Dienstag, 6. März 2012

Geben Sie sofort das Bundesverdienstkreuz zurück!

Diese Ansage gilt dem frischgebackenen Träger des Bundesverdienstkreuzes, Dr. Fritz Baumbach. Aus welchem Grund?

Er hat Gehörlose und Schwerhörige in seiner Dankesrede bei der Preisverleihung in einer unfassbaren Art und Weise diskriminiert, die ich als für ausgestorben hielt, weil die Menschen ja heutzutage zum Teil besser aufgeklärt sind als früher, wenn es um Gehörlose und Schwerhörige gilt.

Und diese Art der Diskrimination wiegt sogar noch schwerer, wenn man weiß, dass Herr Baumbach mit Gehörlosen und Schwerhörigen zu tun gehabt hat!

Aber nochmal von vorne: Dr. Fritz Baumbach, promovierter Chemiker und ganz frischer Träger des Bundesverdienstkreuzes erhielt die Auszeichnung, weil er verschiedene Ehrenämter übernommen habe. In seiner Dankesrede bei der Preisverleihung sagt er folgendes:

"Sie haben hervorgehoben, dass ich neben dem aktiven Schach verschiedene Ehrenämter übernommen habe, alle im Sinne der Verbreitung des schönen Schachspiels auf verschiedenen Ebenen. Das erste war meine Funktion als Trainer von gehörlosen Schachspielern, die mich gefordert und auch bereichert hat. 1970 wurde mir angeboten, die hörgeschädigten, überwiegend gehörlosen Schachspieler der DDR zu trainieren. Es handelte sich um die Nationalauswahl mit ungefähr 20 Spielern und einigen Jugendlichen, sie wurden speziell gefördert. ‘Warum diese Sonderbehandlung?’ haben manche gefragt, vielen ist das auch heute nicht klar. Die Hörgeschädigten gehören zum Behindertensport, nicht weil sie sich nicht so gut verständigen können, sondern weil sie in ihrer geistigen Entwicklung gehemmt sind. Hören und vor allem Sprechen sind die wichtigsten Elemente der geistigen Entwicklung des Menschen, ohne Gehör und die sprachliche Verständigung bleiben sie in der geistigen Entwicklung zurück. Das macht sich auch beim Schachspielen bemerkbar."

Zusammengefasst meint also ein promovierter Chemiker, der gehörlose und schwerhörige Schachspieler trainiert hat, folgendes:

"Ohne GEHÖR bleiben sie geistig zurück!"

Übrigens: Die Schach- DDR-Nationalmannschaft der Gehörlosen errang sich 1974 den Vize-Meister-Titel. Aber das lag bestimmt an seinem Training, nicht an den Leistungen der gehörlosen Schachspielern.

In meinem Internat gab es übrigens immer mal wieder Schachturniere, die mit großer Begeisterung abgehalten und durchgezogen wurden. Das muss ich aber alles geträumt haben, dass Gehörlose und Schwerhörige ohne spezielle Sonderförderung Schach spielen.

Und Herr Baumbach befindet sich sowas von auf dem Holzweg, wenn er meint, dass Gehörlose und Schwerhörige geistig zurückgeblieben sind: Es gibt gehörlose und schwerhörige Lehrer, Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure. Ach übrigens: Ich bin ja mal gespannt, was Dr. Baumbacher zu seinem gehörlosen Kollegen Dr. Ingo Barth meint - dieser ist promovierter Chemiker mit summa cum laude!

Ach und was den Behindertensport angeht: Die Deaflympics für Gehörlose gibt es genau deswegen, weil Gehörlose außer der Fähigkeit nicht hören zu können, sonst körperlich nicht eingeschränkt sind. Damit haben sie einen Vorteil gegenüber den körperlich eingeschränkten Sportlern bei den Paralympics haben. Natürlich gibt es Gleichgewichtsproblemen bei manchen Gehörlosen, aber es gibt doch auch "normale" Menschen mit Gleichgewichtsproblemen.

Deswegen gibt es die Deaflympics, über die berichtet habe - hier mal die zwei wichtigesten Einträge dazu:



Ganz knapp und kurz gesagt: Gehörlose haben ihre eigenen olympischen Spiele und Sportfeste aus diesem Grund:

Akkustische Informationen fehlen den gehörlosen Sportler, also solche wie zum Beispiel:
- die Beschaffenheit eines Untergrundes beim Ski-Sport,
- die Art, wie ein Ball beim Tennis oder Tischtennis geschlagen wird
- die Kommunikation im Teamsport (Zurufe, etc)
- Motivationssteigerung durch die Zurufe der Zuschauer

Achja, Dr. Baumbach hat auch noch nie von dem erfolgreichsten Gehörlosen gehört, der bei den (normalen) Olympischen Spielen 2000 in Sydney Silber über 200m Brust geholt hat - Terence Parkin aus Südafrika!

Blogeintrag über Terence Parkin - kleines Bonmot: Die damalige Charlene Wittstock, heutige Fürstin von Monaco hat damals in der Nationalmannschaft die Gebärdensprache gelernt...

Eine Anmerkung noch von mir zum Blogeintrag: Normalerweise hätte ich hier einen offenen Brief an Dr. Baumbach verfasst, wo ich ihm seine Aussagen richtig schön um die Ohren gehaut hätte, aber ich bin dazu viel zu fassungslos und wütend gewesen, so dass ich mich um einen sachlichen Bericht der erfolgten Diskrimination bemüht habe, was mir wohl auch gelungen ist.

Der Rollingplanet, über den ich erst von diesem Fall erfahren habe, hat einen schönen Beitrag dazu:


Sehr schade übrigens, dass niemand der anwesenden Leute bei der Dankesrede sich dazu geäußert hat oder Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU), der die Auszeichnung vornahm, da mal nachgefragt hat: "Bleiben Sie bei dieser Aussage?"

Das ist Deutschland im Jahre 2012 - ein Träger des Bundesverdienstkreuzes darf Gehörlose und Schwerhörige in einer derartig absurden Art diskriminieren und es stört keinen außer die Betroffenen.

