Text in leichterer Sprache ist, was sinnvoll wäre in dem Fall, weil es um die Rechte behinderter Menschen im allgemeinen geht!)

Manche Menschen lesen übrigens nicht gerne, dazu gehören auch viele hörgeschädigte Menschen - will man gebärdenschwache Menschen mit wenig Lesekompetenz oder Leselust dazu zwingen sich einen schweren Text reinzuziehen, wenn die Vermittlung ganz einfach über Untertitel passieren könnte?

Ich bin außerdem der Meinung, dass es verwirrend ist für Hörende, wenn sie sehen, dass Gebärdensprachvideos ohne Untertitel auf Seiten der Behörden gezeigt werden, denn dass könnte für sie zum Glaueben führen, dass hörgeschädigte Menschen vor allem eine Einblendung des Gebärdensprachdolmetschers im Fernsehen wünschen, was so aber gar nicht stimmt.

Es muss eine einheitliche Norm her für Gebärdensprachvideos -die Videos müssen zugleich auch über Untertitel verfügen, weil hörgeschädigte Menschen einfach unterschiedliche Bedürfnisse haben!

Außerdem wird durch die zusätzliche Einblendung der Untertitel sichergestellt, dass 100% der Informationen bei allen Hörgeschädigten ankommt!

Ist das nun soweit und verständlich klar, worum es mir geht? Es geht mir um die Einbindung, um die Vermittlung der bereitgestellten Informationen für alle Gruppen der Gehörlosen und nicht mehr und nicht weniger!

Wir sitzen nun mal alle im gleichen Boot, also sollten wir auch gemeinsam rudern, d.h. einheitliche Leitlinien festsetzen, die der Bedürfnissen aller zugute kommen!



Donnerstag, 3. Dezember 2009

Eins haben beide gemeinsam!

Ray Dobson und die Hündin Goblin haben eins gemeinsam: Sie wurden von ihrer Umwelt zwangsisoliert durch das Verhalten der Gesellschaft.

Die Hündin Goblin landete im Tierheim und Ray Dobson im gesellschaftlichen Aus, weil er immer schlechter hörte.

Jetzt sind beide wieder mittendrin im Leben durch das Projekt "NEADS", wo Tierheimhunde zu Hilfshunden für Gehörlose ausgebildet werden.

Ein sehr schöner Zeitungsbericht aus Washington, aber lest selbst!

Tierheimhunde werden zu Hilfshunde für Gehörlose ausgebildet

Interessanterweise haben die Tierheimhunde, die sich für dieses Projekt eignen, einiges mit den Gehörlosen gemeinsam. ;-)

Montag, 30. November 2009

Sex ohne Sound - Manchmal ist man als Gehörloser eben unromantisch!

In dem Film "Stilleben" gibt es eine großartige Streitszene zwischen einem gehörlosen Paar. Sie streiten sich und dabei wird das Licht an und aus geknipst. Dazwischen fällt eben der Streit-Dialog.

In der Dunkelheit oder in der einsetzenden Dämmerung wird das Ablesen übrigens erschwert, weil das wenige Licht die Augen ermüdet. Für einige Gehörlose ist die Dunkelheit die absolute Horrorvorstellung, weil sie sich im Dunklen taub und blind fühlen.

Licht ist für uns wirklich erhellend in vielen Situationen und für die Kommunikation unabdingbar. Und die Welt ist wirklich nicht wirklich still - fällt ein Sinn aus, so schärfen sich die anderen.

Im September war ich auf dem Oktoberfest - mir sagte man immer wieder: "Sei froh, dass du nichts hörst - es ist soo laut hier!" Das war es in der Tat - die Vibrationen der Musik rüttelten an den Bierbänken, Tischen und blubberte fröhlich in meinem Zwerchfell. Man kann sovieles spüren dabei, es ist verrückt, wie verschieden sich Stimmen sich anfühlen, wenn man z.b. von jemandem unmarmt wird und dieser grad was sagt. Kann auch sehr entspannend wirken, als kleines Kind bin ich da immer eingeschlafen davon, wenn meine Mutter mich im Arm gehalten hat im Bett und irgendetwas erzählt hat im Dunklen, weil sie entdeckt hat, dass mich das nach einer Weile total schläferig macht.

Aber zurück zur Dunkelheit - neulich kam man in einer Diskussionsrunde auf das Thema: "Licht an beim Sex oder nicht?" Wir Mädels wollen ja eher nicht, dass der Kerl, der sich mit uns gerade beschäftigt sieht, dass wir Cellutis haben oder die paar Kilos zuviel oder gar die Besenreiser, aber darüber vergessen wir immer wieder, das Männer dabei zu 95% wirklich gar kein Auge dafür haben, weil sie eben mit uns beschäftigt sind und nicht mit unseren Problemzonen. Problem ist nur, dass wir Frauen das leider immer mal wieder vergessen, dass Männer in einer solchen Situation eher "einspurig" denken und nicht wie wir Frauen während dem Akt ab und zu mal: "Ich müsste mal wieder die Schlafzimmerlampe abstauben.."

Muss man Licht anhaben beim Sex, wenn man nicht hört? Bis zu dieser Diskussionsrunde habe ich mir keine Gedanken drumherum gemacht, ob ich das Licht anhaben sollte währenddessen. Eine hörende Freundin: "Du hast doch bestimmt das Licht an oder wie klappt denn die Kommunikation?" "Nö, für mich ist das kein Muß." "Echt nicht?" "Nein, warum auch? Ich seh es so, dass beides gleich gut ist. Sieht man sich beim Sex, ist es super! Sex ohne Licht ist für mich wie Sex mit verbundenen Augen für euch und auch super. Guter Sex muss nicht daraus bestehen, dass man sich gegenseitig hört. Sex ist haptisch."

Diese Gleichung fand man dann sehr interessant und man hat überlegt, wie Sex dann wohl ohne Sound ist.

Sollte ich das nächste mal mal beim Sex mein CI anhaben, um dann zu bloggen, wie Sex sich mit Sound für mich anhört? Ich fürchte nur, es würde nicht lang genug am Ohr pappen bleiben, weil ich doch manchmal Angst um mein 8.880 € teures CI habe. Und niemand möchte mit einem Kleinwagen ins Bett gehen. ;-)

Nachtrag um 20:05: Kommentiert hat Not quit like Beethooven, der übrigens frisch implantiert ist - Gratulation übrigens zu diesem nicht gerade einfachen Schritt, der mit viel Arbeit verbunden ist und ihm helfe ich gerne weiter. ;-)
Not quite like Beethoven hat gesagt…
Also Licht ist bei mir definitiv kein Muss -- wobei ich aber noch keine getroffen habe, die das Licht, wenn es denn an war, ausgeschaltet hat. ;-)

Ohne bißchen Sound finde ich persönlich etwas weniger prickelnd, das hab ich ja ganz zu Anfang bei mir schon mal beschrieben.

Mach doch mal mit CI, wird bestimmt ne lustige Reportage. :-) Wobei: Fällt das wirklich so schnell ab, ist ja furchtbar?
*g* Man hat beim CI grundsätzlich normalerweise kein Ohrpaßstück, bzw. Orthoplastik dranhängen wie beim Hörgerät, wahlweise kann man das schon machen lassen, muss dieses aber vermutlich aus eigener Tasche bezahlen - wie das ist mit den Kosten, weiß ich nicht. Aber da helfen dir die Leute vom www.hcig.de - Forum gerne weiter!

Aufgrund dieser Tatsache und der Situation, dass man sich ja beim Sex betatscht, also mir fahren die Männer gerne durch die Haare und am Nacken entlang oder man wälzt sich im Bett hin und her und dann passiert es in 99% der Fälle dann, dass der Überträger abfällt und ich den dann wieder anpappen muss. Ziemlich unromantisch und ungefähr so störend wie die notwendige Unterbrechung durch das Hervorkramen des Kondoms!

Der Überträger haftet zwar schon ganz doll am Kopf, aber es ist halt eine physikalische Grundlage, dass wenn du den Kopf auf eine Unterlage hin und her reibst oder wirfst, er dann sozusagen am Magneten "weggeschoben" wird und er dann sozusagen abgeworfen wird. Möchtest du dann da immer danach greifen und ihn schnell anpappen? Es ist also eher der Überträger, der dann abfällt als das ganze CI. Das kann natürlich auch mitabfallen, wenn der Überträger zu heftig weggewischt wird. Und mit einem Ohrpasstück ist die Gefahr halt nicht so groß, dass das ganze CI abfällt - da erwischt es halt lediglich den Überträger - das Magnetstück.

Aber da ist dann der Haken: Ohne den Überträger an der zugehörigen Stelle hörst du nichts mehr, selbst wenn der Rest sich noch vorschriftsmässig hinter dem Ohr befindet.

Ist die Frage damit beantwortet?

Samstag, 21. November 2009

Bonprix unterstützt eine Gehörlosenschule in Indien!

Wie das geht? Es gibt zwei Möglichkeiten zur Spende, indem man entweder eine Strickweste oder ein Top kauft, das mit einem Druckknopf-Herz versehen ist. Von dem Kaufpreis wird ein 1 € an die Gehörlosenschule in Tirupur gespendet.

Hier geht es zu dem Link von Bonprix!

Die "Tirupur School for the Deaf" bietet für über 250 gehörlose Halbweisen und Vollweisen einen Platz zum Leben und Lernen. Die Spenden sollen den Ausbau und den Erhalt der Schule ermöglichen.

Die Aktion läuft bis zum 30.11 - warum eigentlich nur so kurz? Gerade im Dezember, in der Weihnachtsgeschenkekauflust ist die Bereitschaft für eine solche gute Tat doch viel höher.

Aber trotzdem eine nette Aktion von Bonprix!

Übrigens: Eins rauf für die Pressepolitik von Bonprix, denn das Wort "Taubstumm" wurde nicht verwendet!

Dienstag, 17. November 2009

Ein kleiner Bericht zu Robert Enke

Die Umstände von Robert Enke's Tod sind ja jetzt geklärt und mittlerweile weiß wohl jeder, dass die leibliche herzkranke Tochter der Enkes im Alter von 2 Jahren ein paar Stunden nach einer Operation verstarb.

Aber kaum einer weiß um die Tragik der Operation, denn die Tochter starb nicht während einer Herzoperation, sondern während einer Cochlear-Implantat-Operation. Lara kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt, weswegen sie starke Medikamente nehmen mußte, welche zu ihrer Ertaubung führten. Das Cochlear Implantat sollte diesen Mißstand beheben, aber ihr Herz hat die Operation nicht ausgehalten.

Es bringt an dieser Stelle gar nichts mehr zu sagen, dass eine nicht wirklich lebensnotwendige Operation an eine herzkranken Kind überflüssig ist und Lara heute vielleicht noch leben könnte und damit auch Enke.

Enke hat übrigens, wie ich soeben erfahren habe, die Nationalmannschaft der Gehörlosen während einem Training besucht und wurde sehr herzlich empfangen.

Ein sehr feiner Zug von Enke! Ich hoffe, dass er wirklich wieder mit seiner Lara vereint ist und es ihm viel besser geht.

