Montag, 13. Dezember 2010

Menschen mit Behinderungen unter dem Hakenkreuz

hatten es nicht leicht, auch sie wurden verfolgt und in Konzentrationslager gesteckt oder je nach Grad der Behinderung getötet, da sie als lebensunwertes Leben galten. Einen solchen Fall gab es auch in meiner Familie, aber davon berichte ich im letzten Absatz.

Gestern war der Gedanktag an die Opfer der Euthanasie und bis heute fehlt eine Gedenkstätte für diese vergessenen Opfer, was die die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) bemängelt hat. Weiterhin wurde erklärt, dass das Fehlen einer solchen Gedenkstätte um das Wissen dieser Opfer durch die Hand damaliger Ärzte, Pyschiater ein Schlag ins Gesicht dieser Opfer seie, da es eine Erniedrigung darstelle. Professor Schneider entschuldigte sich bei den Opfern und den Angehörigen, dass man diese dunkle Zeit seines Berufsstand viel zu lange verharmlost und verdrängt habe.

Quelle: Gedenken an die Opfer der Euthanasie

Der Beginn der systematischen Vergasung von unerwünschtem Leben begann in Grafeneck im Januar 1940 und endete am 13. Dezember 1940. Bilanz dieser Aktion: 10.654 Tote. Ingesamt haben die Nationalsozialisten etwas mehr als 70.tausend Menschen mit Behinderungen töten lassen.

Darüber bloggte ich bereits mal: Euthanasie-Erinnerungsaktion am 12. Dezember 2010

Dieser erfolgreiche Testlauf besiegelte den Beginn der Vergasungen der jüdischen Mitbevölkerung. Doch wie erging es den Gehörlosen unter dem Hakenkreuz?

Blogeintrag: Gehörlose Zeitzeugen unter dem Hakenkreuz

An Allerseelen beim Friedhofsbesuch erfuhr ich, dass der gehörlose Bruder meines Opas im in ein Behindertenheim abgegeben werden musste auf Anordnung, irgendwann erfuhr die Familie, dass ein Bus kam und das ganze Behindertenheim mitnahm, aber genauere Informationen bekam man auch nicht. Als der Krieg dann zu Ende war, führte man ihn wieder der Familie zu, aber er war sehr krank und blieb das auch bis zu seinem Tod mit nur 38 Jahren.

Hatte er Glück, dass er davonkam mit seinem Leben und sein restliches Leben in seiner Familie verbringen konnte? Freilich hatte er das. Wir wissen bis heute nicht, was genau mit ihm in dieser Zeit alles gemacht worden ist, er sprach auch nicht viel und auch nie darüber. Jedoch war er bestimmt ein liebenswerter Kerl, dessen Leben nicht lebensunwert war, sondern es wurde dazu gemacht aufgrund des Rassenwahns.

Die Opfer der Euthanasie haben eine Gedenkstätte verdient, denn eine solche Erinnerung sollte der Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik eine menschliches, ethisches Gesicht verleihen und festhalten, dass man ein Leben mit Behinderung nicht als lebensunwert abtun kann.

Oder ist Samuel Koch, der verunglückte "Wetten, das..." - Kandidat plötzlich ein lebensunwertes Mitglied unserer Gesellschaft geworden, weil er sehr wahrscheinlich für immer Rollstuhl sitzt? Sicherlich nicht. Das Leben ist ist auch dann lebenswert.

Kommentare:

  1. An der Berichterstattung zu S.K. stört mich zunehmend, welche medizinische Diagnosen und Mutmaßungen da zunehmend an die Öffentlichkeit geraten. Zu was eine Halswirbelsäulenverletzung führt dürfte mittlerweile jeder mitgekriegt haben, aber hier wird schon im voraus verbreitet ein Leben festgelegt, ohne den Betroffenen gefragt zu haben. Klar stehen die Chancen auf vollständige Heilung nicht besonders gut, aber es gibt auch Ausnahmen, und jetzt von vorneherein alles schlechtzureden ist nicht sonderlich motivierend. Vor allem mit dem Beiklang "an den Rollstuhl gefesselt, unfähig zu arbeiten". Dabei ist letzteres vor allem der mangelnden Barrierefreiheit geschuldet, bzw. der Barriere in den Köpfen der Menschen, und nicht dem fehlenden Willen des Betroffenen.

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  2. Ich weiß nicht genau wann, aber einigen opfern wurde ein Schmerzensgeld von einmaligen 2500€ ausgezahlt. Ein trauriger Witz.

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