Donnerstag, 15. Dezember 2011

Eine Blamage für Bayern!

Bayern: Ein gehörloses Mädchen geht seit September 2011 in eine Regelschule mit Gebärdensprachdolmetschern. Alles läuft super, das Mädchen ist total integriert in die Klasse und die Lehrer sind hellauf begeistert, wie toll die Sache läuft.

Dann trudelt ein Brief vom Sozialamt ein: Man verweigert die Kostenübernahme der Dolmetscherkosten, das Kind soll auf die Gehörlosenschule in Augsburg gehen.
Die Eltern stellen einen Antrag auf einstweilige Anordnung im besten Glauben, dass das Recht und die Gesetze auf eindeutig auf deren Seite sind, doch das Gericht weist diese zurück.

Die Richterin des zuständigen Sozialgerichts Augsburg beruft sich auf ein rechtswidriges Gutachten des Förderzentrums Hören (Gehörlosenschule) Augsburg, in dem steht, dass das gehörlos Mädchen nicht aktiv dem Besuch einer Regelschule folgen kann.

(Anmerkung von mir: Ich bin im Jahre 1989 in eine Regelschule eingeschult worden. In Bayern. Ich hatte keine Gebärdensprachdolmetscher an meiner Seite während des Schulbesuchs, da ich lautsprachlich aufgewachsen bin. Allerdings kam der Regelschulbesuch auch nur deswegen zustande, weil meine Mutter mit dem Sohn des Schuldirektors befreundet war. Blogeintrag: Meine Gedanken zur Inklusion nach einem Bericht der Sendung Monitor)

Das Gericht entschied also aufgrund des rechtswidrigen Gutachtens des Schuldirektors Pasemann der Gehörlosenschule Augsburg, dass das gehörlose Kinder in Bayern am besten in Förderschulen aufgehoben seien, da die Kinder dort die Kommunikationsformen wie Sprechen usw. lernen würden.

An der Gehörlosenschule in Augsburg wird übrigens der Unterricht nicht in Gebärdensprache abgehalten, was aber der Normalfall an den meisten Gehörlosenschulen in Deutschland ist. Ja, richtig gelesen: Es ist normal an den Gehörlosenschulen, dass der Unterricht nicht in Gebärdensprache abgehalten wird, obwohl man logischerweise davon ausgehen müsste, dass dies der Fall ist. Solange nicht die verpflichtende Vorschrift eingeführt wird im Studium der Hörgeschädigtenpädagogik, dass die Studenten die Gebärdensprache lernen MÜSSEN, wenn sie dieses Fach studieren und gehörlose Kinder unterrichten wollen, wird sich an dieser Unlogik nichts ändern.

Diese Unlogik ist übrigens eine traurige Folge des Mailänder Kongress von 1880, worüber ich hier schon mal berichtet habe: Die Folgen des Mailänder Kongress von 1880

Verbotene Sprache durch den Mailänder Kongress

Die Beschlüsse des Mailänder Kongress wurden übrigens am 28.Juli 2010 für hinfällig und fatal für die Bildung der Gehörlosen erklärt: Der Mailänder Kongress ist Geschichte im doppelten Sinn


Das Landessozialgericht München bestätigt das Urteil des Sozialgerichts Augsburg, was zur Folge hat, dass die Dolmetscher für das gehörlose Mädchen erstens nicht bezahlt werden und das Mädchen nun alleine in die Regelschule gehen lassen müssen, obwohl das Gesetz auf der Seite des Mädchens ist, was die Inklusion betrifft.

Link zum Beschluss: https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=146578&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

Ein Einzelfall in Bayern? NEIN.

Zeitgleich passiert einer anderen Familie in Bayern genau das gleiche mit ihrer gehörlosen Tochter: Auch sie soll in eine Gehörlosenschule gehen, obwohl sie die Regelschule mit Dolmetschern mit großem Erfolg besucht. Auch hier verhindert der Schuldirektor Herr Pasemann durch sein Gutachten, dass die Dolmetscherkosten übernommen werden, denn dieser attestiert dem Mädchen (einem Mädchen mit einem IQ von 125) einen erhöhten Sonderbedarf im Hören und Sprechen. Es bleibt völlig offen, woher er diese Einschätzung hat.

