Donnerstag, 11. Juni 2009

Ein Gedicht von meinem Lieblingsdichter Rainer-Maria Rilke

Die Stille

Hörst du Geliebte, ich hebe die Hände -
hörst du: es rauscht…
Welche Gebärde der Einsamen fände
sich nicht von vielen Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider,
und auch das ist Geräusch bis zu dir.
Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder…
…aber warum bist du nicht hier.

Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung
bleibt in der seidenen Stille sichtbar;
unvernichtbar drückt die geringste Erregung
in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.
Auf meinen Atemzügen heben und senken
die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke
entfernter Engel.
Nur die ich denke: Dich
seh ich nicht.

Rainer Maria Rilke

Sehr interessant, wenn man mal den geschichtlichen Hintergrund der Gehörlosenkultur betrachtet zu Rilkes Lebenszeit, er lebte von 1875- 1926: 1880 trat der Beschluss des Mailänder Kongress in Kraft - die Gebärdensprache wurde unterdrückt und in der Öffentlichkeit verboten.

Mich würde es interessieren, ob Rilke beim Dichten die Gebärdensprache wirklich vor den Augen hatte..

1 Kommentar:

  1. .. es kann schon sein, das Rilke bei diesem Gedicht die Gebärdensprache und die Verbannung derselben aus der Gesellschaft vor Augen hatte und damit auch seinen Protest zum Ausdruck bringen wollte ..
    .. er schrieb dieses Gedicht entweder noch oder direkt nach seiner Studeienzeit in München und der Beschreibung nach gehörte auch Rilke zu so genannten "Münchner Bohemmè" .. gerade diese Bohemmè setzte sich sehr kritisch mit der Gesellschaft und der Politik auseinander und die Kunst wurde dabei auch intrumentualisiert ..
    .. dashalb ist es zumindest für mich vorstellbar, das sich im direkten Umfeld von Rilke aus Gehörlose aufhielten, das sie genau wie er selbst als Künstler und Philosoph einer Randgruppe zu der Zeit angehörten ..
    .. Rilkes Vorteil dabei war, dass sich die "feine Gesellschaft", als Mäzen dieser Bohemmè, mit dieser Randgruppe schmückte ..
    .. es war schick einen Künstler zu "unterhalten", so war Rilke Liebhaber einer verheirateten Genearlstochter die selbst schon erfolgreiche Schriftstellerin war ..

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