UPDATE um 20:14 Uhr: Ich habe einen kleinen, aber feinen Link gefunden über Enkes Besuch bei der Gehörlosen-Nationalmannschaft!

Robert Enke und seine Frau 2007 zu Besuch bei der Nationalmannschaft

UPDATE am 18.11.09: Hier sind zwei Fotolinks über den Besuch der Enkes bei der Nationalmannschaft der Gehörlosen:

Photo 1

Photo 2

Und noch eine Bildergalerie!

Und ich bin per Kommentar gefragt worden, woher ich das weiß mit der Operation der kleinen Lara. Das kann man im Pressebericht der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)nachlesen: Presseerklärung zum Tod von Lara Enke

Die MHH versorgt pro jahr 500 Patienten mit einem Cochlear Implantat, sie ist weltweit führend auf dem Gebiet.

Sonntag, 15. November 2009

Der Notarztnachbar und der passende Gehörlosenwitz dazu!

Treffen sich zwei gehörlose Freunde:
"Du siehst aber gar nicht gut aus. Bist du krank?"
"Nee, ich bin vor kurzem in einer Parterre-Wohnung gezogen."
"Und?"
"Nun ja, wie du selbst ja weiß, sind wir auf den Blitzwecker angewiesen, wenn wir morgens frühzeitig aufstehen müssen."
"Und?"
"Tja, bei mir blitzt es jede Nacht mindestens fünf- bis sechsmal im Durchschnitt, und jedes Mal werde ich wach und denke, ich müßte nun aufstehen und zur Arbeit..."
"Der Wecker ist wohl nicht in Ordnung?"
"Nee, das ist es nicht. Ich habe inzwischen festgestellt, daß direkt neben meinem Schlafzimmer ein Krankenhaus ist, und jedes Mal, wenn ein Nofall ist und der Krankenwagen losfährt..."

Neben mir wohnt ein sehr nettes Ehepaar, der Mann arbeitet als Notarzt, was zur Folge hat, das ein oder zweimal spät am Abend in der Woche der Notarztfahrer mit quietschenden Reifen vor dem Nachbarhaus hält und das Blaulicht ungefähr noch 2-3 Minuten weiterlaufen lässt - vielleicht dauert das Ganze auch nicht so lange, nur kommt es mir so vor - bis der Nachbar dann einsteigt und beide davonfahren.

Manchmal passiert das Ganze auch in der Nacht und ich wache davon auf, weil es mich einfach an meinen Wecker erinnert, leider habe ich keinen Rollos am Fenster, sondern nur Rollgardinen. Wovon ich auch ab und zu aufwache: Wenn das Licht in der Nacht oder am frühen Morgen im Badezimmer oder der Bewegungsmelder an der Türe der Nachbarn angeht, denn beide Lichtquellen strahlen nämlich in mein Zimmer rein.

Aber das Problem ist ja ab Frühjahr gelöst: Da zieht dann nämlich mein Cousin da ein und der ist kein Arzt oder Feuerwehrmann. :-)

Mittwoch, 11. November 2009

Berlin war toll!

Die ganze Bildungsreise war suuuper und ich hatte eine ganz tolle Dolmetscherin, aber mehr kann ich derzeit nicht schreiben, denn ich habe mit einer hartnäckigen Erkältung zu kämpfen derzeit. :-/

Aber zusammengefasst kann ich sagen, dass es nicht mein letzter Besuch in Berlin war - die Stadt hat mich mehr als einmal außer Atem geraten geraten lassen angesichts der vielen Möglichkeiten und Kontraste.

Und das Schönste an der Reise war der Montag morgen, wo mein Mr. Berlin mir ein Minigebäckstück brachte und grinsend darauf deutete: "Dein Geburtstagskuchen." Sehr schön.

Donnerstag, 5. November 2009

Alles außer Hören

Eben bei Yahoo News über www.deafread.de einen interessanten Bericht gefunden über einen Kurzfilm, der vom Leben in einer gehörlosen Familie handelt.

Quelle ist hier zu finden: http://de.news.yahoo.com/16/20091104/ten-besonders-wertvoll-fuer-kuess-den-fr-618cd5d.html

Alles Außer Hören (Anything but sound) - Kurzfilm - Deutschland 2008 -

FBW: Prädikat besonders wertvoll - Filmdauer:16 Min. - FSK: liegt noch nicht vor - R+B: Peter Hecker - P: Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg, Peter Hecker

Als Hörender bleibt man scheinbar außen vor in diesem Film, der sich ganz auf die Alltagswelt einer gehörlosen Familie einlässt. Kinder wecken, Frühstück, Gehörlosen-Schule, ein Besuch im Zoo und viele andere Momente zeigen ein Bild von Normalität eines ganz außergewöhnlichen Lebens.

Jede neue Szene gibt auch einen neuen Einblick, erzählt von den Herausforderungen und Möglichkeiten, sich die Welt ohne Ton zu erschließen. Ohne Kommentare oder Erklärungen gelingt es, ganz nah an die Protagonisten heranzugehen, sie in ihrer
Authentizität zu erfahren, während die Präsenz des Filmteams an keiner Stelle spürbar wird. Größter Respekt vor dieser enormen Leistung, die nur selten einem Dokumentarfilm gelingt.

Kontakt: HFF Konrad Wolf

Neugierig geworden habe ich mal nach der Filmhomepage gegoogelt und bin fündig geworden: http://www.artfilm.ch/allesausserhoeren.php

In der Erklärung auf Yahoo liest es sich so, als wäre der Film ganz ohne Ton - kann das sein?!

Ich bin gespannt, ob es tatsächlich so ist, denn wenn es so ist, dann ist es in Ordnung, dass die DVD des Filmes keine Untertitel besitzt - falls aber das Gegenteil der Fall sein sollte, dann ist das ein Skandal!

Freitag, 30. Oktober 2009

HURRA!

Der Organisator, also das Bundespresseamt übernimmt doch noch die KOSTEN!

Mensch, bin ich erleichtert und sowas von meiner Vermittlerin dankbar!

So, jetzt kann Berlin kommen! Aber natürlich werde ich mich trotzdem einlesen in die Materie, man kann doch nicht unvorbereitet irgendwohin fahren, gell?

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Probleme mit der Kommentarfunktion!

Leute,

wenn ihr Probleme habt mit der Kommentarfunktion, dann lasst es mich bitte wissen, damit ich der Sache besser auf den Grund gehen kann. Bisher scheint das total unlogischen Regeln zu folgen, warum das mal geht und mal nicht!

Danke!

Mittwoch, 28. Oktober 2009

WTF? Von Pontius zu Pilatus pilgern - Teil 3

Ich habe vorhin mit meiner Dolmetscherin geredet, die eine mündliche Kostenzusage hat vom Bezirk Schwaben - mir dagegen flatterte der Ablehnungsbescheid über den Monitor.

Hoffentlich gilt die mündliche Zusage. *hoff*

Von Ponitus zu Pilatus - eine Enttäuschung!

Heute war ich also in Augsburg beim Bezirk Schwaben.

Anfangs zeigte man sich ja sehr kooperativ, der zuständige Herr telefonierte sogar mit den Dolmetscherzentralen und dem Bundespresseamt, was mich sehr zuversichtlich stimmen liess.

Und vorhin flatterte mir der Ablehnungsbescheid über die kulturelle Eingliederungshilfe auf den Monitor mit der Begründung, dass eine Notwendigkeit nicht gegeben seie und es von wem auch immer, versäumt wurde rechtzeitig dem Organisator Bescheid zu geben, dass einer notwendig seie und der Umstand, dass alle Dolmetscher die die beim Organisator unter Vertrag stehen, ausgebucht sind, stellt kein Anspruch auf kulturelle Eingliederungshilfe dar.

Ich stelle hierzu fest: Es wurde kein Versäumnis begangen - DADURCH, dass man mich von Pontius zu Pilatus geschickt hat, durch diesen gottverdammten Behördendschungel ist mir ein Zeitverlust entstanden, den ich schon durch mein eigenes Behmühen bestmöglichst gedämmt habe.

Verflucht noch mal! Kann ich was dafür, dass die Dolmis ausgebucht sind, die einen Vertrag beim Organisator? *indieTischkantebeiss*

Fazit: Es muss bessere Informationen für den Bürger geben, WOHIN man sich zu wenden hat, ohne dass man dauernd von A nach B geschickt wird.

Und zweitens: Ich habe einen Anspruch darauf und ich will diesen erfüllt kriegen. Ich seh es nicht ein, warum ich keine Flexibilität an den Tag legen darf, wenn ich mich weiterbilden will - einen Dolmetscher muss man nämlich lt. meinen gehörlosen Freunden und deren Erfahrungen so 3-6 Wochen im Voraus bestellen, was jede Spontantität im Keim erstickt.

Drittens: Ich WERDE trotzdem viel Spaß haben und mich halt weiter in die Thematik einlesen, um die es wahrscheinlich gehen wird und vor allem mich in die allererste Reihe stellen und den Vortragenden darum bitten, langsam und deutlich ohne Dialekt zu reden.

Dann sollte ich immerhin schon 65% an Informationen mitkriegen.

Schade um die 35% Informationsverlust, die dadurch entstehen, dass ich nicht gleichzeitig aufs Objekt und die Lippen des Sprechers gucken kann.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Von Pontius zu Pilatus pilgern - meine Mission derzeit

Jeder, der sich schon mal durch den Behördendschungel gekämpft hat, wird wissen, wovon ich gerade spreche und wie furchtbar das ist.

Warum ich mir das gerade antue? Dazu muss ich jetzt mal etwas weiter ausholen: Vor gut 3 Wochen sprach man mich an, WAS ich mir denn zum Geburtstag wünschen würde? Ich meinte, dass ich ganz gerne mal nach Berlin fahren würde, denn irgendwie habe ich es bis jetzt einfach nicht geschafft trotz der jahrelangen Anziehungskraft, die die Stadt auf mich hat, ihr einen gebührenden Besuch abzustatten. Mein letzter Besuch liegt vor dem Mauerfall, d.h. ich war damals mit zarten 6 Jahren jeweils in Ost- und Westberlin zu Besuch. Davon ist mir nur die tolle Wohnung der Freundin meiner Mutter, der nette Pantomime und der Grenzüebrgang am Checkpoint Charlie in Erinnerung geblieben. Ich saß da im Auto in meine Lieblingsdecke eingewickelt, die ich übrigens heute immer noch habe und der Grenzbeamte blickte mich durch das Autofenster an. Ich hörte auf der Stelle auf zu nuckeln an meiner Kabaflasche und sah ihn mit großen Augen an, worauf dieser anfing zu lächeln.

Donnerstag, den 15. Oktober segelte meiner Mutter eine Einladung zur einer Politischen Bildungsfahrt der Grünen/Bündnis90 nach Berlin auf den Tisch durch den glücklichen Umstand, dass sie mit der Schwester von ihrem Exfreund befreundet ist, mit dem sie übrigens auch noch befreundet ist und dieser sitzt im Wahlkreis der Grünen. Diese Einladung reichte sie also weiter an mich und meine Anmeldung schickte ich gleich am Freitag, den 16. Oktober ab.

