Mittwoch, 7. September 2011

Barrierefreiheit wird nicht in Anspruch genommen...

Ich habe ja schon vor kurzem über das Konzept der Untertitel-Brille von Sony berichtet und fand jetzt einen interessanten Pressetext dazu, wo sich gehörlose Experten zu Wort melden.

Nämlich hier: http://www.pressetext.com/news/20110829019

So berichtet nämlich beispielsweise Christian Vogler, ein gehörloser Experte an der Gallaudet University in Washington (hier der Link zur offiziellen Homepage der einzigen Universität in Gebärdensprache für Gehörlose weltweit: http://www.gallaudet.edu/), dass die Brille in Testphasen in amerikanischen Kinos überaus positiv aufgenommen worden seie und auch werde die Brille demnächst flächendeckend in den Kinos zum Einsatz kommen, da die Kinokette Regal sich nach einer Klage (!) sich dazu vepflichten musste.

Auch meldet sich Bernd Schneider vom Taubenschlag zu Wort und prangert ebenfalls an, dass einheimische Kinos, also HIER in Deutschland, in Sachen Barrierefreiheit deutlich im Rückstand sind. Die Initiative "DeinKino" für Barrierefreiheit für Blinde und Gehörlose in deutschen Kinos scheiterte, da die Filmverleiher die Kopien des Filmes aus Angst vor Raubkopien nicht hergeben wollten für die Untertitelung und Audiodeskription.

Die Filmförderungsanstalten fördern zwar die Untertitelkosten, aber diese Leistung wird kaum in Anspruch genommen. Zwar versucht man jetzt übe den Nationalen Aktionsplan die Filmförderung daran zu koppeln, dass ein geförderter Film automatisch Untertitel haben muss.
Diese Koppelung begrüße ich sehr, denn ich habe das auch schon lange gefordert, dass ein geförderter Film deutsche Untertitel auf DVD haben muss. Ein spektuläres Beispiel in der langen Liste für Diskriminierung ist "Das Leben der anderen" auf DVD, der zwar Audiodeskription hat, aber keine deutsche Untertitel!

Leider ist es so, dass es bis zur Umsetzung dieser Förderungsrichtlinie einige Zeit vergehen wird.

Einmal mehr beweist Deutschland wieder mal, dass es hier ohne Zwang nichts wird mit der Barrierefreiheit, was im Rückschluss bedeutet, dass die Aufforderung zur Barrierefreiheit in eine verpflichtende Position umgewandelt werden muss und bei Nichterfüllung harte Strafen auf einen warten.

Die USA und Großbritannien leben das doch ganz großartig vor und Deutschland macht diesen Ländern doch fast alles nach, auch deren Fehler in der Politik, aber warum auch nicht die Vorzüge?

Kommentare:

  1. "Die Initiative "DeinKino" für Barrierefreiheit für Blinde und Gehörlose in deutschen Kinos scheiterte, da die Filmverleiher die Kopien des Filmes aus Angst vor Raubkopien nicht hergeben wollten für die Untertitelung und Audiodeskription."

    Tolle Argumentation.

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  2. Die Idee ist gut, bestechend und ein Fortschritt. Es ist zu hoffen, dass Sony dranbleibt bei der Entwicklung der Untertitelbrille nicht plötzlich, weil zu wenig profitabel, stoppt.

    Genau wie wir bei den Untertiteln eine vollständige Darstellung fordern, muss dieses System von Sony auch 100% barrierefrei sein. Sprich: Auch für Leute die eine Brille tragen und keine Kontaktlinsen haben. Denn hier (http://gizmodo.com/5834538/sonys-subtitle-glasses-mean-the-deaf-can-watch-movies-in-the-theater-too) habe ich gelesen, dass man als BrillenträgerIn eben auf Kontaktlinsen zurückgreifen soll. Autsch, hier wurde wieder mal etwas eindimensional gedacht! Klar kann man sich Kontaktlinsen machen lassen, aber es gibt Formen von Sehbehinderungen und Augenschäden für Kontaktlinsen nicht in Frage kommen.

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  3. Hast Du da mehr Infos drüber bzw. einen Link? Über das Scheitern von DeinKino?

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