Mittwoch, 21. Juli 2010

Im Auftrag der Gebärdensprache unterwegs

Es gibt nur ganz wenige Menschen auf der Welt, von denen wirklich beeindruckt bin angesichts ihrer Leistung.

Und heute überflog ich mal meine Zugriffe auf mein Blog und sah, dass ich einen Zugriff aus Österreich hatte, was ja wenig spektulär ist eigentlich. Vergangenen Sommer verzeichnete mein Blog sogar mal einen Zugriff aus dem Österreichschen Kanzleramt, was mich damals wirklich sprachlos machte.

Und heute bin ich einfach nur stolz, denn der Zugriff kam von Helene Jarmer, einer Frau vor der ich wirklich meinen Hut ziehe. Der Name Helene Jarmer ist in Österreich vielen Gehörlosen und jetzt auch Hörenden ein Begriff, denn sie sitzt im österreichschen Parlament als Mitglied der Grünen und als erste Gehörlose überhaupt - für sie wird im Parlament alles gedolmetscht in Österreichscher Gebärdensprache.

Über Jarmer habe ich schon ein paar mal berichtet:

Bericht am 26.01.10 über Sonntag Aktuell, die einen Beitrag über Helene Jarmer brachten


Die BILD berichtet über Helene Jarmer und klagt darüber, wie teuer Dolmetscher seien sowie meine anschließende Kritik am BILD-Artikel


Die Süddeutsche hat aktuell einen sehr schönen Bericht über Helene Jarmer herausgebracht, der sich angenehm von vielen Berichten über Gehörlose hervorhebt, weil man hier merkt, dass echter Austausch stattfand zwischen dem Verfasser und der Protagonistin.

Gehörlos im Parlament - Mittendrin statt still dabei


Nun, was mir am Artikel am besten gefällt, müsste ich eigentlich gar nicht betonen, weil es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass man mit der eigenen Behinderung gut klarkommt und sogar darüber scherzt wie Helene Jarmer es tut und damit der Öffentlichkeit ihren eigenen Spiegel vorhält und auf diese humorvolle Weise für den Abbau der Berührungsängste sorgt.

Solche Menschen brauchen wir in der Politik und damit meine ich nicht nur gehörlose bzw. behinderte Politiker, sondern auch "gesunde" Politiker mit gesundem Menschenverstand, die klar von A nach B denken können, eben Menschen mittendrin im normalen Leben sind.

Ich hoffe, dass Helene Jarmer ihre Ziele wirklich durchsetzen kann, denn das ist wichtig für die Gehörlosen Österreich's und nicht zuletzt eine Signalwirkung für die Gehörlosenpolitik in Europa, denn da ist eine Gehörlose, die klar und deutlich der Politik mitteilt: "Hey Moment mal, wir Gehörlosen brauchen das und das! Nicht eurer Mitleid, sondern eure Mitarbeit für unsere Ziele."

Helene Jarmer kann ich dabei nur wünschen, dass sie ihren Kampfgeist nicht aufgibt und das notwendige Quentchen Glück als auch die Unterstützung ihrer Parlamentskollegen auf ihrer Seite hat!

1 Kommentar:

  1. Das würde ich mal so unterschreiben, wie Du es gebloggt hast, von wegen sachlich mitteilen, was ambach ist.

    Schön wäre es dann, wenn umgekehrt Hörende nicht nur für die Mitarbeit "benutzt" (explizit in Anführungsstrichen) würden, sondern auch als Menschen, als Persönlichkeiten.
    (Das Gegenteil des von Dir erwähnten, unerwünschten Mitleids ist dann wohl das Benutzen, denke ich.)

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