Dienstag, 5. Oktober 2010

Das Leben der anderen wird nicht berücksichtigt

"Das Leben der anderen", so heißt der Film, den ich schon immer angucken wollte, es aber bis Sonntag nicht konnte aufgrund fehlender Untertitel bei der DVD-Austattung.

Am Sonntag hatte ich also die Chance dank der ARD diese Bildungslücke nachholen zu können und wurde sehr gut unterhalten durch die hervorragende Besetzung.

Nochmal in aller Deutlichkeit: Dieser Film, obwohl er sich mit der deutschen Geschichte beschäftigt und einen Oscar gewonnen hat, hat keine deutsche Untertitel auf DVD, auch nicht nicht in der DVD-Sonderaustattung.

Allerdings dachte man bei der DVD-Austattung an eine Hörfilmfassung für Blinde. So ganz unbarrierefrei ist die DVD nun dann wieder auch nicht, aber die Frage bleibt: Warum werden dann keine Untertitel realisiert?

Die Blu-Ray aber, die zeitgleich mit der DVD-Sonderaustattung auf den Markt geworfen wurde, verfügt über deutsche Untertitel und Hörfilmfassung! Warum hat man man nicht einfach die Untertitel auf die DVD rüberkopiert, die man sowieso für die Blu-Ray erstellt hat?

In Österreich hat ein Gehörloser gegen den ORF geklagt, weil die DVD keine Untertitel vorweisen konnte.


Er bekam Schadensersatz zugesprochen in Höhe von 700 €.

Die Nicht-Untertitelung bei "Das Leben der anderen" ist kein Einzelfall in Deutschland, sondern zieht sich wie ein bunter Faden durch viele deutschsprachige Filmproduktionen, die die deutsche Geschichte betreffen. Aber auch normale deutschsprachige Produktionen sind davon betroffen.

Anhand dieser Diskriminierung durch die Filmproduktionen lässt sich sagen:

Das Leben der anderen wird nicht berücksichtigt!

Ich denke immer mehr über die Möglichkeit einer Klage nach, denn diese Ungleichbehandlung läuft dem Antidiskriminationsgesetz und der UN-Konvention der Menschenrechte für Menschen mit Behinderung zuwider!

In Deutschland besteht kein Gesetzesdefizit diesbezüglich, sondern ein Gesetzesvollzugsdefizit!

Kommentare:

  1. Falls du noch ein Beispiel haben möchtest: Friendship! Hatte mir die Blu-Ray am Freitag bestellt und Amazon sagte auch "dt. Untertiitel". Als ich ihn dann am WE gucken wollte, durfte ich feststellen, dass ausschließlich die fremdsprachigen Szenen untertitelt waren. Im Jahr 2010 ist das einfach nur ein Armutszeugnis.

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  2. Die blu-ray-Fassung mit Untertiteln auszustatten und bei der DVD-Fassung darauf zu verzichten ist mehr als dreist - so furchtbar viel Speicherplatz braucht man für Untertitel nicht.

    Traurigerweise werden viele deutsche Produktionen ja über die Filmförderung oder die Landesmedienanstalten letztlich aus Steuer- oder Gebührenmitteln mitfinanziert, und in die Förderbedingungen reinzuschreiben, dass bei Fernsehausstrahlung und Veröffentlichung per DVD/blu-ray/Download auch Untertitel und Hörfilmfassung umgesetzt werden müssen, sollte simpel sein.

    Auf juristischem Weg ist dem trotzdem nur schwer beizukommen - bekanntlich mahlen die Mühlen der Justiz sehr langsam, und der Weg bis vor ein Bundesgericht oder sogar ein europäisches Gericht ist schwierig und vor allem teuer. Das könnte höchstens über Musterprozesse in Verbindung mit Verbänden gehen, die meist den erforderlichen langen Atem haben - außerdem geht es Dir ja darum, substanziell etwas zu verändern und nicht 500 Euro zu erstreiten, mit denen Du Dir dann einen blu-ray-Player kaufen kannst.

    Der andere Weg ist der über viel Öffentlichkeitsarbeit, und den gehst Du ja bereits. Dieser Weg ist nicht einfacher und nicht schneller, aber vermutlich viel günstiger.

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  3. Hab mal Deinen Hinweis auf den Klagsverband durchgelesen und auch ein bißchen vom Medienecho sowie den Kommentaren....

    Einige Kommentare (Krone) waren ja ziemlich daneben, aber ich glaube, das liegt daran, daß die Leute nicht verstanden haben, worum es geht....
    Denke, die fühlten sich an sowas wie den Fall aus Amerika erinnert, wo jemand Schadenersatz bekam, weil er seine Katze in der Mikrowelle getrocknet hatte (was der Katze nicht so gut bekam) - und weil der Hersteller nicht draufgeschrieben hatte, daß die Mikrowelle sich nicht zum Trocknen von Katzen eignet. Jedenfalls deute ich so Hinweise "wie groß ist denn der Schaden, doch höchstens 20 Euro, und dann muß man eben gucken, ob´s mit UT ist" so.
    Da haben wohl welche nicht verstanden, daß es (denke ich jedenfalls) wohl eher darum ging, den ORF per Gerichtsentscheid in die Richtung zu kriegen, endlich zu untertiteln - und nicht um das Geld, das dabei rausspringt.
    Und das Ziel ist doch sehr verständlich...
    gut, in manchen Dingen haben Hörbehinderte und auch andere Menschen mal Pech, wenn sie dieses und jenes nicht können oder bekommen, aber bei den Untertiteln besteht halt die Möglichkeit, ihnen volle Entscheidungsfreiheit, was sie denn sehen möchten, einzuräumen, und dann sollte die auch genutzt werden.

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  4. Wieso solltest du da klagen können?

    Du hast keinerlei Anspruch gegen Unternehmen, daß sie dir Untertitel auf DVD bereitstellen.

    Wenn die DVD vom Staat veröffentlicht würde, wäre das eventuell etwas anderes.

    Aber bei privatrechtlichen Unternehmen: mit Sicherheit nicht!

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  5. @anonym so würde ich das nicht pauschal sehen. Ich kenne nun die exakte Gesetzeslage nicht, aber grundsätzlich sehe ich Barrierefreiheit als ein Grundrecht für Behinderte. Dieses Grundrecht pauschal zu verweigern kommt einer Diskriminierung gleich.
    Fehlende Untertitel sind auf jeden Fall eine Barriere für Gehörlose, die das gleiche Anrecht auf Bildung und Kultur haben wie Hörende.
    Und ist dies nicht durch entsprechende Gesetze gedeckt, so wird es Zeit, dass sie geschaffen werden. JustMy2Cents

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