Dienstag, 2. Juni 2009

Neugeborenen-Hörscreening sinnvoll?

Vom 01.01.2009 an ist ein Neugeborenen-Hörscreening für jedes in Deutschland geborene Baby direkt nach der Geburt Pflicht.

Die Absicht dahinter ist löblich: Schwerhörigkeit bzw. Gehörlosigkeit soll von der ersten Lebensminute an gefördert werden, denn es ist erwiesen, dass gezielte Förderung ab der Diagnose den Kindern etwas bringt.

Schwerhörige und Gehörlose Kinder sollen durch dieses Screening bereits in den ersten 6 Lebensmonate mit einem Cochlear-Implantat oder mit Hörgeräten versorgt werden anstatt wie bisher in den ersten 2 Lebensjahren, denn in diesem Altersbereich hat man bisher die verminderte oder nicht vorhandene Hörfähigkeit festgestellt.

Nur: Was bringt dieses Hörscreening wirklich?
Er wird rund 70.000 Elternpaare in helle Aufregung versetzen und den wichtigen Bindungsaufbau des Kindes in den ersten Lebenstagen an die Eltern stören, wenn nicht sogar unterbrechen, da die Eltern in einigen Fällen vielleicht so geschockt sein werden, dass sie sich gar nicht mehr mit dem Kind beschäftigen können/wollen.

Und im Endeffekt werden nur 800 Kinder von 70.000 Kindern wirklich schwerhörig/gehörlos sein. Beim Rest wird der Befund nur auffällig gewesen sein, da z.b. restliches Fruchtwasser den Gehörgang verstopft hat.

Meiner Ansicht nach bringt dieses Hörscreening nichts und untermauert den Leistungsdruck in der Gesellschaft nur noch - man soll gleich ab der Geburt vorzeigen können, dass alles in Ordnung ist.

ICH werde jedenfalls das Hörscreening für mein Kind nicht erlauben, mir ist es vollkommen wurscht, was mit seiner Hörfähigkeit ist oder eben nicht ist. Warum soll ich mich gleich nach der Geburt einer solchen Diagnose stellen, die höchstens zu 25% richtig ist aufgrund meines Hörstatus's?

Da sind doch ganz andere Dinge wichtig als sowas! Ich zumindestens lege Wert darauf, dass beim Baby alles funktioniert, was wirklich lebensnotwendig ist.

Interessanterweise habe ich einen Bericht in der Zeitschrift "Welt der Wunder" gelesen, wo Forscher nachgewisen haben, das alle Babys in den ersten 6. Lebensmonaten Sprache von den Lippen ablesen, d.h. Lippenleser sind. Man hat Babys mit der Muttersprache Englisch ein Video ohne TON vorgespielt, in dem die Leute auf Französisch sprachen. Das Interesse der Babys an dem Geschehen auf dem Bildschirm sank deutlich. Aber sobald die Forscher den Babys ein Video mit ihrer Muttersprache Englisch ohne TON vorspielten, stieg die Aufmerksamkeit der Babys erheblich.
Das Fazit der Forscher ist, dass in den 6. Lebensmonaten Sprache von den Lippen abgelesen wird und auch erst so wahrgenommen wird. Erst später nach dem 6. Monat übernimmt das Gehör das Kommando, falls das Baby nicht von Geburt an Gehörlos/schwerhörig ist.

Wer Interesse an dem Spiegelartikel hat, bitte hier draufklicken

Kommentare:

  1. .. die untersuchung bringt natürlich auch geld in die kassen der ärzteschaft, genauso wie die angeratenen und aber auch nicht ungefährlichen fruchtwasseruntersuchungen die heute fast schon standart geworden sind nicht nur unbedingt den risikogruppen angeraten werden ..

    .. und alles unter dem deckmantel: "bloß kein "behindertes"kind bekommen oder haben zu wollen .. zum glück gibt es diese untersuchung aber erst nach der geburt des kindes, sonst ........

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  2. Kleine Korrektur: Das Hörscreening ist keine PFLICHT. Es ist lediglich die Pflicht der Ärzte, es den Eltern anzubieten sowie der Krankenkassen, es zu bezahlen. Die Eltern dürfen frei entscheiden, ob sie es durchführen lassen. (Das die Aufklärung in aller Regel eher bescheiden ist, ist leider die Realität.)

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