Auch hier entscheidet das Sozialgericht gegen die Inklusion dieses Mädchens: https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=146576&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

Die Landesozialgerichte haben übrigens in ihren Urteilen beschlossen, dass die Sozialämter nicht gebunden seien an die Entscheidung der Eltern, auf welche Schulen sie ihre Kinder schicken wollen - sei es auf die Regelschule oder an die Sonderschule. Dieses Urteil bedeutet übrigens, dass die Sozialämter in Bayern, sofern die Eltern beschlossen haben, dass das gehörlose Kind eine Regelschule besuchen soll, alle Kostenübernahmen ablehnen können! Oh Bayern, du rückständiges Land...

Die beiden Mädchen sitzen nun seit Anfang November ohne Dolmetscher in ihren Regelschulen und müssen zusehen, wie sie zu ihrer Bildung kommen. Ein Recht, das jedem Kind zusteht, auch in Bayern. In ganz Deutschland. Auf der ganzen Welt.

Inzwischen haben Delegierte die beiden Mädchen in ihren Schulen besucht. wofür Dolmetscher bestellt worden sind und alle sind begeistert, wie toll die Mädchen mitarbeiten und in ihrer Klasse integriert sind. Auch Herr Pasemann ist plötzlich begeistert vom Unterricht mit den Dolmetschern und stimmt zu, dass die beiden Mädchen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben sollen.

Nur: Das alles nützt den beiden Mädchen nichts mehr, denn das Bezirksamt Schwaben und der Bezirkstagspräsident Herr Reichert bestehen weiterhin darauf, dass die Kinder in Gehörlosenschulen gehen sollen.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für die Kinder: Die Behindertenbeauftragte Frau Badura und ihr Referent Herr Sandor konnten mit langen Telefonaten des Kultusministeriums erreichen, dass aus dem Schulbesuch der beiden Mädchen ein wissenschaftlich begleitendes Projekt wird, d.h. es gibt Geld vom Kultusministerium dafür.

Jedoch lehnen der Bezirkstagspräsident Herr Reichert und das Bezirksamt Schwaben weiterhin diese Brücke ab und beharren auf ihrem Entschluss.

Und die beiden gehörlosen Mädchen sitzen weiterhin alleine gelassen ohne Dolmetscher in ihrer Regelschule.

Frau Badura beziffert die Haltung des Bezirksamt Schwaben und von Herrn Reichert als höchst bedauerlich und betont, das die beiden Mädchen die Leidtragenden in dieser Sache sind und der bayerische Freistaat sich selbst mit dieser Haltung schadet, womit ich ihr voll zustimme. Die Angelegenheit ist eine totale Blamage für den Freistaat Bayern und den Bezirkstag!

Ich drücke den beiden Mädchen die Daumen, dass die Sache doch noch gut ausgeht für sie und die Dolmetscherkosten übernommen werden und sie an ihrem Wohnort in die Schule gehen können und einfach ein normales Leben führen können mit der bestmöglichsten Bildung, die ihnen zusteht.

Ein normales Leben bedeutet: Man wird nicht aus der gewohnten Umgebung herausgerissen und an einen anderen Ort umziehen. Es bedeutet eine echte Wahlfreiheit zu haben für beide: Für Kinder und Eltern.

Die ganze Schilderung des Falles findet sich hier auf der Homepage von Karin Kestner:

Inklusion? Eine Illusion!

Herr Bezirkstagspräsident Reichert, ist Ihnen und dem Sozialgericht eigentlich bewußt, dass sie mit Ihrer Haltung ganz offen einen gravierenden Verstoß gegen die UN-Konvention der Menschenrechte der Menschen mit Behinderungen begangen haben? Sie ist seit dem 26.März 2009 gültiges Recht in Deutschland. Vielleicht ist Ihnen noch entgangen, dass die Inklusion auch in Bayern angestrebt wird von mehreren Schulen?

