Dienstag, 2. November 2010

Festverankert im Kopf :"Taubstumm"

Letzte Woche habe ich noch die Motivation der Mitarbeiter gelobt, da diese eine interne Fortbildungsmaßnahme besucht haben, um besser mit Gehörlosen auf deren Behördengängen kommunzieren zu können.

Der Bericht findet sich hier:

Behördenmitarbeiter wollen die Gebärdensprache besser verstehen

Solche Kleinigkeiten sind wichtig und bauen Barrieren in Form von Berührungsängsten ab und die größten Kommunikationsprobleme. Informationen dieser Art sind für beide Seiten eine Erleichterung.

Aber man sieht auch an diesem Interview mit einem Mitarbeiter, der auf dieser Schulung war, dass das Wort "taubstumm" wirklich sehr fest im Kopf verankert ist.

Blickkontakt zu Taubstummen besonders wichtig

Der Kurs wurde von der gehörlosen Gebärdensprachdozentin Doris Geist abgehalten, die ganz sicher auch bestimmt darauf hingewiesen hat, dass man nicht "taubstumm" sagen soll. Und dann bezeichnet der Teilnehmer des Kurses seine Dozentin als taubstumm?!

Ich glaube, er hat nicht ganz richtig aufgepasst, denn er sagt auch "Gebärdensprachedozentin", richtig ist aber Gebärdensprachdozentin und gehörlos bzw. Gehörlose. Der Anteil der wirklichen Taubstummen unter den Gehörlosen, die wirklich NICHT sprechen und hören können ist verschwindend gering und selbst DIE benützen die Gebärdensprache als Kommunikationsmittel, denn wie sollen sie sich sonst auch mitteilen können? Ok, sie können auch schriftlich kommunizieren, aber die Gebärdensprache ist ja immer noch das schnellere Transportmittel einer Sprache in dem Fall.

Nach meiner Definition sind Taubstumme, also Gehörlose, die auch über KEINE Lautsprache verfügen, ebenfalls auch Gehörlose, aber ich würde sie eher als Gehörlose ohne Lautsprache bezeichnen. Ich weiß, dass diese Beschreibung etwas länger ist, aber sie trifft den Kern der Sache besser auf den Kopf, da die Gebärdensprache auch eine Sprache ist.

Aber sonst hat der Teilnehmer recht: Blickkontakt im Gespräch mit Gehörlosen ist wichtig, damit dieser weiss, dass man die Aufmerksamkeit des Gegenübers hat. Anfangs sind viele Hörende davon verunsichert, weil dies ja auch ständiger Augenkontakt bedeutet, aber das ist gar nicht so schlimm, wie es sich anhört! ;-)

Kommentare:

  1. Das war dann wohl die Antwort auf mein skeptisches Posting zum Thema Alltagsprobleme? ;-)

    Nun ja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Wobei, wenn diese Maßnahme nur kurze Zeit ging, können sie halt das Fingeralphabet und einige ganz wenige Gebärden, aber nicht richtig DGS. Wenn das ausreicht - gut, dann geht´s natürlich. Die Karten mit Finger- und Lormalphabet habe ich auch noch zu Hause.

    Mal vom Wort taubstumm abgesehen:
    "Recht engagiert waren die Mitarbeiter, die schon mal Kontakt zu Taubstummen (ersetze: Gehörlosen) hatten".
    Eben. Die Kontakt hatten. Andere haben dazu wohl wenig Bezug und denen wäre vermutlich der Sinn so einer Maßnahme wenig zu vermitteln. Jedenfalls von Kursen, die zu richtigen Kenntnissen führen, nicht nur zu einem Dutzend Gebärden und dem Fingeralphabet.

    Naja, und was das Thema taubstumm angeht....
    wird wohl noch einige Zeit dauern, bis alle von der Mehrzahl der Bevölkerung verinnerlicht haben, daß die Minderheit sich anders definiert.
    Übrigens....daß man "taubstumm" nicht sagt, hat uns unser Gebärdensprachdozent damals nicht gesagt. Das hab ich erst gelernt, als ich in den Foren geschrieben habe.

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  2. Zum Teil ja, aber es ist nicht die vollständige Antwort auf deine Kommentare. Diese folgen dann später noch.

    Ich war gestern entschuldigt - hatte Geburtstag und einiges zu tun, von daher reihe ich die Antwort die nächsten Tage nach.

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  3. Ah so - ja, dann herzlichen Glückwunsch nachträglich und alles Gute fürs neue Lebensjahr!

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  4. PS
    Vielleicht sollte ich auch mal nachfragen, ob Du Dir das denn für JEDEN Verwaltungsbereich (nach Ärzten frag ich jetzt mal nicht, weil das ja nicht in meinem Ressort liegt) vorstellst, daß Ihr da spontan vorsprechen könnt, oder jetzt etwa nur für das Bürgerbüro (Einwohnermeldeamt).

    Denn ich will natürlich gern zugestehen, daß es einen Unterschied macht, ob man an einem meinetwegen zweitägigen Seminar die Gebärden lernt, die man braucht, um z.B. die Anmeldung eines neugeborenen Kindes aufzunehmen, oder ob es um einen kompletten Sozialhilfegrundantrag geht. Ersteres - okay. Das wäre durchaus möglich.

    Und ich schätze mal, daß Du gewisse Bereiche der Verwaltung da auch ausklammern würdest - was weiß ich, Chemisches Untersuchungsamt oder Denkmalschutz oder sowas?

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  5. http://www.wormser-zeitung.de/region/hochschulen/uni-leben/9590440_1.htm Hier wurde es besser gemacht. Auch wenn der Titel und die Bildunterschrift Rage bei Dir hervorrufen dürfte ;) sonst aber guter Artikel.

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