Sonntag, 3. Oktober 2010

Lie to me - Teil 2

Die nächste Demontage eines CDU-Politikers durch Marietta Slomka und meine Analyse dazu gibt's jetzt zu lesen.

Ich habe mich an die You-Tube-Quelle gehalten, weil man dort besser als in der ZDF-Mediathek sekundengenau stoppen lassen kann.

Slomka vs. Mappus vom 01.10.2010

Geschehnisse von in den ersten 10 Sekunden: Gleich zu Anfang kippt Mappus den Kopf zur Seite, leckt sich kurz die Lippen. Er schluckt dann, wobei seine Mundwinkel angespannt werden und kurz verächtlich nach oben gehen, bevor er Slomka antwortet.
Auch sieht man gut, dass er die Lippen kurz aufeinander presst und die Backen etwas aufbläst, als ob er seine Wichtigkeit unterstreichen will. Die Wimpern flattern mehrmals.

Die nächsten 10 Sekunden: Die Wimpern flattern mehrmals. Ich kenne Mappus nicht gut genug, um zu wissen, ob er das immer so macht, ganz kann ich aber den Eindruck nicht abwehren, dass er unter großem Druck steht nach Rech's Demontage durch Slomka. Wie sollte das auch anders sein nach den Ereignissen vom 30.09.10?

Sekunde 21:
Genau wie bei Rech zeigt sich dieser Reflex: "Ich will hier nicht Rede und Antwort stehen müssen" und noch etwas wird klar bei dem Satz, er glaubt nicht daran, dass die Klientel der CDU überhaupt gegen Stuttgart21 sein kann - in dem er kurz das Auge länger schließt bei einem Wimpernflattern. Allerdings war das bei Rech unverstellter und ausgeprägter zu sehen. Man
könnte auch salopp sagen, er will der Wahrheit nicht ins Auge blicken.

In der Sekunde 25 sieht man sein Kopfschütteln über das ausgeschlagene Angebot eines Dialogs mit den Gegnern. Kurz darauf bebt sein Kinn leicht vor Empörung darüber.

Sekunde 42: Als er davon spricht, mit den Gegnern in den Kontakt zu treten wollen, flattern seine Augen mehrmals.

Sekunde 44: Jedesmal, wenn ihm etwas missfällt, presst er seine Lippen aufeinander.

Sekunde 48:
Im Gespräch mit Frau Slomka gleiten seine Augen kurz verwirrt hin und her, weil sie nicht locker lässt mit ihren Nachfragen´und schluckt dabei schwer.
Mit dem Kopfnicken will seine Worte betonen und Frau Slomka sozusagen zeigen, dass er über ihr steht und seine Worte nicht angetastet werden dürfen wie sie es gestern bei Rech getan hat. Er hat Angst von ihr demontiert zu werden.

In der Sekunde 1:41 sieht man, wie sein Körper kurz bebt, die Körperhaltung von Mappus sieht für mich so aus, als ob er vor der Kamera sitzt und nicht steht wie Rech am Freitag , sonst hätte man die bebenden Schultern deutlicher gesehen.

Das Schulterheben versucht er zu vermeiden, aber er ist deutlich aus der Fassung gebracht, das Wimpernflattern wird immer deutlicher sichtbar. Inzwischen wird es tatsächlich sichtbar, dass er sitzt, denn er wippt erregt nach oben auf und ab beibei seinen Erklärungen.

1:57: Bei den Nachfragen von Frau Slomka presst er seine Lippen aufeinander und wirkt dabei wie ein trotziger Schüler, einmal gehen die fest zusammengepressten Lippen verächtlich nach unten vor einer Entgegnung auf die Frage. Wie bei Rech gleitet sein Blick hin kurz hin und her, aber anders bei Rech versucht er das zu vermeiden. Vermutlich wurde er gut gebrieft von seinen Beratern. Aber so ganz kann man Körpersprache eben nie unterdrücken.

