Sonntag, 15. Mai 2011

Null Punkte gehen an die....ARD!

Gestern abend war also die Mission Titelverteidigung angesagt bei Lena Meyer-Landrut, gelandet ist sie auf den 10. Platz - die Mission ist also gefloppt.

Aber den viel größeren Flop leistete sich ganz klar die ARD - in allen Fernsehzeitschriften, im Videotext sowie online war der Eurovision Song Contest mit Untertitel angekündigt, aber gesendet wurde ohne Untertitel, was für Entsetzen unter den Gehörlosen und Schwerhörigen gesorgt hat, denn letztes Jahr wurde es nämlich mit Untertitel ausgestrahlt!

Zwar dachte ich gestern kurz, dass ich das mit den Untertitel 2010 in Oslo nur geträumt habe, aber der Blick eben auf die Teilnehmerliste von Oslo hat mein Gedächtnis wieder aufgefrischt, denn Armenien trat mit einem Lied namens "Apricot Stone/Aprikosenkern" an und der Untertitel erklärte, dass Aprikosen sehr wichtig seien für dieses Land, da sogar der botanische Name der Aprikose sich vom Ländernamen Armenies ableitet.

Das ist ein herber Rückschritt der Barrierefreiheit bei der ARD, denn letztes Jahr lief es also nachweislich mit Untertitel. Die ARD hat also schon mal bewiesen, dass sie es eigentlich kann. Was war denn gestern los? Wollte sie einfach nicht oder hat sie es einfach vergessen, dass da eine wichtige Aufgabe vor ihr liegt?

Interessant ist auch, dass mein Kontaktmann bei der ARD erklärt hat, dass es nie geplant war, den ESC dieses Jahr mit Untertitel zu senden und das Untertitelsymbol überall als klassischen Fehlerbug der ARD erklärt hat.

Meine Güte, ich bin nicht mal so richtig wütend, sondern so fassungslos, dass mir die Worte fehlen, dass die ARD gestern ganz offensichtlich keinen Willen dazu hatte, die Untertitel beim ESC zu senden und interessanterweise wurde auch der fehlende Willen dazu klar erkennbar durch die Übertragung vom "Das Wort zum Sonntag" aus der Esprit-Arena in Düsseldorf ohne Untertitel, obwohl es sonst immer mit Untertitel ausgestrahlt wird.

Außerdem wäre noch zu bemängeln, dass die die Einblendungen zu den jeweiligen Künstlern aus den Ländern und der Songtitel viel kurz zu sehen waren - die Mindestinformationen waren also auch nicht mal richtig barrierefrei und viele Twitterer haben mir auch gesagt, dass die Telefonnnummern auch nicht optimal lesefreundlich eingeblendet sind.

Auch wurde mir erzählt von einigen Twittern aus dem Ausland, dass der Song Contest z.b. einigen Ländern im Ausland komplett untertitelt wurde, die Kommentare der Moderatoren sowie die Liedtexte wurden eingeblendet. Am häufigsten wurden die vorbildlichen Untertitel der BBC gelobt! Die BBC erwähnte gestern übrigens beim Auftritt der Sängerin aus Litauen, die einen Teil von ihrem Lied in Gebärdensprache mitgesungen hat, dass sie wissen, dass dass der Song Contest viele gehörlose Zuschauer hat.

Für mich ist der die klare Weigerung der ARD gestern nicht zum ersten Mal der klare Beweis dafür, dass man mit freundlichen Aufforderungen an die Fernsehanstalten nicht dazu bewegen kann, komplett barrierefrei zu agieren, sondern man muss richtig die Daumenschrauben anziehen und und sie knallhart dazu verpflichten ohne Hintertüren im Vertrag. Vertrag ist Vertrag - die müssen der Aufforderung nachkommen, sonst werden Strafen fällig.

Ich werde mich jedenfalls ab 2013 weigern 6 € Euro abzudrücken - zahlen tue ich erst, wenn ich für mein Geld eine ordentliche Leistung bekomme und zwar 100% hochwertige Untertitel im deutschen Fernsehen.

P.S. Noch eine Anmerkung: Bevor man so sehr mit der Zeit gehen will und eine Twitterwall auf der Videotextseite 777 einrichtet, sollte man sich doch mal überlegen, ob nicht Barrierefreiheit eine dringlichere Sache und ob diese Idee möglicherweise oder ganz offensichtlich mit der Videotextseite 150 für Untertitel kollidiert.