Am Montag, den 19. Oktober konnten wir dank diesem Bekanntheitsgrad in Erfahrung bringen, dass bis Montagmorgen ALLE Plätze belegt waren, aber dann ein Paar abgesagt hat, d.h. es wurden also 2 Plätze frei. Einen davon schnappte ich mir und ich wurde gefragt, ob ich nicht noch jemanden wüsste für den anderen freien Platz.

Habe eine gehörlose Freundin gefragt, ob sie auch mitwill, aber leider hatte sie schon ihre Skiferien gebucht - tja, war also nichts.

Am Dienstag, den 20. Oktober, konnte ich in Erfahrung bringen, dass ich dem Organisator Bescheid geben muss, damit dieser einen Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung stellt, was ich auch umgehend tat.

Und ich werde nicht ganz alleine sein auf dieser Reise, denn es kommt jemand mir Bekanntes mit, was mich sehr freut.

Nun am Donnerstag, den 22. Oktober, kriege ich mitgeteilt, dass das Bundespresseamt leider keinen Dolmetscher zur Verfügung stellen kann, was also die logische Folge hat, dass ich kulturelle Eingliederungshilfe für Behinderte beim Sozialamt meiner Stadt beantragen muss zur Übernahme der Dolmetscherkosten.

Bin also Freitag, den 23. Oktober in aller Früh aufs Sozialamt gegangen und habe mir die Antragsunterlagen geholt und zugesagt, dass ich die Unterlagen am Montag dort abgebe.

Habe ich alles auch ganz brav getan am Montagnachmittag, dort sagte man mir: "Wir schicken jetzt die Unterlagen ans Landratsamt." Wie jetzt? Wir hatten bereits 17 h, also erklärte ich mich bereit, die Unterlagen höchstpersönlich da abzugeben.

Heute geh ich also ganz brav aufs Landratsamt und dort, wie sollte es anders sein, sagt man mir: "Wir schicken den Antrag an den Bezirk Schwaben, dh. nach Augsburg.".

Ergebnis: Ich werde mich also morgen in den Zug setzen, gottseidank fahre ich mit dem Schwerbehindertenausweis in den Nahverkehrszügen umsonst und da den Antrag abgeben und um eine schnelle Abwicklung bitten und am Donnerstagnachmittag nochmals nach Augsburg fahren, um das Ergebnis zu erfahren.

Und ich darf nicht vergessen, am Donnerstagnachmittag aufs Rathaus zu laufen, um zu schauen ob mein neuer Personalausweis endlich da ist!

Wenn alles gut geht, habe ich für meine politische Bildungsreise, die am kommenden Sonntag beginnt und am Mittwoch wieder endet, einen Gebärdensprachdolmetscher und einen nagelneuen Personalausweis.

Eine politische Bildungsreise kostet übrigens NICHTS außer einem Unkostenbeitrag von 20 €.

Die Kosten für den Gebärdensprachdolmetscher, den ich für 15 Stunden brauchen werde, belaufen sich auf 825 €, was 55 € pro Stunde macht. Wahrscheinlich kommen da noch mal 2 zusätzliche Dolmetscherstunden dazu, da bei Vorträgen und einer Dolmetschdauer von 2 Stunden 2 Dolmetscher zur gleichen Zeit vor Ort sein müssen.

Ironie der Geschichte ist übrigens: Dank meiner guten kommunikativen Fähigkeiten konnte ich bzw. kann ich von Pontius zu Pilatus pilgern, OHNE einen Dolmetscher auf Behördengängen oder etwa bei Arztbesuchen zu brauchen. Aber diesmal pilgere ich, um einen Dolmetscher zu bekommen.

Andere Gehörlose brauchen übrigens meistens auf Behördengängen oder bei Arztbesuchen einen Dolmetscher, was die Flexibilität ungeheuer einschränkt aus meiner Sicht, denn ich kenne es nicht anders.

Wie gesagt: Drückt mir weiterhin die Daumen, dass es doch noch klappt einem Dolmetscher für mich, ansonsten werde ich mir alles vorab anlesen müssen, damit ich mich orientieren kann, worum es geht!

P.S. Danke für die Kommentare @Christiane&Julia!

Das Problem ist die kurze Vorlaufszeit und beim Bundespresseamt erklärte man mir, dass sie zwar Verträge haben mit Gebärdensprachdolmetscher und diese alle schon für den gewünschten Zeitraum besetzt sind. Gebärdensprachdolmetscher, die nicht bei ihnen unter Vertrag stehen, werden nicht von Ihnen bezahlt.

...darum muss ich das jetzt über die kulturelle Eingliederungshilfe machen, anstatt mich zurückzulehnen.. - aber die Reise werde ich mir nicht vermiesen lassen! :-)

Freitag, 23. Oktober 2009

In welcher Sprache träumst du?

Ab und zu stellt man mir diese Frage, ob ich im Traum sprechen würde oder gebärden würde?

An sich eine interessante Frage - ich weiß von mir, dass ich im Schlaf rede und sonst auch immer im Traum rede wie mir im Wachzustand der Schnabel gewachsen ist.

Liegt wohl daran, dass das Deutsche meine Muttersprache ist, dann kommt wohl Englisch als Zweitsprache und erst dann die Gebärdensprache überhaupt.
Ich kenne aber einige Gehörlose, die die Gebärdensprache wie ich auch sehr spät erlernt haben mit dem Unterschied, dass sie zu deren Muttersprache geworden ist, d.h. sie gebärden auch im Traum.

Eigentlich logisch, dass Menschen in ihrer Muttersprache träumen, aber was ist, wenn man sich z.b. ins Ausland zieht und dann auch die Landessprache lernt - träumt man dann irgendwann in der Landessprache oder reden die Protagonisten im Traum mit denen man eigentlich in der jeweiligen Landessprache kommunziert, plötzlich die Muttersprache?

Mich würde es mal interessieren, ob Gebärdensprachdolmetscher auch manchmal in Gebärden träumen, denn ich glaube, man muss für diesen Job berufen sein, denn Gebärdensprachdolmetscher sind nur in ganz selten Fällen CODAS (Children of Deaf Adults - Kinder mit gehörlosen Eltern bzw. Kinder von gehörlosen Erwachsenen).

Vielleicht kann ich in den nächsten Tagen mal einen Gebärdensprachdolmetscher fragen, wie er träumt, denn ich werde wohl einen enagieren, wenn ich denn einen finde und darüber wird kräftig gebloggt werden, warum und wieso ich einen brauchen werde.

Samstag, 17. Oktober 2009

Deaf-Vision mal bildbewegt vorgestellt!

Das bekannte Magazin für Hörgeschädigte, "Sehen satt Hören" hat jüngst über die Macher vom Onlineportal www.deafvision.de berichtet.

Beitrag über "Deafvision.de"

Dabei herausgekommen ist dieser nette Beitrag, der einige Fragen aufwirft, vor allem ab der 06:27 Beitragsminute, denn die Macher würden gerne ihre Vision von einem gehörlosenfreundlichem Fernsehprogramm ins Fernsehern rübertransportieren und eigentlich wäre das Fernsehen auch bereit dazu. Natürlich ohne etwas für die entwickelte Software zu bezahlen - wie stellt sich das Fernsehen das eigentlich vor?

Da führt ein junges enagiertes Team vor, wie das geht mit der Untertitelung und der Dolmetschereinblendung und das Fernsehen möchte das alles umsonst haben. Es ist ja nicht so, dass das Fernsehen die komplette Untertitelentwicklung verschlafen hat, sondern einfach zu faul ist, die ganze Entwicklung mitzuverfolgen auf eigene Kosten.

Das neue Nachrichtenstudio des ZDF hat 30 Millionen Euro gekostet - eine Stange Geld. Natürlich stellt sich dabei für mich die Frage, ob das neue Nachrichtenstudio wirklich so imagefördernd ist für das ZDF?! Eine neue Untertitelsoftware und sowie ein durchgängig untertiteltes Programm im ZDF wäre eine Premiere gewesen im deutschen Fernsehen und hätte sicherlich nicht soviel gekostet und das Image wäre in ungekannte Höhen gerauscht.

Aber nein: Das ZDF bringt es nach dem heutigen Stand - im Gegensatz zur Schweiz - bis heute nicht fertig Sendungen wie "Wetten, dass.." live zu untertiteln!

Meinen allerhöchsten Respekt für das junge Team von www.deafvision.de, man kann nur hoffen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen und das Portal nicht irgendwann wieder aufgegeben wird, denn ihre Idee ist wegweisend!

Neulich habe ich erfahren, dass die ARD mit den Kollegen im Ausland, die schon weiter sind in Sachen Untertitel, zusammenarbeitet. Das ist schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber wann werden die Folgen wirklich spürbar sein?

Es ist noch ein langer Kampf bis dahin.

Ich kann mich nur wiederholen: Es wäre eine ungeheure Signalwirkung für die deutsche Fernsehlandschaft, wenn ein Fernsehsender damit beginnen würde sein Programm durchgehend zu untertiteln.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Auf der falschen Schiene unterwegs - die Desinformation der Bahn

Heute ist Donnerstag - seit einigen Wochen immer der "Lost in Deutschland"-Donnerstag. Heute hat Brian Melican die tolle Effektivität der deutschen Bahn gelobt, nachzulesen ist das hier:

Lost in Deutschland im Miniaturwunderland

Die untertitelte Version von LiD auf www.deafvision.de braucht noch ein paar Tage, bis sie online verfügbar ist.

Ich kann es nicht beurteilen von meiner Warte her, ob die Informationen seitens der Bahn immer so prall gefüllt sind, wenn diese über die Lautsprecher gequakt werden, aber anscheinend werden die notwendigsten Informationen gerne über Lautsprecher verkündet.

So geschehen am Wahlsonntag, den 27.09.09, wo ich mit der Bahn unterwegs war. Dank meines Schwerbehindertenausweis ist es mir möglich gratis die Nahverkehrszüge der DB zu benützen dürfen. Schwang mich also um 14:19 in den Zug nach Buchloe und mußte dort umsteigen - der Umstieg war genau gegenüber und dort stand auch schon ein Zug. Abfahrtszeit war um 15:46 angegeben. Stand auch auf der Anzeigentafel zu lesen.

Da wir erst 15:22 hatten, habe ich aufgrund meiner langen Liste von Erfahrungen mit der Bahn den Lokführer gefragt, ob dies auch der Zug nach Memmingen ist, was dieser bejahte, worauf ich den Zug enterte.

Plötzlich fuhr der Zug um 15:36 los, was mir spanisch vorkam - vorbildlich war übrigens, dass der Zug eine Haltestellenanzeigentafel besaß und ich so lesen konnte, wo genau der Zug grad hielt. Ich machte mich auf den Weg zum Zugführer, der übrigens jetzt ein anderer war als davor und schilderte ihm mein Problem. Der Zugführer zückte sein Bahntelefondingsda, wo alle Verbindungen elektronisch abgerufen werden konnten und empfahl mir in Augsburg in den ICE umzusteigen und rief gleichzeitig im Zug an, ob die 2 min auf mich warten könnten - das war kein Problem für den ICE. Dann fiel mir ein, dass ich ja mit dem Schwerbehindertenausweis unterwegs war und erklärte dem Zugführer das noch mal, der nochmal dem ICE Bescheid gab und es war ebenfalls kein Problem.