Haben wir nicht ein Antidiskriminierungsgesetz? Oh, da spuckt Wikipedia folgendes aus: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt – ist ein deutsches Bundesgesetz, das Benachteiligungen der „Rasse“, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll. Zur Verwirklichung dieses Ziels erhalten die durch das Gesetz geschützten Personen Rechtsansprüche gegen Arbeitgeber und Private, wenn diese ihnen gegenüber gegen die gesetzlichen Diskriminierungsverbote verstoßen.

Aber zurück zu Dr. Baumbach: Ich fordere eine Stellungsnahme von ihm zu seiner Aussage und eine Entschuldigung an uns Gehörlosen und Schwerhörige.

Wenn die Entschuldigung ausreichend und verständlich ist, dann kann Herr Baumbach sein Bundesverdienstkreuz gerne behalten.

Bleibt er aber dabei, so würde ich es sehr begrüßen, wenn die Bundesregierung Dr. Baumbach sein Bundesverdienstkreuz wieder entzieht!


UPDATE vom 07.03.2012: Auf der Seite des Berliner Schachverbandes findet sich die Ehrungsrede des Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) und die Dankesrede von Dr. Baumbach in voller Länge. Es liest sich trotzdem nicht weniger schlimm, auch wenn er in der vollen Länge davon spricht, wie er das Vertrauen der gehörlosen und schwerhörigen gewonnen hat - so hängen zum Beispiel diese Passagen zusammen:

"Sie haben hervorgehoben, dass ich neben dem aktiven Schach verschiedene Ehrenämter übernommen habe, alle im Sinne der Verbreitung des schönen Schachspiels auf verschiedenen Ebenen. Das erste war meine Funktion als Trainer von gehörlosen Schachspielern, die mich gefordert und auch bereichert hat. 1970 wurde mir angeboten, die hörgeschädigten, überwiegend gehörlosen Schachspieler der DDR zu trainieren. Es handelte sich um die Nationalauswahl mit ungefähr 20 Spielern und einigen Jugendlichen, sie wurden speziell gefördert. 'Warum diese Sonderbehandlung?' haben manche gefragt, vielen ist das auch heute nicht klar. Die Hörgeschädigten gehören zum Behindertensport, nicht weil sie sich nicht so gut verständigen können, sondern weil sie in ihrer geistigen Entwicklung gehemmt sind. Hören und vor allem Sprechen sind die wichtigsten Elemente der geistigen Entwicklung des Menschen, ohne Gehör und die sprachliche Verständigung bleiben sie in der geistigen Entwicklung zurück. Das macht sich auch beim Schachspielen bemerkbar.
Mich reizte diese Aufgabe, und ich habe sie übernommen und fast 20 Jahre ausgefüllt. Zunächst musste ich eine Verständigung herstellen und ihr Vertrauen gewinnen. Nachdem sie gemerkt haben, dass ich ihnen helfen möchte, kamen wir uns immer näher. Ich führte ein speziell für sie ausgerichtetes Trainingsprogramm durch, zu welchem Lehrgänge, Wettkämpfe und ein Individualtraining, meist schriftlich, gehörten. Die Ergebnisse wurden besser, wir haben später erfolgreich als Mannschaft gegen andere Länder wie Ungarn und Polen gespielt. Der Höhepunkt war der zweite Platz bei der Mannschaftsweltmeisterschaft in Dänemark 1974 (der Vizeweltmeistertitel). Für mich war neben der Verbesserung ihrer Spielstärke auch wichtig, das Selbstvertrauen meiner Schützlinge zu stärken und ihre Integration in die Gesellschaft zu erleichtern. Sie sind ja wegen der schwierigen Verständigung doch Außenseiter, also auch in ihren Schachklubs. Je besser sie spielten, desto mehr wurden sie von anderen Klubmitgliedern anerkannt und konnten sich Respekt verschaffen."

Die volle Länge findet sich hier: http://www.berlinerschachverband.de/entry/401

Wie gesagt, es liest sich trotzdem nicht weniger schlimm, denn er erzählt ja auch wie er mit seinen Schützlingen zusammen kam und er bezeichnet sie trotzdem als geistig gehemmt in ihrer Entwicklung, was für mich einfach nur ein Euphemismus ist für geistig behindert. Mit dieser Pauschalisierung, die ganz und gar nicht der Wahrheit entspricht, behindert Dr. Baumbach die ganze Aufklärungsarbeit über die Gehörlosen/Schwerhörigen und deren besondere Kultur.

Übrigens beschreibt Dr. Baumbach, wie er ein schriftliches (!) Individualtraining für die Spieler einführte, das ist sehr wahrscheinlich der Grund, warum er auf die Beurteilung kommt, dass Gehörlose und Schwerhörige geistig gehemmt sind in ihrer Entwicklung: Die Mehrheit der Gehörlosen haben große Probleme mit dem Schriftdeutsch, was daran liegt, dass sie bis heute zu 90% nicht in der Gebärdensprache unterrichtet werden. Die Schwerhörigen waren bzw. sind nicht so massiv davon betroffen. Damals in der aktiven Zeit von Dr. Baumbach war die Gebärdensprache verboten, sie wurde massiv unterdrückt und als "Affensprache" angesehen. Diese Auffassung hatten Sozialarbeiter, Pädagogen und Lehrer bis in die späten 90er von der Gebärdensprache.

Ich kann es mir sehr gut vorstellen, dass die schriftkompetenten Schwerhörigen Schachspieler in der Nationalmannschaft den gehörlosen Schachspielern die schriftlichen Anweisungen von Dr. Baumbach erklärt haben.

