Mittwoch, 25. August 2010

Mein Erlebnis mit der Blundespendezentrale HAEMA in Berlin

Eigentlich sollte jetzt ein langer Artikel über meine Aktivitäten in Berlin hier stehen, aber der braucht noch etwas Zeit, daher schreibe ich jetzt was über dieses Erlebnis.

Aufgrund eines Platzregens flüchtete ich in die Wilmersdorfer Arcaden und stand da vor dem Werbeschild mit dem Slogan: "Heute ist ein guter Tag Leben zu retten." Hm, dachte ich mir und folgte der Beschilderung zum Blutspendedienst HAEMA.

Dort angekommen wurde ich erst mal zur Betriebsärztin weitergeleitet, die mir erklärte, dass ihre Vorschriften Gehörlose von der Spende ausschließen aufgrund Kommunikationsprobleme, falls man umkippen sollte. Meine Argumentation, dass auch Normalhörende bei gesundheitlichen Problemen während der Spenden erst mal nicht ansprechbar seien, wurde damit erklärt, dass es ja nur vorübergehenderweise seie. Und es seien ja nicht nur Gehörlose von der Spende ausgeschlossen, sondern auch Blinde und Rollstuhlfahrer.

Allerdings dürften Schwerhörige und leicht gehbehinderte aber schon spenden!

Diese Logik erschließt sich mir nicht so ganz, dennoch war das Gespräch mit der Betriebsärztin ganz interessant, denn dort zeigte sie mir den dicken Ordner, wo alles genau drinstand, wer alles NICHT spenden darf. HAEMA, so erzählte sie, sei ein privater Dienst und daher ziemlich streng, denn nur höchste Qualität würde sich gut verkaufen. Sie hätten in Sachsen angefangen und würden seit 2002 erfolgreich expandieren in weiteren Bundesländern.

Interessanterweise kann man auf der Seite von HAEMA ein PDF runterladen mit den "Allgemeinen Spenderbedingungen", dort lässt es sich erahnen, wie streng die Vorschriften sind, jedoch steht aber MIT keinem Wort, dass Blinde, Gehörlose und Rollstuhlfahrer von der Spende ausgeschlossen sind.

Ich bleibe jetzt mal dran und schaue, wie es andere Blutspendedienste diese Sache handhaben, denn es ist ein klarer Fall von Diskriminierung und es läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken, denn es scheint mir ein Relikt aus der Nazizeit zu sein, wo man Angst hatte vor Übertragungen der Erbkrankheiten per Blut.

Übrigens kapiere ich ja noch die europaweite Blutspende-Dauersperre bei Menschen, die im Zeitraum von 1985-1996 in Großbritannien gelebt haben, denn damals grassierte ja der Rinderwahnsinn BSE dort und bis heute ist es nicht geklärt, ob die tödlich verlaufende Krankheit Creutzfeld-Jakob, welche durch BSE ausgelöst werden kann, per Blut übertragbar ist. Mich würde es mal interessieren, ob selbst in Großbritannien die Einwohner, die in diesen Zeitraster fallen, auch dort dauergesperrt sind, aber das glaube ich nicht.

Kommentare:

  1. Darüber las ich letztens schon einmal einen interessanten Artikel. Selbst beim Deutschen Roten Kreuz und den Krankenhäusern und Gesundheitsämtern werden viele Bevölkerungsgruppen nicht zur Blutspende zugelassen. Selbst dann nicht, wenn sie keinerlei Erkrankung und seltene Blutgruppe haben. Homosexuelle zum Beispiel. Den Sinn habe ich noch nie verstanden. Ändern werden sie ihre Vorschriften allerdings nicht.

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  2. "denn nur höchste Qualität würde sich gut verkaufen." ist eine Frechheit. Ob die Dame darüber nachgedacht hat, was sie sagt?

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  3. Großer Gott.
    Meinst Du, die denken, daß Gehörlosigkeit durch das Blut übertragen wird? ggg

    Sorry, das war jetzt taktlos, aber das ist mir jetzt so unverständlich und wirkt auch ziemlich lächerlich, Gehörlose da auszuschließen, daß ich mir das nicht verkneifen konnte.
    Vorübergehend hin oder her - Du sagst ja schon richtig: Ein in Ohnmacht gefallener Hörender ist auch nicht wirklich ansprechbar....

    Manche Regelungen kann man ja verstehen, aber manche sind einfach nur irre Stilblüten.

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  4. Krasser Fall von Diskriminierung...

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  5. Diskriminierung, ja. Eindeutig. Denn reden kannst Du ja -- und ihre Anweisungen hätte die Ärztin ja notfalls auch aufschreiben können. (so lang werden die ja wohl nicht sein).

    Aber den Vergleich mit den Nazis finde ich abwegig. Wenn ich recht verstanden habe ging es ja nicht um Dein Blut, sondern um die Kommunikation im Falle eines Notfalls. Ich glaube, es ist besser, das auseinanderzuhalten. Zumal Du ja sagst, es steht nicht in den Richtlinien, sondern ist eine Fehlleistung dieser Ärztin gewesen.

    Viele Grüße!

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  6. hm, auch psyschich Kranke dürfen nicht spenden, auch wenn sie keine Medikamente nehmen. Ich mein wir wissen doch alle was wir tun oder?! Ein Armutszeugnis...

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  7. Das lese ich jetzt zum ersten Mal! Ich kenne viele Hörgeschädigte unter denen sich auch viele Gehörlose befinden, die regelmässig Blut spenden gehen. Habe aber von deraritgen Problematiken und Ablehnung noch nie etwas gehört.
    Also bitte! Gehörlosigkeit ist kein Virus der ansteckend und übertragbar ist!
    Eindeutig ist das Diskriminierung!

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  8. Also in Österreich dürfen Gehörlose, Rollstuhlfahrer, usw. ohne weiteres Blutspenden gehen.


    http://www.roteskreuz.at/blutspende/informationen-zur-blutspende/wer-darf-blutspenden/

    Bei mir hat man wegen meinen Ohren NIE Probleme beim Blutspenden gemacht, die einzigen temporäre Ausschließungsgründe waren Impfungen, Verkühlungen und Aufenthalte in bestimmten Ländern.

    LG Ulysses NewAtair

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  9. Daß ich mit Dauermedikation nicht darf, weil das für mich und meinen Empfänger nicht wirklich gut wäre, das ist nachvollziehbar.

    Dein Fall irritiert mich allerdings erheblich.

    Übrigens sind selbst langjährig trockene Alkoholiker als KnochenmarkspenderInnen ausgeschlossen.

    Dabei wird beides so nötig gebraucht. Und gehörlosigkeit ist doch nicht ansteckend.

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