Prima, so lob ich mir die Organisation der deutschen Bahn! Manchmal ist sie wirklich sehr nett von der Freundlichkeit und der Problemlösung her. Oder lag es daran, dass es Wahlsonntag war? Diese Notwendigkeit hatte ich aber noch gar nicht verkündet, sondern mir als Trumpf im Ärmel zurückbehalten, falls die Problemlösung nicht so zufriedenstellend gewesen wäre.

In Ausburg konnte ich also um 16:04 in den ICE einsteigen, der unterwegs war in die Hansestadt Hamburg, worüber ich leicht schmunzeln mußte. Punkt 17:06 war ich also in Ulm und wartete auf eine weitere 15minütige Verbindung. Abfahrszeit war mit 17:24 angegeben.

Um 17:22 verließ die Menschenmenge plötzlich wie ein Haufen dressierter Lemminge den Bahnsteig, worauf meine Konditionierung mir sagte, dass es eine Durchsage gegeben haben muß und der Zug nun woanders abfährt - ein Blick in die Anzeigentafel auf dem Bahnsteig sagte mir, dass ich nun fragen gehen mußte, denn es wurde keine Gleisänderung in Laufschrift bekannt gegeben.

Nun schnappte ich mir eine nette Passantin und fragte diese, ob der Zug auf einem anderen Gleis abfahren würde? Sie bestätigte dies und so folgte ich der Menschenmenge auf das andere Gleis.

Dort stand tatsächlich der gewünschte Zug und so konnte ich um 17:40 an meinem gewünschten Wahlort abgeholt werden und um 17:59 ins Wahllokal einkehren und fix meine 2 Kreuze machen.

Die Bahn hat zwar Anzeigentafeln auf vielen Bahnhöfen, aber nicht immer wird an die Benachrichtigung per Laufschrift gedacht. Oder andere behindertenfreundliche Einrichtungen an den Bahnhöfen wie z.b. Aufzügen oder Rampen, die auch Müttern mit Kinderwagen zugute kommen.

Mag sein, dass einige Kuhdörfer einen eigenen Bahnhof haben, aber dann meistens ohne Anzeigentafeln. Ich kenn da eins bei Freising, erst kürzlich hat man da den alten Bahnhof abgerissen und ein paar hundert Meter weiter neu aus dem Boden gestampft. Und alle 5 Meter steht ein Laternenpfahl am Bahnsteig, woran Lautsprecherboxen montiert sind. Aber komischerweise geht kein einziger von denen und eine Anzeigentafel fehlt schon mal vollständig. Man ist also darauf angewiesen den Fahrplanaushang zu suchen oder sich halt im Internet zu informieren vor der Abfahrt. Aber behindertenfreundlich für Rollstuhlfahrer ist dieser Bahnhof in der Pampa schon!

Ich würde mir wünschen, dass die Bahn effizenter denkt bei den Ausgaben für Lautsprecherboxen, wenn die zum Beispiel erstens in der Überzahl sind und dann gar nicht in Betrieb sind - da könnte man doch das Geld besser in eine Anzeigentafel investieren und in funktionierende Lautsprecher!

Ich seh schwarz für die "Deutsche Organisationsporno der n-ten Potenz", wie Brian es formuliert hat, wenn die Bahn privatisiert wird.

Ich könnte noch einige Beispiele der Desinformation der Bahn aufzählen, die nicht nur mir passiert sind, weil ich nicht hören kann, sondern auch meinen hörenden Bekannten - das ist ein häufiges Problem auf Bahnreisen.

...to be continued..

P.S. Es gibt noch einen Blogartikel, wo ich die Alltagsprobleme von Gehörlosen kurz anreisse:

Alltagsprobleme von Gehörlosen

Sonntag, 4. Oktober 2009

In die Röhre geguckt bei "Wetten, dass..." !

Angekündigt waren eine Live-Untertitelung bei der Liveshow, aber was war? Nix.

Die Wiederholung heute vormittag um 10:15 wird mit Untertiteln sein, aber in welcher Art? Zusammengefasste oder Scrolling?

Warum kriegt das ZDF eine Live-Untertitelung nicht gebacken? Also, ich verstehe es nicht, denn die Schweiz kriegt das nämlich fertig - die Preisfrage jetzt lautet: "Warum kann das ZDF nicht die Untertitel von der Schweiz mitsenden?"

Da werde ich mal der Sache auf der Spur gehen und eine flotte Mail an das ZDF schreiben. Bin mal gespannt auf das Ergebnis.

Die die letzte Antwort vom Zweiten auf diesen Zustand war eine ziemlich freche:

Antwort vom ZDF zur Nicht-Untertitelung von Wetten, dass..

Ziemlich dreist, oder?

Mal sehene, ob eine weniger dreiste Anwort zurückkommen wird!

Samstag, 3. Oktober 2009

Wie sehen moderne Untertitel, also gescrollte Untertitel aus?

Im englischsprachigen Raum sind gescrollte Untertitel, wo Wort für Wort untertitelt wird anstatt das Gesagte zusammengefasst, längst ein Qualitätsstandart.

Heute Abend wird "Wetten, dass..." erstmals im deutschen Fernsehen mit Live-UT gezeigt, wobei ich sehr gespannt bin auf die Art der Untertitelung! Wird sie aus Scrolling oder aus zusammengefassten Untertiteln bestehen?

Die ARD hat das Kanzlerduell mit Scrolling-Untertiteln gezeigt, leider hatte ich Probleme mit dem Emfang und habe dies auch der ARD gestern übermittelt, worauf ich heute (AM FEIERTAG!!!!) sehr nette persönliche Antwort erhielt.

Hier ist ein nettes Video aus der Schweiz mit Scrolling-Untertiteln:




Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis sich diese moderne Art der Untertitelung endgültig durchgesetzt hat im deutschen Fernsehen, denn diese Untertitelung besitzt einen unschätzbaren Vorteil: Es gehen keinerlei Informationen mehr verloren wie bisher bei den zusammengefassten Untertiteln!

Ich hoffe weiterhin, dass die Untertitel im deutschsprachigen Fernsehen endlich auch DVD-Untertitel-Qualität erreichen, denn es gibt ein sehr trauriges Beispiel dafür - ich besitze "Notting Hill" auf DVD und konnte die Untertitelung von Notting Hill im Fernsehen mit den DVD-Untertiteln vergleichen und war völlig entsetzt über die schlechte Untertitelung, denn der Wortwitz und die Dialoge wurden völlig verstümmelt wiedergegeben. Leider ist das Hauptargument der meisten Fernsehanstalten für solche Untertitel immer noch, dass die 1:1-Untertitelung zu schnell und schwer verständlich seie für die gehörlose&schwerhörige Zuschauerschaft - wohl aus Bequemlichkeit.

Auch ist es manchmal ärgerlich, wenn man abliest von den Lippen und anhand der Untertitelung merkt, dass dies nicht mit untertitelt wurde, wo man manchmal das Gefühl der Bevormundung kriegt, dass man eben nicht alles mitbekommen darf/soll.

Also, meine Hoffnungen ruhen auf den Scrolling-Untertiteln, denn Untertitel in hoher Qualität stellen Informationen sicher! :-)

P.S. Die Meldung, dass "Wetten, dass..." im deutschen Fernsehen erstmals mit Untertitel gezeigt wird, war eine ENTE! Die Wiederholungen von "Wetten, das..." wurden allerdings mit Untertitel gezeigt, die Qualität war aber nicht besonders toll.

Freitag, 2. Oktober 2009

"Wetten, dass..." morgen Abend um 20:15 mit LIVE-UT!

Nun zieht das ZDF auch gleich mit dem Schweizer Fernsehen und bietet "Wetten, dass.." mit Live-UT an.

Interessant wäre es zu wissen, ob das ZDF meinem Vorschlag gefolgt ist und die Untertitel aus der Schweiz mitsendet oder ob sie diese auf einem eigenen Weg über deren Sprachenerkennungsoftware schalten.

Ich bin gespannt auf das Ergebnis - die Live-UT per Scrolling in der ARD waren etwas enttäuschend, da fehlerbehaftet und zeitweise totaler Ausfall durch Auftauchen sämtlicher Umlaute.

Interessante Entwicklung derzeit in der Medienlandschaft - es scheint so, als ob nicht nur die Politik die Gehörlosen&Schwerhörige als Teil der Gesellschaft entdeckt hat!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

"Wissen macht ah!" mit Gebärdensprache

Am Samstag sah ich zufällig, dass die Sendung "Wissen macht ah!" mit einem Gebärdensprachdolmetscher stattfand und laut der Info ist die Sendung auch die einzige Kindersendung im deutschen Fernsehen mit einem Gebärdensprachdolmetscher.

Jedenfalls war es sehr nett und hier gibt es das WebTV dazu:

http://www.wdr.de/tv/wissenmachtah/bibliothek/gebaerde.php5

Und es gibt auch einen weiterführenden Link:

http://www.wdr.de/tv/wissenmachtah/bibliothek/gebaerdensprache.php5


Es ist kindgerecht gemacht und der Gebärdensprachdolmetscher wirkt auch sehr sympahtisch.

Allerdings muss ich doch bisschen meckern, denn bei der Einführung zum WebTV-Videoclip steht folgendes:"Gehörlose können sich nicht über gesprochene Worte miteinander verständigen. Sie haben eine eigene Sprache: die Gebärdensprache. Was das ist und wie sie funktioniert, seht ihr hier!"

Nee, also echt! Das ist eine Desinformation - Gehörlose können sehr wohl sprechen und sich auch über Sprache artikulieren und sogar mit Hörenden reden. ;-)
Ich vermute, dass diese unglückliche Wortwahl daher rührt, dass Gehörlose untereinander ihre Sprache bevorzugen zur Kommunikation und daher wird wohl dieser Eindruck für Außenstehende vermittelt.

Aber ansonsten sehr nett gemacht halt. ;-)

Montag, 28. September 2009

Kleine Urlaubsanekdote aus der Dom. Rep!

Mein Virus bestand darin, dass ich Bauchweh hatte und ich bei jedem Versuch Flüssigkeit zu mir zu nehmen kotzen musste.

Angefangen hatte die Krankheit aber schon im in der Wartehalle in Paris. Hätte die dämliche Air France net die glorreiche Idee gehabt streiken zu müssen, wäre ich erst gar nicht krank geworden. Halsweh, Kopfweh und Schuettelfrost den ganzen Flug über.

Keine gute Sache und an Schlaf war kaum zu denken. Und wenn doch, dann träumte ich ständig das gleiche in einer Endlossschleife. Und es waren nicht mal besonders schöne Träume. "Und taeglich grüßt das Murmeltier!"

In der Dom Rep. angekommen war ich die einzige die mit einer dicken bunten Wollstrickjacke rumlief. Sehr exotisch, aber mir war hundeelend.