Ich lege Ihnen, Herrn Reichert und den Sozialgerichten, mal ganz dringend ans Herz die UN-Behindertenrechtskonvention ausführlich zu studieren und dann genau zu merken, auf welcher Seite das Recht steht. Nämlich nicht auf Ihrer, sondern auf dem der beiden Mädchen und unzählig anderer Menschen mit Behinderungen in Deutschland.

Die Sachen, die dort stehen, stehen nämlich nicht zum Spaß dort oder zu freien Auslegung. Nur leider ist es in Deutschland so, dass man sehr oft nicht Recht bekommt, obwohl man im Recht ist. Gerade, wenn man behindert ist, ist das schon die Norm.

Ich bin gespannt, wie Sie mit diesem schweren Gesetzesverstoß klar kommen werden, meiner Meinung nach müssten sie unverzüglich anordnen, dass die bereits angefallenen Dolmetscherkosten und die weiteren übernommen werden.

Vielleicht müssen Sie dann ein paar unbequeme Fragen beantworten in nächster Zeit.

Wir werden es sehen!

P.S. Warum nur verwundert es mich nicht, dass Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert der CSU angehört? War irgendwie total klar. *seufz*

UPDATE vom 19.12.2011: Im Taubenschlag hat sich nun der Leiter der Augsburger Gehörlosenschule zu Wort gemeldet und versucht einiges zu beschönigen, aber er kriegt ordentlich sein Fett weg. Für mich sagt es viel aus, wenn Herr Paseman, wenn er es wirklich ist, nicht mal korrekte Bezeichnungen für Gebärdensprachdolmetscher verwendet - als Direktor einer Gehörlosenschule sollte man zumindestens wissen, das es korrekterweise Gebärdensprachdolmetscher, gebärdensprachkompetent die korrekten Begriffe sind....

Aber kein Wort davon, dass die Zukunft der beiden Mädchen gerade gehörig versaut wird durch dieses politische Hickhack.

Die Klasse des eines gehörlosen Mädchen lernt jetzt jeden Morgen 15 Minuten Gebärdensprache, damit Kommunikation unter den Kindern und Lehrern gewährleistet ist. Das ist gelebte Inklusion!

Hier geht es zu den Kommentaren im Taubenschlag:

Kommentare:

  1. Bei der UN-Behörde beschweren. Das deutsche Schulsystem ist da ja einschlägig bekannt.

    AntwortenLöschen
  2. Aehm ist so ein Dolmetscher nicht richtig teuer? Sollte Sie nicht in einer Gehoerlosenschule besser mitkommen(unabhaengig von der Gebaerdensprache)?

    AntwortenLöschen
  3. @Sigi: Es geht darum, dass gehörlose Kinder bzw. behinderte Kinder das Recht darauf haben an ihrem Wohnort zur Schule zu gehen, d.h. in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und nicht mit dem Bus stundenlang zur Sonderschule gefahren werden. In dem o.g. Fall soll eine 6 Jährige 1,5 Stunden täglich hin und zurückfahren. Das kann man keinem Kind zumuten.

    Es geht darum, dass man die Wahlfreiheit hat, welche Schule man besuchen will und das Recht auf die bestmöglichste Bildung hat man sowieso.

    Inklusion mag teuer klingen, aber sie hat einen tollen Nebeneffekt: Soziales Miteinander wird gefördert, niemand wird ausgegrenzt. Die Kinder lernen voneinander und miteinander.

    Außerdem: An Gehörlosenschulen ist die Bildung oft nicht so gut, wie sie es eigentlich sein sollte, da die Lehrer die Gebärdensprache nicht können müssen. Die Kinder werden meistens oral unterrichtet, was SEHR anstrengend sein kann.

    Alien: Das kann aber dauern. Ich glaube, dass es besser ist, den Bezirkstagspräsidenten und die Sozialgerichte unter Druck zu setzen!

    AntwortenLöschen
  4. Du hast natürlich recht, man sollte mit Sicherheit beides tun.

