Donnerstag, 11. November 2010

Video über den Kongress zur Behindertenrechtskonvention mit Untertiteln und Gebärdensprachdolmetschereinblendung!

Da hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eindeutig was dazu gelernt, denn das neueste Video, welches über den Kongress zur Behindertenrechtskonvention berichtet, hat eine Gebärdensprachdolmetschereinblendung UND Untertitel! Das ist ein Anfang von echter Barrierefreiheit beim BMAS, denn die Untertitel sind leider keine 1:1-Untertitel, sondern stark gekürzte Untertitel. Man könnte sie auch, wenn man sehr negativ eingestellt wäre, sie eher als Zusammenfassungen als Untertitel bezeichnen. Aber immerhin hat man an Untertitel gedacht, oder?

Nun, das nächste Mal kann man ja echte 1:1-Untertitel einsetzen, nicht wahr?

http://www.bmas.de/portal/48898/2010__11__05__UN__Behindertenrechtskonvention.html


Die Gebärdensprachdolmetscherin im Video ist übrigens diejene, die die gesamte Berlinfahrt über im November 2009 einfach wunderbar gedolmetscht hat für mich! :-) Schöner Zufall! Und sie macht ihre Sache wie immer prächtigst. Das war schon eine Überraschung für mich, wo ich das Video anklickte und sie gesehen habe, aber eine schöne!

Aber die Filme über die Übereinkunft zum Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen mit den so großen Stars aus der Gehörlosenwelt wie Thomas Mitterhuber (Spectrum11, München), Helmut Vogel (KUGG-Vorsitzender, Frankfurt) Daniela Gnerlich (Gehörlosenpädagogin, Hamburg) Thomas Zander (1. Vorsitzenden des Gehörlosenverbands Berlin) und Professor Dr. Christian Rathmann (Institut für Deutsche Gebärdensprache, Hamburg) sind weiterhin nur mit Gebärdensprache versehen - die genannten Personen gebärden selbst im Video. Echte Barrierefreiheit ist das nicht gewesen und da besteht nach fast einem Jahr immer noch Handlungsbedarf, meiner Meinung nach müssen diese Videos dringend mit Untertiteln versehen werden.

Hier sind diese Videos zu finden: http://www.bmas.de/static/bas09008/flash/2009-un-konvention/popup.html

Hier ist übrigens der Link zu meinem Blogeintrag, wo ich diesen enormen Arbeitsaufwand kritisiert habe, weil er eben nicht allen Gehörlosen den gleichen Zugang zu den bereitsgestellten Informationen bietet!

Enormer Arbeitsaufwand und wo bleibt der Nutzen?

Kommentare:

  1. Hallo Jule,

    Dein Vergleich mit dem Kongress-Video und dem Video über die Übereinkunft zum Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen finde ich nicht so passend. Denn beim Kongress-Video liegt ein klassischer Film zugrunde. Um dies barrierefrei zu gestalten, sind Untertitel und Gebärdensprachdolmetscher notwendig.
    Bei dem anderen Video liegt kein Film zugrunde, sondern ein Text (genauer der Gesetzttext). Deswegen ist das Video eine "Vom-Blatt-ins-DGS-übersetzes" Video.
    D.h. es wird nicht gedolmetscht, sondern die gehörlosen Darsteller übersetzen den vorhandenen Texte in DGS. Die Texte kann man in einem gesonderten Link nachlesen.

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  2. Hallo Herr Weinmeister,

    vielen Dank für den freundlichen Kommentar zum Blogeintrag.

    Ich habe im Bloeintrag zum Arbeitsaufwand schon beurteilt, warum ich auch bei den Gebärdensprachfilmen, auch wenn der Text schon in Schriftform vorliegt, dafür plädiere, dass die Filme auch untertitelt werden.

    Und das aus dem einfachen Grund: Barrierefreiheit für alle. In meinen Augen müssen alle Gruppen von hörgeschädigten Menschen den gleichen Zugang zu den Informationen eines Filmes haben und nicht die eine Gruppe per Gebärdensprache und die andere muss sich alles nachlesen.

    Oder anders gesagt: Es ist erstrebenswert, dass die eine gebärdensprachkompetente Gruppe sich den Film zusammen mit der schriftkompetenten oder weniger schriftkompetenten Gruppe anschauen kann und die Informationen jedem gleich offenliegen ohne Zeitverzögerung.

    Daher kann die Lösung nur heißen: Gebärdensprachfilme sollten auch 1:1 Untertitel enthalten!

    Nochmals vielen Dank für die Kommentierung!