Denn dieses Problem ist weit verbreitet und tritt heute immer noch im Gehörlosensport auf, siehe meinen Blogeintrag zu den abgesagten Winter-Deaflympics 2011, denn dort schreibe ich:

PS. Im heutigen "Sehen statt Hören" lief ein Bericht über das deutsche Nationalteam der Gehörlosen, die für die Deaflympics nominiert worden sind. Hier gibt es einen Bericht auf der Seite vom Deutschen Gehörlosen-Sportverband übe den neuen (hörenden) Trainer Christian Schnepf: http://www.dg-ws.de/skialpin_berichte033.php

Typisch war: Schnepf sah überhaupt keine Kommunikationsprobleme, er meinte, er würde schon sehr viel mit Mimik arbeiten und das würde sehr gut klappen. Aber die Sportler beklagten sich, dass er zuwenig Gebärdensprache einsetzen würde und außerdem manchmal zu schnell und zuviel sprechen würde. Die Kommunikation klappt deswegen ganz gut, weil der schwerhörige Skifahrer Philipp Eisenmann die Gebärdensprache kann und so seine Teamkollegen informieren kann und er selbst sagt, es sei schön, dass er seinen Kollegen helfen kann, aber es sei auch eine Belastung für ihn.
Also lieber DGS-Sportverband: Entweder wird Christian Schnepf ein DGS-Kurs spendiert oder man stellt ihm einen Gebärdensprachdolmetscher zur Seite, damit die Kommunikation reibungsfrei abläuft und alle Sportler sich frei von Einflüssen von Außen auf die Anweisung des Trainers konzentieren können!

So wird es damals abgelaufen sein wie es heute auch noch der Fall ist im Gehörlosensport. Auf den unwissenden Trainer Dr. Baumbach wird es den Eindruck gemacht haben, dass die gehörlosen und schwerhörigen Sportler in ihrer geistigen Entwicklung gehemmt sind, wie er es ausgedrückt hat, denn sie konnten eben seinen Anweisungen nicht zu 100% folgen, außer es wurde vermittelt.

Ich kenne übrigens den einen gehörlosen Sportler, der vor einem Jahr mit der Ski-Nationalmannschaft der Gehörlosen für die abgesagten Deaflympics trainiert hat und er sagte auch, dass diese Bedingungen es auch nicht einfacher machen, dem Trainer voll zu vertrauen und die ganzen Probleme zu erklären.

Umso höher ist die Leistung, aber nur alleine die Leistung der gehörlosen und schwerhörigen Schachspieler zu bewerten, die unter diesen Umständen so erfolgreich sein konnten! Das Training war hilfreich, aber es sind immer noch die Spieler, die die Vorgaben umsetzten mussten! Da kann man nicht ernsthaft behaupten, dass die Spieler geistig gehemmt sind, wenn sie es geschafft haben, die Vorgaben umzusetzen!

Ich hoffe, dass jetzt damit einleuchtend genug erklärt worden ist, warum ich wie andere Gehörlose und Schwerhörige, die von den Aussagen Dr. Baumbachs erfahren haben, darüber empört bin.


P.P.S: Außerdem: ES GAB schon immer gehörlose Sportvereine, also auch Schachvereine für Gehörlose und Schwerhörige! Dr. Baumbach behauptet ja auch, dass Gehörlose und Schwerhörige auch Kommunikationsprobleme in ihren Vereinen gehabt hätten.
Der Gehörlosensport ist von der Vereinsgründung her die älteste Bewegung im Behindertensport, zum Beispiel fanden die ERSTEN Deaflympics 1924 in Paris statt!



UPDATE vom 07.03.2012, 19:48 Uhr: Der Rollingplanet hat sich zu Wort gemeldet mit dem Artikel: Eine Blitzschachpartie wird das nicht mehr! Ganz besonders interessant ist, dass der gehörlose Schachspieler Josef Hanio, der ebenfalls Träger der Bundesverdienstkreuzes am Bande ist, eine Entschuldigung fordert:“Ich bitte Sie um Verständnis, dass wir – als Gehörlose – an einer schnellen Richtigstellung Ihrerseits interessiert sind. Ich erwarte daher eine kurzfristige öffentliche Erklärung / Richtigstellung Ihrerseits spätestens im Monat März 2012.“

Hier die Stellungsnahme von Josef Hanio: http://bdf-fernschachbund.de/news_/printnews.php?nwsid=2191

Es sagt schon sehr viel aus, wenn ein gehörloser Schachspieler ebenfalls nicht einverstanden ist mit den Äußerungen von Dr. Baumbach.

Außerdem distanziert sich der Deutsche Schachbund e.V. von den diskriminierenden Zitaten, der Fernschachlegende und des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fernschachbundes e.V. (BdF) Dr. Baumbach und schreibt folgendes: "Vielen Dank für den Hinweis auf das Zitat von Dr. Fritz Baumbach bezüglich der hörgeschädigten Schachspieler. Es handelt sich um eine Aussage, die nicht die Auffassung des Deutschen Schachbundes darstellt. Wir werden daher den Hinweis auf die Veröffentlichung auf der Website des Berliner Schachverbandes löschen. Wir bitten die dadurch entstandene Betroffenheit zu entschuldigen."

Der Hinweis auf die Auszeichnung Dr. Baumbachs wird also in den den nächsten Tagen dort gelöscht werden.

Auch hat inzwischen der Deutsche Gehörlosenbund eine Stellungsnahme abgegeben und erklärt dort mit der etwa gleichen Begründung wie ich warum die Äußerung diskriminierend und beleidigend ist: Stellungsnahme des DGB

Ich bin gespannt, ob überhaupt noch zeitnah eine Entschuldigung von Dr. Baumbach kommen wird, welche dringend notwendig ist.


P.S. Ich habe mich dazu entschlossen, dass ich unter diesen Blogpost keine Kommentare mehr zulassen werde, da ich meine Sicht erläuternd genug ausgebreitet habe. Es ist ein klarer Fall von Diskrimination, welche Dr. Baumbach da geäußert hat. Und ich bin mit dieser Meinung nicht alleine - es sind noch viele anderer dieser Meinung. Euphemismus sollten den Leser hier geläufig sein und auch die Bedeutung dieser.

Und wenn ich erkläre, warum es die Deaflympics für Gehörlose gibt, bedeutet es nicht, dass ich NICHT für Inklusion bin! Ich bin sehr wohl für Inklusion. Ich habe aber auch erklärt, WARUM die Gehörlosen nicht bei den Paralympics eingegliedert sind und das wirklich ausreichend genug.

