Samstag, 5. Februar 2011

Liebe Monica Lierhaus!

Eben wurde ich Zeuge von Ihrem denkwürdigen Aufritt bei der "Goldenen Kamera" im ZDF, der nicht nur mich beeindruckt hat, sondern auch viele andere Zuschauer im Saal und vor allem vor dem Fernseher. Sie erschienen wieder auf der Bildfläche von der Sie fast 2 Jahre lang verschwunden waren von heute auf morgen und gaben ein beeindruckendes Statement ab: "Seht her, ich bin wieder da. Mir geht's gut."

Einzig ihr Gang liess erahnen, was für eine unglaubliche Arbeit hinter Ihnen liegt und welche noch vor Ihnen liegt. Es war bestimmt nicht einfach für Sie in die erschrockenen und teilweise auch befremdet-mitleidigen Gesichter der anwesenden Prominenz zu blicken, die ihr Entsetzen über ihren Gang nicht verbergen konnten.

Dies hat mich noch mal an dieses berühmte Zitat des Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker erinnert:" Nicht behindert zu sein, ist wahrscheinlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jederzeit jedem von uns jederzeit genommen werden kann."

Sie, Frau Lierhaus, haben wie auch Samuel Koch das erfahren, wie schnell das gehen kann und trotz Ihrer exklusiven Stellung der Gesellschaft haben Sie wohl auch mit Barrieren kämpfen müssen mit denen Menschen mit Behinderungen tagtäglich in der Gesellschaft zu tun haben. Vielleicht erlebten Sie die Rolle des Bittstellers am eigenen Leib, weil Ihre Ansprüche, die Ihnen vom Gesetz eigentlich klar und deutlich zugestehen, nicht erfüllt worden sind - vielleicht hatten Sie aber auch Glück, was ich von hier aus nicht beurteilen kann.

Aber eins kann ich beurteilen: Sie haben sich erfolgreich zurück ins Leben gekämpft, auch wenn noch ein Berg vor Ihnen liegt und ich hoffe, dass Sie mit ihrem Auftritt im Fernsehen die Barrierefreiheit und Akzeptanz der Menschen mit Behinderungen in der Geselllschaft vorangebracht haben, denn bitte verzeihen Sie mir: Sie und Samuel Koch haben gezeigt, dass es jeden von uns treffen kann und damit vielleicht einen Schalter in den Köpfen der Menschen umgelegt.

Die Barrieren im Kopf müssen zuerst beseitigt werden, damit die Barrieren im alltäglichen Leben nicht mehr aus den Barrieren im Kopf entstehen.

Aber zuerst freue ich mich einfach nur, dass es Ihnen wieder soweit gut geht und wünsche Ihnen für den weiteren Weg alles GUTE und viel Kraft!

Liebe Grüße,

Julia Probst

Kommentare:

  1. Ein schöner Text, der das gut trifft, was auch ich gedacht habe, als ich Frau Lierhaus eben gesehen und gehört habe.

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  2. Ja, Du triffst es ganz gut, doch was den gut Hörenden im Saal und vor dem Fernseher noch viel stärker als ihr Gang aufgefallen sein dürfte ist wohl ihre Stimme, die nun sehr heiser, stellenweise stockend, angestrengt und abgehakt klingt.

    Als Radio- und Fernsehmoderatorin ist sie vor allem durch ihre Stimme und ihren spontanen, flexiblen Umgang mit Sprache bekannt geworden. Dass sich nun gerade diese Erkennungsmerkmale durch ihre Erkrankung so sehr verändert haben, um Jahrzehnte gealtert scheinen, dürfte ebenso zur erschrockenen Reaktion in Teilen des Publikums beigetragen haben wie ihr Gang.

    Dass derartige Schicksalsschläge jeden Menschen jederzeit aus heiterem Himmel treffen können, wissen wir - wie Du schreibst - durch Samuel Koch und Monica Lierhaus. Auch der Schauspieler und Synchronsprecher Peer Augustinski (die deutsche Synchronstimme von Robin Williams) hat vor einigen Jahren einen Schlaganfall erlitten und inzwischen mit seiner Physiotherapeutin ein lesenswertes Buch darüber geschrieben.

