Donnerstag, 15. April 2010

Kurzer Krankenhausaufenthalt und ein TO-DO für Krankenhauspersonal!

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bin ich im Krankenhaus gelandet, weil ich plötzlich kein Wasser mehr trinken konnte, obwohl ich extremen Durst hatte. Alles Getrunkene habe ich wieder rausgekotzt mit weißem Schaum und hatte noch einige Beschwerden dazu.

Die Station war übrigens vollbelegt und so wurde ich an einer Infusionflasche hängend ins sehr geräumige Badezimmer gerollt, übrigens unter Quarantäne stehend, weil es eventuell was ansteckendes sein könnte.

Nun ja, irgendwann am Vormittag kam ein sehr junger Arzt ins Zimmer reingelatscht und es war wirklich sehr erstaunlich, dass ich sofort bei seinem Anblick wußte: "Total unsicher, null Selbstbewußtsein und bestimmt nuschelt er auch furchtbar. Er hat nur Medizin studiert, weil er ein Streber in der Schule war und sein Selbstbewußtsein mit dem tollen Image eines Arztes aufpolieren wollte." Das alles hat mir seine Körperhaltung gezeigt, er war sehr groß, aber auch sehr schlaksig und lief etwas vorübergebeugt. Seine Gesichtzüge waren auch sehr weich, große gleichmässige volle Lippen und unentschlossene Augen. Und meinen Hintern hätte ich darauf verwettet, dass er noch bei seiner Mutter daheim wohnt.

Sein Namensschild wies ihn bereits als leitenden Stationsarzt aus, hier hatte ich also die erste Bestätigung für die Strebervermutung. Er warf ein Blick auf meine Patientenakte und sah die Anmerkung, dass ich schwerhörig bin. Der Arzt sank sofort noch mehr in sich zusammen und ich las auf seiner Stirn: "Oh Gott, was jetzt mit der Kommunikation?" Es war eine Situation für ihn, auf die er gar nicht vorbereitet war und auf die er sich auch gar nicht reagieren konnte, weil ich an ihm irgendwie keine Empahtie ablesen konnte. Er hatte mich durch den Hinweis "schwerhörig" auf der Akte einer Kommunikation für nicht würdig befunden und bemühte sich auch gar nicht, die Situation zu verbessern. Kurzes Händeschütteln und ich wurde nach nuschelnd-verschwommen nach meinem Befinden gefragt. Ich gab brav Auskunft und der Arzt ordnete Schonkost an und sagte, man wisse noch nicht, was ich denn hätte und ging wieder aus dem Zimmer raus.

Mit den Krankenschwestern war die Kommunikation überhaupt kein Problem, die waren richtig nett. :-)

Da an meiner Türe ein Schild hing, dass man erst das Zimmer betreten dürfe, wenn man mit dem Arzt oder der Stationsleitung gesprochen hat, kam meine Mutter auch in den "Genuß" einer Unterhaltung mit dem besagten Arzt und sie war ebensowenig angetan von ihm wie ich. Die Richtigkeit der Vermutung mit "Hotel Mama" konnten wir leider nicht herausfinden, aber ich gehe davon aus, dass es so ist.

Wäre meine Mutter übrigens anwesend gewesen während der Visite, hätte er mich garantiert total ignoriert und die Kommunikation über sie laufen lassen. Dieses Verhalten generell ist ein sehr häufiges Phänomen, womit Gehörlose/Schwerhörige oder Menschen mit Behinderung zu kämpfen haben in solchen Situationen mit einer Begleitperson. Sogar Dolmetscher berichten darüber, dass die Kommunikation oftmals so läuft, dass man in der Regel eher den Dolmetscher anspricht als die Person, um die es in Wirklichkeit geht.

Ich bin wirklich froh, dass ich kommunikationstechnisch nur in richtigen Ausnahmefällen wie z.b. auf der Berlinreise einen Dolmetscher benötige und sonst nicht.

Und für alle Ärzte, die hier mal auf das Blog gucken, habe ich einen wertvollen Tipp, nämlich ein Video, wie man sich richtig verhält und die Kommunikation verbessern kann im Umgang mit schwerhörigen/gehörlosen Patienten:

http://diegesellschafter.de/video/film.php?uk=3tphb4yx0ndjm&z1=1271321502&z2=9bd76aa3a0c1ec311e370af931867d06&

Kommentare:

  1. Oh. Ich hoffe, es geht wieder gut oder zumindest besser, jetzt. Hab auch schon ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht, gerade mit jungen Ärzten im Krankenhaus, aber meist unabhängig von Schwerhörigkeit.

    Das Video finde ich nicht so gut. Gut ist, dass es die Problematik zeigt und ein paar Lösungen anbietet. Nicht gut finde ich, dass es als alleiniges Problem der (hörenden) Ärzte dargestellt wird. Ich finde, auch als Patient hat man ein bißchen Verantwortung zumindest darauf hinzuweisen, dass man gehörlos ist, wenn man es kann. Der Patient im ersten Beispiel hätte es zumindest im Krankenhaus wohl gekonnt.

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  2. Gute Besserung, ich hoffe, das ist nur eine Kleinigkeit und du bist schnell wieder gesund.

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