Leute - es ist lächerlich, wenn man mir aus dies oder jenem einen Strick drehen will und bei manchen Blogkommentaren hierzu könnte ich mir an den Kopf klatschen und murmeln: "Schmeiß doch bitte diesen feigen und mehrheitlichen anonymen Kommentatoren Hirn zu."

Barrierefreiheit, Inklusion und selbstverständlich auch die Diskrimination sind die Dinge, für die ich mich immer engagieren werde. Und ich bin auch für die Wichtigkeit anonymer Kommentare, nur wenn es total klar ist, dass die Personen dahinter nur provokante Trolls sind, dann hört hier der Spaß auf und die Diskussion ist hier beendet.

UPDATE vom 13. März 2012: Inzwischen hat der Deutsche Fernschachverbund (e.V) die Diskriminierung von der eigenen Webseite gelöscht und distanziert sich außerdem von der Aussage von Dr. Baumbach:

Bundesverdienstkreuz für Dr. Baumbach

Der mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors vom Deutschen Fernschachbunde e.V. (BdF) auf seiner Homepage veröffentlichte aus einer Quelle uebernommene fremde Beitrag zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Dr. Fritz Baumbach vom 25. Februar 2012 wurde am 10. März entfernt, um Schaden und mögliche rechtliche Konsequenzen vom Deutschen Fernschachbund e. V. (BdF) abzuwenden.

Der Vorstand des Deutschen Fernschachbundes e. V. (BdF) ist mit der Veröffentlichung dieses Beitrages der Berichtspflicht gegenüber seinen Mitgliedern nachgekommen. Der Deutsche Fernschachbund e. V. (BdF) hatte nicht die Absicht, sich die Ansichten von Dr. Fritz Baumbach noch die seiner Kritiker zu eigen zu machen.

Wir bitten die durch die Veröffentlichung in Kreisen unserer hörbehinderten Mitmenschen entstandene Betroffenheit zu entschuldigen!"

Sehr schön, dass der deutsche Fernschachbund wirklich zeitnah seiner Pflicht nachgekommen ist und sich von dieser Diskriminierung durch Dr. Baumbach distanziert hat!

Kommentare:

  1. Liebe Julia, der Mann hat recht mit seiner Aussage. "In ihrer geistigen Entwicklung gehemmt" heißt nicht "geistig behindert" und erst recht nicht dumm -- wie all die Beispiele, du selber nennst, zeigen. Wer nichts hört, lernt schwerer sprechen, lernt schwerer lesen und schreiben, hat es schwerer, sich Bildung anzueignen. Diese Kette sollte dir vertraut sein. Ich habe mich selbst in meiner geistigen Entwicklung gehemmt gefühlt, als ich nicht mehr alles akustisch verstanden habe. Um diese Hemmung abzubauen, braucht es besondere Förderung, ein Umfeld mit DGS und dazu noch CI/Hörgeräte sofern sie helfen um Teilhabe und Chancengleichheit bei der geistigen Entwicklung herzustellen. Ich habe keine Ahnung, wie es um Gehörlose in der DDR bestellt war. Aber das, was du dem Mann unterstellen willst, meint er so nicht und hat er so nichtmal gesagt. Und ich unterstelle, dass Dr. Baumbach geholfen hat, die o.g. Kette zu durchbrechen.

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    1. Ich stimme dir zu, Enno. Ich spiele Schach, weil der intellektuelle Wettkampf geistig sehr fordert. Wer kann schon gegen Schachcomputer wie Deep Blue schach und matt besiegen? Deshalb erfordert dies geistige Maximalleistungen

      Das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen ist in meinem Augen einfach nur Hetzkampagne und ist einfach nur schlechter Stil.

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    2. Lieber Enno,
      ich stimme Dir nicht zu. Denn ich gehe aufgrund des Hintergrundes, der dieser Mann hat davon aus, dass dieser völlig "Old-School" ist.

      Wenn man über Jahre hinweg mit Menschen arbeitet, die nur schwer oder nur gar nicht hören können, hätte er ganz andere Worte genutzt.

      Gut, er gehört der älteren Generation an. Aber trotzdem kann man sich kundig machen und weiterbilden. Auch im Alter.

      Wir dürfen vor allen Dingen eines nicht tun. Andere für ihr Fehlverhalten entschuldigen.

      Ich habe als Hörende meine Sichtweise weiter unten erläutert. Denn ich habe die Aussage des Herrn Dr. Baum genauso verstanden, wie Jule.

      Warum betone ich, dass ich Hörend bin?
      Weil ich als Hörende noch lange nicht so weit im Thema bin, wie Nicht- oder Schwerhörende.

      Wenn mir solche Aussagen des Herrn Baumann schon aufstossen, wie empfindet jemand der betroffen ist???

      Die Geschichte der GL's ist lang und hart. Und wir tragen unsere Geschichte immer mit uns.
      Wenn Du hörend bist, stell Dir vor nicht-hörend zu sein und ausser, dass Du nur nicht hören kannst, wirst Du als dumm hingestellt. Als jemand, der geistig minderbemittelt ist.

      Die Aussagen dieses Mannes betrifft nicht nur Gehörlose, sondern auch Menschen mit Sprachstörungen und Menschen mit einer anderen Wahrnehmungsfähigkeit.
      Sprachgebrauch: geistig behindert.

      Die Aussagen dieses Mannes haben für meine Empfindlichkeit national-sozialistischen Charakter!

      Denn es gibt DEN perfekten Menschen nicht!
      Jeder ist auf seine Art "eingeschränkt" oder "behindert".

      Schach gilt als das Spiel der Könige! ;)

      Ich persönlich liebe Dame, Halma und natürlich Romeé :))

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    3. "Geistig behindert"

      Auch wenn es noch so oft wiederholt wird. Das hat er nicht gesagt.

      "Die Aussagen dieses Mannes haben für meine Empfindlichkeit national-sozialistischen Charakter!"

      Dann empfehle ich eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Denken der Nationalsozialisten.

      "Schach gilt als das Spiel der Könige! ;)"

      Wieso gilt? Der König ist die Hauptfigur ist.

