Donnerstag, 7. Juli 2011

Jenseits der Stille

Wer kennt den Film nicht? Für mich ist "Jenseits der Stille" einer der schönsten Filme in Gebärdensprache über die Gebärdensprache, Gehörlose und die Welt der Gehörlosen neben den Filmen wie "Gottes vergessene Kinder", "Voices - Stimmen der Liebe"...

Ein paar interessante Fakten zur Besetzung des Filmes: Am Set wurde in 4 verschiedenen Gebärdensprachen gesprochen, da Lara's Filmvater von Howie Seago, einem gehörlosen amerikanischen Film-und Theaterschauspieler, welcher mehrfach ausgezeichnet wurde mit einigen Awards, unter anderem mit dem Helen Hayles Award. Die Filmmutter spielte Emanuelle Laborit, eine gehörlosen französischen Schauspielerin, was also bedeutet, dass man in ASL (American Sign Language), LSF (Langue des signes française), gemischt mit etwas Deutscher Gebärdensprache und International Sign Language am Set und im Film kommuniziert hat.

Die Kommunikation stellte aber trotzdem kein Problem dar, da die französische Gebärdensprache die Mutter der amerikanischen Gebärdensprache ist, also die Basis eine gemeinsame ist und die Ursache dafür, dass die LSF die Mutter von verschiedenen anderen Gebärdensprachen ist, liegt daran, dass in Frankreich die Gebärdensprache erstmals richtig gefördert worden ist durch den französischen Pionier Charles-Michel de l’Epée in der Gehörlosenpädagogik. Fun Fact am Rande: Obwohl Belgien ein Nachbarland von Frankreich ist, unterscheidet sich die belgische Gebärdensprache sehr von der französischen Gebärdensprache und obwohl Kanada ein Nachbarland ist von den USA, ist die frankokanadische Gebärdensprache ebenfalls sehr unterschiedlich von der LSF.

Die Geschichte der Gebärdensprachen kann man hier nachlesen.
Jedenfalls wurde die Gebärdensprache in Europa durch den berühmt-berüchtigen Mailänder Kongress verboten und völlig unterdrückt, was für die damaligen gehörlosen Lehrer dieser Zeit ein Berufsverbot darstellte, was man in meinem Blogpost über die Folgen des Mailänder Kongresses nachlesen kann. Erst 130 Jahre später erkannte man offiziell die fatalen Folgen des Verbotes der Gebärdensprache für die Bildung der Gehörlosen an - die Beschlüsse des Mailänder Kongresses war also am 26. Juli 2010 endgültig Geschichte! Hier berichten Gehörlose noch in den 80er Jahren davon, wie sehr sich der Mailänder Kongress auf Ihre Schulzeit auswirkte: Verbotene Sprache durch den Mailänder Kongress.

Ich glaube, damit habe ich schon so einige Wissensbrocken über die Gebärdensprachen der Welt hingeworfen, weil es eben gerade sehr gut zum Thema des Filmes "Jenseits der Stille" gepasst hat.

Und jetzt möchte ich euch von einem sehr schönen Erlebnis mit dem Film erzählen, der ohne das Internet und Facebook im speziellen nicht zustande gekommen wäre, aber zuerst muss ich von meiner Lieblingsstellen im Film erzählen - es sind diese Szenen, wo Tom Lara in Gebärdensprache "I will survive" vorsingt und eben dieser Tom wurde von Hansa Czypionka gespielt und die andere Lieblingsszene ist diese King-Kong-Schatten-Szene im Film, eben dieser magische Abend zwischen Lara und Tom.

Ich war damals so 15, 16 Jahre alt, als ich also den Film im Kino sah und bei diesem magischen Abend zwischen Lara und Tom, nahm ich mir ganz fest vor, dass ich auch mal so ähnliche magische Momente in Berlin erleben werde. Das hab ich tatsächlich auch dann, wenn auch anders, aber deswegen nicht weniger toll.

