Donnerstag, 16. Februar 2012

Gehörlos und Soldat - Teil 2

Im September 2011 habe ich über den gehörlosen Amerikaner Keith Nolan berichtet, der unbedingt seinem Land dienen wollte und sich über ein Programm zum Militär gemogelt hat, was ihn genau dorthin brachte, wohin er wollte: Er wurde Soldat.

Doch er musste seine Uniform abgeben, da der medizinische Dienst ihn beim Übergang in den offiziellen Militärdienst automatisch durchfallen lässt aufgrund seiner Gehörlosigkeit, obwohl er gute Noten erlangte beim militärischen Programm und sich den Respekt seiner Mitsoldaten und Vorgesetzten erwarb durch seine Hartnäckigkeit. Aktuell kämpft er weiterhin um die offizielle Aufnahme beim Militär durch die Veränderung der betreffenden Vorschrift des medizinischen Dienstes.

Hier findet sich der ganze Blog-Bericht zu Keith Nolan inklusive sehenswertem TED-Talk und Facebook-Seite: Gehörlos und Soldat?

Heute stieß ich auf einen interessanten Bericht übe das israelische Militär, von dem Keith Nolan auch in seinem TED-Talk erzählt: Zum israelischen Militärdienst werden selbstverständlich auch Gehörlose herangezogen, sie müssen dort genau wie Hörende den Wehrdienst absolvieren, außer man heiratet schnell wie es das israelische Supermodel Bar Rafaeli gemacht hat. ;-)

Derzeit dienen im israelischen Militär etwas mehr wie 100 Gehörlose, so dass die israelische Armee nun einen Gebärdensprachkurs eingerichtet hat, um die Kommunikation zwischen den Soldaten untereinander zu verbessern, was auf ungeheurer großes Interesse stieß unter den Soldaten. Auch wird davon berichtet, dass viele Soldaten, die in den Regionen Judäa und Samaria dienen, an dem Kurs teilzunehmen wollen, um nach dem Kurs besser mit gehörlosen Palästinensern kommunizieren zu können! Friedensgespräche ohne Worte. ;-)

Aber auch sei es für die Soldaten bereichernd in eine andere Welt abzutauchen und zu überlegen, wie man die Lebensbedingungen gehörloser Menschen in Israel verbessern könne.


Hier ist noch ein anderer Blogbericht vom Mai 2011 über die gemischte Gehörlosenschule in Israel, wo gehörlose Christen, Palästinenser, israelische Araber und Juden gemeinsam in eine Schule gehen und gemeinsam die Gebärdensprache lernen:

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen! :-)


Kommentare:

  1. Es zeigt doch in erfrischender Weise was man machen kann um Intergration, wenn man nur will.
    Es ist erfreulich wenn jede Art von Diskrimination sich nach und nach in ein Miteinander wandelt...

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  2. In meinen Augen ist so einen undifferenzierte Betrachtung schlimm. Integration ist das eine. Vielleicht, das kann ich als nicht-Gehörloser kaum einschätzen, lohnt es sich aus deiner Sicht dafür zu Kämpfen - sich in diesem Fall. Das große Problem, welches ich damit habe ist, dass hier freimütig jeder - auch Gehörlose - zum Wehrdienst verpflichtet werden. Warum ? Man kann mutmaßen, warum. Evtl. liegen manifeste, Einsatztaktische Vorteile aus der Seite von Gehörlosen. Wäre das so, ist das in meinen Augen freilich nichts, auf das man stolz sein sollte, sondern einfach ein "verheizen" von Menschen. Vielleicht braucht das Militär aber auch einfach jeden... Vielleicht. Ein wirkliches Thema von Integration ist es in meinen Augen allenfalls bei ganz oberflächlicher Betrachtung. Einen Erfolg in Sachen Integration sehe ich persönlich dadrin nicht. Aber vielleicht bin ich dafür auch zu sehr Pazifist.

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  3. Jetzt mal ganz ehrlich. Aber ein Gehörloser als Soldat geht gar nicht. Was ist denn zum Beispiel in Gefechtssituationen? Da führe ich als militärischer Vorgesetzter meine Einheit z.B. Auch durch Laute und kräftige Stimme. Ich kann aber sicher nicht immer darauf achten, dass der Gehörlose auch gut meinen Mund sieht. Letztlich erhöht der Gehörlose damit das Risiko für die gesamte Einheit

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