Mittwoch, 7. Dezember 2011

"Twitter-Oscar" erhalten..

und ich höre trotzdem auf zu bloggen und zu twittern.

Der Vorhang ist wirklich gefallen.

Die Gründe dafür habe ich bereits hinreichend erklärt.

Es ist meine Feststellung des Tages, ach was, des Monats: Ich fühle mich nach wie vor am wohlsten damit zu sagen, dass ich das Twittern und Bloggen einstellen werde anstatt eine auf eine unbestimmte Zeit eine Pause einzulegen. Wenn das so ist, dann sollte ich auch ganz dabei bleiben anstatt zu denken:"Du kannst doch gerade jetzt nicht aufgeben." Doch. Kann ich. Als ich mit der Bloggerei und der Twitterei anfing, hatte ich null Erwartungen an mich und die Sache. Jetzt gibt's Erwartungen an mich und von mir selber. Und das ist eine Richtung, die mir nicht gefällt. Warum eine Verantwortung übernehmen, die ich mir nicht ausgesucht habe? Dabei geht der Spaß flöten.

Es gibt Erwartungen an mich in die Politik zu gehen. Es gibt Erwartungen an mich, weiter zu bloggen und twittern. Und noch einige andere. Und ich will die nicht erfüllen müssen, weil es andere von mir erwarten. Das muss ich selbst wollen.

Warum soll ich für etwas kämpfen, was mir laut Gesetz zusteht? Es steht da drinnen - jeder, der lesen kann, kann da nachschlagen und sollte das Gestz befolgen, weil es ja nicht zum Spaß da steht.

Ich habe nicht damit gerechnet, eine der Twitterstories des Jahres 2011 zu sein und durch den ganzen weltweiten Blätterwald zu rauschen - vielen Dank noch mal an das gesamte Twitter-Team für diese hohe Ehre, welche eine riesige Überraschung für mich war.

Hier kann man noch mal die Geschichte nachlesen:

Gehörlose @Einaugenschmaus ist für Twitterboss ein Star

Und hier die Auflistung bei ABC News America der Top Twitterstories auf Platz 8 durch Mr. Twitter Jack Dorsey.

Hier auf der englischen Seite von @Twitterstories meine Story

Und das gleiche nochmal auf der deutschen Seite von @twitterstories

Und hier das Interview mit dem JETZT-Magazin der Süddeutschen Zeitung

In den Interviews habe ich zwar gesagt, dass die Auszeichnung durch Twitter ein ungeheuer großer Ansporn ist, weiterzumachen und auch zu schauen, ob ich das ganze ggf. anders aufziehen kann mit der Bloggerei.

Das lasse ich mir offen wie auch meine Entscheidung, ob und wie ich in die Politik gehen will. Mein Traum ist ja ein anderer: Die Politik erfolgreich zu beraten in Sachen Behindertenpolitik (Barrierefreiheit und Inklusion)und damit ein anständiges Grundrauschen auf dem Konto zu haben.

Noch eins: Die Regierungskoalition hat einen Antrag gestellt für mehr barrierefreie Filmangebote für Hör- und Sehbehinderte, welcher sehr begrüßt wurde vom Behindertenbauftragten Hüppe. In dem Antrag von Dorothee Bär (CSU) ist auch zum Teil meine Stimme zu hören, da sie mich um Tipps für den Antrag gebeten hat. Dieser Bitte bin ich gerne nachgekommen. So ist also meine Stimme im Bundestag zu Protokoll gegeben worden.

Für mehr barrierefreie Filmangebote

Akzeptiert also meine Entscheidung, die für mich feststeht. Es muss kein Abschied für immer sein, aber im Moment ist es ein Abschied. Und ich mache es mir schon schwer genug mit meiner Entscheidung, weil ich das Gefühl habe, mein Anliegen und die ganzen Menschen, die dafür sind, im Stich zu lassen - was aber nicht meine Absicht ist.

Ich hoffe, ihr könnt das verstehen.

