Dienstag, 15. März 2011

Obama und sein wichtigstes Instrument

Es gibt zwei wichtige Gründe für den Wahlsieg des US-Präsidenten Barack Obama, der eine ist so logisch wie überzeugend: er hatte die Jugend hinter sich und mit ihnen ein großartiges Wahlkampfteam, die das Potential des Internets erkannten.

Der andere Grund ist verblüffend einfach und mag sich nicht so überzeugend anhören, aber dennoch ist er die Geheimwaffe Obamas - seine Körpersprache! Nonverbale Kommunikation machen laut Samy Molcho 80 % der Reaktionen in der zwischenmenschlichen Kommunikation aus, was sich erschreckend anhört, da man sich dessen nicht bewußt ist.

Politisch gesehen gibt es viele Beispiele, warum die Körpersprache daran schuld war, dass jemand die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen hat oder verloren hat. Man erinnere sich an Richard Nixons Schweißperlen und den dunklen Schatten seines Bartes im Fernsehduell im Jahr 1960 gegen den smarten John F. Kennedy. Nixon verlor das Duell und die Wahl.

Video vom Fernsehduell von Nixon vs. Kennedy - mir fällt übrigens auf, dass Nixon reichlich unsicher da sitzt und hauptsächlich seinen Rumpf mit einem Arm schützt, während Kennedy einen lockeren und unverkrampften Eindruck macht. Außerdem ist das unsichere Lächeln von Nixon ab 00:19 ein Indiz darauf, wie verkrampft Nixon ist. Kennedy dagegen grüßt sicher und staatsmännisch in die Kameras. Dieser Unterschied wird einem gleich in den ersten Minuten des Duells klar, wovon ich mir nur die ersten Minuten anschaute.

Oder etwa die steife Körperhaltung des Demokraten Michael Dukakis im Fernsehduell 1988 gegen Bush George senior - das war ein verlorener Wahlkampf.

Beim Anblick dieser Duelle wird einem klar, dass es wirklich auf die winzigsten Kleinigkeiten ankommt, damit das Fernsehpublikum dich zum Gewinner oder eben zum Verlierer macht, ein Auftritt eines Wahlkampfkandidaten in einem Fernsehduell ist sozusagen auch ein Ritt auf der Rasierklinge.

1992 konnte George Bush senior es einfach nicht lassen und guckte ungeduldig auf seine Armbanduhr in der Debatte mit einem gewissen Bill Clinton, der dann die Wahl auch unter anderem deswegen prompt gewann.

Und der Grund, warum Al Gore die Wahl gegen George W. Bush verlor? Gore rollte ungeduldig mit den Augen und seufzte zudem laut.

Das sind also minimale Kleinigkeiten, die der Fernsehzuschauer mehr oder weniger mitbekommt und die entscheiden über die Akzeptanz und Sympahtie des Kandidaten bei der Bevölkerung. Wie kein anderer Politiker beherrscht Obama virtous den Ritt auf eben dieser Rasierklinge, denn der moderne Politiker hat die Aufgabe das Volk für sich einzunehmen statt es zu vergewaltigen mit einer threatalischen Körpersprache vor der Zeit der Fernsehaufnahmen.

Als herausragendes Beispiel für Politiker mit einer solchen vergangenen politischen Körpersprache seien Hitler oder Mussolini genannt. Beide spreizten oft die Beine und stemmten die Hände in die Hüfte und schlugen während ihrer Reden die Arme einander oder fuchtelten damit in der Luft herum, womit man heute keinen Blumentopf mehr gewinnen würde.

Gut, kommen wir zurück auf Obama und seine Körpersprache, die er zu seinem Vorteil benützen kann, weil er sich meistens dessen bewußt ist auch vieles von dem, was er sagt, auch tatsächlich so und nicht anders meint.

Hier ein interessantes Video von Obama in Raleigh im Jahre 2008, wo er noch unverbrauchter war und auch noch provozieren konnte und durfte und damit bestens ankam bei den Leuten, die voll auf ihn abfahren. Die Mimik in seinem Gesicht wechselt sich hervorragend ab zwischen Ernst und Spaß. Ab 01:19 sehen wir eine totale Mikrogeste, die Obama öfters macht - er zeigt den "Finger", genau den Stinkefinger, womit er sich im Gesicht kratzt. Der Finger galt übrigens Hillary Clinton. Diese Mikrogesten per Stinkefinger werden häufig einfach übersehen, weil sie sich meistens parallel zu anderen Handlungen abspielen - interpretieren kann man diese Mikrogestik als Ausdruck von Feindseligkeit, Missfallen, Verachtung oder Abscheu.

