Montag, 20. September 2010

Eine eigene Universität für Gehörlose in Europa!

In den USA gibt es die einzige Universität weltweit, die speziell auf Gehörlose&Schwerhörige und deren Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Es ist die Gallaudet University in Washington D.C., die bereits seit dem Jahre 1857 besteht, zuerst aber war sie nur eine Schule für Gehörlose und Blinde. Sieben Jahre später befähigte Abraham Lincoln durch sein Bundesgesetz die Schule dazu, eine Kollegstufe einzurichten, was ihr fortan den Namen "Deaf-Mute-College" gab bis zur Umbennenung zu "Gallaudet College" im Jahre 1894. Aber erst 1986 wurde sie zur Universität erklärt und seitdem heißt sie "Gallaudet University", unter den Deafies wird sie aber liebevoll nur "Gally" genannt.

Ein Protest der Studenten im Jahre 1988 zwang die Universitätsleitung dazu, die Führung weitgehend mit gehörlosen Personen zu besetzen und damit wurde I. King Jordan der erste taube Präsident der Universität.

2006 sollte Jane Fernandes die Leitung der Gally übernehmen, aber es gab massive Proteste aus den Reihen der Studenten. Der Grund dafür? Jane Fernandes war nicht "taub" genug!

Hier eine Fotostrecke:

http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-17105.html

Und der gute dazugehörige Artikel dazu:
Wer ist wirklich taub?

Zusammenfassung der Studenten-Proteste

Aber okay, ich bin sehr vom Thema abgewichen, was ich eigentlich sagen wollte: Die Gally könnte bald nicht mehr lange die einzige barrierefreie Universität für Gehörlose&Schwerhörige weltweit sein, sondern nur noch in Amerika.

In Deutschland gibt's Bemühungen eine Universität für Gehörlose in Bad Kreuznach zu errichten.

Dazu gibt es diesen Pressebericht: Vorlesung in Gebärdensprache

Homepage der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach

Interview mit Dr. Ingo Barth, der erste deutsche Gehörlose mit einem Doktortitel in Chemie - übrigens mit "summa cum laude"!


Was hält ihr eigentlich von der Idee? Ich bin etwas zwiegespalten, denn damit wird die Idee einer Inklusion nicht wirklich weitergetrieben, sondern eher etwas untergegraben, aber auf der anderen Seite wären die Studienbedingungen ideal.

Kommentare:

  1. Also ich finde die Idee nicht gut. Man sollte lieber das Geld nehmen und dafür sorgen das Gehörlose ganz normal an normalen Universitäten und Fachhochschulen studieren können.

    Wenn es eine eigene Universität gibt findet ja wieder keine Integration bzw. Inklusion statt, sondern die Gehörlosen sind "unter sich".

    Ich denke es wäre für beide Seiten bereichernd wenn Sie zusammen studieren könnten.

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  2. Ich sehe genauso wie Sebastian Ottmann. Eine gemeinsame schulische Grundlage von Grundschule bis Universität für beide "Gruppen" zu schaffen finde ich gar nicht schlecht, da man ja eigentlich davon ausgehen sollte, dass somit auch eine Kommunikative Grundlage verhanden sein bzw. erlernt werden muss. Ohne die ist ein gemeinsames Leben ja nicht möglich.

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  3. Nun - zumindest wenn man sich ansonsten für Inklusion an den Schulen ausspricht, sollte man dann an der Uni nicht separieren. ;-)

    Ansonsten stellt sich grundsätzlich die Frage, für wie viele Personen das denn überhaupt eine Alternative wäre. Wie viele Leute (aus Deutschland oder auch aus dem Ausland) erreichen die Hochschulreife und wollen dann auch an der DGS-Uni in spe studieren?
    Denn immerhin ist das schon ein gewaltiger Kostenfaktor, nicht nur das Reservieren und der Kauf des Grundstücks, es müssen ja auch die ganzen regulären Fächer angeboten und mit entsprechend vielen, angemessen bezahlten Profs besetzt werden....

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