02:13: Hier sieht man genauso deutlich wie Rech die kurz zusammengekniffenen Augen, als er der Polizei die Schuld für die Eskalation zuschieben will und dabei weiß, dass er nicht ganz unschuldig an der Situation ist.

02:20: Mit den hochgezogenen Augenbrauen betont er, dass die Polizei deskalierend gewirkt hat aus seiner Sicht.

Bei 02:26 rudert er mit den Händen nach vorne oder wischt sich die vermutlich schweißnassen Hände an seiner Anzugshose ab.

2:36: Er presst die Lipppen zusammen und schluckt.

2:45 Er reißt den Kopf kurz ruckartig nach hinten, als müsste er sich selber versichern, dass es völlig egal ist, wieviele Leute tatsächlich gegen Stuttgart 21 demonstieren.

3:05: Kurz hin und her gleitender Blick.

3:22: Bei seiner Verkündigung, dass man die Baumfällungen auf ein Minimun reduziert habe, wird sein Gesichtausdruck kurz aggressiv durch die zusammengezogenen Augenbrauen und der aufblitzenden Wut in seinen Augen.

3:35: Zusammengekniffene Augen bei ihm.

3:38: Ich muss echt sagen, dass an diesem Punkt mehr als klar ist, wer die Hosen anhat in diesem Gespräch und das weiss Slomka auch. :-)

3:46: Die Augen wandern nach oben bei "demokratische legitimierte Entscheidungen", womit er klar macht, dass die nicht alle Entscheidungen bei Stuttgart21 demokratisch legitimiert sind - er wußte also, dass er hier Fakten anführt, die teilweise unwahr sind und die Fakten von damals heute keinen Bestand mehr haben, also einer erneuten Überprüfung bedürfen.

4:01: Bei seiner Ausführung, dass selbst wenn es eine Umfrage gäbe, wo die Mehrheit gegen Stuttgart 21 seins sollte, klappt ihm kurz das Kinn für Milisekunden runter, da diese Vorstellung für ihn unvorstellbar ist. Laut meinen Followern hat Mappus bei während diesen Sätzen eine leicht verächtliche Aussprache.

4:16: Wieder presst er die Lippen zusammen und schluckt.

04:38: Er wehrt sich mit hochgezogenen Augenbrauen energisch dagegen, dass Merkel die Landestagswahlen als Entscheidung über Stuttgart21 festgelegt hat.

04:40: Die Zorneslinie auf seiner Stirn ist deutlich zu sehen, er fühlt sich an die Wand gedrängt.

Slomka teilt ihm ihre Zweifel mit, dass es doch sehr unwahrscheinlich ist, dass die CDU die Landtagswahlen überhaupt noch gewinnen wird.

04:45: Er gerät kurz ins Lachen, als er Slomka belehrt, dass er darum kämpfen wird, die Wahlen gewinnnen wird.

Der immer wieder leicht geneigte Kopf von Mappus, wenn Slomka anfängt zu fragen, soll
Offenheit und Aufgeschlossenheit zeigen, was ihm aber nicht gelingt, da er den Kopf auf eine ärgerliche Weise zur Seite neigt.

5:16: Wieder zusammengepresste Lippen. Ihm behagt der Gesprächsverlauf einfach überhaupt nicht.

5:23: Wieder gerät er leicht kurz in ein verächtliches, aber diesmal verzweifelteres Lachen bei "Schauen Sie, Sie verwechseln
Ursache mit Wirkung." Nun - meine Worte über das Frauenbild von Mappus behalte ich für mich.

5:37 Bei "Wir brauchen keine Demonstranten" - da gehen seine Mundwinkel leicht verächtlich runter. Für ihn ist es einfach
ungeheuerlich, dass es überhaupt Demos dagegen gibt.

Zusammenfassung: Auffällig ist auch oft, dass er öfters seine Wimpern flattern lässt vor einer Antwort, manchmal erfolgt das sogar mehrfach hintereinander.

