Samstag, 8. Januar 2011

Körpersprache in anderen Kulturen

Heute habe ich mal wieder ein kleines Schmankerl für euch, diesmal möchte ich die Körpersprache im islamischen Kulturkreis analysieren, da ich auf dieses manipulierte Foto vom September 2010 gestoßen bin:

Ägyptischer Staatschef Mubarak wird in den ägyptischen Tagesszeitungen als Anführer
präsentiert bei dem Auftakt der Nahost-Friedensgesprächen im Weißen Haus. Auch der Spiegel berichtet über diese Montage: Mubarak, der vorgeschobene Präsident

Für mich zeigt diese Fotomontage ein sehr eindrucksvolles Beispiel darüber, wie sehr der islamische Kulturkreis bemüht ist, die eigene Körpersprache an den Westen anzupassen.

Mubarak läuft übrigens auf dem Originalfoto ganz hinten aus einem guten Grund - in islamischen Kulturkreisen lässt der Mächtigste der Gruppe allen anderen den Vortritt und geht als LETZTER durch die Türe - vermutlich trat die Gruppe kurz zuvor aus einer Türe. Weitere Anhaltspunkte für meine Theorie, warum es so gewesen sein könnte, folgen sogleich.

Die Gruppe der 5 Staatsmännern auf dem Foto besteht aus US-Präsident Barack Obama, dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Pälestinenserpräsident Mahmud Abbas sowie dem jordanischen König Abdullah.

1. Man sieht auf dem Originalfoto, wie Barack Obama sich an die Spitze setzt als Anführer der westlichen Welt - dicht hinter ihm bemühen sich der israelische Ministerpräsident Netanjahu und Abbas von den Schritten her stets auf der gleichen Höhe zu sein, keiner von ihnen will hinter dem anderen zu sehen sein, ein gutes Zeichen für den gemeldeten optimistischen Ton während der Friedensgespräche!
Und von der Schrittfolge her war der jordanische König Abduallah, verheiratet mit der Pälestinenserin Rania und einer von zwei amtierenden Staatschefs in der arabischen Welt, wohl unabsichtlich ganz leicht vor den beiden Kollegen aus der islamischen Welt, wobei von ihm bekannt ist, dass er der westlichen Welt gegenüber sehr aufgeschlossen ist.

2. Auf dem Foto sieht man übrigens sehr schön, wie die Männer aus den islamischen Kulturkreisen die gleiche Art haben zu gehen und dabei den Handrücken zu zeigen. Ich muss mir mal anlesen, warum das typisch dafür ist.

3. Schaut euch mal dieses Video an, es zeigt Bill Clinton mit Yassir Arafat und Ehud Barak in Camp David. Ab der Sekunde 41 sieht man alle drei vor die Kamera treten. Ein scheinbar friedliches Bild, doch treten Barak und Arafat nur gezwungen freundlich auf, denn man sieht wie Ehud Barak die Fäuste ärgerlich ballt und mit gleicht gebeugten Knien darsteht wie ein kampfbereiter Boxer. Die Kamera schwenkt über sein Gesicht und man sieht seine zusammengekniffenen Lippen. Bill Clinton steht als Vermittler zwischen den beiden und gibt sich als Optimisten. Bei Arafat sind die Hände auch leicht ärgerlich geballt, aber ihm gelingt's immerhin für die Kamera ein Lächeln aufzusetzen. Und ab der 1:51 Minute reibt sich Barak die Hände, für mich drück diese Gestik die Erleichterung darüber aus: "Na, endlich ist dieser Kameratermin für die Presse zu Ende. Diese Analyse war jetzt nur ein zusätzliches Schmankerl, denn ich wollte nämlich was ganz anderes zeigen:

4. Ab der 01:57 Minute sieht man, wie Arafat und Barak Bill Clinton lachend vor ihnen durch die Türe schicken und dann anfangen zu streiten, wer von ihnen zuerst durch die Türe gehen soll. Jeder will dem anderen den Vortritt lassen. Bill Clinton springt helfend zur Seite und öffnet die andere Flügeltüre, worauf die beiden sich darauf einigen können ARM in ARM durch die Türe zu gehen. Lustig finde ich, dass man an der Haltung des Assistenten hinter ihnen merkt, dass dieser sehr erleichtert darüber ist, dass dieses Problem gelöst werden konnte.

5. Und ich kann diese Theorie belegen: Gilian Foster und Loker erklären in der Serie "Lie To Me" in der 7. Folge "Um jeden Preis dieses spezielle Machtgefüge in der islamischen Welt, indem sie genau dieses Türgerangel von Arafat und Barak zeigen. :-) Wissenschaftlich wird die Serie von Paul Ekman begleitet und entwickelt, doch wer ist Paul Ekman eigentlich? Der amerikanische Wissenschaftler gehört zu den hundert bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts und ist führend auf dem Gebiet der nonverbalen Körpersprache. Auch basiert die Serienfigur des Cal Lightman auf ihm.

Anhand dieser Punkte halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Mubarak als letzter durch die Türe ging, was mich fragen lässt, warum er in der islamischen Welt als mächtigster Mann angesehen wird und warum uns seine Macht im Westen nicht bekannt ist? Immerhin sieht man auf dem Foto, wie ein Lächeln seine Mundwinkel umspielt.

Zu diesen Schlußfolgerungen komme ich von meinem Hintergrundwissen her und meinen Empfindungen, aber was ist denn eure Meinung dazu?

Kommentare:

  1. Auffallend ist der extrem nach hintenverschobene Gang, als würde er extra den Gang verzögern.Interessant wäre was die Fotozensur durch Obamas Presseagenten durch dieses Bild ausdrücken wollte, ob sie Schmeicheln oder Demütigen wollten.

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  2. Hmmm. Ich finde einiges an diesem Post schon recht problematisch. Zum Begriff "Kulturkreis" verweise ich einfach mal auf die Wikipedia.


    Körpersprache im "islamischen Kulturkreis" finde ich schon kritikwürdig, denn es müsste dann ja auch eine Körpersprache im christlichen Kulturkreis geben. Und: welche Körpersprache hätten dann arabische Christen oder orientalische Juden? Mithin denke ich, dass die Körpersprachen auch innerhalb der europäischen Kulturen nicht komplett identisch sein werden und so wird es auch in den arabischen Ländern sein.

    Ich denke auch, dass man nicht nur anhand eines Beispiels davon ausgehen, dass nun Körpersprachen komplett übernommen werden.

    Ob Mubaraks prominente Stellung innerhalb der arabischen Welt hier wirklich nicht bekannt ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

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  3. Sehr interessant, ich wusste gar nicht, dass in Arabien die mächtigste Person als letztes durch die Tür gehen darf. Das ist ja hier genau umgekehrt. Aber die Fotomontage ist dadurch irgendwie kaum zu verstehen für mich. Außer, die agyptische Tageszeitung, wollte ihn veralbern, indem sie ihm dadurch, dass er vorne geht, "die Macht wegnimmt".

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