    AntwortenLöschen
  5. Es scheint ja zum Glück noch ein Hauptsacheverfahren anzustehen. Bleibt zu hoffen, dass dort noch Vernunft einkeht. Das Bundesverwaltungsgericht hat bezogen auf Integrtionshelfer bereits vor einigen Jahren entschieden, dass diese nicht deshalb verweigert werden dürfen, weil die Kosten in der Förderschule nicht anfallen würden. Zur Begründung wurde damals ausgeführt, dass dann die pädagogische Entscheidung für die integrative Beschulung (von Inklusion war noch keine Rede) ad absurdum geführt würde.

    Dieses Grundprinzip müsste eigentlich auf diesen Fall übertragbar sein.

    Mit der von Dir geforderten Wahlfreiheit tue ich mich ja etwas schwer. Wenn Kosten für die in der UN-Konvention eigentlich verbürgten notwendigen Vorkehrungen als "unverhältnissige Mehrkosten" verstanden werden, kann die Konsequenz im Grunde nur sein, auf das teure Doppelsystem Sonderschule und inklusive Regelschule zu verzichten und ausschließlich auf die inklusive Schule von Kindern mit Behinderungen zu setzen, denn der Zugang zur inklusiven Schule ist ein Menschenrecht, nicht aber der Zugang zur Sonderschule.

    Die UN-Konvention kennt kein Wahlrecht, sie kennt das Recht auf Zugang zur Regelschule und die notwendigen Vorkehrungen. Von Wahlrecht ist keine Rede. Wahlrecht kommt als Forderung in der Regel auch eher von denen, die den Bestand der Sonderschulen sichern wollen.

    Letztlich verhindern wir die Zuweisung von Kindern in Sonderschulen gegen den Willen der Eltern aber nur, wenn wir die Förderschulen auslaufen lassen und damit das Recht unserer Kinder auf inklusive Beschulung ernst nehmen.

    Gruß
    Michael

    AntwortenLöschen
  6. "einen erhöhten Sonderbedarf im Hören..." Wie soll das gehen? Sonderbedarf im Hören? Ist man Gehörlos kann man das Hören doch gar nicht fördern...Ich begreife bis heute noch nicht, wie man so was immer wieder sagen kann... Inklusion ist für mich der beste Weg! Das habe ich selbst auch erleben dürfen, auch wenn es nicht immer einfach war, bin ich meinen Eltern heute noch sehr dankbar, dass sie mich in die ersten Jahre in die hörende Schule geschickt haben...

    AntwortenLöschen
  7. In einem Punkt liegst du falsch: Die UN-Konvention ist kein geltendes Recht, sondern muß in geltendes nationales Recht umgesetzt werden. Richter können sich nicht auf sie berufen, sondern müssen das geltende nationale Recht anwenden. Die Konvention selbst ist nicht einklagbar. Kurz: Sie ist trotz Ratifizierung rechtlich bedeutungslos, solange ihre Bestimmungen nicht in nationales Recht umgesetzt sind.

    AntwortenLöschen
  8. Ich finde, dass der Hinweis auf den überdurchschnittlich IQ des einen Mädchens einen merkwürdigen Beigeschmack hat. Ich versuche im folgenden darzulegen warum:
    1) Es kann der Eindruck entstehen, dass ein hoher IQ bei Gehörlosen ungewöhnlich, und deswegen erwähnenswert ist.
    2) Es kann der Eindruck entstehen, dass es noch unfairer ist, ein gehörloses Kind mit einem überdurchschnittlich hohen IQ auf eine Sonderschule zu schicken, als ein gehörloses Kind mit einem durchschnittlichen IQ. Dieser Eindruck entsteht bei mir insbesondere dadurch, dass nur beim einem der beiden Mädchen auf dessen IQ hingewiesen wird.

