Freitag, 22. April 2011

Bankberatung für Gehörlose in Gebärdensprache

Die Verlinkung zu Robert Davis, dem gehörlosen Bankberater der Düsseldorfer Commerzbank ist ja bisschen untergegangen in dem Artikel zu "In Aller Freundschaft", daher geh ich noch mal genauer auf seine Aussagen im Interview ein.

Interview mit einem gehörlosen Bankberater und hier das Video von Davis an seinem Arbeitsplatz Nur schade, dass das Video ohne Untertitel ist, damit auch Gehörlose mitbekommen, was Robert Davis so alles über seine Arbeit sagt und eigentlich ist es schon ironisch, dass DerWESTEN im Artikel gleich in der ersten Zeile darauf hinweist, dass der 27. September der Tag der Gehörlosen ist und in der Schlusszeile darauf hinweist, dass der Tag die normalen Menschen darauf aufmerksam machen soll, mit welchen Schwierigkeiten Gehörlose im Alltag zu kämpfen haben - das steht dann schon in krassem Widerspruch zu einem nicht barrierefreien Video über Gehörlose, auch wenn meistens die Gebärdensprache zu sehen ist.

Auch gefällt es mir nicht, dass im Interview der TAZ mit Robert Davis die Rede ist von "Gehörlosendolmetscher", denn das ist schlicht und einfach falsch. Die Sprache der Gehörlosen ist die Gebärdensprache und folgerichtig heißt dann der Dolmetscher für uns auch Gebärdensprachdolmetscher!

Die Kreativität der Gebärdensprache wird in dem Artikel auch sehr schön erklärt, wie neue Wörter entstehen, denn wie in jeder Sprache auch ist die Gebärdensprache niemals eine starre und fixe Sprache, sondern sie bereichert sich immer wieder um neue Wörter, die dann z.B. von Gebärdensprachdolmetschern und auch durch die Buschtrommel der Gehörlosen weitergetragen wird in alle Ecken der Gehörlosenwelt.

Davis berichtet im Bericht sehr eindringlich davon, wie es ist, wenn man eigentlich als Normalhörender durch das Leben geht und dann sein Gehör verliert und in Gefahr läuft berufsuntauglich zu werden, aber dank seinem Chef der offen war für neue Ideen, kann er weiter in seinem gelernten Bereich arbeiten und dazu noch anderen Gehörlosen helfen!

Versorgt ist er zwar mit einem Cochlear Implantat, welches medial zwar sehr gehypt wird als "Hörendmachend-Dingens", aber das ist es nicht. Nicht in allen Fällen. Man sollte das Cochlear Implantat einfach als das ansehen, was es ist: Als eine Prothese, die den Menschen individuell dabei hilft, ihr eigenes Hörvermögen zu finden, womit man zurecht kommt. Manche werden damit sehr gute Erfolge erzielen, manche nicht. Sind sie deshalb implantierte Versager? Nein! Davon sollte die CI-Industrie abrücken und auch das Denken der Gesellschaft - so individuell wie die Menschen alle sind, so individuell ist auch die Hörfähigkeit der versorgten Gehörlosen mit einem Cochlear Implantat. Der Punkt ist: Wir müssen als eine Gesellschaft an den Punkt kommen, wo wir uns fragen: "Wir haben diese Menschen hier, die besondere Bedürfnisse und besondere Fähigkeiten haben, was können wir tun, damit sie mit uns in unserer Mitte leben können, ohne dass wir einseitig verlangen, dass sie sich an uns anpassen? Auch wir müssen ihnen entgegen kommen."

Der Chef von Davis hat so gedacht und damit Davis die Möglichkeit gegeben, selbstständig direkt auf dem ersten Arbeitsmark zu leben und eine Signalwirkung zu sein - die Berichte über Davis sind ja auch für die Commerzbank eine sehr gute Werbung.

Davis sagt von sich, dass er mit dem Cochlear Implantat einen riesigen Input an Informationen erhält, die er bzw. sein Gehirn nicht richtig zuordnen kann, obwohl in seinem Gehirn eigentlich noch die Hörinformationen eingespeichert sein müssten, da er spätertaubt ist. Vermutlich weigert sich sein Gehirn, diese künstlichen Informationen anerzukennen, aber das ist echt individuell - andere spätertaubte mit dem Cochlear Implantat sagte, dass es eine gewisse Zeit brauchte, bis sich das Hören wieder natürlich anfühlte. Das ist also wieder mal der Beweis dafür, dass man nicht pauschal sagen kann, dass man damit normalhörend wird.

Das Leben als gehörloser Mensch kann sehr einsam sein, was Davis auch bestätigt und er sagt auch, dass die Akzeptanz Gehörloser in der deutschen Gesellschaft nicht gerade hoch ist, denn es ist ja so, dass man oft zu laut redet in der Gesellschaft oder eben nicht "schön" genug, worauf es dann leider befremdliche Blicke und Beschwerden gibt über die lauten Gehörlosen. Aber sie können mehrheitlich einfach nichts dafür - wenn man nicht hören kann, dann kann man seine Stimme und die Lautstärke derer auch nicht kontrollieren.

Passiert mir auch und ist mir auch passiert während dem Auftritt auf der Republica, einige haben mich gefragt, ob ich nicht die Laute abstellen könne, die ich ab und zu gemacht habe - schade, dass man da nicht weiter genug nachgedacht hat, dass es schon mutig war von mir, auf die Bühne zu gehen und zu zeigen, dass Gehörlose bei weitem nicht stumm sind wie es so oft heißt.

Und es ist immer wieder auch für mich erschreckend, wenn ich von einigen gehörlosen Freunden gebeten werde, für sie zu dolmetschen, z.b. habe ich in Berlin für eine Gehörlose einen Caramel Macchiato bestellt oder vor einiger Zeit für eine Freundin geholfen, dass ihr Kleid umgetauscht werden konnte, weil der Reißverschluss kaputt gegangen ist nach 1 x anziehen, was ich natürlich gerne mache. Es ist aber auch ein Zeichen für mich, dass gerade diese Gehörlose auch so frustiert sind, dass sie sowenig wie möglich Kontakt zu "normalen" Gesellschaft suchen, weil sie eben oft genug ausgelacht, blöd angeschaut oder einfach Mißverständnisse erlebt haben, die dann natürlich nicht so einfach aufzuklären waren.

Um es mit den Worten von Martin Luther King zu sagen: Ich habe den Traum, dass Gehörlose in Deutschland eines Tages wie in den Staaten und in England in der Gesellschaft ein normaler Anblick sind und nicht als "hördezifitäre" Menschen angesehen werden, sondern einfach als nur "kommunikationsbehindert" in dem Sinne von "Gehörlose können alles. Außer Hören."

Frohe Ostern wünsche ich übrigens allen Lesern! :-)

1 Kommentar:

  1. Jau, Dir auch frohe Ostern, ne?
    Hoffe, bei Dir zu Hause ist es ein so sonniger, warmer Frühling wie hier!

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