Samstag, 18. September 2010

Die Sache mit den Deaflympics

Die Frage hier, warum es eine Olympiade speziell für Gehörlose gibt, will ich hier gerne beantworten.

Die Deaflympics finden immer im Nachfolgejahr nach den Olympischen Spielen statt, wobei die Öffentlichkeit langsam Bescheid weiss, dass die Ausrichter der Olympischen Spiele sich automatisch dazu verpflichten 3 Wochen nach dem Ende der Spiele die Paralympics auszurichten!

Klar weiss man inzwischen auch, dass es Special Olympics gibt für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, wobei diese auch wie die Deaflympics kaum in der Medienberichterstattung stattfinden.

Die Deaflympics sind schon eine sehr lange Tradition im Gehörlosensport, erstmals wurden sie 1924 in Paris ausgetragen, also bereits lange vor den Paralympcis. Deutsche Athleten waren aber bei den ersten Spielen in Paris noch nicht dabei, obwohl der Gehörlosensport in Deutschland bereits 1910 existierte. Seit den Spielen 1928 in Amsterdam gehört Deutschland aber zu den regelmässig teilnehmenden Ländern.

Warum aber sind die gehörlosen Athleten nicht einfach bei den hörenden Athleten oder bei den Athleten der Paralympis dabei, da doch offenbar neben dem Umstand nur nicht hören zu können, körperlich alles in Ordnung ist? Terence Parkin, der gehörlose südafrikanische Silbermedaillengewinner über 200m Brust von Sydney 2000 ist doch das beste Beispiel dafür, dass dies möglich ist, möchte man an dieser Stelle sagen.

Er ist zwar nicht der erste gehörlose Teilnehmer bei den Olympischen Spielen gewesen, ich weiß da was von einem teilnehmenden Ringer, der ebenfalls bei Olympia teilnahm, aber der erfolgreichste Teilnehmer ist bisher Terence Parkin und er stellt eine Ausnahmeerscheinung dar bis heute.

Gehörlose bezeichnen sich nicht als körperbehindert, sondern als kommunikationsbehindert, was zur Folge hat, dass die Startsignale nicht akkustisch wiedergegeben werden, sondern per Lichtsignale oder mit einer Ampelschaltung wie bei der Formel 1.

Akkustische Informationen fehlen den gehörlosen Sportler, also solche wie zum Beispiel:
- die Beschaffenheit eines Untergrundes beim Ski-Sport,
- die Art, wie ein Ball beim Tennis oder Tischtennis geschlagen wird
- die Kommunikation im Teamsport (Zurufe, etc)
- Motivationssteigerung durch die Zurufe der Zuschauer

Und vor allem ist der Umstand, dass Gehörlose aller Welt die Gebärdensprache benützen zur Verständigung, was weltweit bindend und nicht trennend ist, wie man annehmen könnte. Die Gebärdensprachen der Welt sind zwar nicht universell überall gleich, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten und zur Not hilft man sich eben mit Englisch aus. Die Deaflympics stellen also auch eine riesige Kommunikationsparty dar für die Sportler und meiner Meinung nach ist es sehr schade, dass in den Medien so gut wie nicht über die Olympischen Spielen der Gehörlosen berichtet wird, denn es ist vor allem für Außenstehende fazinierend zu sehen, wie über nationale Grenzen hinweg eine Kommunikation fast problemlos möglich ist.

Würden Gehörlose also bei den Paralympics oder bei den normalen hörenden Spielen teilnehmen, hätten sie wohl keine Chance aufgrund der vielen fehlenden Informationen. Man könnte zwar das Startsignal durch Lichtsignale ausgleichen, aber die anderen Informationen?

Daher ist es schon gut, dass die Gehörlosen ihre eigene barrierefreien Spiele haben!

Kommentare:

  1. Hallo Jule,

    hast Du die neueste Folge von Sehen statt Hören geschaut? (Jetzt am Samstag, in meinem Sendebereich....über den Gehörlosensport!)

    Dabei wurde ja auch über die Deaflympics berichtet....
    Welche Sportarten sind denn eigentlich deaflympisch? Vermute ich recht - nicht das "volle" Programm der "offiziellen" Olympischen Spiele? Sind es die sonst genannten - Leichtathletik, Schwimmen, Fußball und Turnen? Oder kommt noch was dazu?

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  2. Sonst immer für Inklusion und jetzt plötzlich nicht mehr?

    Was spricht denn dagegen, bei den normalen Olympischen Spielen auch optische Startsignale zu geben?

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  3. Hey! Mir war gar nicht so klar, was einem Gehörlosen alles für Informationen fehlen. Das ist natürlich ein Riesennachteil, wenn einem Sportler diese Informationen fehlen, vor allem im Spitzensport, wo es um Zehntel oder Zentimeter geht. Umso beeindruckender ist es, wenn ein Sportler es trotzdem schafft.

    Ich finde es gut, wenn Gehörlose die Chance haben bei Olympia mitzumachen, falls sie sich sportlich qualifizieren. Ansonsten besteht ja noch die Möglichkeit der Deaflympics. Die sollte natürlich mehr Aufmerksamkeit erhalten.

    Gruß MyFuba

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  4. nicht nur war parlkin medaillentraeger. ich erinnere eine taune fechterin, die eine goldmedaille im fechten in mexiko, glaube ich, gewann. leider merkte ich den namen und disziplin nicht.

    hartmut

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