Dieser magische Abend ist in diesem Filmtrailer auf Youtube zu sehen:

Jenseits der Stille - Trailer


Nun sah ich Mitte Mai, dass eben dieser Hansa Czypionka mit einem Kontakt von mir auf Facebook befreundet ist und schickte ihm einfach eine Nachricht, dass ich ihm einfach mal ein Lob aussprechen wollte für seine grandiose Darstellung im Film und dass diese wirklich gut und sehr stimmig anzusehen war, vor allem auch die Art zu gebärden.

Da kam dann auch prompt eine liebe Antwort zurück, dass er sich über das nette Kompliment freut und "Jenseits der Stille" seie echt ein Film, der bleiben würde.

Daraufhin stimmte ich ihm zu, dass es wirklich ein solcher bleibender Film seie und verriet ihm, wie sehr mir diese King-Kong-Schattenszene im Gedächtnis haften geblieben ist und zu einer meiner Lieblingszenen im Film zählt.

Da begann Hansa dann zu erzählen, dass er sogar ein bisschen stolz ist auf diese Szene, da die so gar nicht vorgesehen war, denn Sylvie Testud, die dann die Rolle der erwachsenen Lara spielt und er alberten dann aus Jux so herum und Caroline Link, die Regisseurin, so geistesgegenwärtig genug war, die Szene so einzufangen und außerdem habe er Blut und Wasser geschwitzt dabei "I will survive" so flüssig und eloquent zu gebärden bei dieser kurzen Vorbereitungszeit und woher ich eigentlich so gut Bescheid wissen würde über die Gebärdensprache?

Ich meinte dann daraufhin, dass die besten und unvergesslichen Filmszenen durch Improvisieren entstünden, z.b. die aus "Ein Herz und eine Krone" beim Mund der Wahrheit, wo Peck die Szene komplett improvisiert hat und Audrey wirklich komplett ahnungslos war und erklärte ihm dann, dass ich selbst gehörlos sei und meine Haltung zur Gebärdensprache.

Hansa und ich sind seitdem auf Facebook befreundet und vor gut zwei Wochen fragte ich dann, ob ich von unserem Kontakt erzählen und die Entstehung zu der KingKong-Szene auf meinem Blog verwursten darf, wozu er mir die Erlaubnis gab.

Und ja - den Film müsst ihr euch anschauen, dann erfährt ihr auch etwas über die Gemeinsamkeit von Gehörlosen und Bienen. :-)

Kommentare:

  1. Total toll. Ich mag den Film und ich freue mich über diese Insider-Informationen sowohl zu der Szenenentstehung als auch zu den verschiedenen Gebärdensprachen.

    Allerdings muss ich zugeben, dass mich allein schon die unterschiedlichen Dialekte in Deutschland verwirren. Als ich mich auf meine erste DGS-Prüfung vor einer Woche begonnen habe vorzubereiten, standen in meinem Hefter tlw. ganz andere Gebärden als auf spreadthesign.com, und beide unterschieden sich von denen, die unsere Dozentin uns beigebracht hatte :p

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  2. Ohja, das ist ein grandioser Film. Eine technische Frage habe ich noch: Du erwähnst verschiedene Zeichensprachen. Wieso ist das so? Ich kann verstehen, das es für bestimmte Gesten gibt, die landestypisch verschieden sind, aber sollte nicht gerade eine einigermassen einheitliche Zeichensprache eine Menge Vorteile haben? Oder übersehe ich da was?

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  3. Ohja, das ist ein grandioser Film. Eine technische Frage habe ich noch: Du erwähnst verschiedene Zeichensprachen. Wieso ist das so? Ich kann verstehen, das es für bestimmte Gesten gibt, die landestypisch verschieden sind, aber sollte nicht gerade eine einigermassen einheitliche Zeichensprache eine Menge Vorteile haben? Oder übersehe ich da was?

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