Mittwoch, 23. September 2009

CI-Werbefilm auf YouTube gefunden!

Der Film zeigt ein Elternpaar am Generalkrankenhaus in Wien, wo auch in großem Umfang das Cochlear Implantat (CI) implantiert wird.

Ich habe ja nichts gegen die Einstellung der Eltern von Sophie, aber mir gefällt es nicht, was die Mutter sagt:"Wenn mich heute Eltern von gehörlosen Kindern fragen, ob sie ihr Kind operieren lassen sollen, dann kann ich nur sagen: Schaut euch Sophie an, sie ist sprachlich ganz normal entwickelt, also es ist einfach der beste Weg."

Etwas später sagt sie noch, dass sie froh ist, dass Sophie das CI hat und auch wie ein normal hörendes Kind spricht und auch so entwickelt ist.

Etwas misslungen, der Satz! Könnte man in diese Richtung verstehen, dass gehörlose Kinder ich ohne ein CI nicht richtig entwickeln. Die Mutter vergisst total, das Sophie bei Abnahme des CI's taub ist und es auch bleiben wird. Was ist im Schwimmbad? Oder in anderen Situationen wie beim Sport, wo das CI Schaden nehmen könnte?

Außerdem kommt es auf viel mehr Faktoren an, ob die Implantierung zufriedenstellend verlaufen wird - man kann einfach nicht ein Kind zeigen und sagen :"Seht her, lasst eure Kinder operieren, der Erfolg ist garantiert." Niemand hat in dem Film gesagt, dass es im optimalsten Fall so laufen KANN wie bei Sophie.

Was ich auch noch interessant finde: Die Medizinische Hochschule Hannover taucht auf der Landkarte im Clip nicht auf - oder wurde sie etwas zu tief auf der Karte angezeigt? Die Medizinische Hochschule Hannover ist international bekannt für das weltweit größte Cochlear-Implantat-Programm.

Die Diskussion um das Cochlear Implantat wird immer ein Brennpunkt bleiben und Grabenkämpfe auslösen - beide Seiten müssten sich hier noch mehr in der Kommunikation miteinander üben.

Kommentare:

  1. Irgendwann wird Sophie merken, dass ihre Eltern die Behinderung nicht akzeptiert haben. Das kann man in dem Film wunderbar sehen. Und das CI wird auch so verkauft: Es nimmt die Behinderung weg. Das CI ist aber ein Hilfsmittel und kein Behinderungsentferner. So krass das klingt, aber ich glaube, für viele Kinder und Erwachsene ist es schlimmer festzustellen, dass die Eltern einen, so wie man ist, nicht akzeptieren als die eigene Behinderung.

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  2. Hm, also ich will mich hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, was die Eltern akzeptieren und was nicht. Man kriegt ja die Geschichte, wie es damals war und heute ist, hier nur sehr bruchstückhaft und nach Maßgabe der Filmemacher mit. Ihre Aussagen könnten deutlich differenzierter gewesen und man weiß auch nicht auf was genau sie antworten und was schon gesagt wurde.

    Ich finde eher grundsätzlich bei medizinischen Imagefilmen die Verwendung von Betroffenen-Testimonials problematisch. Das ist immer Gefühlsmanipulation.

    Re. MHH -- Ich denke, das liegt einfach daran, dass das ein anderer Klinikverbund ist. Arbeitet halt nicht jeder mit jedem zusammen, geschweige denn gerne.

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  3. Hast du den Beitrag über die gehörlose Parlamentsabgeordnete in der Online Ausgabe der TAZ gelesen? Es gibt einen Filmbeitrag dazu, wie sie in Gebärdensprache ihre Rede vor dem Parlament hält. Sehr beeindruckend.
    Schau mal hier: http://tinyurl.com/y9mpf5j

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  4. Hast du den nun gelesen? Der Beitrag ist doch interessant, oder nicht?
    Antwortest du denn nicht auf Kommentare?

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  5. Doch, liebe Svenja - ich antworte schon darauf. :-)

    Ich habe den Bericht gelesen und über Helene Jarmer habe ich längst gebloggt. ;-)

    http://meinaugenschmaus.blogspot.com/2009/07/die-erste-gehorlose-abgeordnete-im.html

    lg, jule

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