Kommentare:

  1. Da gibt es nur ein Wort zu sagen: RESPEKT

    AntwortenLöschen
  2. Ich kann es verstehen und toleriere es auch, akzeptieren werde ich es jedoch nicht. Du kannst soviel twittern und bloggen wie DU willst. Warum ist Dir das so wichtig, welche Erwartungen andere an Dich stellen? Wenn es Dir Spass macht, dann mach es. Und lass es nicht, weil andere bestimmte Anforderungen stellen. Sooo funktioniert das Ganze hier nicht :)
    Und Danke nochmals, das Du vielen von uns das Bewußtsein wieder geschärft hast!!

    Würde mich also freuen, abundzu mal was von Dir zu lesen!

    cu @chaas08

    AntwortenLöschen
  3. Wie gesagt - schade! Denn wenn Du schon soweit bist, als Twitterin des Jahres genannt zu werden, dann hast Du schon was bewegt. Und vor allem hast Du etwas bewegt, das Dich bewegt. Ich hoffe, Du bist bald wieder zurück und bohrst diese dicken Bretter :)

    AntwortenLöschen
  4. Ich glaub, das ist jetzt schon der dritte letzte Blogpost den ich von dir lese. Nun geh auch endlich mal. ;)
    Geh, schalte ab und überlege, was du dir in Zukunft wünscht. Das versuche umzusetzen. Komm wieder als @neueraugenschmaus, lass uns dich in den Nachrichten sehen oder mach es dir gemütlich auf einer kleinen Insel im Südparzifik.
    Ich denke du hast schon einigen Menschen den nötigen Denkanstoß gegeben. Und wenn du sogar für den Twitterboss ein Star bist, haste es doch praktisch geschafft. Genieße dein Leben. Und wenn du irgendwann mal reden willst, gibts hier einige, die dir gern zuhören werden. :)

    AntwortenLöschen
  5. Ich habe gerne von dir gelesen.

    Und jetzt bleibt, dir alles Gute zu wünschen auf dem weiteren Weg, ob er dich nun wieder zu Twitter zurückführt oder nicht, in die Politik oder nicht - wohin auch immer. Alles Gute dir!

    AntwortenLöschen
  6. Alles Gute! (Und, Glückwunsch!) Natürlich find ich es schade, zumal ich Deinen Blog erst vor relativ kurzer Zeit kennengelernt habe, aber so ist das eben. Jedenfalls, egal, welche Entscheidungen Du für Dich triffst, meinen Respekt, und danke für alles bisher! Falls Du je wieder anfangen solltest, hoffe ich natürlich, das mitzubekommen.

    (Nebenbei: Ich habe selbst ein Problem damit, was aus meinem einfach-so-dahinschreiben-Blog geworden ist, und um meinen gibt es noch bei Weitem weniger Rummel - insofern: ich kann mir nichtmal vorstellen, wie das bei Deinem Profil ist, und find es komplett nachvollziehbar. Ich selbst verfalle in Schreibblockaden, aus denen ich nur mit ich-poste-über-geschenkte-kleine-Plastikblumen, oder irgendeinen *richtigen* Spontanaufreger herauskomme, irgendwas, was aus irgendwelchen irrationalen Gründen diese Blockade wegnimmt. Das ist nun nicht das Gleiche wie bei Dir, ich wollte nur sagen: Ich finde es super, dass Du nichts tust, womit Du Dich nicht gut fühlst, und ich glaube, dass das tatsächlich das Wichtigste ist.)

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Jule,

    als Bloggerkollegin bin ich traurig darüber, dass eine super Bloggerin wie du Abschied nehmen willst und es eine gehörlose Bloggerin weniger gibt.

    Trotzdem, ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe mir mit meinem Gehörlosblog auch immer mal wieder Pausen gegönnt, um wieder Freude am Schreiben zu bekommen.

