Montag, 5. Juli 2010

Ein offener Brief an den DFB!

Lieber DFB,

wie man so in der Zeitung lesen kann, kostet das Projekt "WM2010" euch 20 Millionen Euro ingesamt. Das Geld ist wirklich gut investiert, wie man derzeit an dem phänomalen Fußball unserer Mannschaft sehen kann - der Teamgeist stimmt jedenfalls. Jeder ist bereit für den anderen zu arbeiten.

Und es war auch eine schöne Geste, dass vor dem Anpfiff die Kapitäne der Mannschaften eine Resolution verlesen haben gegen den Rassismus - der Link findet sich hier:

http://www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=23867&tx_dfbnews_pi4[cat]=163


Und ebenfalls begrüßungswert ist eurer Twitterservice, wo ihr immer mal wieder Links, Bilder zur Verfügung stellt oder einfach mal kurz berichtet, was denn grad so los ist bei unserer Nationalelf. Der Fan, der so wichtige 12. Mann soll miteingebunden werden, was euch wirklich sehr gut gelingt damit und es ist auch ein Beweis dafür, dass der Fußball kommunikativ im Internet unterwegs ist.

Nur stellt sich mir die höchst dringende Frage, die mir ziemlich unter den Zehennägeln brennt und die mich auch als Fan enttäuscht zurücklässt:

Was ist mit der Barreriefreiheit auf eurer Seite hier: http://team.dfb.de/ ? Die Videos besitzen weder eine durchgängige Untertitelung oder halten eine Textversion des Gesagten parat.

Ratlos bin ich nicht, denn ich weiß einfach, dass man hier schlicht und einfach gepennt hat oder schlimmer noch: Man hielt es einfach für nicht wichtig genug, obwohl eurer Boss, der FIFA-Präsident Sepp Blatter sich kürzlich erst klar und eindrücklich dazu äußerte: "Der Fussball ist ein universeller Sport und muss für jeden und jeden zugänglich sein."

Diese Vergesslichkeit, nicht nur auf euren Seiten, sondern auf vielen Seiten im Internet, macht mich immer wieder von neuem wütend. Eigentlich dachte ich mir, ich würde irgendwann nicht mehr so wütend sein wie die ersten Male, aber das ebbt nicht ab - es ist einfach ein Grundrecht aller gehörlosen Menschen, das hier vergessen wurde.

Wir leiden und fiebern genauso mit wie alle anderen - wir sind auf Informationen angewiesen in Form von Untertitel.

Weiter erklärte Blatter auch: " Wir freuen uns deshalb, Gehörlosen und Hörbehinderten diesen Dienst anzubieten", erklärte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter.

Die FIFA stellt seit dem WM-Beginn auf ihren Seiten von jedem Spiel einen Videobericht in Internationaler Sign Language zur Verfügung - hier der Link:

http://www.fifa.com/worldcup/organisation/media/newsid=1223699/index.html#fifa+broadcast+international+sign+video+reports

Über die fehlenden Unteritel zu den Gebärdensprachvideos sag ich jetzt mal nichts, weil es immerhin ein erster Schritt seitens der FIFA ist zur Barrierefreiheit. Wie sagte doch Neil Armstrong? "Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen… ein… riesiger Sprung für die Menschheit." - ich wandle das einfach mal um in: "Ein kleiner Schritt zur Barrierefreiheit - aber ein großer Anfang."

Ein Anfang wäre es, wenn ihr eine Textversion, aber noch viel besser wäre es, wenn ihr Untertitel UND einen Gebärdensprachdolmetscher einblenden würdet - der gehörlose 12. Fan wird es euch danken - übrigens ist die männliche Nationalmannschaft der Gehörlosen bereits im Sommer 2008 Weltmeister geworden, die Frauen wurden Vizeweltmeister. :-)

In Deutschland leben nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes etwa 16 Millionen Schwerhörige und der Deutsche Gehörlosenbund gibt die Zahl der Gehörlosen mit etwa 80tausend an. Eine barrierefreie Seite würden wir alle sehr begrüßen!