Und an dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich wirklich kein Profi darin bin und ich auch nicht schlecht über die Herren Mappus und Herrn Rech rede, sondern lediglich festgestellt habe, wie sie auf mich wirken. Möglicherweise bin ich als Stuttgart-21-Gegnerin auch etwas voreingenommen, dennoch steht es mir frei meine Meinung zu sagen dürfen und diese auch mit anderen zu teilen.

Kommentare:

  1. der Blick nach oben (zur Uhr?) bei 3:45 könnte vllt. auch "Oh Gott, wie lange noch?" bedeuten ;-D

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  2. Sehr eindrucksvolle Analyse. Aufschlussreich. Danke sehr!
    Mir ist es ähnliches mit dem Rech-Interview gegangen, allerdings andersrum.
    Ich habe das Video versehentlich nach dem Start in den Hintergrund gelegt und unter vielen Fenstern nicht gleich wieder gefunden und nur angehört.
    Das ist ein krasser Unterschied wenn man kein Bild sieht. Seine Stimme extrem vibrierend, unsicher, fast weinerlich. Dieser Mann hat gewusst welche Schuld er auf sich geladen hat.

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  3. Ich finde Deinen Beitrag von der Idee her sehr gelungen. Was mir nicht gefällt, ist, dass Du sehr viele Vermutungen anstellst, denen Vorurteile bzw. Vorverurteilungen zugrunde liegen.

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  4. Klar folgt Deine Interpretation auch Deinen "Vorurteilen" - aber wer ist schon frei davon? Objektivität ist eine Illusion, denn die Wahrnehmung der Welt basiert immer auf den eigenen Erfahrungen. Wann immer Jürgen Trittin im Fernsehen auftritt, "hören" viele einfach immer noch "fünf Mark für'n Liter Benzin, blablabla...", und wann immer Gregor Gysi sich zu Wort meldet, wird von vielen nur "Sozialismus, Planwirtschaft, Enteignung, blablabla..." wahrgenommen - auch wenn beide tatsächlich etwas ganz anderes sagen.

    Deine Wahrnehmung der unbewussten Körpersprache anderer Menschen ist ein Informationskanal, der für Dich zur alltäglichen Kommunikation gehört, genauso wie ein Blinder auch viel feinere Stimmmodulationen hören kann, weil er die Welt stärker über sein Gehör wahrnimmt und er darin viel geschulter ist.

    Ich glaube durchaus, dass Du intuitiv vieles richtig erfasst hast. Genauso glaube ich natürlich, dass Du Dich bei manchen der schärfer formulierten Interpretationen sicher auch von Deiner nachvollziehbaren Fassungslosigkeit hast leiten lassen. Aber Du hast eben auch durch Deine Lebenserfahrung gelernt, in den Gesichtern von Menschen zu lesen, wann sie unsicher sind oder nervös oder nicht von dem überzeugt, was sie gerade selbst sagen.

    Jeder Mensch verwendet erlernte Filter zur Wahrnehmung der Welt, anders wäre auch kein Leben möglich. Du verwendest nur zum Teil andere Filter, und dass Du hier darüber schreibst, wie sich diese Situationen für Dich darstellen, ist auf jeden Fall eins: Ein Indiz dafür, dass die Welt wahrlich nicht so einfach ist, wie sich die Menschen sie denken. Jeder Mensch lügt immer mal wieder - aber die Vorstellung, dass es andere gibt, die das bereits im Moment des Aussprechens der Lüge erkennen können und nicht erst viel später durch neu gewonnene Informationen ist sicher für viele beängstigend - vor allem für diejenigen, deren Karriere davon abhängt, glaubhaft und überzeugend Dinge zu sagen, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen - egal ob Politiker, religiöse "Autoritäten" oder auch nur Verkäufer.

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  5. Sehr anschaulich analysiert. Ich, als Hörgeschädigter, kann ich die mimischen und gestischen Anteilen von Mappus grösstenteils erkennen, auch wenn ich Interview nur bis ca. 30% verstanden habe. Vor allem ständige Augen blinzeln spricht eine deutliche Sprache.

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