Es folgte eine endlos scheinende Nacht mit noch mehr träumenden Endlosschleifen.
Am nächsten Morgen hatte ich Bauchkrämpfe, als wuerden meine Eingeweide sich ständig verknoten und entknoten, aber bisher kam noch nix.

Dann war Arztbesuch angesagt. Sehr junger Arzt. Gutaussehend. Sehr vorsichtig. Er hat mir eine Spritze in den Allerwertesten verpasst. Kurz davor hat er mich gefragt wie alt ich bin. Als ich sagte, ich seie 27, war ihm das Erstaunen doch deutlich anzumerken und er sagte auch, dass ich viel jünger aussehen wuerde.

Die Spritze hat ein paar Stunden gewirkt. Ich verliess kurz das Arztzimmer, um was zu trinken. Grosser Fehler. Ganz grosser Fehler, obwohl lebensnotwendig. Ich begann im Arztzimmer zu würgen und geistesgegenwärtig hielt mir der junge, liebenswürdige Arzt den Papierkorb entgegen. Habe ich schon erwähnt, dass er gut aussah?
Ich kotzte weissen Schaum. Ich kam mir vor wie eine tollwuetige Huendin.

Nach dem Kotzen ging es mir besser und Tabletten bekam ich mit auf den Weg...

War damit das Ende der Kotzerei angesagt? Schön wäre es gewesen! Ich lag also im Bett und schwitzte die Laken voll und fing bei jeder Flüssigkeitsaufnahme an zu weißen Schaum zu kotzen. Am nächsten Tag gestellte sich noch Sprühnebeldurchfall allererster Güteklasse und noch dazu hatte ich fast 40° Grad Fieber. Im Krankenhaus wurde mir dann von einer Schwester der Zugang gelegt und der Klinikarzt war ebenfalls überrascht über mein Alter - er scherzte, dass er den Kinderarzt schon holen wollte. ;-) Außerdem hätte ich schöne Augen. *hihi*

Ich lag dann in einem Einzelzimmer und mußte irgendwann dringend aufs Klo, der Rollwagen, an dem der Tropf hing, war bisschen langsamer als ich und so riss ich mir auf dem Klo den Zugang raus, was ein Blutbad im Bad zur Folge hatte. Glücklicherweise habe ich überhaupt kein Problem damit, Blut zu sehen, was mich jetzt fragen lässt, was Frauen eigentlich machen, die damit ein Problem haben und ihre Tage haben?

Ich hab dann nach den Schwestern geklingelt, die mir dann an der anderen Hand den Zugang neu legten und so konnte ich schlafen gehen.

Am nächsten Morgen kam eine Ärztin rein, begleitet von einer Pressesprecherin, die der deutschen Sprache kundig war. Die Ärztin, übrigens auch noch eine sehr junge, wollte übrigens gar nicht glauben, dass ich nicht hören kann und nach einem Test hat sie es auch endlich geglaubt. Auf meine Nachfrage, wieso sie mir das nicht geglaubt hat und ob die Gehörlosen in der Dom. Republik nicht reden könnten? Sie hat bestätigt, dass diese kaum reden und sich eigentlich nur über die Gebärdensprache
verständigen.

Der Urlaub wurde doch sehr schön trotz des miesen Start und noch heute vermisse ich die wilde Schönheit der Insel!

Mittwoch, 23. September 2009

CI-Werbefilm auf YouTube gefunden!

Der Film zeigt ein Elternpaar am Generalkrankenhaus in Wien, wo auch in großem Umfang das Cochlear Implantat (CI) implantiert wird.

Ich habe ja nichts gegen die Einstellung der Eltern von Sophie, aber mir gefällt es nicht, was die Mutter sagt:"Wenn mich heute Eltern von gehörlosen Kindern fragen, ob sie ihr Kind operieren lassen sollen, dann kann ich nur sagen: Schaut euch Sophie an, sie ist sprachlich ganz normal entwickelt, also es ist einfach der beste Weg."

Etwas später sagt sie noch, dass sie froh ist, dass Sophie das CI hat und auch wie ein normal hörendes Kind spricht und auch so entwickelt ist.

Etwas misslungen, der Satz! Könnte man in diese Richtung verstehen, dass gehörlose Kinder ich ohne ein CI nicht richtig entwickeln. Die Mutter vergisst total, das Sophie bei Abnahme des CI's taub ist und es auch bleiben wird. Was ist im Schwimmbad? Oder in anderen Situationen wie beim Sport, wo das CI Schaden nehmen könnte?

Außerdem kommt es auf viel mehr Faktoren an, ob die Implantierung zufriedenstellend verlaufen wird - man kann einfach nicht ein Kind zeigen und sagen :"Seht her, lasst eure Kinder operieren, der Erfolg ist garantiert." Niemand hat in dem Film gesagt, dass es im optimalsten Fall so laufen KANN wie bei Sophie.

Was ich auch noch interessant finde: Die Medizinische Hochschule Hannover taucht auf der Landkarte im Clip nicht auf - oder wurde sie etwas zu tief auf der Karte angezeigt? Die Medizinische Hochschule Hannover ist international bekannt für das weltweit größte Cochlear-Implantat-Programm.

Die Diskussion um das Cochlear Implantat wird immer ein Brennpunkt bleiben und Grabenkämpfe auslösen - beide Seiten müssten sich hier noch mehr in der Kommunikation miteinander üben.

Dienstag, 22. September 2009

Dialekt total!

Spaziergang mit 5 Hunden und Tante sowie deren Schwester.

Wieder mal führt Maja den Vorführeffekt von ihrem Gehorchsam prächtig vor oder lag es daran, dass sie äußerst bestechlich ist, sprich: "Keine Leckerlis zur Hand!"?!

Ich schimpfte sie lachend: "Du total verzogene Göre" und sah meine Tante und deren Schwester sich kringeln vor Lachen, nahm aber an, dass sie über den Vorführeffekt lachten.

"Du redest normalerweise gar keinen Dialekt, aber das Wort "total" sagst du total schwäbisch."

Das zu hören war ziemlich interessant, denn wer mich kennt, weiß dass ich öfters ohne CI unterwegs bin als mit - dass sich der Dialekt bei mir bei dem einen Wort so durchschlägt, hätte ich nicht gedacht.

Wie sich mein Gehirn diese Aussprache gemerkt hat? Mir schleierhaft.

Montag, 21. September 2009

ABI? ABI!

Nein, kein Abitur, sondern ein Hirnstammimplantat verbirgt sich hinter dieser Abkürzung: Auditory Brainstem Implant.

Gestern bekam ich eine sehr interessante Mail von einem ABI-Träger, der schon öfters mal hier seinen Senf per Commentarfunktion abgeben wollte, was aber nicht klappen wollte - die Ursache dafür habe ich immer noch nicht rausgefunden - und das eben nun per Mail getan hat!

Es war wirklich sehr interessant und ich wußte zwar schon seit längerer Zeit vom ABI, aber es war bei mir in Vergessenheit geraten, weil es eben nicht so populär ist wie ein Cochlear Implantat. Auch wegen der Richtlinie, dass ein ABI erst ab dem 15. Lebensjahr implantiert werden kann.

Der Unterschied zwischen dem ABI und dem CI ist, dass beim ABI der Hörkern direkt elektrisch stimuliert wird - beim CI wird das Innenohr elektrisch stimuliert.

Wikipedia hier hilft ganz schön weiter: ABI - Hirnstammimplantat

Ganz schön verrückt, was die moderne Medizin alles kann, was?

Sonntag, 20. September 2009

Ausbeute der deutschen Athleten bei den Deaflympics

Seit einigen Tagen sind die Deaflympics schon zu Ende und ich habe es ganz versäumt von der Medaillenausbeute zu berichten!

Ingesamt gab es 3 Goldmedaillen, 8 Silbermedaillen und 12 Bronzemedaillen für die deutschen Athleten - bei den Deaflympics vor 4 Jahren in Australien war man zwar erfolgreicher, dieses Jahr war die Konkurrenz etwas stärker.

Es gibt ein interessantes Video, woraus ersichtlich wird, das die gehörlosen Athleten in anderen Ländern stärker gefordert und auch stärker belohnt werden für eine Medaille:

Interview mit dem Präsidenten des deutschen Gehörlosen Sportverbandes.

Samstag, 19. September 2009

Die moderne Medizin kann vieles, aber nicht alles!

Einem gehörlosen oder schwerhörigen Menschen sieht man seine Behinderung nicht an, einem sehbehinderten Menschen schon.

Eine leichte Sehbehinderung kann durch eine Brille ganz gut ausgeglichen werden und ist auch gesellschaftlich gesehen sogar ein schickes Accessoire geworden.

Bis heute dachte ich, es sei leichter eine Taubheit zu "reparieren" mittels einem Cochlear Implantat, natürlich kommt es auf dem Menschen und sein Umfeld an, wie gut die Reperatur gelingt, als eine Blindheit zu reparieren.

Ich habe mich wohl geirrt - die moderne Medizin hat einer Blinden durch das Einsetzen eines Zahnes mit einer künstlichen Linse in ihr Auge tatsächlich ihr Augenlicht wieder herstellen können! Es wird berichtet, dass die Blinde nach 9 Jahren Blindheit wieder so gut sieht, dass sie sogar lesen kann.

Blinde kann dank Zahn im Auge wieder sehen

Der Anblick des getunten Auge ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, geht wohl nicht nur mir so, aber warum hat man eigentlich keinen künstlichen Augapfel nehmen können? Vielleicht weil der Zahn nicht abgestoßen werden kann?

Die Frau wird jetzt immer sehend sein, aber jemand der sich ein Cochlear Implantat verpassen lässt, wird immer taub oder schwerhörig bleiben. Die Fähigkeit zum Hören ist also viel größeres Wunderwerk - bis heute hat man die Hörfähigkeit nicht naturgetreu widerherstellen können.

Klar, ein Ertaubter wird in den meisten Fällen sagen, dass sich das Hören mit dem Cochlear Implantat sich wie früher anhört, aber doch nur, weil das Gehirn die Hörinformationen bereits abgespeichert hat und diese Erinnerung wieder anzapft - nicht das Implantat sorgt für das Gehör - sondern das Gehirn!

Ein Ertaubter kann also wohl nicht sagen, ob das Implantat WIRKLICH naturgetreu arbeitet.

Mich freut es für die Frau, dass sie wieder lesen kann und Sonnenaufgänge wieder betrachten kann.

Aber was das Cochlear Implantat und die Arroganz der modernen Medizin in der Gehörlosenkultur angerichtet hat, kann man nur schwer beschreiben.

Die Gehörlosenwelt ist eine eigene Kultur mit einer eigenen Sprache - keine andere Behinderung hat eine eigene Sprache hervorgebracht. Und keine andere Behinderung ist eigentlich so unproblematisch wie die Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit, denn wir sind gesund. Wir können halt alles, außer Hören.

Die Gehörlosigkeit/Taubheit wird aber von der Gesellschaft zu einem Makel gemacht, den es auzumerzen gilt mit Hilfe des Cochlear Implantats.

