Montag, 18. April 2011

Meine persönlichen Highlights der re:publica

Ein kleines schnelles Fazit, bevor ich zu der Auflistung in Schrift und Bild rübergehe, was mir verdammt gut gefiel bei der re:publica:

Jedesmal, wenn ich in Berlin bin, fehlt mir vor allem eins: Schlaf. Davon mal abgesehen, bringt mir die Hauptstadt jedes Mal Glück und darum heißt es bei mir immer wieder: Berlin, ich ♥ dich!

Ein warmes Gefühl in meinem Bauch ist immer noch da, was an den vielen nun endlich realen Gesichtern aus meiner Timeline bei Twitter liegt und an den vielen Lobesbekundungen für meinen Auftritt, die mich nach ein paar Tage Abstand immer noch überwältigen beim Lesen.

Besonders grinsen musste ich bei den vielen Statements, dass ich so locker gewesen seie, denn das war ich am Anfang nämlich echt nicht, auch wenn es so rüberkam. Mir blieb auf dem Weg zum Stuhl die Spucke weg, als ich aus dem Augenwinkel realisierte, wie gut der Saal besucht ist und mußte mir daher erst mal Wasser in die knochentrockene Kehle nachschütten.

Beim Hinsetzen fiel mir glücklicherweise gerade noch rechtzeitig ein, dass ich mich nicht auf meine übliche "männliche" Art auf den Stuhl setzen kann, wie ich es sonst immer tue, worauf meine Freunde beim Anschauen des Livestreams natürlich fett grinsen mussten, weil ich die Beine sehr weiblich übereinander schlug.

Und dann war eine gehörlose Freundin von mir so neugierig und musste auf ihre freche Art herausfinden, ob ich mein Blackberry dabei hatte, so dass sie mich einfach angepingt hat, worauf meine Hinterntasche plötzlich zu vibieren anfing und ich fast vor lauter Schreck vom Stuhl flog.

Aber das habe ich alles irgendwie meistern können und mein Ding durchziehen können, auch wenn ich gegen Ende einen fiesen Blackout hatte, da ich mich schon komplett heruntergebootet hatte und gedanklich schon einen Schritt viel weiter war und plötzlich die Frage aus dem Publikum, wie man Twitter gebärdet, hat mich echt völlig aus dem Konzept gebracht, da ich mich nicht so schnell wieder kalt aus dem Stand hochfahren konnte, weil ich so erleichtert war, dass das Publikum auch die Barrierefreiheit genauso interessant fand wie die Details um den Ableseservice und die Gebärdennamen der Politiker. Tut mir leid für den Fragesteller, dass ich den Blackout hatte, aber meine Dolmetscherin hat das ja gut gelöst!

Jede Begegnung, jede Unterhaltung dort war für mich eine Erfahrung, ein Erlebnis zum Mitnehmen, am meisten aber musste ich lachen, als der Gründner Peter Sunde von Flattr auf seinem Panel sich die Schuhe auszog und meinte: "Okay, jetzt bin ich wach." So stand er also barfuß und sehr lässig vor seinem Publikum und hielt es durch seine Raumbeherrschung wach, indem er nicht an einer Stelle kleben blieb und auch andere zu Wort kommen liess, so zum Beispiel diesen versoffenen vollbärtigen Typ aus dem Video, der mit sehr vielen "Ähs" erklärte, weshlab Flattr toll ist. Ich meinte zu @stefanwild: "Der vollbärtige Typ erinnert mich vom Verhalten her an einen versoffenen Hinterwäldler-Amerikaner, aber die blassen Augen und das Gesicht sind eindeutig nordisch - ich schätze, dass der Typ aus Schweden kommt." Und er war leicht baff und meinte: "Ja, der schwedische Akzent war nicht zu überhören."

Daniel Domscheit-Borg (Openleaks) war auch sehr gut, aber ich war schnell davon gelangweilt, dass er wie festgewachsen an einem Fleck kleben blieb und nicht die große Bühne nützte für einen kleinen Ausflug, er hatte wirklich was zu erzählen, aber wenn jemand an einer Stelle kleben bleibt und nicht viel Action passiert, dann sinkt die Aufmerksamheit beim Zuhören einfach.

Das ist auch etwas, was ich an Richard Gutjahr mag, wenn er auftritt vor der Kamera, er kann aus einer einzigen Bewegung sehr viel Raum rausholen und das Publikum in seinen Bann ziehen: "Was holt er jetzt hervor?" Für mich ist das zu einem Markenzeichen von ihm geworden und persönlich ist er sehr nett und außerdem bin ich ihm sehr dankbar, dass er ein solch tolles Zugpferd war, denn wegen ihm war der Saal so gut gefüllt. :-) Danke, Richard!