    AntwortenLöschen
  9. Ich hätte es gern auch beim anderen Kind geschrieben, aber den wussten wir nicht :-)
    Ich wollte tatsächlich drauf hinweisen, welches Talent hier verschwendet wird und darauf aufmerksam machen, dass dieses Kind keinerlei sonderpädagogischen Förderbedarf hat. Das andere ist genauso fit. Aber ich würde mich natürlich auch für alle anderen Kinder einsetzen, egal wie hoch der IQ ist. Wenn aber ein Kind mit dem IQ es nicht mal schafft in die Regelschule zu kommen, dann wird es in Bayern keins schaffen.
    Viele Grüße
    Karin

    AntwortenLöschen
  10. @ Alex Schestag Das ist so nicht richtig. Es gibt ein Gutachten des führenden deutschen Völkerrechtlers Prof. Eibe Riedel, der klar zu dem Schluß kommt "Behinderte Kinder haben unabhängig von anders lautenden Schulgesetzen ab sofort das Recht, gemeinsam mit nicht behinderten Kindern eine allgemeine Schule zu besuchen"

    http://gemeinsam-leben-nrw.de/sites/default/files/gutachten_riedel.pdf

    Viele Juristen gehen davon aus, dass ein solches Recht inzwischen auch ohne Landesrechtliche Umsetzung unmittelbar einklagbar ist.

    Der VGH Hessen hat das in einem Urteil vor 2 Jahren zwar noch anders gesehen, aber selbst in diesem Urteil steht, dass die Länder nicht endlos Zeit haben, ihr Schulrecht an die UN-Konvention anzupassen. Der VGH Hessen ging davon aus, dass eine unmittelbare Geltung 2 Jahre nach Inkrafttreten angenommen werden kann - also ab dem 23. März 2011.

    Durch die UN-Konvention wird im übrigen noch einmal klar gestellt, dass der Zugang zur Regelschule Menschenrecht ist. Die Verweigerung ist folgerichtig eine Diskriminierung. Und dass die verboten ist, ergibt sich aus dem Grundgesetz, da braucht es keine landesrechtliche Umsetzung der schulischen Inklusion.

    Also lasst euch nichts vormachen.

    Viele Grüße
    Michael

    AntwortenLöschen
  11. @ Michael Baumeister: DANKE!!!

    AntwortenLöschen
  12. Mh ich bin auch jahrelang als Kind um 6 aufgestanden damit ich um 8 in der Schule war. War sicher nicht schoen aber das waere fuer mich nicht unbedingt ein Argument.

    Und ob eine normale Schule unbedingt erstrebenswert ist? Fand meine Schule nicht besonders prickelnd. Mag ja sein dass man sich erstmal ausgegrenzt fuehlt weil man eben nicht auf eine _normale_ Schule geht, aber das ist dann wohl eher ein 'ich will das was ich nicht hab'. Was jeder Mensch irgendwo hat.

    Und ob ein Dolmetscher, der wohl sehr teuer ist, dann auch den ganzen Tag mitgeht, das Kind als normal und unabhaengig zeigt?!

    Ich waere eher dafuer die spezellen Schulen besser zu machen. Die sind doch dafuer da auf die Beduerfnisse einzugehen. Da liegt dann der Fehler weniger darin den Dolmetscher nicht zu bezahlen als die Lehrer in Schulen fuer Gehoerlose nicht richtig zu trainieren.

    AntwortenLöschen
  13. http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Tauziehen-um-zwei-gehoerlose-Maedchen-id17994886.html

    AntwortenLöschen
  14. Ich habe dieses Jahr einen hörenden kennengelernt der aus seltsamen Umständen auf einer Schule für Gehörlose eingeschult worden ist.
    Geschadet hat es ihm nicht. Da waren wir uns einig.
    Er hat sich über die Jahre einfach angepasst und gelehrt sich mit Gebärden zu verständigen.
    Ich finde es bedauerlich wie kurzsichtig manchmal gehandelt wird.
    Ein gehörloses Kind vermag sicher nicht zu hören, doch ist es nicht unbedingt be- gehindert sich anzupassen.
    Ich unterstelle einfach mal ein Kind das des Hörens nicht mächtig ist findet am besten in einer Klasse mit aufgeklärten Lehrern und "normalen" Kinder ein Workarround um in einer Welt mit soviel mehr hörenden klarzukommen.
    Auch sollte man die rund 20 Kinder mal nicht vergessen die man um eine sehr seltene Möglichkeit bringt soziale Kompetenzen zu erlernen. Stelle man sich mal vor 10% der hörenden Schüler haben beim erreichen der Orientierungsstufe gebärden gelernt noch bevor sie mit Englisch in Berührung kommen.
    Hätte das Gericht vielleicht mal die Klassengemeinschaft dazu gefragt...

