Donnerstag, 8. April 2010

Taub oder blind?

Gestern Abend wurde ich auf Twitter auf das Blog von Jürgen Siebert aufmerksam gemacht, da er in den "Genuß" kam für einige Tage fast vollständig taub sein zu dürfen und darüber einen interessanten Blogeintrag schrieb, der sich hier findet:

Taub oder blind?


Von meiner Warte aus war das schon sehr interessant zu lesen, denn ich kenne diesen Zustand von Geburt an und eine Mischung aus Wut und Resignation machte sich bereit aufgrund der erzählten Aussage eines Professor für Biophysik, dass das Ohr das wichtigste Sinnesorgan des Menschen seie und überhaupt könnten Blinde ganz normale Berufe ohne Probleme ergreifen - sicher sind Blinde nicht in dem Maße wie Gehörlose von der Kommunikationswelt ausgeschlossen, aber auch sie sind berufetechnisch etwas eingeschränkt oder haben Sie bereits mal von einem blinden Optiker gelesen? Weiter erzählte er, dass Gehörlose das Sprechen und Denken, was laut ihm ohne Gehör ja nicht geht, mit ganz speziellen Methoden erlernen und stets trainieren müssten.

Holla, die Waldfee - da mußte ich einen energischen, aber hoffentlich dennoch sympahtischen Kommentar hinterlassen im Blog:

"Guten Abend allerseits,

da möchte ich doch mal energisch widersprechen, was die Meinung des Professors über die Taubhheitangeht, denn damit bin ich nicht ganz einverstanden, weil es eben nicht die volle Wahrheit ist.

Die Wahrheit ist wie immer etwas komplizierter angesiedelt. Wieso sollten taube Menschen nicht ohne spezielles Training denken können? Versteh ich nicht – und das sag ich als Gehörlose von Geburt an. Aber ein Teil davon stimmt: Die Artikulation muss geübt werden . Muss man sprechen können, um zu denken? Mit dieser Argumentation spricht der werte Herr Professor auch sämtlichen Tieren die Fähigkeit zu logischen Handlungen ab.

Blinde haben es etwas leichter als Gehörlose in der Arbeitswelt, aber sie sind auch gehandicapt – allerdings haben sie den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer funktionierenden Ohren nicht vom der akkustischen Kommunikationswelt ausgeschlossen sind und optisch fallen die Accesoires der Blinden viel mehr auf: Blindenstock, Blindenhund, Blindenarmband.

Für jemanden, der es NICHT gewohnt ist, nicht hören zu können, MAG die Welt still und gefährlich erscheinen, weil die Geräusche fehlen und die Augen die unzähligen Informationen erkennen können, die für Gehörlose selbstverständlich sind.

Und ja: Gehörlose dürfen Autofahren!

Ich würde jetzt saugerne noch mehr schreiben, aber das würde ellenlang werden und daher bitte ich einfach mal ganz lässig einfach auf meine Blogadresse zu klicken und selbst die Informationen zu erlesen! :-)"

Wie schon mal an anderer Stelle erwähnt, liebe ich es ganz lässig auf mein Blog zu verweisen und jetzt bin ich auch in der glücklichen Lage, auf einen interessanten Blogeintrag von mir zu verweisen können, wo ich bereits die gravierendsten Unterschiede zwischen der Blindheit und der Taubheit herausgerabeitet habe:

Furchtbarer Artikel in der Zeit - Meine Meinung dazu!

Vielleicht liest ja der erwähnte Professor für Biophysik ja mal meinen Blog und verbessert seine eigene Meinung über Gehörlosigkeit im Allgemeinen, aber zum Troste sei ihm gesagt, dass er ärztetechnisch vor allem nicht alleine mit dieser veralteten Meinung dasteht! Ärzte sind sehr oft zu optimistisch informiert seitens der CI-Industrie oder desinformiert.

Und es freut mich, dass mein Blog gern gelesen wird! :-)

1 Kommentar:

  1. Muss man sprechen können, um zu denken? Mit dieser Argumentation spricht der werte Herr Professor auch sämtlichen Tieren die Fähigkeit zu logischen Handlungen ab.

    Ich hab das gestern schon drüben im Fontblog angerissen, die Frage ist relativ leicht zu beantworten: Man muss über Sprache verfügen, um denken zu können. Sprache versetzt uns in die Lage, Dinge zu abstrahieren und Sprache formt das Denken. Ob es sich bei der Sprache um gesprochenes Spanisch oder die Deutsche Gebärdensprache handelt, ist dabei zunächst mal irrelevant. Im Umkehrschluss ergibt sich daraus durchaus, dass Tiere kein allzu hohes Niveau des Denkens erreichen können.

    Ich hatte das Glück mal eine Diplomarbeit über bilinguale Erziehung gehörloser Kinder zu lesen. Der einführende allgemeine Abschnitt zur Sprachentwicklung war sehr interessant. Ich hatte gerade gestern die Autorin nochmal gefragt, sie mag es so nicht rausgeben, aber bei Interesse kann ich da sicher mal das Literaturverzeichnis zur Verfügung stellen.

    P.S.: damit das mit den Kommentaren hier klappt, muss man anscheinend Cookies von blogger.com erlauben, nicht nur von blogspot.com 8-)

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