Donnerstag, 8. Oktober 2009

Auf der falschen Schiene unterwegs - die Desinformation der Bahn

Heute ist Donnerstag - seit einigen Wochen immer der "Lost in Deutschland"-Donnerstag. Heute hat Brian Melican die tolle Effektivität der deutschen Bahn gelobt, nachzulesen ist das hier:

Lost in Deutschland im Miniaturwunderland

Die untertitelte Version von LiD auf www.deafvision.de braucht noch ein paar Tage, bis sie online verfügbar ist.

Ich kann es nicht beurteilen von meiner Warte her, ob die Informationen seitens der Bahn immer so prall gefüllt sind, wenn diese über die Lautsprecher gequakt werden, aber anscheinend werden die notwendigsten Informationen gerne über Lautsprecher verkündet.

So geschehen am Wahlsonntag, den 27.09.09, wo ich mit der Bahn unterwegs war. Dank meines Schwerbehindertenausweis ist es mir möglich gratis die Nahverkehrszüge der DB zu benützen dürfen. Schwang mich also um 14:19 in den Zug nach Buchloe und mußte dort umsteigen - der Umstieg war genau gegenüber und dort stand auch schon ein Zug. Abfahrtszeit war um 15:46 angegeben. Stand auch auf der Anzeigentafel zu lesen.

Da wir erst 15:22 hatten, habe ich aufgrund meiner langen Liste von Erfahrungen mit der Bahn den Lokführer gefragt, ob dies auch der Zug nach Memmingen ist, was dieser bejahte, worauf ich den Zug enterte.

Plötzlich fuhr der Zug um 15:36 los, was mir spanisch vorkam - vorbildlich war übrigens, dass der Zug eine Haltestellenanzeigentafel besaß und ich so lesen konnte, wo genau der Zug grad hielt. Ich machte mich auf den Weg zum Zugführer, der übrigens jetzt ein anderer war als davor und schilderte ihm mein Problem. Der Zugführer zückte sein Bahntelefondingsda, wo alle Verbindungen elektronisch abgerufen werden konnten und empfahl mir in Augsburg in den ICE umzusteigen und rief gleichzeitig im Zug an, ob die 2 min auf mich warten könnten - das war kein Problem für den ICE. Dann fiel mir ein, dass ich ja mit dem Schwerbehindertenausweis unterwegs war und erklärte dem Zugführer das noch mal, der nochmal dem ICE Bescheid gab und es war ebenfalls kein Problem.

Prima, so lob ich mir die Organisation der deutschen Bahn! Manchmal ist sie wirklich sehr nett von der Freundlichkeit und der Problemlösung her. Oder lag es daran, dass es Wahlsonntag war? Diese Notwendigkeit hatte ich aber noch gar nicht verkündet, sondern mir als Trumpf im Ärmel zurückbehalten, falls die Problemlösung nicht so zufriedenstellend gewesen wäre.

In Ausburg konnte ich also um 16:04 in den ICE einsteigen, der unterwegs war in die Hansestadt Hamburg, worüber ich leicht schmunzeln mußte. Punkt 17:06 war ich also in Ulm und wartete auf eine weitere 15minütige Verbindung. Abfahrszeit war mit 17:24 angegeben.

Um 17:22 verließ die Menschenmenge plötzlich wie ein Haufen dressierter Lemminge den Bahnsteig, worauf meine Konditionierung mir sagte, dass es eine Durchsage gegeben haben muß und der Zug nun woanders abfährt - ein Blick in die Anzeigentafel auf dem Bahnsteig sagte mir, dass ich nun fragen gehen mußte, denn es wurde keine Gleisänderung in Laufschrift bekannt gegeben.

Nun schnappte ich mir eine nette Passantin und fragte diese, ob der Zug auf einem anderen Gleis abfahren würde? Sie bestätigte dies und so folgte ich der Menschenmenge auf das andere Gleis.

Dort stand tatsächlich der gewünschte Zug und so konnte ich um 17:40 an meinem gewünschten Wahlort abgeholt werden und um 17:59 ins Wahllokal einkehren und fix meine 2 Kreuze machen.

Die Bahn hat zwar Anzeigentafeln auf vielen Bahnhöfen, aber nicht immer wird an die Benachrichtigung per Laufschrift gedacht. Oder andere behindertenfreundliche Einrichtungen an den Bahnhöfen wie z.b. Aufzügen oder Rampen, die auch Müttern mit Kinderwagen zugute kommen.

Mag sein, dass einige Kuhdörfer einen eigenen Bahnhof haben, aber dann meistens ohne Anzeigentafeln. Ich kenn da eins bei Freising, erst kürzlich hat man da den alten Bahnhof abgerissen und ein paar hundert Meter weiter neu aus dem Boden gestampft. Und alle 5 Meter steht ein Laternenpfahl am Bahnsteig, woran Lautsprecherboxen montiert sind. Aber komischerweise geht kein einziger von denen und eine Anzeigentafel fehlt schon mal vollständig. Man ist also darauf angewiesen den Fahrplanaushang zu suchen oder sich halt im Internet zu informieren vor der Abfahrt. Aber behindertenfreundlich für Rollstuhlfahrer ist dieser Bahnhof in der Pampa schon!

Ich würde mir wünschen, dass die Bahn effizenter denkt bei den Ausgaben für Lautsprecherboxen, wenn die zum Beispiel erstens in der Überzahl sind und dann gar nicht in Betrieb sind - da könnte man doch das Geld besser in eine Anzeigentafel investieren und in funktionierende Lautsprecher!

Ich seh schwarz für die "Deutsche Organisationsporno der n-ten Potenz", wie Brian es formuliert hat, wenn die Bahn privatisiert wird.

Ich könnte noch einige Beispiele der Desinformation der Bahn aufzählen, die nicht nur mir passiert sind, weil ich nicht hören kann, sondern auch meinen hörenden Bekannten - das ist ein häufiges Problem auf Bahnreisen.

...to be continued..

P.S. Es gibt noch einen Blogartikel, wo ich die Alltagsprobleme von Gehörlosen kurz anreisse:

Alltagsprobleme von Gehörlosen

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