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  2. Hallo, ich finde es klasse, dass Du so vehement argumentierst und Dich gegen den tatsächlich unmöglichen Redebeitrag aufregst.Die Aussage, Gehörlose seien geistig gehemmt, stimmt nun mal nicht - weder 1970 noch heute. Was möglicherweise der Fall ist (und was er vielleicht gemeint hat?), ist dass vor 40 Jahren die Beschäftigung mit Gehörlosen und das Anbieten einer (anderen) Sprache, die unzweifelhaft das Denken verändert und schult, damals noch nicht so üblich war. Weder bei Eltern noch bei staatlichen Einrichtungen.

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  3. Für mich ist "gehemmt in der geistigen Entwicklung" einfach nur ein netter Euphemismus für "geistig behindert. "Gehemmt in der geistigen Entwicklung" hör sich so schön politisch korrekt an.

    Dr. Baumbach badet hier in einem gewaltigen Fettnapf.

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    1. Herr Baumbach mag Old School sein, sich missverständlich ausgedrückt haben oder was auch immer. Aber auch dann hat er ein Recht darauf richtig zitiert zu werden.

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  4. @jule Du hast völlig Recht, wenn Du dich darüber aufregst - selbst, wenn man die Aussage irgendwie harmlos hinbiegen kann. Alleine der (m.E. abfällige und entwertende) Unterton reicht, um auf die Barrikaden zu gehen, wenn jemand sowas sagt.

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  5. Dr. Baumbach hat sich sicher unglücklich bis missverständlich ausgedrückt, aber gemeint gewesen sein könnte durchaus das, was Enno gesagt hat. "Für mich ist..." ist übrigens ein Totschlagargument.
    Und zum Thema Euphemismen ist anzumerken, dass es ja gerade im Behindertenumfeld Bestrebungen für politisch korrekte Neuformulierungen gibt, vgl. "andersbegabt" und "Menschen mit besonderen Bedürfnissen".

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  6. "Die Schach- DDR-Nationalmannschaft der Gehörlosen errang sich 1974 den Vize-Meister-Titel. Aber das lag bestimmt an seinem Training, nicht an den Leistungen der gehörlosen Schachspielern."

    1974: Das war übrigens die Schachweltmeisterschaft _der Gehörlosen_ in Dänemark. Es wird also dann schon sein Training gewesen sein; sie hätten ja bei der Gehörlosen-Schach-WM auch letzte werden können.

    "Das muss ich aber alles geträumt haben, dass Gehörlose und Schwerhörige ohne spezielle Sonderförderung Schach spielen."

    Das hat Herr Dr. Baumbach nicht gesagt. Wenn Du die gesamte Rede gelesen hättest, wäre Dir das auch aufgefallen. Er sagt:

    "Ich führte ein speziell für sie ausgerichtetes Trainingsprogramm durch, zu welchem Lehrgänge, Wettkämpfe und ein Individualtraining, meist schriftlich, gehörten. Die Ergebnisse wurden besser,"

    Immer dabei bedenken: er geht hier um Schach auf Liga- und Turnierkampfniveau. Der Mann ist Großmeister.

    "Für mich war neben der _Verbesserung ihrer Spielstärke_ auch wichtig, das Selbstvertrauen meiner Schützlinge zu stärken und ihre Integration in die Gesellschaft zu erleichtern. Sie sind ja wegen der schwierigen Verständigung doch Außenseiter, also auch in ihren Schachklubs. Je besser sie spielten, desto mehr wurden sie von anderen Klubmitgliedern anerkannt und konnten sich Respekt verschaffen."

    Also "je besser sie spielten". Er sagt nicht, dass sie ohne die "spezielle Sonderförderung" nicht hätten Schach spielen können. "Spezielle Sonderförderung" kommt seiner Rede nicht vor. Das hast Du sozusagen erfunden. Er redete von "spezieller Förderung". Damit ist Schachtraining gemeint und im übrigen gibt es solche spezielle Förderungen und sogar Sonderförderungen auch bei besonderen Talenten, sowie z.B. zur Förderung von Schachspielerinnen auf Liga- und Wettkampfniveau.

    Du hast doch bereits selber mehrfach das schlechte Bildungsniveau mit seinen Folgen für Beruf usw. beklagt.

    Wie oben schon andere sagten: Er hat gesagt "Hörgeschädigte sind in ihrer geistigen Entwicklung gehemmt". Er hat nicht gesagt, dass Hörgeschädigte geistig insgesamt gehemmt seien und schon gleich gar nicht, dass sie geistig behindert sind, wie Du das in einem Tweet behauptet hast.

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  7. Dein Kommentar trudelte gleichzeitig mit meiner Aktualisierung ein.

    Oh doch, die spezielle Förderung kommt in seiner Rede vor, nämlich in dieser Passage: "Es handelte sich um die Nationalauswahl mit ungefähr 20 Spielern und einigen Jugendlichen, sie wurden speziell gefördert."

    Er hat es gesagt, dass Gehörlose und Schwerhörige geistig behindert sind und es einfach mit "geistig gehemmt" umschrieben.

    Der Punkt ist: Wenn man die Hintergrundfakten und die Geschichte der Gehörlosen und Schwerhörigen kennt, dann kann man diese Aussage von Dr. Baumbach gar nicht mehr als harmlos hinbiegen.

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    1. Wie in vielen anderen Punkten muss man als "Deutscher Bürger" mit Aussagen über "Behinderte" extrem vorsichtig sein, um nicht mit der Geschichte zusammen zu stoßen. Das gilt ganz besonders für Leute, die mit irgendwelchen Verdienstkreuzen ausgestattet werden. Deshalb finde ich die Reaktion von Jule absolut angemessen.

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    2. Du wirst via Ip-Adresse ermittelt und später genauso bestraft. Wir wollen Acta, wir wollen Acta. Ihr Rhetorik-Nazis. Ihr müsst einfach beseitigt werden.

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  8. Du schreibst von "Sonderförderung"; er spricht von spezieller Förderung. Das ist ein durchaus übliches Wort, z.B. auch und wie ich geschrieben habe, wenn es um die Förderung von Schacherinnen geht.

