Samstag, 14. Mai 2011

Was erlauben sich Merkel?

Die Absichtserklärungen der Bundesregierung für mehr Teilhabe der Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft zu sorgen, sind reine Absichtserklärungen - umgesetzt wurde davon kaum etwas.

Vor allem ist es besonders ironisch, dass Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Video-Podcast am 09.04.2011 vollmundig erklärt:"Aber das Miteinander in unserer Gesellschaft ist inzwischen selbstverständlich geworden. Grundlage dafür ist auch, dass in unserem Grundgesetz die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben festgeschrieben ist. Die Bundesrepublik hat 2009 das Abkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterschrieben. Jetzt geht es darum, dieses Abkommen im realen Leben in die Tat umzusetzen."

Den Podcast der Bundeskanzlerin für mehr Teilhabe der Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft findet sich hier.

Ich wiederhole noch mal: Es wurde kaum etwas davon umgesetzt. Selbst die Rede der Bundeskanzlerin am Tag der offenen Türe in den Ministerien und im Bundeskanzleramt im August 2010 war nicht barrierefrei - denn es war keine Gebärdensprachdolmetscherin anwesend - einzig im Familienministerium bei der Antidiskriminierungstelle des Bundes. Alle Werbefilme der Ministerien waren ohne Untertitel - nur das Video über das einheitliche Behördentelefon war mit Untertitel und Gebärdensprache, aber wohl nur deswegen weil es auch ein Gebärdensprachtelefon dazu gibt. Ich muss wohl gar nicht erst erwähnen, dass der Podcast übrigens ohne Untertitel und Gebärdensprachdolmetschereinblendung ist, obwohl ich damals beim Start des Podcasts gleich an die Regierung schrieb und darum bat, dass es Untertitel und/oder Gebärdensprachdolmetschereinblendungen umgesetzt werden. Ich bekam die Antwort zurück, dass es technisch nicht möglich seie, aber man werde eine Textversion online stellen. Sehr nett, aber davon haben halt nur die lesekompetenten Schwerhörigen und Gehörlosen etwas.

An dieser Stelle frage ich mich: Wo sitzen in dieser Regierung eigentlich kompetente Fachleute, die wissen, was von Menschen mit Behinderungen gewünscht und gefordert wird, damit das umgesetzt werden kann.

Die logische wie traurige Antwort: Gar nicht - die gibt es nicht, denn die interessieren sich nicht dafür und erst recht nicht Frau Bundeskanzlerin Merkel, denn am 10.05.2011 versammelten sich Menschen mit Behinderungen vor dem Kanzleramt zu einer Kundgebung mit der Forderung: "Rettungsschirme für Menschen anstatt für Banken." Hier wäre die Gelegenheit gewesen für die Kanzlerin und sämtliche Abgeordnete der Regierung aus allerererster Hand zu erfahren, was gewünscht wird und woran es fehlt.

Nur: Die Bundeskanzlerin war terminlich verhindert, wie es aus dem Umfeld des Bundeskanzleramt hiess.

Rettungsschirme für Menschen statt für Banken

Die Kommentare unter dem Artikel sind übrigens sehr interessant und aufschlussreich.

Wetten, dass.... das Frau Merkel sich erst wieder zum Thema Behindertenpolitik äußern wird, wenn es ihrer Partei nützt und somit ihrer Regierung?

Übrigens gibt es ab Dienstag einen längeren Artikel von mir dazu, aber das werde ich noch gesondert ankündigen!

Nur schade, dass die wenigen Politiker, die sich für Integration und Inklusion, sprich für aktive Teilhabe nteressieren, oft ausgebremst werden.

Es ist an der Zeit, dass sich endlich was ändert!

Kommentare:

  1. Abgesehen davon, dass du grundsätzlich recht hast:

    Wovon unterscheidet sich eine Untertitelung von einem Text auf einer Webseite hinsichtlich der Lesekompetenz? Bei beidem muss man ja lesen können. Daher kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum "Text auf einer Webseite" kein Ersatz sein sollte ;-)

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  2. @Michael: Es geht darum, dass ich mir auch das Video angucken will und die Untertitel dazu lesen will anstatt die Textversion dazu - also volle Zugänglichkeit zum Video stattfindet. Außerdem sind Gehörlose Augentiere und der visuelle Hintergrund eines Videos hilft dabei zu begreifen, was ein Wort bedeutet, also vom Kontext her - darum sind Untertitel so wichtig, weil sie eben einen Lerneffekt mit sich bringen.

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  3. Solange die Förderung und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen vor allem - wie die ganze Bildungspolitik - als belastender Kostenfaktor angesehen wird, wird sich wenig ändern.
    Investierte man endlich in Inklusion, ließe sich auch langfristig Geld sparen, weil der erste Arbeitsmarkt weitaus weniger Förderung benötigt als der zweite.

    Es bedurfte schon mehr als sanften Druck, daß der Bundestag endlich die mal die UN-Konvention zumindest per Unterschrift anerkennt. (Von Wahrnehmung kann man nicht sprechen.)

    Ich glaube schon, daß es kompetente Menschen gibt, die die Regierung beraten. Aber sie haben ebenso wenig Lobby wie die Menschen, die sie vertreten.

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  4. Es soll ja auch Leute geben die kein Internet haben oder nicht immerzu, da der Podcast ja auch im TV kommt, ist so eine Untertitelung eben wichtig.

    Ich hasse es, wenn Menschen so falsch sind, wie Merkel da. Immer nur so oberflächliche Aussagen um/und nix einhalten was nicht für die eigenen Interessen gut oder weil es zu viel Arbeit war oder was?!

    Sag mal, wer treibt Humbug mit deiner Adresse? Tsts Idioten gibt's;)
    Tolles Gespräch übrigens auf der re:publica 11 (hier mein Artikel dazu http://weberklaerer.wordpress.com/2011/04/14/republica-2011-klassentreffen-rp11-tag-2 )

    Danke für Deinen Artikel.
    Lg Tom

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  5. Was will man denn eigentlich von Merkel erwarten. Sie ist eine reine lobbyhörige Politikerin, die sich für soziale Belange nicht im entferntesten interessiert.

    Wie Stadtneurotiker schon richtig sagt: "Ich glaube schon, daß es kompetente Menschen gibt, die die Regierung beraten. Aber sie haben ebenso wenig Lobby wie die Menschen, die sie vertreten."

    Also reine Alibifunktion.

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  6. Grammatikalisch falsch. ;-)
    Heißt auf Trapattoni-Deutsch (oder wie immer sich der Giovanni schreibt) "Was erlauben Merkel", analog zu "Struuunz - was erlauben Struuuunz". gg

    Aber inhaltlich richtig.

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