Wie jung und fröhlich er wirkt, als er diese sportive Geste macht ab 01:27, die übrigens glänzend beim Publikum ankommt. Dann ein etwas abschätziges Lachen von ihm, das aber echt ist und auch so gemeint ist, weil das Lachen bis zu den Augen geht, sehen wir ab 1:45. Und ab der 2:28 gibt es ein echtes Higlight: Obama wischt sich die Schulter demonstrativ ab - diese Haltung zeigt soviel wie: "Du kannst mir nix." Das Publikum rast total aus nach dieser deutlichen Körpersprache und daraufhin wischt er sich noch mal die Schultern ab, was sich kurz darauf mit seinem sehr zufriedenem Gesicht wiederholt - ein paar Sekunden später überlegt er, ob er wirklich auf das Ganze gehen soll mit einem flüchtigen "Lausejungen"-Grinsen. Und er tut es tatsächlich - er wischt sich demonstrativ auch noch die Hose ab! Gelächter und Klatschen im Publikum - er hat sie vollends auf seiner Seite!

Und Obama arbeitet wirklich sehr oft mit dem "Finger" -oft unbewußt und oft bewußt - hier ein gutes Beispiel, wie man so eine Gestik unbemerkt einbauen kann: Obama zeigt McCain den Finger! Und das macht er wirklich oft: Obama kratzt sich mit dem Mittelfinger!

Eine Zeitlang fragte ich mich, ob er es nicht weiß, wie oft er tatsächlich damit arbeitet, aber ich glaube, es ist tatsächlich so: ER weiß es und denkt gar nicht daran sich zu verstellen, weil es eben sein Vorteil ist!

Manchmal aber weiß er es und achtet darauf, dass seine Arme nicht im Bild zu sehen sind wie hier beim Briefing der Presse, aber ab 07:44 sieht man ihn doch eindeutig, als er "Number two" sagt. Ich bin da mir nicht sicher, ob es diesmal wirklich Zufall war, da er dabei ja zählt und die Amerikaner eine andere Zählweise haben mit den Händen, wobei da der Zeigefinger schon arg (absichtlich?) gekrümmt ist.

Ja, ich muss hier gestehen: Ich mag Obama, wie könnte ich das nicht? Er zählt tatsächlich zu meinen wenigen Lieblingspolitikern und damit bin ich nicht alleine. Er ist der neue Typ eines Politikers, wovon es in den nächsten Jahren immer mehr geben wird - ein einfühlsamer verführerischer Typ, der was im Kopf hat.

Da fällt mir praktischerweise jetzt Guttenberg ein, der ja zum Glück nicht mehr unserer Minister ist, sondern jetzt seine Memoiren selbst verfassen wird, mal sehen ob er diese genauso gut in Szene setzen kann wie sich selbst - wir kennen doch alle seine Abbildung auf dem Times Square als damaliger Wirtschaftsminister. "Die Welt gehört mir!" signalisierte seine Körperhaltung.
Oder Guttenberg als "Soldat" an vorderster Front in Afghanistan mit verspiegelter Pilotenbrille und Helm. Wer fühlte sich da nicht an "Top Gun" erinnert?

Sehr bezeichnend auch das Foto, welches er verbieten liess - mit seiner Frau Stephanie liess er sich auf einem "erlegten" Dinosaurier fotografieren mit aufgekrempelten Ärmeln und sie hockt anbetend zu seinen Füßen. Was hatte Deutschland nur für einen Jung-Siegfried! ;-)

Auch Guttenberg wurde lange als neuer Politikertyp bezeichnet und vor allem gefeiert, aber anders als Obama war bei ihm mehr Schein als Sein.

Jetzt ist er ja entlassen worden und der Stern hat eine sehr interessante Fotostrecke von dieser Entlassung online:

Der Liebling geht - Entlassung im Bendlerblock

Foto 1: Auffällig ist vor allem, das Guttenberg schlecht rasiert wirkt, Paralleln zu Nixon's damaligem Auftritt werden wach bei dem Anblick. Auch hat er eine fleckige Haut vorzuweisen.

Foto 3: Auf mich wirkt diese erstarrte Haltung von Guttenberg so, als würde er daran denken, was sein Vater ihm immer predigt: "Junge, bewahr Haltung!"

Foto 4: Der Anzug spannt etwas, auf mich wirkt er etwas voller als sonst, vielleicht hat er sich Kummerspeck angefressen? Kann aber auch an dem Anzug selbst liegen.