    Bitte den Beweis liefern, dass er "geistig behindert" _gesagt_ hat.

    "Übrigens beschreibt Dr. Baumbach, wie er ein schriftliches (!) Individualtraining für die Spieler einführte, das ist sehr wahrscheinlich der Grund, warum er auf die Beurteilung kommt,"

    Schachtraining ist kein Schreibunterricht für deutsche Schriftsprache.

    ...außerdem schreibst Du doch selber wie es um die Gebärdensprache bestellt war. In der DDR war sie zu dem Zeitpunkt unerwünscht. Er ist insofern auch ein Kind seiner Zeit und das mag auch für die Wortwahl gelten.

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  9. Offenbar wissen die Anonymisten hier nicht, was Euphemismus ist, denen empfehle ich noch mal bei Wikipedia nachzuschlagen.

    Zweitens: Ich habe ganz genau erklärt, wie Dr. Baumbach zu dieser falschen Beurteilung kommt.

    Drittens: ES ist Fakt, dass die Mehrheit der Gehörlosen Probleme hat mit dem Schriftdeutsch, das heißt sie können viele Texte nicht vollständig verstehen noch sich korrekt dort ausdrücken. Aber das habe schon sehr oft in meinem Blog erklärt.

    Viertens: Es ist mir wurscht, ob Dr. Baumbach als Kind seiner Zeit gilt - hatte persönliche Erfahrungen mit Gehörlosen und Schwehörige. Früher oder später begreift nämlich jeder, dass die Gebärdensprache für die Mehrheit Gehörlosen und auch einem Teil der Schwerhörigen als Muttersprache gilt und somit Unterrichtssprache sein muss.

    Diese Entwicklung hätte er zumindestens mitbekommen müssen.

    Außerdem: ES GAB schon immer gehörlose Sportvereine, also auch Schachvereine für Gehörlose und Schwerhörige! Dr. Baumbach behauptet ja auch, dass GEörlose und Schwerhörige auch Kommunikationsprobleme in ihren Vereinen gehabt hätten. Falsch, Falsch, Falsch!

    Ich halte fest: Dr. Baumbach hat Unsinn verzapft, wofür er sich entschuldigen muss!

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  10. Ich kann Jules Äußerungen in keinster Weise nachvollziehen.
    Es ist doch schön, wenn jemand seine Zeit der Förderung von Gehörlosen widmet und diesen mittels spezieller Lehrmethoden das Schachspiel auf hohem Niveau ermöglicht.
    Die Fehlinterpretation der Aussagen von Dr. Baumbach sollte sie umgehend zurücknehmen und sich beim Opfer entschuldigen!

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  11. Ich habe in keinster Weise das Engagement von Dr. Baumbach im Gehörlosensport kritisiert, sondern lediglich SEINE Aussage über seine Schützlinge.

    Das ist ein wichtiger Unterschied!

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  12. Dank Cochlea-Implantat bist du nicht geistig eingeschränkt. *loooooooool*

    Es lebe Cochlea-Implantat, die macht uns sehr intelligent und geistig fit.

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    1. Kann man das auch Hörenden implantieren? Da wo Intelligenz fehlt?

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  13. Deine Interpretation bleibt trotzdem falsch und Du stellst sowas einfach ins Internet.
    Unglaublich, eigentlich...

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  14. @CI-Fan: Da ich für Anonymität im Internet bin, ist dein wenig intelligenter Kommentar freigeschaltet.

    @Anonym: Dir ist nicht zu helfen. Komisch nur, dass mir die Mehrheit Recht gibt. :-p

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  15. Nein. Du hast erklärt wie Du seine Aussagen interpretierst. Das ist etwas anderes.

    Noch einmal: ein Schachtraining ist kein Deutschunterricht.

    Und Du weißt sicher, dass alle Mitglieder der von Herrn Baumbach trainierten Nationalauswahl der DDR ausschließlich aus den Schachvereinen für Gehörlose und Schwerhörige kamen und es sich dabei _nicht_ um Sektionen der Schachvereine handelt und auch keine Gehörlosen aus den allgemeinen Schachvereinen der DDR kamen.

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  16. Lies bitte noch einmal deinen Kommentar durch und denk nach, dann können wir gerne weiter diskutieren, aber nicht auf diese Art.

    Du scheinst einige wichtige Punkte einfach nicht zu beachten, die ich erklärt habe, was diese Diskussion sehr erschwert. Deher empfehle ich dir einfach noch mal alles genau durchzulesen oder wir beenden die Diskussion an dieser Stelle.

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  17. Vielleicht hat er ja wirklich das gemeint was nunmal wirklich ein Problem ist: Das Gehörlose einfach nicht die selbe Bildung bekommen wir Hörende. Eben weil das ganze System falsch ausgerichtet ist.
    Aber falls er das meinte hat er sich wirklich sehr, sehr schlecht ausgedrückt, und dann sollte er wirklich schauen das er das klar stellt.
    Ich hab allerdings den Eindruck das er Gebärdensprache nicht als vollwertige Sprache ansieht. Und deshalb dieses Zeug von sich gibt.

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    1. Eben Lina,
      den Eindruck habe ich auch. Habe es weiter unten mal geschrieben, wie Baumbachs Aussage bei mir ankam.

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  18. @jule:
    Welche Mehrheit denn? Die eigene, naiv Zusammengebastelte?
    Du verleumdest hier einen Menschen, hast Du Dir das schon mal vergegenwärtigt?

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  19. Die Diskussion ist hiermit beendet oder besser gesagt: "Don't feed the troll - it's you!"

