Freitag, 11. November 2011

CODA-Familie bei Kerner

Gestern Abend war die gehörlose Familie Schäfer bei Kerner zu sehen und es war schön zu sehen, wie sachlich korrekt und vor allem barrierefrei man über die Familie berichtet hat - es gab Untertitel und der Gebärdensprachdolmetscher war während der Talkrunde ständig im Bild. :-)

(CODA= CHILD(ren) OF DEAF ADULTS - Kind(er) von gehörlosen Erwachsenen - das drückt aus, dass es hörende Kinder sind. Es gibt auch noch DCODA - DEAF Child(ren) OF DEAF ADULTS - Gehörlose Kinder von gehörlosen Erwachsenen.)

Ich hätte mir für die nicht gebärdensprachkompetenten Gehörlosen und Schwerhörige, ja das gibt's auch, die ganze Zeit über #Untertitel gewünscht, aber es war schon ziemlich gut gemacht bei Kerner auf Sat1.

Nicole Schäfer ist Erzieherin, Mathias Sozialpädagoge und sie haben 3 hörende Kinder, die zweisprachig aufwachsen werden - mit der Gebärdensprache und der Lautsprache.

Sehr interessant ist auch im Video die Bestätigung der Tochter Aurelia, dass sie mit 8 Monaten angefangen hat zu gebärden, also zu sprechen. Die Lautsprache kam erst später dazu. Gehörlose Kinder von gehörlosen Eltern fangen durch das Kommunikationsmittel Gebärdensprache sehr früh an, sich der Umwelt mitzuteilen.

Der Sohn einer gehörlosen Freundin sprach ebenfalls mit etwa 8 Monaten sein erstes Wort: "Ente."

Und der eine oder der andere wird sicherlich mal von den Babyzeichensprach-Kursen gehört haben, ein Trend, der aus den USA zu uns rübergeschwappt ist, weil man einfach gemerkt hat, dass Kommunikation schon viel früher gemerkt hat durch die Gebärdensprache.

Das ist ein echter Fortschritt gewesen in Deutschland, wenn man mal bedenkt, dass Pädagogen und Ärzte noch in den 1990er Jahren hörenden Eltern eines gehörlosen Kindes davon abgeraten haben für das Kind Gebärdensprache zu lernen, um so mit dem Kind kommunizieren zu können, da die Gebärdensprache die Kinder angeblich am Sprechen lernen hindern würde... Diese Meinung ist heute übrigens noch nicht ganz ausgestorben. Eigentlich lächerlich, wenn man bedenkt, dass Kinder aus binationalen Familien ebenfalls zweisprachig aufwachsen von klein auf und an diesem Fakt stört sich kein Schwein.

Aber zurück zur der Familie Schäfer - eine sympahtische Familie und ein Johannes B. Kerner, der offen zugab, dass das alles mit der Gebärdensprache nicht soooo einfach ist. ;-) Es wird auch erzählt, wie Gehörlose wach werden und die Erklärung einiger Namensgebärden.

Hier kommt man zum Video:

Hörende Kinder - Taube Eltern - Familie Schäfer bei Johannes B. Kerner


Was ich mir vielleicht noch gewünscht hätte, wäre das Thema Barrierefreiheit gewesen....Aber man kann ja nicht alles haben. ;-)

Kommentare:

  1. Und kein Wort über Komponist Helmut Oehring? Er hat mich im Gegensatz zu Familie Schäfer am meisten erschüttert und bewegt.

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  2. Sehr interessant. Und wieder mal gut geschrieben.

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