Foto 6: Interessant ist das Bild vor allem, weil alle außer Guttenberg einen schwarzen Anzug traten, meiner Meinung nach hat er bewußt keinen schwarzen Anzug gewählt, sondern eher einen silbergrauen. Seine Körperhaltung ist die eines angeschlagenen Boxers, er steht breitbeinig da und knetet seine Hände sehr kräftig.
Merkel und deMaziere spiegeln sich übrigens, ohne sich anzuschauen. Die gleiche starre Körperhaltung, der gleiche starre Blick, auch sind die Hände auf die gleiche Weise nah am Körper. Der neue Innenminister Friedrich sieht aus, als könnte er es nicht fassen neben so "berühmten" Leuten zu stehen und wirkt sehr unsicher durch seine schiefe Körperhaltung.

Bild 7 ist sehr schön - einen großen Dank an den Fotografen, der seine Hände eingefangen hat, denn man sieht deutlich den hellen Abdruck der Hände durch das Kneten, auch sieht man die fleckige Haut und den dunklen Bartschatten deutlich. Diese "Ungepflegtheit" ist untypisch für Guttenberg, so hätte er sich normalerweise nie präsentiert. Spielt er hier die Opferrolle? Wulff beugt sich übrigens gar nicht "leicht" rüber, wie man das normalerweise macht bei einer Verabschiedung.

Bild 8: Guttenberg sieht aus wie ein Ertappter, der sich fragt: "Wohin des Weges jetzt?"

Bild 12: Hier passt die Bildunterschrift perfekt - das ist wirklich joviales Schulterklopfen!

Übrigens: Deutsche Politiker haben vor 1960 niemals gelächelt, was heute unvorstellbar ist. Ein Politiker, der nicht lächelnd auf sein Volk zugeht und Hände schüttelt? Heute ist die Währung eines Politiker sein Lächeln, es entscheidet über Sympahtie und Akzeptanz in der Bevölkerung.

Wieviel Macht hat doch ein Lächen - lächeln Sie doch mal einfach jemanden auf der Straße zu, es kommt sicherlich eins zurück und wenn nicht, ist es auch egal, denn es geht sich doch am besten durchs Leben mit einem Lächeln. Gerade in diesen Zeiten, wo man bange nach Japan schaut und am liebsten die Augen verschließen möchte und die Stopp-Taste drücken möchte mit den Worten: "Sag mal, ist das nicht ein bisschen viel Apokalypse für einen EINZIGEN Film, der da gerade läuft?" Es ist ein einziger Film - wir haben nur eine Erde, mit der wir alle behutsamer umgehen sollten - genau wie mit unserer Einschätzung in die Fähigkeiten eines Politikers. Es kommt nicht darauf an, was er sagt, sondern WIE er es sagt.

Kommentare:

  1. Obama bricht ein Wahlversprechen nach dem anderen und Du sprichst davon, ihn zu mögen? Wie geht das denn? Weil er ne angenehme Körpersprache hat und gut rüberkommt? *grusel*

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  2. @Anonym: Das stimmt nicht, dass er unzählig viele Wahlversprechen gebrochen hat. Irgendwo im Internet gibt es einen Link, wo man sehen kann, wieviele Wahlversprechen er tatsächlich gehalten hat. Es waren weitaus mehr als bei seinen Vorgängern.

    Ich mag Obama, weil er was im Kopf hat, er hat Substanz und er ist wirklich nicht dumm. Politisch hat er das Pech, dass er schwierigen Zeiten und einer mächtigen Lobby in Washington gegenüber steht.

    Ich denke, wenn man sich mal den Film "Welcome, Mrs. President" angeschaut hat, dann versteht man, wie schwierig es ist, Politik zu betreiben in Washington!

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  3. Es sind genau diese Analysen der Körpersprache, die mich so sehr faszinieren. Ich bin erst seit kurzem Leser deines Blogs aber es ist für mich wie ein Augenöffner. Mittlerweile schalte ich schon mal den Ton aus, wenn ich mir auf Youtube Interviews ansehen will, bevor ich sie mir auch anhöre. Man sollte es einfach tun, weil man so viel eher darauf kommt,was einen an den Leuten sympathisch vorkommt, was einen beeindruckt und was eine abstößt. Man kann es oft sogar benennen, wann man glaubt wo jemand lügt oder bewusst etwas aus lässt, obwohl man den Text ja noch gar nicht kennt.

    Man wird sensibler, was das Erscheinungsbild der Personen angeht und einmal sensibilisiert ist es wie eine neue Welt,die man entdecken kann, auch im Alltag.

