Mittwoch, 16. September 2009

Deutschland, Deutschland - du Weltmeister

im Aussortieren von Menschen mit Behinderungen!

Vor einiger Zeit fand ich einen Artikel, der die Überschrift trug: "Deutschland - Weltmeister im Aussortieren von behinderten Menschen." Leider finde ich diesen Artikel nicht mehr, aber ich gebe die Suche nicht auf.

Inzwischen stiess ich auf einen anderen Artikel:

Integrationsschule: Ausgessondert auf zeit.de

Der Artikel ist ziemlich gut und er hat am Schluss einige interessante Links.

Aber nicht nur schulisch sondert Deutschland Menschen mit Behinderungen aus, sondern auch informationstechnologisch. Wie schon mal erwähnt, haben die Parteien des Bundestags zwar Gebärdensprachvideos online gestellt - 7 Jahre nach der Anerkennung der Gebärdensprache 2002 scheint sich das so langsam durchzusetzen, aber leider wird die Untertitelung zu 99% vergessen.

Auch den Blinden wird der Weg zu wichtigen Informationen erschwert oder abgeschnitten. Der BITV-Test vom Projekt BIK hat ergeben, dass die Websites der Parteien wie CDU/CSU, Grünen, FDP nur erschwert für Behinderte zugänglich ist. Wörtlich heißt es in dem Artikel:"Die Testergebnisse der CDU, FDP, Linkspartei und der Grünen sind so schlecht, dass davon ausgegangen werden muss, dass die Zugänglichkeit für behinderte Nutzer bei der Entwicklung der Parteienauftritte überhaupt keine Rolle gespielt hat. "

Einzig der Internetauftritt der SPD wurde mit "gut" bewertet.

Websiten der CDU/CSU, Grünen und FDP sperrt Menschen mit Behinderung aus.


Warum ist das so, dass der Zugang an Informationen für behinderte Nutzer im Internet und anderswo erschwert ist oder nur teilweise möglich ist?

Ganz einfach: Inklusion, also das normale Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten von Kindesbeinen an im Alltag findet in Deutschland kaum statt und damit auch keine Auseinandersetzung und eine Selbstverständlichkeit im Miteinander.

Bahnhöfe sind oft nicht rollstuhlgerecht, das ist bekannt - da wurde eine ziemlich blöde Richtlinie erschaffen, wieviele Ein- und Ausstiege ein Bahnhof haben muss, damit dieser mit einem Aufzug oder einer Rampe versehen wird. 1000 am Tag müssen es sein!

133 Millionen Euro haben der Bund, die Länder und die Bahn bereitgestellt, damit die Bahnhöfe saniert werden. Nur haben Behinderte oder Mütter mit Kinderwagen nicht oft etwas davon.

Steht alles in diesem Artikel: http://www.wdr.de/themen/verkehr/schiene/bahn/modernisierung/080617.jhtml

Gestern habe ich mir die Sendung "Quarks & Co" angeschaut, Thema der Sendung war "Was Karten verraten und wie sie lügen". Allein der Titel hat mich schon sehr neugierig gemacht und die gesamte Sendung war wie immer sehr gut gemacht und ich wollte das Sendungsthema eigentlich gesondert bloggen, aber es passt gerade so gut zu dem, was falsch läuft in Deutschland im Bezug auf den Umgang mit Menschen mit Behinderung.

http://www.wdr.de/tv/quarks/videos/uebersicht.jsp?medium=webtv
Der WDR hat übrigens ein ganz tolles Angebot: Web-TV mit Untertiteln und Gebärdensprachdolmetscher! Zwar nicht für alle Sendungen, aber für sehr viele Sendungen und ich nutze dieses Angebot auch sehr gerne.

Also, das Thema der Sendung war also "Karten". Heutzutage ist das altbekannte Streitthema zwischen Weiblein und Männlein dank dem Navigationssystem aus der Welt geschaffen. Aber was ist, wenn du im Rollstuhl sitzt und nicht alle Straßen rollstuhlgeeignet sind, so dass du nicht selbstbestimmt zu wichtigen Orten kommen kannst?

Da haben Freiwillige der Stadt Bonn die Stadt vermessen und mit einer Rollstuhlfahrerin die Routen beurteilt nach Geländefähigkeit für Rollstuhlfahrer und die Daten in OpenStreetMap eingetragen.

Ein schönes Projekt und ein großes Lob an die Freiwilligen, die diese Arbeit auf sich genommen haben und werden!

Aber: Wenn es selbstverständlicher wäre in Deutschland, dass man an Barreriefreiheit denkt, dann müsste man nicht hinterher für die Anpassung Geld ausgeben - Geld, welches man beim Bauen besser anlegen hätten können!

Es muss dringend ein Umdenken in Deutschland stattfinden in diesem Punkt!

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