Ich kenne Fälle von gehörlosen und hörenden Eltern, denen man nahegelegt hat, sie sollten ihre gehörlosen Kinder implantieren lassen - sogar mit Androhung des Sorgerechtverlustes!

2006 war ich für eine Woche an der MHH Hannover untergebracht, weil ich eine etwas problematische Mittelohrenentzündung hatte, die einfach nicht verschwinden wollte und traf dort auf einen kleinen gehörlosen Jungen im Alter von 2 Jahren.

Der Kleine war wirklich sehr süß und echt witzig - ich fand heraus, dass er und sein Zwillingsbruder im Kinderheim leben. Beide hatten einen etwas schwierigen Start ins Leben, wurden zu früh geboren, daher resultiert auch die Gehörlosigkeit des einen Zwilings und seine anfänglichen Motorikprobleme, sein Bruder hat aber sonst keinen bleibenden Schaden abbekommen.
Der Junge war zur Vorsorgeuntersuchung auf ein Cochlear Implantat dort - die Betreuerin vom Jugendamt meinte, dass er dann bessere Chancen hätte auf eine Vermittlung in eine Pflegefamilie oder auf eine Adoption. Das Problem wäre, dass die Mutter eine Adoption der beiden bis heute nicht zugestimmt hätte und sie daher lediglich in eine Pflegefamilie kommen würden.

Aber welche Pflegefamilie würde schon einen gehörlosen Jungen wollen? Das war die Einstellung der Betreuerin, was mich traurig und wütend werden liess.

Der Kleine wurde für geeignet befunden und ist wohl implantiert worden. Heute frage ich mich immer noch manchmal, was aus dem Kleinen geworden ist. Haben sich seine Chancen tatsächlich verbessert in dem man ihn der Gesellschaft angepasst hat?

Ich wünsche es ihm so so sehr.

Warum kann die Gesellschaft nicht sagen, dass Behinderungen keine Behinderungen sind, sondern eine Gelegenheit sind, die eigene körperliche Unversehrtheit zu schätzen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen selbstverständlich werden zu lassen?

Versteht mich nicht falsch, ich finde es nach wie vor nicht schlecht, was die moderne Medizin alles kann, aber es muss auch eine Anpassung andersherum stattfinden!

Mittwoch, 16. September 2009

Deutschland, Deutschland - du Weltmeister

im Aussortieren von Menschen mit Behinderungen!

Vor einiger Zeit fand ich einen Artikel, der die Überschrift trug: "Deutschland - Weltmeister im Aussortieren von behinderten Menschen." Leider finde ich diesen Artikel nicht mehr, aber ich gebe die Suche nicht auf.

Inzwischen stiess ich auf einen anderen Artikel:

Integrationsschule: Ausgessondert auf zeit.de

Der Artikel ist ziemlich gut und er hat am Schluss einige interessante Links.

Aber nicht nur schulisch sondert Deutschland Menschen mit Behinderungen aus, sondern auch informationstechnologisch. Wie schon mal erwähnt, haben die Parteien des Bundestags zwar Gebärdensprachvideos online gestellt - 7 Jahre nach der Anerkennung der Gebärdensprache 2002 scheint sich das so langsam durchzusetzen, aber leider wird die Untertitelung zu 99% vergessen.

Auch den Blinden wird der Weg zu wichtigen Informationen erschwert oder abgeschnitten. Der BITV-Test vom Projekt BIK hat ergeben, dass die Websites der Parteien wie CDU/CSU, Grünen, FDP nur erschwert für Behinderte zugänglich ist. Wörtlich heißt es in dem Artikel:"Die Testergebnisse der CDU, FDP, Linkspartei und der Grünen sind so schlecht, dass davon ausgegangen werden muss, dass die Zugänglichkeit für behinderte Nutzer bei der Entwicklung der Parteienauftritte überhaupt keine Rolle gespielt hat. "

Einzig der Internetauftritt der SPD wurde mit "gut" bewertet.

Websiten der CDU/CSU, Grünen und FDP sperrt Menschen mit Behinderung aus.


Warum ist das so, dass der Zugang an Informationen für behinderte Nutzer im Internet und anderswo erschwert ist oder nur teilweise möglich ist?

Ganz einfach: Inklusion, also das normale Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten von Kindesbeinen an im Alltag findet in Deutschland kaum statt und damit auch keine Auseinandersetzung und eine Selbstverständlichkeit im Miteinander.

Bahnhöfe sind oft nicht rollstuhlgerecht, das ist bekannt - da wurde eine ziemlich blöde Richtlinie erschaffen, wieviele Ein- und Ausstiege ein Bahnhof haben muss, damit dieser mit einem Aufzug oder einer Rampe versehen wird. 1000 am Tag müssen es sein!

133 Millionen Euro haben der Bund, die Länder und die Bahn bereitgestellt, damit die Bahnhöfe saniert werden. Nur haben Behinderte oder Mütter mit Kinderwagen nicht oft etwas davon.

Steht alles in diesem Artikel: http://www.wdr.de/themen/verkehr/schiene/bahn/modernisierung/080617.jhtml

Gestern habe ich mir die Sendung "Quarks & Co" angeschaut, Thema der Sendung war "Was Karten verraten und wie sie lügen". Allein der Titel hat mich schon sehr neugierig gemacht und die gesamte Sendung war wie immer sehr gut gemacht und ich wollte das Sendungsthema eigentlich gesondert bloggen, aber es passt gerade so gut zu dem, was falsch läuft in Deutschland im Bezug auf den Umgang mit Menschen mit Behinderung.

http://www.wdr.de/tv/quarks/videos/uebersicht.jsp?medium=webtv
Der WDR hat übrigens ein ganz tolles Angebot: Web-TV mit Untertiteln und Gebärdensprachdolmetscher! Zwar nicht für alle Sendungen, aber für sehr viele Sendungen und ich nutze dieses Angebot auch sehr gerne.

Also, das Thema der Sendung war also "Karten". Heutzutage ist das altbekannte Streitthema zwischen Weiblein und Männlein dank dem Navigationssystem aus der Welt geschaffen. Aber was ist, wenn du im Rollstuhl sitzt und nicht alle Straßen rollstuhlgeeignet sind, so dass du nicht selbstbestimmt zu wichtigen Orten kommen kannst?

Da haben Freiwillige der Stadt Bonn die Stadt vermessen und mit einer Rollstuhlfahrerin die Routen beurteilt nach Geländefähigkeit für Rollstuhlfahrer und die Daten in OpenStreetMap eingetragen.

Ein schönes Projekt und ein großes Lob an die Freiwilligen, die diese Arbeit auf sich genommen haben und werden!

Aber: Wenn es selbstverständlicher wäre in Deutschland, dass man an Barreriefreiheit denkt, dann müsste man nicht hinterher für die Anpassung Geld ausgeben - Geld, welches man beim Bauen besser anlegen hätten können!

Es muss dringend ein Umdenken in Deutschland stattfinden in diesem Punkt!

Deutschland, Deutschland...

du bist eine stolze Industrienation und wirst als Land der Ideenköpfe gelobt. Nur leider meinst du manchmal deine guten Eigenschaften an der Haustüre abgeben zu müssen - um unser Gesundheitsystem und die soziale Markwirtschaft beneidet uns so mancher in der Welt, dennoch schaust du eher Amerika als Vorbild an als das europäiische Ausland - Stichwort: Mindestlohn.

Du bist Exportweltmeister - noch vor China!

Du bist aber auch Weltmeister im Aussortieren von Menschen mit Behinderungen! Das ist wirklich kein Weltmeistertitel, auf den man stolz sein kann.

Christiane vom Behindertenparkplatz hat da eine gute Zusammenfassung geschrieben, welche Art von Aussonderung Deutschland sich im Sommer 2009 geleistet hat, in einem einzigen Sommer, will heißen: Diese Fälle sind nichts besonderes mehr, denn es passiert tagtäglich. Tagtäglich werden Behinderte daran gehindert, selbstbestimmt zu leben zu dürfen.

Mich erinnert diese Praxis irgendwie an die Deutsche Bahn und ihre Art, Kinder und Behinderte aus den Zügen zu werfen mit fadenscheinigen Begründungen - Mitnahmegesetze vor dem allgemeinen Verantwortungsgefühl.

Kriegen die Schimmelreiter in den Ämtern auch irgendwelche Kopfprämien für jeden, den sie erfolgreich aussortieren konnten?

Hier also Christianes Zusammenfassung: Deutschland im Sommer 2009

Bei Not quit like Beethoven hat sich eine interessante Diskussion entwickelt, aus der Frage, ob Schwerhörige arrogant sind: "Sind Schwerhörige arrogant?"
Wenn man sich die Kommentare anschaut, wird einem klar, dass die Ämter über eine gewisse Einstellung verfügen, die sich aus einer gewissen Arroganz gegenüber Behinderten ableitet.


Ich könnte sovieles aufzählen, welche Einstellungen du neu justieren müsstet - jeden Tag.

Zum Beispiel war ich gestern auf dem Wahlkampf der Grünen. Jürgen Trittin sprach eine bewegende Rede - dank meiner ziemlich guten Ablesefähigkeiten konnte ich ziemlich viel verstehen.
Es war aber kein Gebärdensprachdolmetscher oder Schriftdolmetscher da - in den USA ist das längst eine Selbstverständlichkeit! Hier macht man es einfach nicht, weil man einfach nicht daran denkt - es gibt immer noch eine unsichtbare Mauer zwischen Behinderten und Nichtbehinderten!

Deutschland, Deutschland - wann änderst du dich in diesem Punkt endlich?

Freitag, 11. September 2009

Die Politik hat die Gehörlosen als mündige Wählerklientel entdeckt!

Derzeit erleben wir gerade eine Schwemme von politischen Gebärdensprachvideos sämtlicher Parteien.

Ich habe darüber schon so einiges gebloggt, hier eine kleine Auswahl:

Kleine Wahlhilfe nicht nur für Gehörlose&Schwerhörige
- hier hat der Landesverband der Gehörlosen in Sachsen einen Fragebogen an sämtliche Parteien geschickt - alle bis auf die CDU haben darauf reagiert und den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt. Die CDU hatte die Kraft dazu wohl nicht...

Politische Gebärdensprachvideos - hier hat die CDU den bekannten Gebärdensprachpoet Jürgen Endress für ihr Video enagiert und die SPD ebenfalls bekannte Größen aus der Gehörlosenszene: Dr. Christian Rathmann, welcher der erste gehörlose Professor in Deutschland ist und Dr. Weinmeister. Meine Kritik daran war, dass die Videos zu diesem Zeitpunkt lediglich gebärdet wurden und nicht mit Untertiteln versehen waren, damit auch weniger gebärdensprachkompetente Gehörlose und Schwerhörige etwas davon haben.

Heute hab ich mir mal das Vergnügen gemacht und geschaut, welche Parteien die Gehörlosen ebenfalls noch so entdeckt haben.

Kommen wir zur der FDP und zur DieLinke Auch sie haben ein Gebärdensprachvideos online gestellt und den gleichen Fehler begangen wie die CDU und die SPD - die Untertitel total vergessen!

