Dienstag, 23. März 2010

Mittendrin statt nur dabei

Vor fast 2 Wochen war ich für einige Tage in Berlin und die Stadt hat mich wieder mal in ihren Bann gezogen.

Nicht nur der Ausblick aus dem Hotelfenster war gigantisch und zum Verlieben, sondern auch unzählige Ecken von Berlin.

Zu dem Zeitpunkt war auch die ITB - die führende internationale Fachmesse der Touristik-Wirtschaft in Berlin und so kam es, dass ich dank meinem Begleiter in den Genuß kam eine Kultur-Veranstaltung des Landes Lesotho besuchen zu dürfen.

Ich machte mir zuerst Sorgen über mein Aussehen, weil ich den ganzen Tag schon durch die Stadt gelaufen war und zeitlich keine Zeit mehr hatte, mich aufzuhübschen, doch mein Begleiter konnte mich da beruhigen - erst wo ich die Treppen hochging, dachte ich: "Verdammt, hoffentlich mach ich mich mit meinem Englisch nicht lustig." Peinlicherweise vergesse ich manchmal einfach die korrekte Aussprache, weil ich das Hin und Her wechseln einfach nicht so gut beherrsche mangels Übung.

Es war eine gut besuchte Veranstaltung mit lesothoanischer Musik und Essen, natürlich habe ich auch davon gekostet. Wahnsinnig lecker und gar nicht so scharf, wie behauptet wurde.

Aber das verblüffendeste für mich war, die Verwandlung von meinem Mr. Berlin, einem englischen Muttersprachler, wie anders er wirkte, wenn er in seiner Muttersprache parlierte. In diesen Augenblicken war er noch ausgesuchter höflicher und etwas vornehmer als sonst, ohne snobistischer zu wirken. Ich dachte echt, dass jetzt jeden Moment die Queen um die Ecke kommen müsste, so sehr bin ich etwas zusammengeschrumpft und als er mich in die Runde eingeführt hat, hat er natürlich erwähnt, dass ich nicht hören kann, was erstaunt-freundlich aufgenommen habe und ich habe mich natürlich entschuldigt, dass ich nicht so gut Englisch quatschen kann. "No Problem!" hieß es da. :-)

Irgendwann am Abend zogen wir, 3 Frauen und 2 Männer, noch weiter. Zuerst saßen wir im "Amrit" und tranken Cocktails und quatschten. Ich war ziemlich zurückhaltend, weil ich ziemlich müde war vom Laufen und meine Ablesefähigkeit nahm immer mehr ab mit jeder Minute. Dann wollte Mr. Berlin dem lesothoanischen Mitarbeiter noch "Berliner Weiße" servieren und wir landeten in einer Eckkneipe und ich begann leise zu quengeln bei Mr.Berlin: "Duuu, es geht wirklich nicht mehr, ich kann ja ins Hotel gehen und ihr feiert noch weiter?" Mr. Berlin hob die Augenbraue und sagte, er würde gerne noch weiter feiern und er habe seinem Freund versprochen, seinem Freund zu zeigen, wie man in Deutschland feiert...

Zusammenreissen war wirklich schwer vor lauter Müdigkeit, aber mit etwas bisschen Starthilfe durch Mr. Berlin ging's dann weiter zu einem Club mit brasilianischer Live-Musik. Und siehe da: Die Musik, denn mittlerweile hatte ich das CI angezogen, um noch mehr wacher zu werden von der Musik, machte mich mit einem Schlag richtig wach - komplett verpufft die Müdigkeit.

Und mir fiel das Ablesen auch wieder leichter als zuvor.

Aber es ist wirklich so: Wenn ich müde bin, dann ist mir das Ablesen in einer fremden Sprache streckenweise ein Buch mit 7 Siegeln und wenn ich SEHR müde bin, dann ist das im Deutschen auch so. Die Informationen kommen eben nicht mehr im Gehirn an.

Heute bin ich auf diesen Artikel gestoßen: "Die Fremde im eigenen Land - wo die Mauer hinführt" und finde ihn ziemlich gut geschrieben. (Nachtrag von 18:35h: Der alte Link zum Artikel wurde aus der Datenbank entfernt des Nordkuriers, aber dafür wurde er mit einem anderen Artikel zusammengeführt- zuerst kommt ein Bericht über die Güstrower Landesschule für Gehörlose, dann erst der Bericht über Marion Arndt.) Auch werden die Gründe beschrieben, warum für den Otto Normalverbraucher unter den Gehörlosen tagtäglich der Zugang zu Informationen und mehr Bildung erschwert ist. Marion Arndt in dem Artikel ist voll integriert in der Gehörlosenwelt und kann den Kontakt dank SMS, Email und realen Treffen aufrecht halten, aber sie IST isoliert in der hörenden Welt.

Helen Keller wird dieser Spruch zugeschrieben, aber tatsächlich stammt dieser von Imanuel Kant: "Nicht sehen können, heißt, die Menschen von den Dingen trennen. Nicht hören heißt, die Menschen von den Menschen zu trennen."

So geht es vielen Gehörlosen, aber es gibt auch Gehörlose, die sich bewußt, weil sie es so wollen und es für sie eine Erleichterung bedeutet, für die Welt der Gehörlosen entscheiden. Sie arbeiten in der hörenden Welt, sind aber in der Gehörlosenwelt zuhause, wo man ihre Sprache spricht und es keine Kommunikationsprobleme gibt für sie.

Und es gibt eben Gehörlose, die zwischen beiden Welten hin und her pendeln oder sogar Gehörlose, die sich bewußt gegen die Gehörlosenwelt entschieden haben.

Eine Mauer kann eben nicht nur zwischen Ländern verlaufen, sondern auch nicht sichtbar zwischen Menschen.

1 Kommentar:

  1. Klingt gut, dein Berlinbesuch! Und nix mehr verstehen weil ich geschafft bin, gehört doch auf Reisen irgendwie dazu, ;-)

    Das mit der Mauer finde ich bedauernswert, aber es ist gut, dass solche Stimmen mal zu lesen sind.

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