Samstag, 22. Mai 2010

Warum wird immer nur das eine realisiert anstatt gleich beides zusammen?

Das leidige Thema Gebärdensprachvideos und Untertitel bereite ich mal wieder auf, weil es für mich ein Paradebeispiel darstellt, dass auch IN den Köpfen der Leute, die eigentlich Informationen über Gehörlose besitzen oder sogar selbst betroffen sind von der Gehörlosigkeit, Barrierefreiheit oft nur teilweise einen Platz findet.

Gerade im Internet kann man Barrierefreiheit mit wenig Aufwand realisieren, vor allem, wenn man längst unter Beweis gestellt hat, dass man Untertitel in den Gebärdensprachvideos einblenden kann.

Der vorherige Blogeintrag von mir, wo der Beruf des Gebärdensprachdolmetschers vorgestellt wird, hat dieses Manko.

Aber auch Gebärdensprachvideos, in denen kompetente Gehörlose mitwirken, sind oft ohne Untertitel, obwohl dort eigentlich das Wissen vorhanden sein müsste, dass man so nur den gebärdensprachkompetenten Teil der Gehörlosen und Schwerhörigen erreicht und dafür den anderen Teil ausgrenzt. Diese kompetenten Gebärdensprachvideos wissen das eigentlich und gebärden trotzdem lieber nur, da dort auch ein alter Kodex vorliegt: "Du gehörlos? Dann lern Gebärdensprache." Ohne Gebärdensprachkenntnisse kommt man gar nicht erst in die Gehörlosenwelt hinein.

SEHR gut konnte man diesen alten Kodex beobachten in diesem Blogeintrag "Enormer Arbeitsaufwand und wo bleibt der Nutzen? " Dort habe ich kritisiert, dass bekannte und große Köpfe der Gehörlosenwelt für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sich die Mühe gemacht haben die UN-Behindertenkonvention in Gebärdensprache zu übersetzen. Schöner Zug, aber leider sind die Gebärdensprachvideos mit Untertiteln und ab und zu wird mal ein Wort eingeblendet, was ein Zeichen dafür ist, dass man untertiteln hätten können, aber es nicht getan hat aus Faulheit. Und in der Kommentarfunktion meldete sich ein gewisser Ralph Raule zu Wort, und belehrte mich darüber, dass die UN-Konvention bereits in Schriftform vorliegt und und warum also man bitteschön untertiteln soll - dann hat er noch herablassend gesagt, dass anscheinend die Information nicht vorliegt, dass viele Gehörlose und Schwerhörige Probleme mit dem Schriftdeutsch haben und daher Untertitel nur für wenige Gehörlose geeignet sind. Herr Raule hat damit aber ALLE Gehörlose und Schwerhörige in einen Topf geworfen und offenbar liegen ihm die Informationen darüber nicht vor, warum Finnland bei der PISA-Studie am besten abgeschnitten hat beim Textverständnis: Dort werden die Filme untertitelt - und die Lesegeschwindigkeit schaffen dort auch die armen Hörenden. Dieser Abwehrreflex erinnert mich an die der Fernsehsender, die weigern sich auch ungekürzte und 1:1-Untertitelung zu senden, denn die klammern sich auch an dieses Argument.

Und zweitens: Warum beseitigt man nicht in einem Schritt gleich alle Barrieren und erreicht damit alle Betroffenen?

Die evangelische Kirche hat übrigens Gebärdensprachvideos online gestellt und leider auch diesen Fehler begangen - am Anfang wird untertitelt, dann nicht mehr, dafür ein Gebärdensprachdolmetscher eingeblendet. Warum nicht beides zugleich?

Die Gruppe Aktion-Untertitel zeigt in ihren Videos, dass es sehr wohl möglich ist, DGS fachgerecht zu untertiteln und dieser Standard sollte üblich werden. Gerade im Internet, wo es sehr einfach ist, ein barrierefreies Internet für alle machbar zu machen. Der Arbeitsaufwand hat sich nicht nur halb rentiert, sondern ganz.

Das muss auch in den Köpfen der Betroffenen und der NICHT-Betroffenen ankommen und dort ein selbstverständlicher Standard werden, denn nur damit werden alle erreicht und keine Informationen gehen verloren.

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