    Und Recht hast du - du musst niemandem was recht machen. Diese Erwartungshaltung kann einem Spaß und Freude wegnehmen. Mach dich selbst davon frei. Nr. 1 in deinem Leben bist du selbst - wir haben alle die absolut freie Wahl für Entscheidungen.

    (und ich erlaube mir eine "politische Bemerkung": Als Gehörlose haben wir überhaupt nicht die freie Wahl bei den Informationen wie Hörende. Das wünsche ich mir als Gehörlose so sehr und für unsere Schicksalsgenossen genauso: 24 Stunden lang uns die Informationen in den Medien mit Untertitelung aussuchen, was uns interessiert, wie es bei Hörenden ist. Zur Zeit ist es noch nur eine Utopie in Deutschland.)

    Sei ganz lieb gegrüßt und ich wünsche dir bei all deinen nächsten Vorhaben Erfolg, egal, was es sein mag.

    Danke, dass es dich gibt!

    Gehörlosbloggerin
    Judith
    http://www.gehoerlosblog.de
    http://www.lippendolmetscher.com

    AntwortenLöschen
  8. auch von mir: Verstämdnis & Respekt ! LG. HareOM

    AntwortenLöschen
  9. Inklusion? Das ist eine glatte Lüge, die jemals erfunden wurde. Barrierfreiheit okay, aber nicht die Inklusion.

    Sorry, mehr darüber die Szenario kann wirklich so aussehen: http://www.bslbt.co.uk/zoom/films/zoom_focus_2011/the_end/

    Wer Inklusion-Fans sind, sollte sich mal am besten darüber nachdenken, welche Folge für hörgeschädigten Menschen geben könnte. Siehe im Forum: http://www.gl-cafe.de/viewtopic.php?f=108&t=46840

    AntwortenLöschen
  10. Jule, ich kanns schon verstehen. Und ich respektiere auch Deine Entscheidung. Aber zwischen tolerieren und akzeptieren ist dann doch ein Unterschied.

    Und Du bürdest Dir auch selbst eine Erwartungshaltung auf, indem Du sagst: Ich blogge nie wieder.

    Dass Du Auszeit nehmen willst, wird hier jeder verstehen.

    Ich selbst bin vorsichtig mit 'nie wieder'..., da man nie weiß, was passiert. Und irgendwann gibts wieder was, das einen wahnsinnig anstinkt, und es juckt in den Fingern...

    Muss dazu sagen, dass ich aus anderen Beweggründen schreibe, und für mich das Schreiben ein Rettungsanker im Leben ist, egal, wer es letzendlich liest, und ob es was bringt.

    Will damit sagen, man kann sich damit unter Druck setzen, zu sagen, nie wieder zu schreiben, genauso mit "jeder erwartet von mir, dass ich weitermache...".

    Letzendlich gibst DU den Takt vor, bestimmst Du alleine, wann Du Lust hast zu schreiben. Niemand zwingt Dich zu täglichen Beiträgen, oder Dich zu aktuellen Themen zu äußern.

    Mach es gut, Jule. Und danke fürs Augen öffnen und alles.

    lg,Felix

    AntwortenLöschen
  11. Ich schließe mich den Vorrednern an: Respekt! :)

    Nur eine Frage bleibt für mich noch offen: Auch wenn Du nicht mehr an diesem Blog weiterschreibst (was ich wie gesagt gut nachvollziehen kann und selbstverständlich Dein gutes Recht ist), so bleibt er doch so wie er jetzt ist noch länger online, oder? Da können dann die vergesslichen Politiker (oder wer sich dafür interessiert) immerhin nachlesen und vielleicht ändert sich dann doch bald was. ;)

    Viel Erfolg bei Deinen nächsten Vorhaben!
    Grüße und danke fürs Augen-Öffnen.

    AntwortenLöschen

Falls es nicht klappt zu kommentieren, kann man mir eine E-mail unter der Mailadresse im Blog hinterlassen - derzeit scheint Blogger damit Probleme zu haben. :-( P.S. Beleidigende und unsachliche Kommentare werden nicht freigeschaltet.