Sonntag, 12. Juli 2009

Die erste gehörlose Abgeordnete im österreichschen Nationalrat und eine Kritik an der BILD-Zeitung!

Am 10. Juli gab es eine Premiere im österreichschen Nationalrat:

Die erste gehörlose Abgeordnete wurde vereidigt. Die Frau, die dies erreicht hat, heißt Helene Jarmer und sie gehört den Grünen an.

Die Bild hat auch darüber berichtet und schreit gleich hinaus, dass 6 Dolmetscher für Jarmer bereitstehen, was natürlich in den Kommentaren gleich als Steuergeldverschwendung angesehen wird aufgrund der Unwissenheit über die Gehörlosenwelt und Gebärdensprachdolmetscher.

6 Dolmetscher für Jarmer - der Bericht bei BILD

Der Beruf eines Dolmetschers ist sehr anstrengend - kein Dolmetscher, egal welcher Lautsprache, wird es schaffen, länger wie eine Stunde fehlerfrei zu dolmetschen. Man stelle sich mal bei der UNO übermüdete Dolmetscher vor - die Fehler wären fatal.

Bei der Gebärdensprache kommt hinzu, dass man Lautsprache in Fingerbewegungen plus Körpersprache simultan und übersetzen muss und dazu noch vieles andere beachten muss. Gebärdensprachdolmetscher können sich während ihrer Dolmetschertätigkeit NICHT hinsetzen, da sie für alle im Saal gut sichtbar sein müssen, damit auch jeder etwas vom Dolmetscher hat.
Bei Jarmer kann der Dolmetscher, wenn Jarmer spricht, sich hinsetzen, aber wenn andere Abgeordnete sprechen, wird der Dolmetscher neben dem Sprecher stehen.

Es ist üblich, dass bei einem Vortrag in der Regel mindestens 2 Gebärdendolmetscher anwesend sind, die sich dann alle 30-45 Minuten abwechseln, damit der Dolmetscher kurzzeitig entlastet ist und die Qualität des Gedolmetschen hochwertig bleibt.

Wenn also die Bild schon lautstark gleich im zweiten Absatz kundtut, dass Jarmer 6 Dolmetscher zur Verfügung hat und damit unterschwellig suggestiert, dass es eine Verschwendung der Steuergelder seie, ist das behindertenfeindlich. Damit rückt sich die "Volkszeitung" BILD in die Ecke der Nationalsozialisten, die mit ihrer Kosten-Nutzen-Analyse damals die Euthanasierung Behinderter als legitimes Mittel in der Bevölkerung durchsetzte. Die Kommentare unter dem Bildartikel erklären sich dadurch von selbst. Doch auch in Österreich sorgte ein Leserbrief Anfang Juni 2009 für Wirbel - ein Leserbrief erschien in der "KRONE" mit folgenden Worten:

"Helene Jarmer und die EU-Wahl!

Ein Beitrag in der Sendung der ORF-Sendung „Report“ betraf die gehörlose Helene Jarmer, welche für die Grünen nach der WU-Wahl für Frau Ulrike Lunacek ins Parlament einziehen soll. Vorangeführt möchte ich ausführen, dass ich es nicht als falsch empfinde, wenn Personen trotz einer Behinderung in der Politik (oder auch Wirtschaft) nach vorne kommen und mitgestalten. Ziemlich am Ende des ORF-Beitrags wurde Parlamentspräsidentin Prammer zum Thema interviewt.

Und dann hat es mir als Steuerzahler schon einen Schlag versetzt. Die Dolmetschkosten werden von Frau Prammer auf 200.000 Euro pro Jahr geschätzt. Eine Legislaturperiode dauert für gewöhnlich fünf Jahre. Macht Dolmetschkosten von gesamt 1.000.000 Euro aus.
Die Frage muss erlaubt sein, wer diese Summe bezahlt. Frau Jarmer, der Steuerzahler oder vielleicht doch die Grünen? Wetten, der Steuerzahler bleibt übrig.

Hier gäbe es einmal die Möglichkeit durch die EU-Wahl wirklich Steuergeld zu sparen. Nicht die Grünen wählen. Dadurch Lunacek nicht nach Brüssel, sondern verbleibt im Parlament. Jarmer kommt dadurch nicht ins Parlament. 1.000.000 Euro an Steuergeld gespart.

Christian Weber, Lutzmannsburg"

Dieser Leserbrief zeigt wirklich, dass UNWISSENHEIT und daraus resultierende Nichttoleranz einfach das schlimmste ist, was im zwischenmenschlichen Leben auf allen Ebenen auslösen kann. Hier ist noch viel zu tun und die ersten positiven Signale auf hochrangiger politischer Ebene werden die gehörlosen Abgeordneten Helene Jarmer in Österreich im Nationalrat und Dr. Ádám Kósa im Europaparlament machen!

Dieser Leserbrief wurde hier veröffenetlicht und Stellungsnahmen dazu:

Das ist behindertenfeindlich!

Aber es gibt auch ein schönes Interview mit Jarmer und sogar ein You-Tube-Video von ihrer Antrittsrede:

Interview mit Jarmer im BIZEPS

1 Kommentar:

  1. Bitte stell den Leserbrief durch blockquote oder kusiv ein wenig frei damit man ihn besser von deinen Text unterscheiden kann.

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