Gebärdensprachvideo der FDP

Gebärdensprachvideo DieLinke

Der Preis für WIRKLICH 100% barreriefreien Gebärdensprachvideos geht an..... BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, denn sie haben als einzige Partei Untertitel mit eingeblendet! Die SPD hat zwar ihren Wahlwerbespot mit Untertiteln in ihrem Wahlwerbespot versehen, aber das reicht eben nicht!

Bitte genießen Sie mit mir 100% Barrierefreiheit: Aus der Krise hilft nur Grün!

Es gibt zwar auch ein anderes Video mit Gebärdensprache, wo die Untertitel ebenfalls vergessen worden sind, aber das fällt jetzt nicht so ins Gewicht, da es sich um eine kommunalpolitische Erklärung Ba-Wü's handelte.

Interessanter Kommentar unter dem Gebärdensprachvideo der Grünen von einem Gehörlosen: "Hier finde es Darstellerin als Dolmetscherin, werde ich nicht akpiziere! Weil für Deaf diskriminierung werden. Wo bleibt es als Darsteller von Gehörlosen?

Ich werde nie Grüne gewählt! "

Der Gehörlose hier hat sich hier von den prominenten Gehörlosenvertreter in den Videos der CDU und der SPD beeindrucken lassen, was ja auch nebenbei gewollt war von den Parteien. Meine Antwort habe ich ihm woanders bereits zukommen lassen - nämlich im Blog von Sarah Benke:
Bericht von Sarah Benke samt Gebärdensprachvideo.

Meine Antwort war also wie folgt:

"Toll, dass die Grünen ein wirklich barreriefreies Video zur Verfügung stellen: mit Untertiteln UND Dolmetschern! +

So haben wirklich alle Hörbehinderten etwas davon!

Man kann es auch übertreiben mit der Empfindung einer Diskrimination – es ist keine Diskrimination, dass die Grünen keine bekannte gehörlose Führungsperson gewählt haben, es spricht sogar für die Grünen.
Frage: Ist ein Parteienwerbespot mit NUR Gebärdensprache ein wirklich barreriefreies Video? Die Darstellung eines Promis ist besser als ein neutrales, aber wirklich 100% barreriefreies Video?! So ein Quatsch.
2. Bei der WAHL kommt es nicht DARAUF an, WER gebärdet, sondern WAS gebärdet wird. Es kommt auf den Inhalt an!

Also bitte Gehirn einschalten !"

Meiner Meinung nach lassen sich leider viele Menschen, nicht nur Gehörlose, davon beeindrucken, wenn sich jemand Prominentes politisch Farbe bekennt, dabei ist die Stimme eines Prominenten nicht weniger wert wie die Stimme eines Unbekannten. Es geht darum, was die Parteien für das Volk tun wollen und nicht, welcher Promi für welche Partei stimmt.

Denken muss man schon selbst - man muss schon selbst sich mit der Parteienlandschaft auseinandersetzen und die Partei finden, die mit den eigenen Wünschen soweit wie möglich übereinander stimmt.

Mir persönlich gibt es zu denken, dass die CDU, die vollmundig behauptet: "Wir haben die Kraft", nicht in der Lage ist einen simplen Fragebogen auszfüllen und an den Absender zurück zu schicken. Fehlt da die Kraft dazu?

Was mich unter anderem auch brennend interessiert: Wie ist das eigentlich passiert, dass die Parteien plötzlich die Gehörlosen als mündige Wahlklientel entdeckt haben? Leider scheint das Interesse etwas einseitig zu sein seitens der Parteien - sie produzieren Gebärdensprachvideos, vergessen aber alle bis auf die Grünen die Untertitel und lassen dabei noch etwas wichtiges unter den Tisch fallen: Warum werden diese Videos auch nicht im Fernsehen gezeigt? Hat man Angst mit diesen Videos die andere Wählerschar zu verschrecken?

Im Ernst: Viele private und öffentliche Fernsehanstalten begründen das Fehlen von Gebärdensprachdolmetschern und (festen - nicht selber einschaltbaren) Untertiteln damit, dass sie die Einbindung solcher störend auf die Zuschauer wirken könnte.

Gestern abend kam auf im "mag's" auf SR ein Bericht über die gehörlose Familie Ridder-Schmitt. Der Bericht war am Anfang mit einblendbaren Untertiteln untertitelt, dann wechselte man zu festen Untertiteln über, dann wurde aufeinmal nur noch gedolmetscht und die Untertitel fehlten im Gespräch mit der Pädagogin. Hier hat man alles in einen Topf geschmissen und wild rumgerüht. War das ein Test für die Zumutbarkeit des Zuschauers?

Zurück zur Politik: Untertitel und Gebärdensprache gehören ins Fernsehen und zwar in hoher Qualität.

Denn: Untertitel stellen Informationen sicher!

Die Barreriefreiheit im Fernsehen sollte so aussehen: Nachrichtensendungen mit Gebärdensprachdolmetschern UND Untertiteln.

Alle andere Sendungen sollten mit Untertiteln in hoher Qualität versehen werden, keine Vereinfachungen, keine Verkürzungen. Eben vollwertige 1:1-Untertitelung!



Samstag, 5. September 2009

Paralympics versus Deaflympics

Die Paralympics sind heute anerkannt im öffentlichen Gedächtnis und werden mittlerweile ganz selbstverständlich im Fernsehen übertragen und haben ihren Weg in die Berichterstattung der Zeitungen gefunden.

Doch was ist mit den Deaflympics? Kein Wort findet man dazu im Fernsehen. Heute war die Eröffnungsfeier - diese Spiele finden also in aller Stille statt. Google spuckt zwar mit dem Stichwort "Deaflympics" einige nette Berichte aus. Einige Berichte bemängeln auch die "Weigerung" der Medien den Deaflympics die gleiche Berichterstattung wie den Paralympics einzuräumen.

Die Deaflympics hätten diese Würdigung allemal verdient - denn sie sind das älteste Ereignis im Behindertensport - erstmals fanden diese 1924 in Paris statt. Dennoch blieben sie eine Randerscheinung unter den Veranstaltungen im Sport der Menschen mit Behinderungen. (Ich habe lange überlegt, ob ich Behindertensport schreiben soll, aber irgendwie klang das so abwertend und nicht gleichwertig mit "normalem" Sport.)

Ein alter Zirkusspruch sagt: "Der Applaus ist des Artisten Brot." Die gehörlosen Athleten aller Welt haben die gleiche Wertschätzung verdient wie die Athleten der Paralympics, die der Special Olympics aber auch!

Meiner Meinung nach ist es wichtig nicht nur über die Paralympics zu berichten, sondern auch über die Deaflympics oder über die Special Olympics, denn das hilft beim Brückenschlag zwischen Nichtbehinderten und Menschen mit Behinderungen.

Steffi Nerius, die derzeitige Weltmeisterin der Speerwerferinnen, die jüngst ihre Karriere beendet hat, betreut in ihrem Heimatclub den Behindertensport und betreute bei den Paralympics in Athen 2 Spitzensportler. Sehr sympahtischer Zug von ihr, denn öffentlich wird diese Förderung des Behindertensport zwar als sympahtisch wahrgenommen, aber darüber hinaus besteht kein Interesse daran.

Schade um diese vertanenen Chancen!

Artikel in der SZ über Christoph Bischlager!

Aktuell habe ich grad einen Bericht über Christoph Bischlager, den amtierenden gehörlosen Weltmeister der Zehnkämpfer gefunden, leider liegt mir nicht der ganze Artikel vor.

http://www.sueddeutsche.de/K5538d/3035806/Hohe-Ziele-in-Taipeh.html

Nett geschrieben, aber leider mit einiger Unkenntnis, auch wenn mir nicht der ganze Artikel vorliegt, denn der Satz hier entblößt die ganze Unkenntnis:

"Er kommuniziert mit seinem Trainingspartner Manuel Rapp mit Hilfe der Gebärdensprache. Oder sie erklären sich einfach gegenseitig die Hürdentechnik, indem sie sie sich vormachen. Wenn sie sich unterhalten, schauen sie sich nicht in die Augen, sondern auf die Hände."

Falsch. Gehörlose schauen sich absolut IMMER in die Augen während einer Unterhaltung. Fehlt der Sichtkontakt, wird das als eine Störung des Gesprächs empfunden bzw. als Zeichen, dass der andere ihm nicht zuhört. Auch ist das Mundbild und die Mimik ein unabdingbares Instrument der Gebärdensprache. Die Aufrechthaltung des Augenkontakts während einem Gespräch mit einem Gehörlosen ist für einen Hörenden am Anfang etwas verwirrend, aber es ist eine wertvolle Hilfe für den Gehörlosen zu wissen, ob man seinem Gespräch folgt.

Schade, dass die Medienschaffenden so unwissend sind oder nicht genau beobachten/recherchieren.

Montag, 31. August 2009

Fahrschule für Gehörlose

Hier gibt es einen sehr schönen Bericht der Frankfurter Allgemeine über eine Fahrschule für Gehörlose.

Ohne Worte erklären, wo es langgeht

An dem Artikel habe ich gar nichts zu bemäkeln. :-)

Die Deaflympics - Olympische Spiele abseits der Medien

Mit der Leichtathletik-WM und dem Golden-League-Meeting ist die Leichtathletik-Saison gelaufen und es gibt nichts mehr in dieser Richtung, was einer Erwähnung wert wäre? Oh doch! Nur finden diese in der "Stille" statt.

Die Olympischen Spiele der Gehörlosen starten in 5 Tagen in Taipeh/Taiwan und so ziemlich keiner außer den Gehörlosen wird sich für die Ergebnisse der Spiele interessieren, denn anders wie die Paralympics werden diese nicht im Fernsehen übertragen werden.

Schade um diese vertane Möglichkeit für Hörende tiefer in die Gehörlosenwelt einzutauchen und festzustellen, wie nicht nur der Sport sondern auch die Gebärdensprache die Athleten miteinander verbindet!

Die Leistungen der gehörlosen Athleten erreichen nicht selten das Niveau ihrer nichtbehinderten Kollegen.

Ich denke, eine angemessene Berichterstattung im Fernsehen und in den Zeitungen wäre auch für die hörenden Zuschauer interessant.

So schwierig dürfte das ja nicht sein - es fehlt nur an der Lust.

Hier noch eine interessante Seite über die Deaflympics - gestellt vom Deutschen Gehörlosen Sporverband:

Sonntag, 30. August 2009

Deaflympics-Berichte per Web-TV

Da hat sich der deutsche Gehörlosen-Sportverband etwas Tolles einfallen lassen mit der Homepage rund um die Deaflympics, sogar Web-TV wird angeboten.

Die Videos sind alle mit Gebärdensprache und Untertiteln versehen - wer also mal sehen möchte, wie sportliche Begriffe wie Leichtathletik gebärden werden, der kann das hier.

Auch kommen bekannte gehörlose Sportler im Video zu Wort, sei es der Zehnkämpfer Christoph Bischlager oder andere.

Und wer z.b. nicht wußte, dass das Bundesministerium des Innern für Sport zuständig ist, wird hier seinen Wissenstand erweitern können.

