Mittwoch, 18. Mai 2011

Friedliches Miteinander durch Gebärdensprache

Sport bewirkt oft wahre Wunder, wenn es um gegenseitige Akzeptanz geht, wenn die Sportler aus verschiedenen Kulturen und damit auch aus verschiedene Religionen kommen. Dieses Wundermittel wird oft eingesetzt bei verfeindeten Religionen, aber es gibt auch einfache Austauschprojekte.

Vor einiger Zeit sah ich mal eine Reportage über ein Austauschprojekt zwischen Palästinensern und Israelis im Kindesalter und fand es schön zu sehen, wie Vorurteile da rascher abgebaut werden konnten als zwischen Erwachsenen - genau dieser Punkt spricht für Inklusion von Menschen mit Behinderungen und Ausländern in die Gesellschaft von Kindesbeinen an!

Und was, wenn Gebärdensprache dazu beitragen kann, dass gehörlose Kinder in Israel aller Religionsgruppen friedlich nebeneinander leben und eine gemeinsame Schule besuchen? Das passiert tagtäglich in der Hattie-Friedland-Schule im Osten von Jerusalem. Seit 30 Jahren unterrichten hier die Lehrer Juden, Christen, israelische Araber und Palästinenser im Alter zwischen 6 und 21 Jahren. Derzeit besuchen 100 Schüler diese Schule, einige von ihnen haben noch ein Restgehör, andere sind vollkommen gehörlos, aber sie alle teilen das gemeinsame Schicksal und lernen gemeinsam die Gebärdensprache und werden in Gebärdensprache unterrichtet. Trotz der errichteten Sperren ist es den Kindern aus den verschiedensten Vierteln dank einer Sondererlaubnis möglich die Schule zu besuchen.

Freundschaften enstehen dort zwischen den Schülern, Brücken werden gebaut zwischen den Familien der Kinder.

Dennoch haben es jüdische und christliche Kinder nach dem Abschluss an dieser Schule es einfacher sich in der israelischen Gesllschaft zu integrieren, denn bei den Palästinensern gilt Taubheit als ein Makel, den man verstecken soll, was im Umkehrschluss bedeutet: Die gehörlosen Pälestinenser haben es schwer überhaupt einen Arbeitsplatz zu finden in ihrer Gesellschaft.

Was bleibt nach dem Besuch dieser Schule? Hoffentlich lebenslange Freundschaften.

Das Video über diese Schule kann man hier finden:

Gehörlose Kinder in Jerusalem an der Hattie-Friedland-Schule - der Beitrag ist noch einige Tage lang abrufbar und ab der Minute 23:15 geht es um diese Schule.

Schade nur, dass der Beitrag nicht durchgehend untertitelt ist, damit auch Gehörlose was vom Beitrag haben.

P.S. In Israel werden Gehörlose auch zum Militärdienst eingezogen. Darüber habe ich auch schon mal gebloggt: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2012/02/gehorlos-und-soldat-teil-2.html
Ebenfalls lernen die Soldaten der israelischen Armee Gebärdensprache und der Effekt ist mehr als positiv, wie man hier nachlesen kann: http://www.israelnetz.com/sicherheit/detailansicht/aktuell/armee-bietet-kurse-fuer-gebaerdensprache-an-19962/#.U7weiMYxqTs

Kommentare:

  1. Interessanter Link und schönes Video. Mich interessiert die Quelle für "bei den Palästinensern gilt Taubheit als ein Makel, den man verstecken soll". Im Film wird es jedenfalls nicht gesagt.

    Etwas seltsam finde ich den Begriff "Religionsschichten". Schichten liegen ja für gewöhnlich übereinander, wodurch einige Schichten höher als andere sind. Meinst Du das so?

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  2. Ich habe den Begriff Religionsschichten dazu verwendet, weil ich mir eben die Religionen in Israel als mehrere Schichten nebeneinander vorstelle und nicht übereinander.

    Aus meiner Sicht kann und muss eine Schicht sprachlich ja nicht aussagen, dass es sie übereinander liegen, sondern sie könnenauch nebeneinander ablaufen.

    Die Quelle für die Taubheit als Makel unter den Pälestinensern findest du im Text unter dem Film, denn dort heißt es:" Denn ihren Chancen nach dem Schulabschluss unterscheiden sich sehr. In der israelischen Gesellschaft haben es taube Kinder und Erwachsene leichter sich zu integrieren als bei den Palästinensern – dort gilt Taubheit als ein Makel, den es zu verstecken gilt und die hohe Arbeitslosigkeit macht es tauben Palästinensern sehr schwer, einen Arbeitplatz zu finden."

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  3. Ich denke, "Schichten" ist wirklich missverständlich, denn in der Tat liegen Schichten immer übereinander und nie nebeneinander.

    Zum Text unter dem Film: Ich finde es schon kritisch eine solche pauschale Aussage ungeprüft zu übernehmen. Es ist doch fraglich, ob es "die" Palästinenser überhaupt gibt. Immerhin gibt es muslimische und christliche Palästinenser und ich halte es durchaus für wahrscheinlich, dass sich die Ansichten nochmal vom Bildungsgrad, Umfeld, Wohnort usw. unterscheiden. Allein die Palästinenser, die ich kenne, denken alle nicht so.

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  4. Ich stelle mir das einfach vor wie bei einer Banane: Wenn ich eine Bananenschale entfernte, dann entferne ich doch auch die erste Schale, dann die nächste neben der bereits entfernten Schale.

    Aber wahrscheinlich denke ich zu kreativ und Schichten ist wirklich mißverständlich in diesem Kontext - ich schreib es einfach um in Religionsgruppen.

    Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit unter den gehörlosen Palästinenser sehr hoch, wobei die Arbeitslosigkeit auch unter denen ohne Behinderungen hoch ist.

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  5. Das Finden guter Bilder ist in diesem Bereich besonders schwierig. Die Schale ist die eine Religion und das innere der Schale eine andere. Nun schmeißt man für gewöhnlich die äußere Schale wg. Unbrauchbarkeit weg.

    Was an dem Bericht übrigens (so interessant er war) nervte war die permanente Verwendung von "taubstumm". Hier war für mich nicht offensichtlich, ob das die Kreation der Sprecherin aus dem Off war oder von den Lehrern dort verwendet wurde.

    Der Bericht zeigt noch etwas anderes, nämlich wie unterschiedlich Förderschulen bewertet werden können. Hier als Ausgrenzung und negativ. Dort als integratives Moment (Juden, Palästinenser) und damit positiv, weil zusammenführend.

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