Mittwoch, 15. April 2009

Kommunikationsmöglichkeiten der Gehörlosen vor dem digitalen Zeitalter

Auch hier kann ich sagen, dass ich keine typische Gehörlose bin - die damals typischen Möglichkeiten der Kommunikation für Gehörlose habe ich erst sehr spät genützt im Alter von 16 aufwärts. Internet gab es damals schon, aber es war erst ab 18 Uhr billiger. Erinnert sich noch wer daran? ;-)

Außerdem war es damals noch nicht flächendeckend verbreitet. Ich sass da also ab 18 Uhr vor dem PC und chattete mit meinen hörenden Freunde (damals hatte ich noch keine gehörlosen Freunde) und machte so die Termine aus. Spontan ging allerdings nichts, aber da wir im gleichen Ort lebten, war es weiter nicht so schlimm. Aber der Chat an sich ist genau das richtige für mich!

Die typischen Kommunikationsmittel vor dem digitalen Zeitalter des Internets und der Handys waren das Faxgerät und das Schreibttelefon. Das Faxgerät ist ja jedem bekannt, also muss hierzu keine Erklärung erfolgen.

Doch wie war das mit dem Schreibtelefon? Ich hatte keins, da ich bis zu meinem 17. Lebensjahr keine gehörlosen Freunde hatte, sondern nur hörende und ein paar schwerhörige Freunde hatte und mit denen löste ich das Problem so: Bei den schwerhörigen Freunden rief meine Mutter die Eltern an, falls deren Hörfähigkeit nicht ausreichte für ein eigenes Telefonat. Meine reichte nämlich nicht aus, bzw. nur in bestimmten Fällen. Aber davon wird ein anderes Mal berichtet.

Gottseidank verlebte ich meine Teenagerzeit in einem Internat und so musste meine Mutter nie bei meinem Objekt der Begierde anrufen - das wäre ja auch zu peinlich gewesen, ne?

Das Schreibtelefon wird ganz gut bei Wikipedia beschrieben, ausprobiert habe ich es nur einmal, obwohl ich die Idee dahinter toll fand. Nutzen hatte es für mich aber nicht - da ich wirklich damals noch keine gehörlose Freunde hatte. Und dann war das Faxgerät optimaler, weil schon vorhanden in der Familie. Auch das Internet war auf dem Vormarsch.

Kurze Zeit vor dem Durchburch das Handys war damals der Zweiwegepager unter den Schwerhörigen schwer im Trend - für die Gehörlosen war es damals allerdings nichts.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals noch handylos, die Handynummer meines ODB von ihm bekommen habe und mir das Handy meiner Tante auslieh und ihm smste. Daraufhin smsten wir stundenlang miteinander und ich benahm mich wie ein typischer Teenie mit entsprechendem Beschlag des Handys.

Im Sommer vor meinem 18. Geburtstag kriegte ich endlich mein eigenes Handy und es war optimal, weil wirklich jeder ein Handy hatte und meine Mutter zurück in ihre alte Heimat zog und ich ins Münchner Internat kam. Mein eigenes Handy bedeutete für mich grenzenlose Freiheit, selbständig Termine ausmachen und eben mal nur schnell nachfragen können ohne große Umstände..

Heute ist immer noch das Handy von elementarer Bedeutung, aber das Internet mit seinen Kommunikationsmöglichkeiten wie E-Mailaustausch, Chat und unzähliger Kommunikationsplattformen vereinfachten das Leben der Gehörlosen wirklich auf einen Schlag.
Noch nie war es so einfach wie heute in Kontakt zu treten miteinander und in Kontakt zu bleiben.

Jetzt komme ich zur der Frage per Kommentar: "lässt sich sowas wie videotelefonie eigtl. sinnvoll einsetzen? vmtl. nicht oder? ich meine jetzt videotelefonie am handy, in der üblichen UMTS-qualität."

Videotelefonie am Handy habe ich selbst noch nicht genützt, aber natürlich kommt es auf die Qualität an wie immer.
Ich könnte mir theorhetisch ein Bildtelefon finanzieren lassen von der Krankenkasse, aber ich brauche es nicht, da ich erstens nicht genügend gehörlose Kontakte mit Bildtelefon habe, damit es sich lohnt und eine gute Webcam und ein entspechendes Chatprogramm reicht mir völlig aus. Lippenlesen ist damit möglich, wenn die Übertragung in guter Qualität stattfindet. Aber meistens guckt man sich an und schreibt weiterhin. Also bei mir zumindestens. Ich schreibe während dem Videochat lieber als zu gebärden, aber wenn mein Gegenüber gehörlos ist, dann mache ich es auch. ;-)

Aber lebensnotwendig für die Gehörlosen vor dem digitalen Zeitalter war das Vereinsleben. Dort traf man sich regelmässig, dort erfuhr man allen notwendigen Klatsch und dort erhielt man auch Hilfe, falls welche benötigt wurde. Das ist auch der Grund, warum Gehörlose zusätzlich zu ihrem Schwerbehindertenausweis eine Wertmarke erhalten, mit der sie die (langsamen) Nahverkehrszüge der Bahn und alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei nutzen dürfen, damit sie zu ihren Vereinen oder zu ihren Partys fahren können. Natürlich können Gehörlose auch mit dem Auto fahren, sofern sie alt genug sind. Aber davor und sonst kommt dieser Freifahrtschein den Gehörlosen sehr zugute, denn man muss sich vor den Augen halten, dass nicht in allen Orten, vor allen auf dem Land, Gehörlosenvereine ansässig sind.

Die Orte, wo aktives Vereinsleben wie auch kulturell stattfindet, sind meistens auch dort, wo es Schulen und Berufsbildungswerke für Gehörlose& Schwerhörige gibt. Absolute Spitze ist München, wo regelmässig Veranstaltungen und legendäre Partys stattfinden.


1 Kommentar:

  1. Vergessen Sie die Videotelefonie über UMTS! Ich habe das mal ausprobiert: Man sieht einfach die Lippenbewegungen nicht. Beziehungsweise abgehackt und langsam. Zum Lippenlesen dürfte das viel zu schlecht sein. Der Bildschirm ist ja meist auch zu klein dafür.

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