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  20. Ich kann Jules Verärgerung verstehen, die Aussage ist selten dämlich, wenngleich auch Enno Recht hat.
    Das Problem für uns hörende und außenstehende ist, dass wir uns die Kommunikation Gehörloser kaum vorstellen können (wenn wir nicht DGS beherrschen und merken, wie flott das gehen kann).
    Und wie Jule schon an anderer Stelle ausgeführt hat ist die DGS ja lange tendenziell unterdrückt worden, um Gehörlose zu zwingen, Lippen lesen und Lautsprache zu lernen. Und da nicht jeder so gut Lippen lesen und sprechen kann wie Jule ist die Kommunikation immer schwer und in den Fällen, die ich erlebt habe, manchmal kaum mehr als ein Notbehelf. Und zum Lernen ist Kommunikationfähigkeit erforderlich.
    Insofern ist es ja in der Tat so, dass Gehörlose (vom Schulsystem) in ihrer geistigen Entwicklung behindert wurden.
    Baumbachs Aussage ist also nicht nur grob missverständlich, sondern pauschaliert auch noch Umstände, unter denen (nur?) die Gehörlosen leiden, die aus welchen Gründen auch immer z.B. keinen Zugang zu DGS oder CI haben. Seine Aussage ist also Symptom einer gesellschaflichen Schieflage.
    Da das CI nicht für alle frühertaubten geeignet ist und Spätertaubte nach meinen Recherchen das CI oftmals als äußerst unangenehm empfinden muss die DGS in der Gesellschaft sogar noch ausgeweitet werden - ein Gehörloser mit CI ist ohne CI wieder gehörlos und kann sich ohne DGS in vielen Notfällen kaum verständigen, z.B. nach einem Unfall mit dem Sanitäter oder Notarzt. Bei diesen Berufsgruppen erwarte ich - als Hörender! - sogar, dass sie sich in DGS verständigen können, Englischkenntnisse werden ja auch als allgemein gegeben unterstellt.
    Weil die Gesellschaft das so nicht versteht kommt es zu Aussagen wie denen von Baumbach.

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  21. Schach ist das spannendste Spiel der Welt: Man kann eine halbe Stunde vor einer Wand sitzen, ohne überhaupt zu kapieren, um was es geht. Ja, das hat was mit geistig gehemmte Entwicklung zu tun. Noch mal Gleichberechtigung wird im Schach klein geschrieben, da Weiß stets anfangen darf. Dies führte in der Vergangenheit zu häufigen Protesten, ja Schach galt sogar als das rassistischte Spiel überhaupt. *looool*

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  22. Und wie steht es mit der Dikriminierung von "geistig Gehemmten" oder gar von geistig Behindern, wie in Deinem Beitrag offensichtlich wird? Gehörlose und Schwerhörige in deren Nähe zu bringen scheint etwas ungeheures zu sein. Merkst Du eigentlich, wie Du selbst an der Hirarchie und an sozialdarwinistischen Konzepten mitarbeitest?

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    1. Kurze Frage Herbert,
      bist Du geistig behindert? ;)
      Wer Julia kennt, weiß wie sie darüber denkt. Grundsätzlich gilt, Menschen mit Behinderungen betrachten andere Behinderte nicht als Behinderte. Das tun nur Nicht-Behinderte!

      Z. B. Autismus gilt als geistige Behinderung. Sind Autisten geistig behindert? Nein, sie nehmen nur anders wahr.
      Sind Gehörlose/Schwerhörige behindert? Nein, sie könne nur nicht hören bzw. nur schwer hören.

      Was ist eigentlich Behinderung?? Definiere das doch mal für Dich selbst.

      Lieben Gruß

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    2. "Gehörlose und Schwerhörige in deren Nähe zu bringen scheint etwas ungeheures zu sein."
      Herbert, lernt dich mal mit andere Welt wie wir (Behindertenwelt bzw. Gehörlosenwelt) kennen!
      Leider scheinst du aber von uns einer ungeheuerliche Mensch auf dem Planet!

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  23. Zum Schriftlichen: Es geht hier um Schach, nicht um Deutschunterricht. Herr Baumbach hat die Nationalauswahl der DDR trainiert und einige Jugendliche. Die gehörlosen Schacher kamen also aus verschiedenen Vereinen der gesamten DDR. Wie wird also wohl die Kommunikation - allein schon aufgrund der räumlichen Distanz der Spieler untereinander sowie der Trainer zu diesen gewesen sein? Eben: "Meist schriftlich". Web gab es noch nicht. Das heißt, dass da auch Training über die Ferne lief und was ist Herr Baumbach? Fernschachspieler.

    Generell ist beim Schachtraining der schriftliche Anteil bereits _deutlich_ höher als in anderen Sportarten: Partien mit Spielzügen, die gedruckt vorliegen, werden nachgespielt oder es wird Eröffnungstheorie anhand von Beispielen geübt usw. Sicherlich gibt es auch verbale Kommunikation: In Vereinen diskutiert man über Partien, die man gegeneinander gespielt hat oder diskutiert andere Partien - z.B. die der Weltmeister usw. Abgesehen von Gehörlosenschachvereinen: wie wird wohl die Diskussion über Partien geführt werden können? Hauptsächlich schriftlich, zumindest bis nicht jeder Schachspieler Gebärdensprache kann. Vorstellen kann ich mir auch, dass die im Schach völlig üblichen Informator-Symbole stark zum Einsatz gekommen sind bzw. kommen: http://www.herderschach.de/Training/Online/tr21pics.html. Gerade bei Schach ist dieses "Schriftliche" nun nicht gerade irgendein typisches Zeichen für die Diskriminierung der Gebärdensprache.

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  24. "P.P.S: Außerdem: ES GAB schon immer gehörlose Sportvereine, also auch Schachvereine für Gehörlose und Schwerhörige! Dr. Baumbach behauptet ja auch, dass Gehörlose und Schwerhörige auch Kommunikationsprobleme in ihren Vereinen gehabt hätten."

    Unterstellst Du, dass Herr Dr. Baumbach lügt? Bitte dann den Beweis erbringen, dass alle Spieler der von Herrn Dr. Baumbach trainierten Nationalauswahl der DDR aus Gehörlosenschachvereinen kamen und es deswegen keine Kommunikationsschwierigkeiten in ihren jeweiligen regionalen Vereinen gegeben hat.

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  25. Schriftlicher Unterricht ist kein Deutschunterricht, das ist richtig. Und ich habe auch nie behauptet, dass das der Fall ist.