    AntwortenLöschen
  15. Das hab ich auch noch nicht gewusst- Lehrpersonal auf Gehörlosenschulen müssen Gebärdensprache nicht unbedingt beherrschen?? WAS soll denn das?

    Hoffentlich geht der Fall für die beiden Mädchen gut aus.

    AntwortenLöschen
  16. Hallo!
    Ich lebe und arbeit in NRW und leite dort den Bereich für Integrationshilfe / Schulbegleitung für Schüler mit Förderbedarf. Wir haben auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung an Regelschulen die durch einen "Helfer" begleitet werden der Ihnen im Schulalltag assistiert.

    Bei uns ist dieses Recht in der Eingliederungshilfe §54 Hilfe zur Angemessenen Schulbildung verankert... das gilt auch für Bayern.
    Warum kann nicht über diesen Weg der Dolmetscher bezahlt werden? Bzw. müsste in diesem Falle halt ein Integrationshelfer/Assistenz befunden werden, der Gebärdensprache kann und somit den Mädchen den Schulbesuch ermöglich...
    aber ich merke schon, was ich so für völlig selbstverständlich halte ist eben nicht so selbstverständlich! Schade, wirklich schade.

    Vor allem wenn man bedenkt, was der Förderschulplatz kosten wird, inkl. Schülertransport über viele KM vermutlich mit Taxitransport oder sogar Internatsunterbringung im Gegenzug zu ein paar Stunden Dollmetscher oder Integrationshelfer am Tag!

    (nur ein Kommentar von mir, Corinna) ;-)

    AntwortenLöschen
  17. Naja was kostet ein Foerderschulplatz mehr als ein normaler? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Dolmetscher(der zwischen 40-80k im Jahr verdient) guenstiger ist als ein Kind mit dem Zug/Bus und vielleicht + Taxi zur Schule zu fahren.

    Und sebahabu ich denke nicht, dass ein gehoerloses Maedchen in einer normalen Klasse voll integriert wird und die Mitschueler sogar anfangen wuerden die Gebaerdensprachen zu sprechen. In meiner ehemaligen Schule waere sie wohl mit Ihrer Freundin in einer Ecke gesessen und du haettest die 2 wohl immer zusammen und sonst mit niemand anderen gesehen. Du bekommst doch auch soviel einfach vom Klassengeschehen nicht mit. Du kannst auch nicht schnell geheim mal 'gebaerdensprachentratschen'.

    AntwortenLöschen
  18. Sigi, ich finde es sehr schade, dass du es in deiner Ahnungslosigkeit nicht schaffst über deinen Tellerrand zu schauen.

    Das eine Mädchen wohnt 1,5 Stunden entfernt von der Augsburger Schule, wo sie in Zukunft gegen ihren Willen und auch gegen den Elternwillen beschult werden soll. So eine lange Fahrt in dem Alter ist unverantwortlich und sicherlich nicht leistungsfördernd - es geht dabei sehr viel von der Freizeit flöten.

    Sie müsste dann wohl auch ins Augsburger Internat gehen, was nicht weniger bedeutet, dass sie kein normales Familienleben haben wird - nicht den Vater oder die Mutter wird dem Mädchen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen.

    Ich war selbst auf einer normalen Schule und habe mich dort voll integriert und es war einfach ein normales Leben!

    Eine Freundin von mir musste ab dem Schulbeginn bereits mit 6 Jahren ins Internat und blieb dort bis sie 16 Jahre alt war - ihr Meinung ist heute, dass sie gerne MEHR von ihrer Familie gehabt hätte, aber damals war halt nichts daran zu ändern.

