Freitag, 21. August 2009

"Insel der Gehörlosen" - Teil 2

Not quit like Beethoven hat mir nen Blogcommentar hinterlassen zum Beitrag über die Insel der Gehörlosen :

"Das ist ja mal ein interessanter Hinweis - danke!

Zu deinem letzten Satz allerdings: Wahrscheinlich meinst Du mit "Paradies" ja nur dass dort so ziemlich jeder gebärden konnte. Das kann ich nachvollziehen. Ansonsten aber finde ich so Insel-Träume sehr zwiespältig. Klar, jeder ist mal reif für die Insel. Die Umgrenztheit, Abgeschlossenheit und auch Homogenität von Inseln hat die Menschheit ja schon wohl schon immer fasziniert. Aber es hat auch was Ghettohaftes. Und das finde ich ist keine Lösung."

Ich hab mich ja noch nie als die typische Gehörlose bezeichnet, kann ich auch gar nicht, denn ich betone nochmals an dieser Stelle, dass die Gebärdensprache NICHT meine Mutterssprache ist und es auch nie sein wird, daher träume ich auch nicht von einer solchen Insel für Gehörlose aus eben diesem Grund. Ich habe den Satz viel mehr so geschrieben und so gemeint, das ich weiß, dass die MEISTEN Gehörlosen diesen Wunsch haben, denn sie schaffen sich ja überwiegend ihre eigene Welt, in der sie ja auch leben. Außerhalb der Arbeit und bis auf einige andere Ausnahmen haben die meisten Gehörlosen wirklich absolut keinen Kontakt mehr zu der hörenden Welt.

Für mich stellt sich diese Frage nicht, ob ich auf einer solchen Insel leben möchte. Viel mehr stellt sich die Frage für mich, ob man wirkliche Gleichberechtigung erreichen kann heutzutage und auf welchem Weg.

Nehmen wir mal als Beispiel die Stadt München - ich glaube, wenn die Gehörlosen alle mit einem "Judenstern" durch die Stadt gehen müssten, dann wären die Hörenden erstaunt, dass es soviele sind. Aber wieviele Hörende in München kennen selbst Gehörlose? München hat einen Kindergarten sowie Schule für Schwerhörige&Gehörlose in Johanneskirchen mit Internat, die Gehörlosenschule in Laim, die Gehörlosenschule in München-Pasing, ebenfalls mit Internat und das Gisela-Gymnasium, wo Hörende, Gehörlose und Schwerhörige gemeinsam zur Schule gehen. Und ein Berufsbildungswerk für Gehörlose und Schwerhörige mit Internat.

Die Frage, warum hörende Menschen in München eher selten mit Gehörlosen in Berührung kommen, lässt sich auch einfach erklären: Bis auf das Berufsbildungswerk liegen die Internate gleich neben der Bildungsanstalt. Man könnte das schon als sehr ghettoisiert bezeichnen und darüber diskutieren, ob das nun gut oder schlecht ist.



Kommentare:

  1. Das mit der eigenen Welt kann ich aus Erfahrung abschwächen, denn ausgerechnet in meiner jetztigen Firma arbeitete vor ein paar Jahren eine gehörlose Gestalterin. Sie konnte halbwegs verständlich sprechen, was wahrscheinlich bedeutet, dass sie nicht so geboren war, aber in Kombination mit ihrer Fähigkeit Lippen zu lesen konnte sie sich weitestgehend normal unterhalten, wenn man ein bisschen darauf Rücksicht nahm nicht zu schnell zu reden und sie dabei anzusehen. Ich sehe natürlich auch ein, dass diese Fähigkeiten nur einem Teil der Tauben gegeben ist, die sich auf diese Weise gegen eine Isolation wehren.

    Ich habe vor 2 Jahren die Chance verpasst, an einer Schule für Gehörlose in der Nachbarschaft Gebärdensprache zu lernen. Dennoch finde ich das nach wie vor sehr interessant. Auf der einen Seite gibt es einem die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen auszutauschen, was mich auch an allen anderen Sprachen fasziniert. Zum Anderen ist der Clou an Gebärdensprache ja der, dass man nonverbal kommunizieren kann. Klar, das ergibt sich von selbst, aber die wenigsten "Hörenden" können sich vorstellen, unter Wasser oder durch Glasscheiben miteinander zu reden.

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  2. Hi Jule, also nur dass die Internate gleich neben der Bildungsanstalt liegen würde ich noch nicht als ghettoisiert bezeichnen. Das wär dann schon ein wenig Banalisierung des Wortes. (Es sei denn man will Internate als Ghettos bezeichnen ;-) Das betrifft dann aber alle Internate)
    Übrigens ich hatte Dich in dem vorigen Post auch nicht so verstanden, dass Du dort *Deinen* Traum beschrieben hättest.

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