    Mag jetzt etwas schleimerisch klingen, aber ich meine es ehrlich: Danke für diese leicht andere Sichtweise. :)

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  4. @jule
    Mag sein dass Obama quantitativ mehr hält als er bricht, oder er besser da steht als vergangene Präsidenten, aber da habe ich zumindest einen höheren Anspruch als „besser als die anderen”. Wenn er etwas verspricht und damit Wahlkampf betreibt, und die Macht hat das zu ändern, dann soll er das auch.

    Momentan dagegen benennt er einen Lobbyisten und Banker nach dem anderen zu Regierungsbeamten, und die Guantanamo-Schließung scheint auch wieder vom Tisch.
    Und gerade Guantanamo, dessen Betrieb menschlich unentschuldbar ist bewerte ich da als wesentlich wichtiger als etwa die halbherzige Gesundheitsreform, die in der Tat Aufgrund des Widerstands anderer Politiker / Republikaner so abgeschwächt wurde / werden musste.

    Trotzdem kann man, und das weiß ich, Obama auch nur nach seiner Redekunst und Gestik bewerten, die, wie wir ja in diesem Beitrag lesen können, zumindest vor der Präsidentschaft sehr sympathisch war. :)

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  5. Wieder ein interessanter Beitrag von dir, Jule, zum Thema Körpersprache. Stimme zu, dass Auftreten und Erscheinungsbild eine große Rolle spielen. Das Fernsehduell Nixon vs. Kennedy ist in dieser Hinsicht legendär. Interessant ist, wie anders das Duell gewertet worden sein soll von jenen, die es nur als Radioübertragung gehört haben, weshalb dieses Duell als Beleg dafür gilt, das Auftreten/Erscheinung sogar ausschlaggebend sein können.

    Worauf ich allerdings einmal hinweisen möchte, ist der Mythos, bis zu 80 Prozent unserer Kommunikation wären nonverbale Kommunikation, manche sprechen sogar von bis zu 93 Prozent. Diese Aussage ist pauschal und wissenschaftlich so nicht belegt (daran ändert auch die Relativierung mit "bis zu" nichts). Sie wird leider immer noch von diversen Kommunikations- und Rhetorikratgebern, Trainern und Coaches gerne verbreitet. Wenn überhaupt dafür mal eine Quelle genannt wird, dann wird sich auf die Forschungsarbeit von Albert Mehrabian bezogen und dabei von der "7%-38%-55%- Regel" gesprochen. Abgesehen davon, dass Mehrabians Forschungsresultate hinterfragbar sind, wird zu gerne von vielen außer Acht gelassen, in welchem Kontext seine Ergebnisse stehen. Es ging bei Mehrabian nicht generell um Kommunikation sondern um die Kommunikation von Emotionen.

    Einfach gesagt: Wenn wir z.B. traurig sind drücken wir dieses deutlicher oder mehr durch Körpersprache und Tonfall aus als durch das Wort "traurig" an sich. Wenn ich allerdings "Baum" sage, ist es durchaus möglich, dass ich damit auch Emotionen verbinden, aber das muss nicht sein. Und dieses Emotionen mögen dann wenig mit der Situation an sich zu tun haben, in der ich gerade bin oder war, als ich nun "Baum" sagte.

    So weit ich weiß, hat auch Samy Molcho dazu keine eigene systematisch Forschung betrieben, auch wenn er zahlreiche Bücher über das Thema Körpersprache veröffentlicht hat und mit seiner jahrelangen Erfahrung als Pantomime dazu sicher einiges interessantes sagen kann.

    Richtig ist, das Informationen oder Botschaften nicht nur durch das reine Wort vermittelt werden, sondern es ebenso andere Wege (Kanäle) gibt, und je nach Situation und Kontext diese anderen Kommunkationskanäle (Mimik, Gestik, Ton) wichtiger sein können. Dabei können wir über die verschiedenen Kanäle zeitgleich sogar unterschiedliche Botschaften vermitteln. Ich kann also mit den Worten eine andere Botschaft mitteilen als mit meinem Tonfall oder meiner Körpersprache, bewußt oder unbewußt. Das macht es interessant, Körpersprache bewußt lesen wie auch nutzen zu können. Darüber hinaus sind manche Menschen darauf angewiesen, sozusagen einen Kanal mit einem anderen zu kompensieren.

    Emotionen spielen sicherlich gerade auch in politischen Debatten und Reden eine (große) Rolle, aber ich finde, mit Interpretationen ist immer vorsichtig umzugehen. Nicht immer ist der gesamte Kontext des jeweiligen Momentes bekannt. Es kommt durchaus auch immer noch darauf an, was ein Politiker sagt, nicht nur das Wie. Politisch ist letztlich aber wichtiger, wie dann gehandelt wird.

