Sonntag, 16. August 2009

Es herrscht eine Art Kriegszustand zwischen dem deutschen Fernsehen und den Gehörlosen

Nein, nicht hauptsächlich wegen der fehlenden Untertiteln im Fernsehen - wie schon berichtet, liegt die Untertitelquote im deutschen Fernsehen bei 10,9% vom gesamten Programm.

Gehörlose sind immer ein interessantes Thema im Fernsehen - die Vorstellung, nicht hören zu können, ist für Hörende immer sehr weit weg.

Was die Fernsehreportage angeht, gibt es eine spezielle Problematik: Das Fernsehen interessiert sich reportagentechnisch für Gehörlose, aber nicht, wenn es darum geht, etwas für Gehörlose zu tun. Es gab in der Vergangenheit oft genug Reportagen über Gehörlose, aber dann wurden die nicht mal mit Untertiteln ausgestrahlt.

Das hat dazu geführt, dass Gehörlose sich in Zukunft nicht mehr für das Fernsehen zu Verfügung stellen werden, sofern keine 100% Garantie vorliegt, dass Untertitel oder/und Gebärdensprach-
dolmetschereinblendung zur Verfügung gestellt werden.

Ich bedauere es sehr für beide Seiten, dass die jetzige Situation so ist wie sie ist aufgrund der Tatsache, dass Reportagen über Gehörlose im Fernsehen meistens ÜBER Gehörlose waren und nicht MIT und FÜR Gehörlose.

An der Situation könnte sich nur etwas ändern, wenn das Fernsehen sich auf die Bedürfnisse der Gehörlosen einstellt oder Untertitel und/oder Dolmetscheinblendungen garantiert werden für die Reportage und im gesamten Fernsehen.

Kommentare:

  1. "Ich soll über fehlende Untertitel reden im Fernsehen, der Fernsehsender kann aber nicht 100% zusichern, dass der Beitrag über mich auch untertitelt wird. Wenn ich doch absage, verpasse ich die Chance, dass sich daran was ändert."

    könntest du nicht deine Antworten beim Interview zeitgleich in Gebärdensprache geben? Ich denke du solltest die Chance auf jeden Fall nutzen.

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  2. Das ist es ja - ich kann zwar gebärden, aber nicht perfekt. Der Gehörlose Fernsehzuschauer ist also gezwungen sich anhand meiner Antworten die Fragen zusammenreimen - das will ich nicht, denn das machen Gehörlose einfach JEDEN TAG.

    Es ist eine Chance, das weiß ich. Vielleicht merkt der Sender dann doch, dass es ein Widerspruch ist, wenn sie mich über fehlende Untertitel reden lassen, aber selbst nicht untertiteln.

    Ich will nicht in die Situation kommen: "Fass dich doch mal an die eigene Nase - du kritisierst Fernsehsender aufgrund fehlender Untertiteln, aber kriegst es selbst nicht fertig, dass sie den Beitrag über dich untertiteln."

    Aber ich will auch nicht DIESE Chance verstreichen lassen über die Untertitelsituation im Fernsehen zu berichten.

    Es ist ein einfach ein Dilemma!

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  3. Nutze die Chance! Stelle Deinen Fuß in die Tür! Dränge nochmal auf die Untertitel; falls sie Dir nicht zugesagt werden, dann erwähne im Interview, "dass leider dieser Beitrag wie auch viele andere im deutschen TV von Gehörlosen nicht verfolgt werden kann." Jedoch erreichst Du gar nichts, wenn Du Dich vor dieser offenen Tür wieder umdrehst.

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  4. Da hast du recht, Andreas.

    Aber es gibt ja auch noch die Schneidfunktion - sowas ganz gut herausgeschnitten werden.

    Der Beitragsmachende des Senders und ich haben uns übrigens auf die Linie geeignet: Ohne Untertitel kein Beitrag. Er steht also auf meiner Seite.

    Morgen weiß ich, ob gefilmt wird oder nicht.

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