Liebe Grüße,

Julia Probst

Kommentare:

  1. Liebe Julia,
    durch die Südwestpresse hab ich entdeckt,
    dass auch Du hier unter den Bloggern wuselst ;-)
    Wunderbar!
    Ich bin Melanie, die Mama von Ella :-)
    Du gehst ab und zu mit Maja an unserem Garten vorbei.
    Na,... Weißt du jetzt, wer ich bin!?
    Zu Deinem Post kann ich leider nicht viel schreiben, denn das ist für mich absolutes Neuland.
    Ich hoffe aber für Dich, dass Du mit Deinem Brief Erfolg hast!
    Liebe Grüße und bis bald :-)
    Melanie

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  2. Liebe Melanie,

    na klar weiß ich, wer du bist - wir sehen uns ja immer mal wieder bei meinen Spaziergängen mit Maja. :-)

    Ich freue mich sehr, dass du jetzt auch auf meinem Blog herumwuselst und ich springe jetzt gleich auf deine grüne Wiese rüber. :-)

    Ganz liebe Grüße auch an die süße Ella!

    lg jule

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  3. Ach Jule, UT und Gebärdensprach-Filme, das passt doch meistens nicht zusammen. Das sind zwei dynamischen Inhalte. UT doch nur, wenn es keine weiteren schriftlichen Informationen gibt - wie z.B. beim Fernsehen. Ansonsten braucht man keine UT bei Gebärdensprach-Filme.

    Für Gehörlose sind die Übersetzungen in Gebärdensprache wichtig, weil sie keinen vollen Zugang zur Schriftsprache haben - so wie Du bspw. Hier helfen den Gehörlosen die UT recht wenig.

    Wenn es reine Videos mit reiner akustischer Informationen gibt, dann bin ich auch dafür, dass hier UT rein sollen. Aber das gilt nicht, wenn nebenan der Text zum Lesen steht. Und wenn nur der Text alleine steht, dann benötigt ein Gehörloser eben auch die Übersetzung in Gebärdensprache - in Form von Gebärdensprach-Film bspw.

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  4. Ja - Untertitel reichen in vielen Fällen durchaus aus, da gebe ich dir vollkommen recht.

    Ich habe ja nicht dafür plädiert, dass die Untertitel und DIE die Textversion zusammen zur Verfügung gestellt werden, sondern Untertitel und die Einblendung eines Gebärdensprachdolmetschers.

    ;-)

    lg jule

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  5. Ich noch einmal! Wir reden an einander vorbei. Gebärdensprach-Filme sollen immer dann zum Einsatz kommen, wenn es textbasierte Informationen in Schriftsprache vorliegen, welche der "gewöhnliche" Gehörlose nicht gut versteht.

    Und im Falle eines vorhandenen Textes braucht man keine UT, da es sonst eine Wiederholung des Textes selbst wäre. Ich will jetzt nicht losziehen und sagen, "doppelt gemoppelt hält besser", weil die Schwerhörigen - wie immer - alles zwei Mal brauchen.

    Und wenn ich von Gebärdensprach-Filme spreche, meine ich die Filme, die im Internet Übersetzungen von Text in die Gebärdensprache darstellen. Und in denen Gehörlosen als Muttersprachler selbst die Übersetzer sind. Nicht irgendwelche olle Gebärdensprach-Dolmis. Die haben da nichts zu suchen.

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  6. Ich habe ja schon kritisiert, dass es z.b. bei der Un-Behindertenkonvention, wovon es Gebärdensprachfilmen gibt, keine Untertitel zusätzlich gibt und das auch völlig zu recht, denn die Gebärdensprachfilmen waren wirklich gut durchdacht und schneller durchblätterbar als die vorliegenden Textversionen dazu.

    Ich bin ein wirklich großer Fan von der Lösung auf www.deafvision.de, dort kann man je nach Gusto den Gebärdensprachdolmetscher oder die Untertitel einblenden lassen oder beides zugleich laufen lassen.

    Und ich finde, diese praktische Lösung sollte Standard werden - nicht immer nur die Entweder-Oder-Lösung, weil davon ALLE profitieren.

    lg, jule

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  7. Jule, Du willst es nicht verstehen? Bei Deafvison ist es genauso wie bei Sehen statt Hören: Es gibt dort keine hinterlegte Texte zum Nachlesen, deshalb auch zu Recht die UT.

    Es geht nicht um entweder-oder-Lösungen, es geht um durchdachte Lösungen. So wie nicht immer Gebärdensprach-Einblendungen sinnvoll sind, sind auch UT nicht immer sinnvoll.

    Und es geht darum, das Angebot von Gebärdensprache zu vermehren. Den Informationen in Texten gibt es zuhauf, nicht aber Informationen in Gebärdensprache.

    Man kann nicht über den Bildungsstand Gehörloser meckern, wenn man Ihnen so wenig Angebote in Gebärdensprache zur Verfügung stellt. Gehörlose haben ein ein Recht auf Informationen in Gebärdensprache - es ist jetzt mit der UN-Konvention ein Menschenrecht geworden! Aber wo finden wir denn schon Informationen in Gebärdensprache? Das ist noch sehr spärlich.

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