Deaflympics 2009 in Taipeh/Taiwan vom 05. September - 15. September 2009

Der amtierende Fußball-Weltmeister der Gehörlosen kommt aus...

Deutschland!

In einem spektulären Finalspiel gegen die Türkei setzte sich die Herren-Nationalelf der Gehörlosen Deutschlands mit 8:6 durch, das Spiel war hochklassig und dramatisch bis zur letzten Sekunde durch die Verlängerung und das anschliessende Elfmeterschiessen.

Es ist zwar schon ein Jahr her - das ganze ereignete sich im EM '08-Sommer in Griechenland, Patras, aber dennoch berichtenswert, da die Deaflympics vor der Türe stehen.

Die Nationalelf der gehörlosen Frauen Deutschlands holte den Vizetitel.

Beide Mannschaften sind bei den Deaflympis ernsthafte Favoriten auf den Olympiasieg. :-)

Ein Bericht vom Spiel findet sich hier zum Anlicken.

Samstag, 29. August 2009

Schutz vor Behinderten oder Schutz der Behinderten?

Christane vom Behindertenparkplatz, deren Blog ich schon mal als Leselektüre ans Herz gelegt habe, hat bei ihrem Deutschlandbesuch ein unfassbares Erlebnis gehabt bei einem Kinobesuch und darüber gebloggt:

Mein Recht auf Kino oder "Isch protestiere"

Kurzfassung: Ein Kinobesuch als Rollstuhlfahrerin sei ohne Begleitperson gegen die Sicherheitsvorschriften und vor allem dann, wenn es keinen Rollstuhlplatz im Saal gäbe - die Frage ist nur, ob eine Notausgangsreihe tatsächlich als Rollstuhlsplätze fungieren kann oder es überhaupt darf..

Es gab übrigens einen ähnlich gelagerten Fall für Gehörlose&Schwerhörige - einige Fluglinien erlauben Gehörlose&Schwerhörige nicht zu zweit oder in einer Gruppe zu fliegen, weil das gegen die Vorschriften seie. Aber alleine ist ein Mitflug ohne weiteres möglich.

Drei Gehörlose klagen Air Nostrum an, weil ihnen untersagt
wurde, ohne Begleitung zu reisen.


Ich erinnere mich an meine erste Flugreise alleine - auf meinem Ticket stand: "DEAF", was mir eine höhere Aufmerksamkeit des Flugpersonals einbrachte. Trotzdem habe ich bei weiteren Flugreisen auf diesen Buchungscode verzichtet, weil ich mich nicht der möglichen Situation aussetzen wollte, dass auf meinem Flug ebenfalls eine schwerhörige/gehörlose Person gebucht wird und es dann Probleme gibt aufgrund dieser lächerlichen Sicherheitslinie, die besagt, dass es einfacher seie sich im Notfall um eine einzelne gehörlose/schwerhörige Person zu kümmern als um mehrere.

Diese Sicherheitsrichtlinie beruht auch darauf, dass die Gesellschaft nicht wirklich viele Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung vorzuweisen hat, denn sonst wären eine solche Richtlinie nie aufgesetzt worden.

Übrigens: In Notsituationen reagieren Menschen übrigens nicht kopflos und egoistisch, hat eine Studie über die Opfer des 11.September und anderen dramatischen Situationen, herausgefunden. Die Überlebenden sprachen übereinstimmend darüber, dass man sich gegenseitig geholfen hätte und Mut zugesprochen hätte.

Kleine Wahlhilfe nicht nur für Gehörlose&Schwerhörige!

Eine tolle Aktion, die der Landesverband der Gehörlosen in Sachsen gestartet hat! Sie entwarfen einen Fragebogen und verschickten diesen an die großen Parteien wie CDU Sachsen, SPD Sachsen, Grüne Sachsen, FDP Sachsen, Linke Sachsen.

Hier kann man sich die Antworten der Parteien runterladen.

Alle Parteien bis auf eine haben geantwortet - die CDU Sachsen hat nicht darauf reagiert. Wie war deren Wahlslogan gleich noch mal? "Wir haben die Kraft." Offenbar nicht die Kraft dazu einen simplen Fragebogen auszufüllen und zurückzuschicken. Oder nicht die Kraft für die Gleichberechtigung? Oder nicht die Kraft für alle?

So kann man sich also ganz schnell ein Eigentor schießen, liebe CDU.

Natürlich hätte ich auch den Blogbeitrag mit den Worten "Die CDU hat keine Kraft für Behinderte." betiteln können und damit wäre ich wohl noch ziemlich gut gefahren mit den politischen Bashing, denn ich habe das Gefühl, dass der Wahlkampf bisher daraus besteht mit dem Finger auf die anderen Parteien zu zeigen und zu sagen: "Die da machen nur Mist." anstatt sich auf die eigenen Stärken zu besinnen.

Man schaue sich nur mal die Reaktionen auf das jüngste Wahlplakat der SPD an, wo eine Studentin, die an einer Privatuni studiert, dafür wirbt, dass Studiengebühren entfallen sollen.
Da merkten einige Leute an, dass Aussage und Plakatmotiv nicht ganz zusammenpassen: An einer Privatuni wäre das Studium ja deutlich teurer als an einer öffentlichen.

Ja und? Wenn man das mal weiter denkt, dann ist diese Recherche lächerlich. Man könnte das auch von einer ganz anderen Warte betrachten: "Warum hat sich die Dame für eine Privatuni entschieden?" Vielleicht, weil die Studiengebühren an normalen Unis nicht dafür ausgegeben werden, wofür sie gedacht werden...

Wie gesagt, mir geht das politische Bashing der einzelnen Parteien ziemlich auf den Keks - negative campaigning hat ja den Reps damals im Wahlkampf gegen Obama auch nicht geholfen, warum sollte es hierzulande funktionieren? Achja, ich vergass - George Bush W. Junior hat damals im Jahre 2000 die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei gegen McCain gewonnen, indem sein Team verlauten liess, die adoptierte (indische) Tochter McCains wäre seine leibliche Tochter und die Adoption sollte das verschleiern..

Mir hat übrigens der Fragebogen sehr geholfen bei der Wahlentscheidung - trotzdem wäre es für mich interessant, ob die Bundestagsfraktion der Parteien das Ganze genauso beurteilt wie die Landtagsfraktion.

Was meint ihr denn?

Dienstag, 25. August 2009

Ein Museum über die Geschichte der Gehörlosen&Schwerhörigen gibt es nun auch in Frankfurt!

Bernd Rehling, der Taubenschlag-Macher, schrieb über die Museumseröffnung einen Bericht:

Bilderbuchmuseum, Peinlichkeiten und Zukunftsträume

Im ganzen Internet fand ich nur eine einzige Pressemitteilung, vielleicht bin ich auch blind, aber dies hier ist der einzige Treffer, den Google mir ausgespuckt hat:

Frankfurt am Main: Eine Historie der Stille

Wer also mal in Frankfurt am Main ist und sich für eine stille Geschichte interessiert, der kann ja mal die Rothschildallee 16a besuchen, wo das Museum untergebracht ist.

P.S. Falls einer meiner Leser/innen das Museum besuchen möchte, würde ich mich freuen einen "hörenden" Museumsbericht hier zur Verfügung zu stellen dürfen!

Montag, 24. August 2009

Untertitel stellen Informationen sicher und sind daher ein Menschenrecht!

Sehr schön, wie Dr. Rathmann in dem Video argumentiert für 100% Untertitel:

Vergleich der Untertitel-Situation von Deutschland mit USA und England

Politische Gebärdensprachvideos!

Die Politik hat die Gehörlosen als Zielgruppe entdeckt und wirbt mit gehörlosen Prominenten.

Gibt's auch. Prominenten, die nur Gehörlosen bekannt sind innerhalb der Gehörlosen-Szene und einigen hörenden Szene-Kenner.

Da haben wir Jürgen Endress, einen Gebärdensprachpoet und vieles mehr, der von der CDU enagiert worden ist, um die politische Botschaft unter die Gehörlosen zu bringen per Videobotschaft. Online geschaltet wurden die Videos am 12.08.2009.

CDU-Botschaft auf YouTube präsentiert von Jürgen Endress


Und was tat die SPD? Zog nach und enagierte ebenfalls sehr bekannten Gehörlose, Prof Dr. Christian Rathmann, welcher der erste gehörlose Professor Deutschlands ist und Dr. Weinmeister.

SPD-Botschaft auf YouTube präsentiert von Prof. Dr. Rathmann und Dr. Weinmeister

Aber meine Kritik daran bleibt nicht aus: Schön und gut, dass die CDU und die SPD Videos mit Gebärdensprache zur Verfügung stellen, aber an Untertitel hat man nicht gedacht. Für weniger gebärdensprachkompetente und ältere Menschen wären diese optimaler gewesen.

Also, ich verstehe nicht, warum man nicht beides gleichzeitig angeboten hat. Dann wären diese Video wie beworben wirklich 100% barreriefrei!

Samstag, 22. August 2009

158 Athleten treten demächst für Deutschland an!

Wo denn? Na, bei den Deaflympics vom 05.September bis zum 19. September 2009 in Taipeh (China).

Ingesamt summieren sich die Athleten auf 2672 Personen aus 79 Ländern.

Ich weiß noch genau, wie ich bei der Eröffnungsfeier der Paralympics den Untertitel gelesen habe:"Das amerikanische Team ist das größte Aufgebot bei den jetzigen Paralympics."
Beim Lesen dieser Zeilen dachte ich mir folgendes: "Kein Wunder, da sind bestimmt viele aus dem Irakkrieg dabei."

Keine 5 Sekunden nach meinem Gedankengang sagte der Untertitler, dass jeder 4. aus dem amerikanischen Team ein Kriegsveteran seie und das das amerikanische Militär ein eigenes Paralympics hat für seine Soldaten.

Wie makaber. "Dir fehlt ja jetzt das Bein/der Arm/das Augenlicht, aber hey, du kanst ja jetzt bei den Paralympics für dein Land antreten!" Auf der anderen Seite bietet das Paralympcis-Programm das amerikanischen Militärs den Soldaten eine Chance den Lebensmut wieder zu finden, trotzdem ist es makaber, oder?

Zurück zu den Deaflympics: Gehörlose treten bei den Paralympics nicht an, da sie eher kommunikationsbehindert sind als körperbehindert sind im Gegensatz zu den anderen Athleten dort.

Bei den USA treten 144 Athleten an, interessant wäre es herauszufinden, wieviele davon wirkliche Gehörlose sind mit eben dieser Identität und welche davon Ertaubte/Schwerhörige aus dem Irakkrieg. Das amerikanische Verteidigungsministerium finanziert Tinnitusforschung mit bis zu 40 Millionen Dollar.

Von den 79 Ländern treten außer Deutschland und den USA nur noch Chinese Taipei mit 138 Athleten, Japan mit 154 Athleten, Russland mit 225 Athleten und die Ukraine mit 147 Athleten mit einem ähnlich großen Teilnehmerfeld an. Einen genauen Überblick gibt es hier:


Ich bin gespannt, ob in den Medien darüber berichtet werden wird - über die Olympischen Spiele der Gehörlosen!