Kommentare:

  1. Da ist nix miteinander kollidiert. Tut mir leid um deine Verschwörungstheorie.

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  2. @Holgi: Ich sagte möglicherweise in dem Sinne, dass man zwar an die Twitterwall gedacht hat, aber nicht an Untertitel. ;-)

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  3. Ich widerspreche dir nur in einem Punkt:
    Lenas Titelverteidigung ist leider nicht gelungen, gefloppt ist die Sache mit über 100 Punkten und dem 10. Platz aus meiner Sicht nicht!

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  4. Die meiste Zeit haben sie auch vergessen zu übersetzen, was die Kommentatoren so alles auf Englisch und Französisch vor sich hin babbelten... auf Leute die nicht gut Englisch können wurde auch keine Rücksicht genommen.

    Der Kommentator hat sich dann auch noch zu allerlei abschätzigen Kommentaren über die Gruppen hinreißen lassen! Und er hat sich ständig während seinen auswendig gelernten Texten versprochen, und sich dann korrigiert, und dadurch das Ende des Clips (der "Postkarte"?) verpasst... dabei hätte man diese Clips doch nun echt im Vorhinein sprechen und untertiteln können, und dass dann am richtigen Moment einspielen?

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  5. Es war ein totaler Flop, meiner Meinung nach hat ARD gestern "Pannen des Jahres 2011" für Untertitelung geleistet. Respekt! Es ist eine Schande, das für viele Gehörlosen und Schwerhörigen die Sendungen nur als Stummsendung betrachten können, ohne zu wissen, was im Hintergrund gesprochen wurde. Selbst wenn die Sendung in englisch gesprocen wäre, ein Übersetzer muß doch immer am Werke sein, wenigstens etwas Untertitel hätte auch nicht geschadet, sondern hätte Respekt verdient!

    Ich frage mich wo Monika Piel (Chefin der ARD) gestern im Gedanken war...

    Eins kann ich sagen: Im vorigen Jahr 2010 hat man das Eurovision Song 2010 sogar vollständig untertitelt, und sogar im Extra-Sendung wurde untertitelt. Das war im Jahr 2010, und da hat ARD wirklich tolles geleistet. Nun im Jahr 2011 wurde nun zur Flop. Sehr schade. Ob es im nächsten Jahr besser wird, oder wird sich ARD die Untertitel gänzlich verzichten? Es wäre eine Schande, Respekt verdient jeden Live-Blogger die die im Internet etwas über sich sagten, was im Fernsehen lief.

    Leider hat ARD gestern wirklich ein Black-Out geleistet.

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  6. Ein absoluter Rückschritt und eine Blamage für die ARD!
    Ich vermute, dass nach der Ausrichtung des ESC einfach kein Geld mehr übrig war. Ich meine, die LED-Wand, Anke Engelke, Stefan Raab, die mussten ja irgendwie alle bezahlt werden, nech? Das ist aber keine Ausrede, sondern eine Schande!

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  7. Nichts, aber auch wirklich gar nichts wirkt so sehr wie (handschriftliche) Briefe direkt an den Intendanten... glaubt mir! ;)

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  8. Hat nicht die Teilnehmerin aus Litauen Gebärdensprache gemacht als Teil Ihrer "Choreographie"? Mir war jedenfalls so, kann aber auch was anderes gewesen sein, denn ich kann nicht gebärden.

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  9. @coduck: Lies den Test nochmal durch, da habe ich gesagt, dass die litauische Sängerin tatsächlich in Gebärdensprache gesungen hat.

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  10. Kann ich jetzt mal ne ganz doofe Frage stellen?
    Okay, 100 % Untertitel sollten sowieso schnellstmöglich angestrebt werden, also auch der ESC, das ist mal klar.

    Aber inwiefern interessieren sich viele Gehörlose für eine Musiksendung?
    Ich meine, das mit "Musik spüren" und so, das kenne ich wohl, aber ich nehme mal an, so laut, daß das geht, darf man den Fernseher sicher nicht stellen, das gilt dann mehr für die Disco?
    Oder interessieren einfach die Liedtexte?

    Nix für ungut....wer nicht fragt, bleibt dumm.... ;-)

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  11. Durch die Untertitel bekommen wir eine eigene Vorstellungen was Musik sind, und dann können wir widerrum ein eigenes visualisieren. Untertitel erhöht auch das Wissen & Bildung vieler Menschen. Musik ohne Untertitel ist wie, als ob man nur Schläge fühlen möchte ohne das Verstehen. Aber das ist nix für mich, mir sind Untertitel lieber, so hat man die Unterhaltung dazu. Schade, das ESC kein Untertitel eingeblendet hat. Damit schauen Gehörlose im Fernsehen nur in die Röhre, ohne sich was zu verstehen.

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