Mittwoch, 21. September 2011

Gehörlos und Soldat?!

Ich wollte ja schon lange mal über den gehörlosen Amerikaner Keith Nolan berichten, dessen Traum es ist, seinem Land beim Militär zu dienen, was er aber nicht darf, weil er gehörlos ist, aber irgendwie kam ich nicht dazu.

Jetzt aber habe ich eine tolle Verbindung zu Keith Nolan und Libyen erhalten, also lege ich mal los.

Nun, Keith Nolan ist ein gehörloser Amerikaner, dessen Großvater und Großonkeln im zweiten Weltkrieg ihrem Land gedient haben - er stammt also aus einer Familie mit militärischer Tradition, weswegen er den Wunsch hatte zum Militär gehen zu können.

Als Gehörloser ist es ihm eigentlich nicht möglich, aber er hat sich über ein Programm zum Militär gemogelt, aber er musste seine Uniform wieder abgeben, weil der medizinische Dienst ihn beim Übergang in den offiziellen Militärdienst automatisch durchfallen lässt aufgrund seiner Gehörlosigkeit, obwohl er gute Noten erlangte beim militärischen Programm und sich den Respekt seiner Mitsoldaten und Vorgesetzten erwarb durch seine Hartnäckigkeit.

Der Ted-X-Talk mit Cadett Nolan ist jedenfalls sehr interessant, allerdings hört man nicht seine eigene Stimme, sondern er wird nach gesprochen von einer anderen Person, aber er spricht schon, während er in ASL (American Sign Language) gebärdet.

Ted-X-Talk Islay with Keith Nolan - Deaf in the Military


Cadett Nolan kämpft derzeit noch dafür, dass diese Regelung fallen gelassen wird und amerikanische Gehörlose genau wie israelische Gehörlose in das Militär eintreten können und ihrem Land dienen dürfen - hier seine Facebook-Seite.

Und heute las ich im Taubenschlag von gehörlosen Rebellen, die in Libyen aktiv für die Freiheit des Landes mitkämpfen - und dadurch sehr viel gewonnen haben, denn unter Gaddafi durften die Gehörlosen in Libyen nicht mal einen Gehörlosenbund gründen, denn dieser hatte Angst vor der "geheimen" Gebärdensprache, weil diese von seiner Polizei nicht belauscht werden konnte noch verständlich war.

Einer der gehörlosen Rebellen, der 18jährige Abubakar Mustafa Awene sagt zum Beispiel: "Ich kann nicht hören und nicht sprechen, aber ich kann kämpfen. Wenn ich das kann, hat niemand eine Entschuldigung, nicht auch mit da draußen zu sein."

Was die gehörlosen Rebellen den hörenden Rebellen voraus haben? Sie sehen besser, das ist von Vorteil im Kampf. So sah z.b. der gehörlose Anführer Khalid Sati der 86 Mann starken Brigade, wovon die gehörlosen Rebellen 79 Mann ausmachen plus 7 hörende Rebellen, als einziger eine leichte Bewegung hinter einem Fenster, weswegen er einen Gaddafi-Soldaten erschiessen konnte, bevor dieser eine Granate auf die Truppe werfen konnte.

Die Gebärdensprache beherrscht die ganze Brigade fließend und die hörenden Rebellen fungieren als Dolmetscher zwischen den einzelnen Brigaden der Rebellen.

Was die gehörlosen Rebellen noch dazu gewonnen haben außer der Anerkennung, dass sie Mitkämpfer auf Augenhöhe sind? Sie sind nicht mehr arbeitslos, isoliert und diskriminiert, sondern gewannen hörende Freunde und die Garantie, dass sie in einem freien Libyen sicherlich einen Gehörlosenbund gründen dürfen und ihre Sprache, die Gebärdensprache nicht mehr unterdrückt wird.

(Es geht hier übrigens nicht darum, dass Gewalt verherrlicht wird, sondern dass Gehörlose inklusiv in einer Gesellschaft mitleben können und wollen sowie genau die gleichen Träume teilen wie andere Menschen auch. P.S. In Ägypten machten Gehörlose genau wie Hörende bei der Revolution mit - hier der Blogeintrag: Ägyptische Gehörlose waren auch dabei bei der Revolution.)

Hier der englische Artikel über die gehörlosen libyschen Rebellen.

In Deutschland gab es übrigens unter den Nazis auch Gehörlose, die im Krieg mitgekämpft haben und einen Sonderstatus hatten - hier geht's zum Blogeintrag:

Gehörlose Zeitzeugen unter dem Hakenkreuz

Achja, ermordet und zwangsterilisiert wurden Gehörlose wie andere Menschen mit Behinderung(en) auch in der Nazizeit:

Menschen mit Behinderungen unter dem Hakenkreuz

Zwangsterilisationen unter dem Hakenkreuz

Bin mal gespannt, was ihr zu diesem Blogeintrag sagt..

Kommentare:

  1. Ich habe weder gedient, noch bin ich gehörlos/gebärdend. Aber ich finde Keith Nolans Geschichte sehr interessant und inspirierend, denn pauschale Diskriminierung (vulgo: Draußenhalten) ist beim Militär genausowenig wie bei anderen Arbeitgebern/Institutionen angemessen.
    Etwas fragwürdig finde ich, die Geschichte des gehörlosen Rebellen, der als einziger die Bewegung sah, pauschal dem "intensiveren Sehen" von Gehörlosen zuzurechnen. Das wirkt auf mich etwas verherrlichend, ich halte die Geschichte nur für einen guten Beleg gegen die These, dass gehörlose Soldaten nicht imstande wären, ihre Kameraden zu schützen.

    Habe mir übrigens vor einiger Zeit hier auch schonmal Gedanken über das Thema gemacht. Bin darum gespannt, was hier noch so kommt...

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  3. So ganz kann ich es nicht nachvollziehen, was in einem solchen Fall diskriminierend ist.

    Ich bin zwar kein Experte, aber sieh eh mal von der anderen Seite. Die Leute sind Gehörlos und werden zum eigenen Schutz nicht zum Dienst an der Waffe zugelassen.

    Ich selbst hatte in dieser Beziehung Glück. Wollte auch unbedingt zum Bund und war kurz zuvor auf einem Ohr nahezu komplett ertaubt. Das heißt: ich konnte schon noch was hören, habe aber selbst gesehen wie schwer es ist.

    So wie es klingt, stellt sich Herr Nolan so was vor wie einen Angriffskrieg. Jeder hat seine spezielle Position und Aufgabe. Aber was ist, wenn man angegriffen wird und alle durcheinander rennen und rufen? Egal ob jemand Gebärdensprache kann oder nicht. Es kommt in solchen Kämpfen schon des öfteren mal vor, das es ein wenig raucht. Dann hat sich die schöne Gebärdensprache schnell erledigt.

    Gegen die allgemeine Diskriminierung Gehörloser zu kämpfen ist gut und schön, aber diesen Fall würde ich als klare Ausnahme sehen bzw. nicht mal als solche bezeichnen.

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  4. Nolan sagt aber auch ganz deutlich, dass viele Aufgaben beim Militär nicht an der Frontline sind, also keine direkten kämpferischen Aufgaben sind, da könnte man also Gehörlose auch einsetzen.

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