Dienstag, 2. Juni 2009

Wieder mal eine Zeitungskritik - diesmal geht sie an "DerWesten".

Das Portal "DerWesten" hat einen Bericht über gehörlose Eltern gebracht - getwittert wurde so:
"Gehörlose Eltern mit kerngesundem Kind - eine Familie im Video-Portrait. http://www.derwesten.de/961dLS"

Diese Wortwahl stößt mir schon etwas sauer auf, denn die Wortwahl mit "kerngesund" ist doch eine gewisse Überbetonung, dass mit dem Kind, WEIL es hörend ist trotz gehörloser Eltern, alles in Ordnung ist. Für gehörlose Eltern wäre das Kind, egal welchen Hörstatus es hätte, trotzdem kerngesund, weil sie eben keinen Unterschied machen. Es ist auch nichts besonderes, dass gehörlose Eltern ein hörendes Kind kriegen. Passiert oft genug.

Dann geht's weiter im Artikel: "
Für gehörlose Paare ist es viel selbstverständlicher und problemloser, ein Kind zu bekommen, als Nichtbehinderte gemeinhin denken”, weiß Regina Schuster-Golembe vom Landesverband der Gehörlosen (Essen). Im Säuglingsalter sei zwar besondere Fürsorge erforderlich: „Wer sein Baby nicht schreien hört, muss halt stets in Sichtkontakt sein.” Doch je älter der Nachwuchs wird, desto einfacher gestalte sich der Alltag in der Familie. „Die Kinder erlernen die Gebärdensprache. Schon früh eignen sie sich einen großen Wortschatz an, der die Kommunikation mit Mama und Papa möglich macht.”

Der Prolog der Frau Schuster-Golembe vom Landesverband der Essener Gehörlosen klingt ganz gut, aber dann wirds haarsträubend: Wer sein Baby nicht schreien hört, muss halt stets in Sichtkontakt sein?!
Natürlich ist Sichtkontakt erforderlich, aber nicht ständig, wenn man schläft, ist man ja auch nicht in Sichtkontakt, oder? Aber ich möchte gerne die Sichtkontakt-Erklärung weiter unten erset zusammenfassen, denn im Artikel kommt noch etwas vor:

"Ihr Dasein hat Mia in ihrer ersten Nacht im Stubenwagen lautstark demonstriert. Für alle hörbar. Nur nicht für die Eltern. „Sie ist in einem Zwei-Stunden-Rhytmus wach geworden, wollte an Mamas Brust”, berichtet Oma Margrit. Die war es auch, die jedesmal aufgestanden ist, um ihre Schwiegertochter aus dem Schlaf zu holen."


Schön, dass die Oma so aktiv mithilft bei der Erziehung und Pflege der kleinen Mia - aber: Die Oma selbst müsste nicht jede Nacht aufstehen und die Kindesmutter wecken, da es Lichtsignalanlagen gibt mit intregiertem Wecker und Babyphon. Das Babyphon wird ans Babybett gelegt, sobald das Kind schreit, werden die Eltern mittels Vibrationskissen und/oder Lichtblitzen geweckt und können sich selbstständig um das Kind kümmen. So läuft es in vielen Gehörlosen-Familien ab.

Der Sichtkontakt ist sowieso, wenn die Eltern wach ist, die ganze Zeit hergestellt und solange ein Baby nicht krabbeln kann, kann man es ruhig auf einer Decke liegen lassen, wenn man z.b. mal kurz aufs Klo muss.

Meiner Meinung nach wird hier im ganzen Artikel unterschwellig der Eindruck geweckt, dass es für gehörlose Eltern schwieriger seie als für normalhörende Eltern voll und ganz auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen und daher auf Hilfe von außen angewiesen sind.

Dieser Eindruck schmeckt mir einfach nicht, weil er schlicht und einfach nicht stimmt durch die Bank hindurch. Ich kenne genügend junge Gehörlose in meinem Alter, die selber Kinder haben und diese ganz selbstverständlich erziehen und dabei keine Aufsicht oder Hilfe von außen benötigen.

Dann gibt es hier noch diesen Artikel vom "DerWesten" vom 20.03.2009:
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/hagen/2009/3/20/news-114962311/detail.html

Da ist ein kleiner Fehler drinnen:" Und die Gebärdensprache, die sie gelernt hat, ist zwar hilfreich, aber nicht optimal. „Die ist auf 4000 Wörter beschränkt und konzentriert sich aufs Wesentliche. Da fehlt einfach vieles wie auch Fachausdrücke.”

4000 Wörter? Etwas wenig in der Tat. Die Zahl stimmt aber auch nicht, denn soweit ich informiert bin, sind es etwas mehr, wenn ich mich nicht irre, sogar 40.000! Ich werde hier noch einen Nachtrag einstellen. ;-)

Noch ein Artikel vom "DerWesten" vom 29.01.2009:
"Ich bin zwar gehörlos, aber nicht geistig behindert!"
Da habe ich nichts zu beanstanden. :-)

1 Kommentar:

  1. .. irgendwie hat ja "DerWesten" fast glück gehabt .. zu einem großen teil ist ja der artikel doch gelungen und die kritik die man daran üben kann, muss man wohl auch zu großen teilen den beteiligten personen anlasten .. vielleicht liegt es an der erzeihung, dass die "gehörlose" mutter sich so auf die hilfe ihrer "hörenden" mutter verlässt .. für mich ein zeichen von anerzogener unselbständigkeit ..

    .. die technischen möglichekeiten sin heute so riesig, dass man nicht unbedingt die hilfe eine "hörenden" person braucht .. vibrationsalarm über microfonauslösung .. nässesensoren fürs bett bis hin zur herzschlagüberwachung gegen den plötzlichen kindstod .. alles vorhanden und mit sicherheit auch in solchen fällen nutzbar ..

    .. so hat die oma aber einen grund für sich ihre wichtigkeit unterbeweis zu stellen.. klarer fall vdavon, dass man behinderte auch machen kann!

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