    Und ein echtes Lächeln hat in der Tat eine große Wirkung. Da ich beruflich in den vergangenen Jahren viel mit rein auditiver Kommunikation zu tun hatte (also Beratungen via Telefon - im Bereich Kundenservice wird übrigens leider auch viel zu wenig nachgedacht, wie Gehörlose&Schwerhörige eingebunden werden könnten) kann ich aus Erfahrung sagen: Ein Lächeln ist auch in der Stimme hörbar - nur mal so für alle hörenden Leser u. Leserinnen hier. Aber schöner ist es, ein Lächeln direkt auf einem Gesicht zu sehen.

    Gruß
    plietschje :D

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  6. Hm. Jule, ganz ehrlich, der Wissenschaftler in mir hat immer wieder Bauchschmerzen bei der Lektuere deiner Analysen.

    Zum Einen, weil du immer wieder die 80%-Koerpersprache-Sache wiederholst, fuer die ich bislang noch nie eine ueber Populaerliteratur hinausgehende Begruendung bzw. Forschungsergebnisse gesehen habe (siehe plietschje). Ich halte auch die Verknappung von "auf die Uhr sehen -> Wahlverlust" und Co. allein fuer sich stehend fuer unzulaessig.

    Zum Anderen habe ich mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass dir sympathische Politiker durch die Bank gut und dir unsympathische Menschen durch die Bank bei der Analyse schlecht wegkommen. Einmal eine "blinde" Analyse, in der du wenig vom Kontext weisst und bevorzugt die Akteure und ihre politische Zuordnung gar nicht kennst, waere sicher interessant zu lesen.

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  7. @stk: Ich habe Literatur von Joe Navarro und Paul Ekman gelesen.

    Navarro sagt, dass der ungeduldige Blick einer Person während eines Gesprächs darauf schließen kann, dass die Person es etweder eilig hat oder eben das Gespräch so unangenehm ist, dass sie nicht mehr im Raum sein will.

    Und der Fernsehzuschauer hat eben bei Bush gesehen, dass er der Diskussion mit Clinton nicht gewachsen war und das auch signalisiert hat mit dem Blick zur Uhr.

    Zum Beispiel bei Westerwelle wußte ich auch sehr wenig vom Kontext - ich hatte bei Phoenix gar keine Untertitel zur Verfügung und war auf das angewiesen, was ich ablesen konnte und dennoch schrieb mir ein Analyst der Rede von Westerwelle, dass es interessant war dass seine wörtliche Analyse mit meiner Deutung übereinanderstimmte.

    Es gibt auch Politiker von anderen Parteien, die mir sympahtisch sind, aber meiner Meinung die falsche Partei gewählt haben. ;-)

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  8. Die Verbindung "auf die Uhr sehen -> Eile" (bzw. Raum verlassen wollen) kann ich voll nachvollziehen, und auch, dass jemand, der sich der Situation nicht gewachsen fuehlt, das so tut. Ich wuerde aber den Zusammenhang zwischen diesen Gesten und dem Wahlverlust so nicht schliessen wollen (als Beispiel).

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  9. Also, für die Wahlniederlage von Al Gore gibt es auch noch einen anderen nicht ganz unerheblichen Grund... da war nämlich, wenn ich mich korrekt erinnere, was mit einer möglicherweise nicht ganz "sauberen" Stimmenauszählung in Florida, deren Neuauszählung dann vom obersten Gerichtshof gestoppt wurde, und außerdem ist das amerikanische Präsidentschaftswahlsystem mit verantwortlich. Gore konnte nämlich durchaus die Mehrheit der absoluten Wählerstimmen auf sich vereinigen (über 500.000 Stimmen mehr als Bush), nicht aber die letztlich ausschlaggebende Mehrheit der Wahlmänner (vgl. auch den Abschnitt "Präsidentschaftskandidaturen" im Wikipedia-Artikel über Al Gore, http://de.wikipedia.org/wiki/Al_Gore)

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  10. @Holger Ja, die unsaubere Stimmauszählung ist mir auch noch lebhaft in Erinnerung - ich glaube ja immer noch, dass Al Gore die Wahl ganz knapp in Florida gewonnen hat aufgrund der vielen Mauscheleien ber der Neuauszählung.

    Aber nach diesem ungeduldigen Augenrollen lag Gore in der Wählergunst etwas zurück, bevor er dann obenauf schwamm. Gerade bin ich mir nicht sicher, wo ich das las. Ich glaube, bei Michael Moore.

    Gut, Moore ist oft umstritten, man kann ihn als Quelle heranziehen oder eben nicht - je nach Gusto, ob man Moore für glaubwürdig befindet.

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