    Wie schnell und wie gut man sich nach so etwas erholen kann, hängt ohne Zweifel wesentlich vom eigenen Kampfgeist und Überlebenswillen ab - wer einfach nicht will, dem kann man auch nicht helfen. Für diesen Kampfgeist gebührt Frau Lierhaus allergrößter Respekt.

    Doch eine wirtschaftlich abgesicherte Situation, in der man sich jenseits des auf Fallpauschalen reduzierten Gesundheitswesens auch mit Unterstützung einer persönlichen Krankenschwester (der Frau Lierhaus ja auch ausdrücklich gedankt hat und die dann sogar im Bild zu sehen war) allein auf's Gesundwerden konzentrieren kann, macht fast alles - bis auf den täglichen Kampf gegen sich selbst - ungleich einfacher.

    Wenn solche Dinge wie Arbeitsplatzverlust, Therapiekostenübernahme, Hilfsmittelkosten, Anwaltskosten zur Durchsetzung verweigerter Ansprüche und so weiter überhaupt keine Rolle spielen, kann man auch in vergleichsweise kurzer Zeit bemerkenswerte Fortschritte erzielen. Notfalls ein Haus behindertengerecht umzubauen, einen Trainingsraum einzurichten, eine Rampe vor die Tür zu setzen, überall Geländer anzubringen, kurz einen Minivan mit Schiebetür anzuschaffen, damit man auch leicht vom Rollstuhl ins Auto wechseln kann - das ist nicht jedem mal so eben möglich, kann aber ausschlaggebend dafür sein, ob man nun zwei oder eher fünf Jahre braucht, bis man wieder einen Schritt weiter gekommen ist.

    Wir "gewöhnlichen" Menschen, denen so etwas passiert (Hirnschädigung nach vermasselter Operation) und die im wesentlichen allein mit ihrer Situation fertig werden müssen, haben an manchen Tagen schon nach drei langwierigen Telefonaten mit irgendwelchen Sachbearbeitern alle Kraftreserven für den Rest des Tages aufgebraucht, an Training um "gesund" zu werden ist da dann kaum mehr zu denken. Da reicht dann auch alles Wollen der Welt nicht aus, wenn der Körper vor lauter Zermürbung auf Nebenkriegsschauplätzen irgendwann einfach "Nein" sagt.

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  3. Falls das stimmt, was Spiegel Online hier schreibt, und sei es nur ansatzweise in der Größenordnung eines "anfänglichen" Jahresgehalts von über 100.000 Euro für das Vorlesen von Lotteriegewinnzahlen, wird Frau Lierhaus - so sehr es mich für sie freut - wohl kaum jemals in eine Situation kommen, in der sie - abgesehen von der eigentlichen Erkrankung und den Einschränkungen im Umgang mit dem eigenen Körper - das nachvollziehen können wird, was alle anderen mit ähnlichen Krankengeschichten und Behinderungen durchstehen müssen. Bittstellerin, Abwägerin zwischen "leiste ich mir nun dieses oder jenes, weil ich mir beides nicht leisten kann" - das wird ihr wohl für immer erspart bleiben.

    Falls die im verlinkten Artikel benannte Summe tatsächlich der Wahrheit entspricht, wären das aberwitzige zehntausend Einheiten Physio- oder Ergotherapie pro Jahr, oder aber drei persönliche Ärzte, drei persönliche Kankenschwestern und drei persönliche Physio-/Ergotherapeuten, die ihre lückenlose Versorgung rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche gewährleisten könnten.

    So sehr mich der Auftritt und die Rückkehr von Frau Lierhaus beeindruckt haben, und so sehr ich mich auch für sie freue - doch für diese im Raum stehende Summe könnte man gut und gerne die Lebenssituation von hundert Menschen mit vergleichbarer Krankengeschichte (und es gibt sie, das weiß ich ganz sicher) dramatisch verbessern, deren Genesungsverlauf beschleunigen und ihnen durchaus aussichtsreiche Behandlungen bezahlen, für die deren Krankenversicherung nicht aufkommt, die sie sich aus eigener Tasche nicht leisten können und deswegen darauf verzichten müssen.

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