Dienstag, 13. März 2012

Mütter im Rollstuhl

Gestern las ich in der Augsburger Allgemeinen diesen Bericht über Mütter im Rollstuhl und war wieder mal entsetzt darüber, wie schwer das Leben in Deutschland für Menschen mit Behinderung(en) ist, obwohl ich ja selbst auch betroffen bin. Aber es ist halt noch mal was anderes, wenn man diesen Bericht liest:




Kurz gefasst: Mütter im Rollstuhl müssen mehr als alle andere darum kämpfen, dass sie die staatlichen Hilfen bekommen, damit sie ihrer Mutterrolle so nachgehen können, wie sie es wollen, welche ihnen ja auch vom Gesetz her total zugestehen.

Aber es ist ja in Deutschland häufig so, dass man nicht automatisch sein Recht erhält, wenn man im Recht ist. Vor allem für Menschen mit Behinderungen.

Was ebenfalls erschreckend ist: Gerade Mütter im Rollstuhl wird das Recht auf eine gesunde Sexualität und somit auch den Kinderwunsch abgesprochen, weil das doch so egoistisch sei, wenn man unter diesen Umständen ein Kind haben möchte.

Nein, ist es nicht. Behinderte sind Menschen wie du und ich, ihr besonderes Merkmal ist halt das, wie es bei anderen Menschen z.b. die rote Haarfarbe oder eben die zweifarbigen Augen sind. ;-)

Aus diesem Grund plädiere ich noch eindringlicher für eine umfassende Inklusion der Menschen mit Behinderung(en) in die Gesellschaft hinein von Anfang an, denn wenn ich z.B. bei meiner gehörlosen Freundin Steffie lese, dass sie Angst hat, dass ihre hörende Tochter Sara sich mal für ihre Mutter schämt, weil sie einfach anders ist als andere Mütter ist, dann kriege ich feuchte Augen vor Mitgefühl mit Steffie und ihrer Situation, für die sie ja wie alle anderen nichts kann. Hier geht es zu den Blogeinträgen, wo Steffie diese Situationen thematisiert: http://tagebucheinertaubenmama.blogspot.com/2012/03/viele-kinder.html und hier erklärt Steffie, das sie will, dass ihre Tochter sie als eine ganz normale Mama ansieht: http://tagebucheinertaubenmama.blogspot.com/2012/03/mein-kind-als-dolmetscher.html

Aber die Gesellschaft kann etwas dafür, dass sie Menschen außerhalb ihrer Norm als nicht normal empfindet, weil man es ihr eintrichtert von klein auf. Hier muss ein Umdenken stattfinden: Menschen mit Behinderung(en) sind Menschen wie du und ich, die eben auch wie jeder andere spezielle Fähigkeiten und Talente haben. Nichts weiter.

Ein barrierefreies und inklusives Umfeld und Leben ist nicht nur für Behinderte geeignet, sondern auch für "Normale". Hier kommt mir mal wieder mehr Richard von Weizsäcker in den Sinn mit seinem Satz: "Nicht behindert zu sein ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit wieder genommen werden kann."

Ich denke, dass man auch einem "normalen" Menschen, der durch einen Unfall z.b. im Rollstuhl sitzt, den Lebensmut wieder geben und die Angst vor der Veränderung nehmen kann, wenn man sagt: "Okay, du sitzt jetzt im Rollstuhl, aber sonst ändern sich nur ein paar Kleinigkeiten für dich." Wenn ich da zum Beispiel an Samuel Koch denke, der sich auch wiederholt über die fehlende Barrierefreiheit in Deutschland in den Medien beklagt hat, was aber leider verschämt unter den Teppich gekehrt wird, dann weiß ich, dass sich sein Leben sich total geändert hat von Grund auf. Wie das von anderen Unfallopfern. Nur: Sie erfahren bei weitem nicht den Zuspruch, den Koch hat. Aber ihnen allen wäre geholfen, wenn sie eben ein barrierefreies Umfeld und Inklusion in Deutschland vorfinden würden, denn das kann eben auch vor Depressionen schützen.

Wir müssen als Gesellschaft an den Punkt kommen, dass wirklich jeder sein Recht erhält, ohne dass er lange dafür kämpfen muss und zweitens zur einer Gesellschaft werden, wo es egal ist, ob man behindert ist oder nicht, weil eben für jeden die gleichen Bedingungen herrschen und das geht eben nur mit der Barrierefreiheit und Inklusion.

Und Deutschland ist hier ein totales Entwicklungsland. Und ich schäme mich sehr für mein Land in diesem Punkt - für mein Land, dieses wunderschöne Deutschland mit seiner Industrienation, dass es eine inklusive, integrative und barrierefreie Gesellschaft nicht hinbekommt mit seiner Politik.

1 Kommentar:

  1. Einige Leserkommentare unter dem Artikel in der Augsburger sind unterirdisch. Peinlich.

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