    Sondern: Ich habe darüber aufgeklärt, dass die Mehrheit der Gehörlosen Probleme mit der Schriftsprache und dem Verständnis der Texte haben.

    Und: In den Gehörlosensportvereinen wurde schon immer trotz des Verbotes die Gebärdensprache gesprochen, was man auch an den alten Filmen zu den Deaflympics oder zu den Sportfesten sehen kann.

    Ich unterstelle Herrn Baumbach nicht, dass er lügt, sondern dass er kein umfassendes Wissen hat über die Art der Kommunikation unter Gehörlosen.

    Gehörlose üben ihren Sport am liebsten barrierefrei aus, weswegen sie auch mehrheitlich ihren favorisierten Sport in Gehörlosenvereinen ausüben. Was viele auch machen ist: Sie sind Mitglied in einem hörenden, also in einem normalen Verein und Mitglied in einem gehörlosen Verein!

    Herr Baumbach spricht aber auch von Lehrgängen, die also zusammen verbracht worden sind.

    Worauf es beim Fernschach wie bei jeder anderen Sportart auch ankommt: Auf eine reibungslose Kommunikation untereinander.

    Ich habe auch nie behauptet, dass Herr Baumbach die Gebärdensprache diskriminiert hat, weil er sie nicht als hauptsächliches Kommunikationsmittel benützt hat, sondern nur erklärt, was Alltagsproblem der meisten Gehörlosen und den wenigen Schwerhörigen ist.

    DAS ist der entscheidende Punkt. Es würde echt mal helfen, wenn man sich mal meine Erklärungen mal richtig durchliest. Danke.

    Ansonsten ist die Diskussion hier beendet !

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    1. "Worauf es beim Fernschach wie bei jeder anderen Sportart auch ankommt: Auf eine reibungslose Kommunikation untereinander."

      Beim Schach ist das Meiste schriftlich und beim Fernschach nur schriftlich. Zu der damaligen Zeit über Postkarten. Die Nachricht enthält nur den Schachzug selber.

      Allein, dass oben Beispiele aus den Winterspielen genannt werden, zeigt, dass hier wenig Wissen über Schach und Schachtraining vorhanden ist.

      "Sie sind Mitglied in einem hörenden, also in einem normalen Verein und Mitglied in einem gehörlosen Verein!"

      Du gehst davon aus, dass es überall wo es einen gehörlosen Schachspieler gibt auch einen Gehörlosenschachverein. Das wage ich zu bezweifeln.

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  26. Du hast keine Ahnung vom Schach!

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  27. Ansonsten ist die Diskussion hier beendet! Hahaha!!!! :-D

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  28. Hi Ihrs,

    ich klinke mich als Hörende mal hier ein.
    Und sorry, ich werde hier mal zum Korinthen-Kacker par excelence.
    Denn ich bin mit Jule völlig d'accord und habe als Hörende die Aussagen des Dr. Baumann genauso verstanden.
    Denn es geht doch um folgenden Satz/folgende Sätze von Herrn Dr. Baumann.


    " ... sondern weil sie in ihrer geistigen Entwicklung gehemmt sind.

    Anmerkung: Gehemmt SIND ist gleichzusetzen, dass die Hemmung von den GL selbst aus geht. Und nicht von Dritten verursacht wird.
    Sonst würde es heißen: Gehemmt WERDEN!

    "Hören und vor allem Sprechen sind die wichtigsten Elemente der geistigen Entwicklung des Menschen, ohne Gehör und die sprachliche Verständigung bleiben sie in der geistigen Entwicklung zurück"

    Anmerkung: Nochmals: "ohne Gehör und die sprachliche Verständigung bleiben sie in der geistigen Entwicklung zurück"

    Verstanden wird, dass Menschen, die nur schwer hören können oder gar nicht hören können in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben sind. Die nicht sprechen können natürlich auch!!

    Und da Herr Baumann seine Schützlinge mittels Schriftsprache unterrichtete, fällt zudem DGS schon mal als Sprache und sprachliche Verständigung weg.

    Anders formuliert. Kannste nicht hören, kannste nicht sprechen, biste geistig zurückgeblieben. Oder sollte ich hier besser schreiben "dumm"???

    An dieser Stelle möchte ich gerne auf Stephen Hawking verweisen.
    Denn soweit ich informiert bin, kann Herr Hawking lautsprachlich nicht sprechen. Insofern müsste er ja lt. der Aussage von Herrn Baumann auch geistig gehemmt bzw. unterentwickelt sein. Weil ja hören UND SPRECHEN lt. seiner Definition zur geistigen Entwicklung dazu gehört.

    Und weil Stephen nicht sprechen kann ... gehört er zu den größten Physikern unserer Zeit .... *lach*

    Das was Herr Baumann da von sich gelassen hat, ist meines Erachtens genauso zu verstehen, wie er es formuliert hat. Von jemandem, der alten Schule! In der GL noch als Taubstumme bezeichnet wurden. Und DGS als "Affensprache" galt.

    Jule hat genau das mit anderen Worten formuliert.
    Noch Fragen?

    *Winke - winke*

    Martina

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  29. Vielen Dank für den Hinweis auf ROLLINGPLANET. Wir haben soeben über den neuen Stand der Dinge berichtet: Eine Blitzschachpartie wird das nicht mehr
    http://rollingplanet.net/2012/03/07/eine-blitzschachpartie-wird-das-nicht-mehr/

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  30. Ich verstehe, warum Julia sich so aufregt, jemand in der Position wie Dr. Baumbach sollte sich seiner Worte bewußt sein und so eine Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ist nicht von heute auf morgen, sprich, der geehrte hat die Möglichkeit, eine Rede vorzubereiten und gegenlesen zu lassen, bevor Stolperstricke entstehen.
    Es ist gut möglich, dass er es nicht so gemeint hat, wie es ankam, aber das ist sein Problem, nicht das Problem der Leute, die die Nachricht gehört oder gelesen haben.

    Lieben Gruß

    Michael

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  31. Der Mann hat schlicht und ergreifend recht.

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