    Liebe Grüße, jule

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  3. Liebe Jule,

    du sprichst hier von Barrierefreiheit für alle, das nämlich alle Grupppen von hörgeschädigten Menschen den gleichen Zugang zu den Informationen haben sollen. Das sehe ich genauso wie Du. Es kommt aber darauf an, wie solche Informationen aufbereitet sind. Denn die Gebärdensprach-Filme, die Gebärdenwerk erstellt, sind zum größten Teil Übersetzungen in DGS und keine Filme im klassischen Sinne. Ich versuche das mal mit anderen Worten zu erklären. Da die DGS eine visuelle Sprache ist, muss bei der Übersetzung auf das Medium "Film" gegriffen werden, auch weil die Gebärdenschrift noch nicht verbreitet ist bzw. nur von wenigen Leuten verstanden wird. Nur weil hier der Film als Medium benutzt wird, heisst das lange noch nicht, dass man alles was mit dem Film zu tun hat, automatisch untertiteln werden muss.

    Als Beispiel nehme ich mal eine Text-Übersetzung von Deutsch ins Französisch. Niemand würde dann auf die Idee kommen, noch mal bei dem französischen Text in jeder Zeile noch einmal eine Übersetzung ins Deutsche darunterfügen, nur damit man gleichzeitig das Französische mit dem Deutschen lesen kann. Entweder man liest das Französische oder das Deutsche.

    Du schriebst, eine gebärdensprachkompetente Gruppe könnte den Film gleichzeitig zusammen mit der schriftkompetenten oder weniger schriftkomptenten Gruppe anschauen. Hier erwähnst du den Faktor "soziales Miteinander" hinzu, was ich auch begrüssen würde, aber das hat mit dem Begriff "Barrierefreiheit" im engeren Sinn nicht zu tun. Es sei denn, du versucht, hierfür eine erweiterte Definition zu geben.

    Laut Behindertengleichstellungsgesetz bedeutet Barrierefreiheit, dass Gegenstände, Medien und Einrichtungen so gestaltet werden, dass sie von JEDEM Menschen unabhängig von einer eventuell vorhandenen Behinderung uneingeschränkt benutzt werden können.

    Und wenn Du schon voller Barrierefreiheit spricht, würde ich es begrüssen, wenn Deine Texte auch in Deutscher Gebärdensprache zur Verfügung stehen, damit auch gebärdensprachkompetente Leute die Möglichkeit haben, in ihrer Sprache an deinem Blog mitzuwirken.

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  4. Hallo Knut,

    ich sag jetzt mal Knut, weil du mich ja auch ganz frech duzt. ;-)

    Wir haben hier unterschiedliche Positionen, die aber für den anderen nachvollziehbar sind. Dennoch erachte ich die Untertitelung von Gebärdensprachvideos aus noch einem anderen Punkt für wichtig: Mir haben immer wieder Blogleser gesagt, dass sie es schätzen, wenn Gebärdensprachvideos mit Untertiteln sind, weil sie dann auch sehen können, wofür eine Gebärde aussieht - dadurch wird die Gebärdensprache noch fazinierender für Hörende als sie es schon ist, wenn sie noch aus unverständlichen Handbewegungen besteht. Und dieser Punkt ist wichtig: Sichtbarkeit schafft Bewegung und damit Verständnis.

    Und es gibt einen klitzekleinen Unterschied zwischen mir und dem BMAs und anderen öffentlichen Einrichtungen oder Parteien, die Gebärdensprachvideos online stellen: Sie sind die öffentliche Hand, haben die Mittel dazu.

    Ich bin eine Privatperson und zudem ist die Gebärdensprache nicht meine Muttersprache, außerdem gebärde ich eher in LBG (Lautsprachlich Begleitende Gebärdensprache), was mir in den Videos wohl auch vorgeworfen werden würde, sofern ich welche online stellen würde, aber dennoch bin ich nicht ganz unkooperaktiv mit meinen Texten auf dem Blog: Sie sind soweit frei von schwierigen Fremdwörtern, damit auch der weniger schriftkompetente Gehörlose hier mitlesen kann.

    Ich bleibe von daher bei meiner Meinung, dass die Untertitelung der Gebärdensprachvideos der Gebärdensprache nicht schadet, sondern einfach dazugehört aus dem Gründen, die ich bereits erklärt habe.

    Und der Vergleich mit der Übersetzung der Texte hinkt etwas, denn es gibt auch Filme auf OMU, wo dann gleich in 3 Sprachen untertitelt wird: erste Zeile englisch, zweite Zeile spanisch und dann vielleicht französisch oder deutsch. ;-)

    Liebe Grüße,

    jule

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  5. Vollständige/echte Barrierefreiheit halte ich zu überflüssig. Ich nenne einfach den Punkt, wo die Ursache ist. Weil es gibt da riesige Unterschiede in der Sprachkompetenz. Leicht Schwerhörige und Spätertaubte haben im Umgang mit der Sprache in der Regel weniger Probleme als geborene hochgradig Schwerhörige und Taubgeborene. Wir müssen aber die ganze Gruppe der Hörbehinderten ansprechen. Das heißt: die einen nicht unter-, die anderen nicht überfordern. Auch die Kostenfrage! Nicht ganz einfach!

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