Leider habe ich Dueck mit seinem Vortrag: "Das Internet als Gesellschaftsbetrieb" verpasst, es muss ein echtes Highlight gwesen sein, aber um diese Zeit war ich beim Essen, da ich noch Treibstoff für meinen Auftritt um 16 Uhr brauchte. :-( Habe echt nur gutes darüber gehört!

Aber was für mich völlig überraschend kam, war die Begegnung mit @SaschaLobo, denn darauf war ich echt nicht gefasst als ich aus der Kalkscheune trat, stand er nämlich total überraschend vor mir, obwohl man meinen müsste, dass man den Lobo von weitem sieht, was man ja eigentlich tut, aber das ist eben nicht der Fall, wenn man grad aus der Türe geht und sich zwischen Tür und Angel begegnet.

Da stehst du also vor @saschalobo und hast dich vor einiger Zeit darüber gefreut, das ER dir folgt auf Twitter und plötzlich ist er real und ergreift deine Hand und sagt: "Total super, dein Auftritt! Und der Ableseservice zur WM war total klasse, den hab ich mitverfolgt!" Und ich realisierte im gleichen Augenblick sehr entzückt: "Mensch, der Lobo hat ja ein total gutes Mundbild, er sollte darauf achten, dass das nicht verloren geht wie bei einigen Promis, die auf einmal total nuscheln."

Nun, dann packte mich der Mut und ich fragte: "Sascha, darf ich ein Foto mit dir haben?" Er: "Ja klar!" Ich fischte nach meiner Kamera in meiner Tasche und dann fiel mir siedendheiß ein, dass ich in meiner Winterjacke total doof aussehe und sagte: "Moment, ich muss mir meine Jacke auziehen!!", was mir eine Neckerei von Lobo einbrachte: "Frauen wollen immer gut aussehen." "Ja, ich bin eine Frau und ich steh dazu." war meine Antwort beim Ausziehen der Jacke und dann hatte ich meine Fotos mit Sascha Lobo! :-)

Und auch mit Gutjahr hab ich Fotos gemacht - ich wollte einfach eine Erinnerung an diesen Tag haben, aber die Frage @sixtus zu stellen habe ich mich einfach nicht getraut - keine Ahnung warum, aber lustigerweise ist er doch auf unbeabsichtigt als Hintergrundmotiv auf ein Foto von mir und @StefanWild gerutscht.

Meine Winzigkeit mit @saschalobo und hier mit Richard Gutjahr

Später noch die Twitterlesung, welche ja ganz lustig war, aber ich vermisste einige Tweets, die für mich ein Twilight (!) in meiner Zeit bei Twitter waren.

Das war also die re:publica für mich - eine Zeit mit sehr wenig Schlaf - effektiv schlief ich nur 20 Stunden von Dienstag bis Samstag. Samstagnacht konnte ich endlich mehr wie 6 Stunden am Stück schlafen. Trotz wenig Schlaf trotzdem eine irre Zeit für mich, auch wenn ich nicht mit allen Leuten reden konnte, auch wenn ich es gewollt hätte, weil ich immer unterwegs war von A nach B.

Und doof fand ich es, dass ich die Grünen auf der re:publica verpasst habe, aber das lag wohl an meiner Aufregung auf mein Panel. Aber an dieser Stelle sei gesagt: So leicht verpasst mich die Politik nicht mehr. ;-)

Habt ihr eigentlich noch Fragen zu meinem Auftritt oder noch keine Antwort auf eine Email bekommen, falls ihr mir dazu geschrieben habt? Ich habe entsetzlich viele Followeranfragen den ganzen Tag über bekommen, so dass vermutlich die eine oder die andere E-Mail darunter einfach völlig untergegangen ist. Tut mir leid - einfach noch mal mailen dann!

Keine Frage, ich komme wieder zur Re:publica, wahrscheinlich sogar wieder als Sprecherin. :-)

1 Kommentar:

  1. Hey Jule,
    Ich bin der erwähnte Fragesteller und Dir braucht überhaupt nichts leid zu tun! Ich war mindestens so aufgeregt wie du und hab's deshalb eh kaum mitbekommen. ;)
    Nach meinem Empfinden, was mir andere auch bestätigt haben, hast du auf der re:publica unheimlich viele Leute begeistert, entzückt und auf eine extrem sympathische Art mit einem Thema vertraut gemacht, von dem die große Mehrheit vorher keinen Schimmer hatte ...mich eingeschlossen.
    Eine bessere Botschafterin für Gehörlose kann man sich eigentlich nicht vorstellen und ich wäre ja dafür, daß Sascha Lobo bei der nächsten Talkshow Anfrage absagt und Dich dafür hinschickt ...spannender wäre das allemal! ;)
    Bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen: Danke!

    PS: Meine Lieblingsgebärde die ich von Dir gelernt habe war die für Bierbauch! :)

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