    Hast du das jetzt kapiert, worum es geht? Betrachte doch den Fall mal aus allen Perspektiven.

    Die Gehörlosenschule in Augsburg bietet keinen Untericht in Gebärdensprache an und sowas nennt sich Gehörlosenschule - die Kinder in den Gehörlosenschulen in Deutschland bekommen also nicht die BESTMÖGLICHSTE FÖRDERUNG und BILDUNG mit auf den Weg geschickt.

    Und ja - ich würde auch mein Kind, falls es gehörlos oder schwerhörig ist, auf eine normale Schule schicken, weil der Profit auf beiden Seiten ungeheuer hoch ist.

    Nämlich der soziale Lerneffekt unter den Kindern, der dafür sorgt, dass Barrieren in den Köpfen gar nicht erst entsteht!

    Danke fürs Zuhören!

    P.S. Mit den Mädels damals aus der Grundschule habe ich heute noch Kontakt. Und ich kam mit allen klar. Auf dem Pausenhof habe ich auch mit den Kindern aus den anderen Klassen gespielt und es war einfach SELBSTVERSTÄNDLICH für alle!

    AntwortenLöschen
  19. Ich finde es empörend, dass es nicht vorgeschrieben ist, die Gebärdensprache zu lernen, wenn man gehörlose Kinder unterrichtet.

    Ich finde es noch viel empörender, dass LehrerInnen, die gehörlose Kinder unterrichten, es nicht von selbst als ihre Pflicht und Teil ihrer Aufgabe ansehen, mit den Kindern in ihrer Sprache kommunizieren zu können.
    Wie wollen die denen etwas beibringen, wenn sie keinerlei Verständnis davon haben, wie die deutsche Gebärdensprache aufgebaut ist und so zumindest erahnen können, dass die deutsche Lautsprache so etwas wie eine Fremdsprache ist und welche Schwierigkeiten das für den Verstehensprozess in allen Fächern mit sich bringen könnte?

    Diese Ignoranz ist beschämend und verursacht Knoten in meinem Bauch.

    AntwortenLöschen
  20. Womit ich grad ein Problem in der Diskussion habe:
    Da steht was von Zeitraum 2 Jahre im Zusammenhang mit dem VG Hessen und das es "nicht ewig" dauern soll. Deutschland hatte doch die Salamanca-Erklärung (UN, Bildungspolitik) unterschrieben, oder? Die war vom Sommer 1994 und beinhaltete den Begriff "inclusive". Wieso dann erst 2010?

    2.
    Und was die Berechnung der Kosten angeht, insbesondere @"Sigi": Die Schüleranzahl in diesen aussondernden Schulen ist relativ gering im Vergleich zu den 3-gliedrigen Schultypen (wo dieser Schultyp ja auch ausgesondert wird, aber anderes Thema...). Dann sind dort i.d.R. die Klassen kleiner. Das heißt im Endeffekt aber, dass dadurch die Kosten sich vervielfachen i.V. zu anderen Schultypen. Darüber hinaus hast du gerade in Flächenländern sehr weite Anfahrtswege, die die Kosten massiv nach oben treiben. Rechne einfach mal selber, was dich ein Taxi/Fahrdienst kosten würde, mit dem du 2x1,5h unterwegs bist. In diesem Fall hier braucht man nicht mal ein umgebautes Fahrzeug, sondern kann "Standard" nehmen.
    Das nur als Ansatz, warum diese (Aus)Sonderschulen sehr viel teurer sind, als andere, wenn der pädagogische und menschliche Ansatz nicht reicht...

    AntwortenLöschen
  21. Es ist absolut unglaublich, dass es so etwas überhaupt (noch) gibt. Habe gestern erst wieder davon gelesen und kann eigentlich nur den Kopf darüber schütteln.

    AntwortenLöschen

Falls es nicht klappt zu kommentieren, kann man mir eine E-mail unter der Mailadresse im Blog hinterlassen - derzeit scheint Blogger damit Probleme zu haben. :-( P.S. Beleidigende und unsachliche Kommentare werden nicht freigeschaltet.