Mittwoch, 30. Mai 2012

Barrierefreie Filme müssen eine Selbstverständlichkeit werden.

Anfang Dezember 2011 bin ich von Dorothee Bär (CSU), einer Bundestagsabgeordneten gefragt worden, ob ich ihr behilflich bin bei dem Antrag der Regierung für mehr barrierefreie Filmangebote. Dieser Bitte bin ich sehr gern nach gekommen und habe ihr eine kleine Aufzählung geliefert, was dringend notwendig ist.

Unter anderem sagte ich, dass es dringend notwendig seie, dass die Filmförderungsanstalten in ihren Förderrichtlinien verpflichtende Richtlinien zur Barrierefreiheit aufnehmen, da es so oft passiert, dass deutschsprachige Filme ohne deutsche Untertitel und/oder Audiodeskription auf den Markt kommen, obwohl diese von den Filmförderungsanstalten gefördert werden.

Dieser Bitte bin ich gerne nachgekommen und so hat Dorothee dann am 01.12.2011 eine Rede im Bundestag gehalten, die man hier nachlesen kann:  http://www.cducsu.de/Titel__reden/TabID__1/SubTabID__2/InhaltTypID__2/InhaltID__20652/Inhalte.aspx 

In dem Antrag von Dorothee Bär (CSU) ist auch zum Teil meine Stimme zu hören, da sie meine aufgezählten Punkte in ihren Antrag aufgenommen hat. So ist also meine Stimme im Bundestag zu Protokoll gegeben worden. Danke, Dorothee! :-)

Dieser Antrag wurde dann sehr begrüßt vom Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Herrn Hüppe:
http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,28229/ticket,g_a_s_t

Und jetzt bewegt sich tatsächlich etwas! Die Filmförderungsrichtlinien werden voraussichtlich diesen Herbst so überarbeitet werden, so dass sie verpflichtende Richtlinien zur Barrierefreiheit aufnehmen. Da fällt dann ein ganz wichtiger Meckerpunkt von mir weg. :-) *freu* Ich freue mich schon darauf, dass ich beim Kauf von deutschsprachigen DVD's mehrheitlich nicht mehr enttäuscht auf die Information blicken werde: "Keine deutschen Untertitel" und auch keine enttäuschte E-Mail mehr schreiben muss an die Filmgesellschaft mit der Bitte, dass man in der Zukunft doch bitte an hochwertige 1:1 Untertitel für die 80.tausend Gehörlose und 16 Mio. Schwerhörige in Deutschland denken möge.

Hier ist die Pressemitteilung dazu:
 http://www.vprt.de/thema/medienordnung/gesellschaftliche-verantwortung/barrierefreiheit/content/kulturausschuss-des-bun

Die Nebeninformationen, welche Anträge zur Barrierefreiheit abgelehnt worden sind, sind ebenfalls auch sehr interessant.

Dennoch ist die Pressemitteilung der Bundesregierung sehr interessant: http://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2012/pm_1205253.html

Ein Lob an die Bundesregierung und die Politik, dass sie erkannt hat, wie wichtig Barrierefreiheit ist und sich vermehrt damit beschäftigt ! :-) *freu*

Die FFA (Filmförderungsanstalt) hat also, wie oben schon erwähnt, erklärt, dass sie die Aufnahme der verpflichtenden Richtlinie zur Barrierefreiheit kurzfristig umsetzbar hält und diese Richtlinie ab Herbst wirksam sein soll. Ein gutes Signal ist auch, dass der Deutsche Filmförderungsfonds (DFF) ebenfalls auch verpflichtende Richtlinien zur Barrierefreiheit aufnehmen will, damit das Angebot an barrierefreien Filmangeboten weiter ausgebaut werden kann.

Zusätzlich wolle man prüfen, wie man Kinos barrierefrei ausgestattet werden müssen, um barrierefreie Filmangebote vorführen zu können, was ich sehr begrüße!

Ich möchte in diesem Punkt die Regierung darum bitten, dass man die Brandschutzverordnungen so weit überprüft, sodass mehr als 1 Rollstuhlfahrer den Kinosaal nutzen kann und so dafür sorgen, dass Rollstuhlfahrer auch in Gruppen einen Film anschauen können. Raul Krauthausen kann als Rollstuhlfahrer von einer unendlichen Story mit einer Kinokette ein Lied davon singen wie viele andere Rollstuhlfahrer in Deutschland auch, wenn man so eine Story wie diese in seinem Blog mit:verfolgt hat: http://raul.de/leben-mit-behinderung/auser-rand-und-brandschutz/

Und was die kleinen Kinohäuser angeht: Man müsste dann dafür sorgen, dass es nach eigenem Budget der Kinohäuser geht, sprich: Eine große Kinokette kann aus der eigenen Portokasse für Barrierefreiheit sorgen. Wenn die große Kinokette nicht barrierefrei sein will, dann will sie eben nicht für alle zugänglich sein, dann gehen eben die Besucher in ein kleines Kinohaus, welches dank Subventionen dank schmalem Budget für alle zugänglich sind. Das wäre der beste Weg, um die Wichtigkeit von Barrierefreiheit zu unterstreichen.

Ich bin gespannt, wann wir nicht mehr über Barriererfreiheit und Inklusion reden müssen, sondern es als eine Selbstverständlichkeit im Alltag ansehen, denn Barrierefreiheit und Inklusion sind für alle da.

P.S. Ab 2013 müssen Blinde, Gehörlose und Schwerhörige 6 € Gez-Gebühren zahlen, obwohl das Angebot im Fall der Gehörlosen bei aktuell 14,6% Untertitel liegt, wobei die Qualität der Untertitel oft nicht zufriednestellend sind und längst nicht alle Mediatheken der Fernsehanstalten barrierefrei sind. *seufz* Ich würde mir daher an dieser Stelle wünschen, dass man die GEZ-Gebühren an dieser Stelle für Schwerbehinderte kippt und weiterhin eine Gebührbefreiung hat.

Die BBC hat ein sehr viel kleineres Budget als die öffentlich-rechtlichen hier und schafft es trotzdem barrierefrei zu agieren und können daher auch aus gutem Grund den vollen Beitrag von Gehörlosen und Schwerhörigen in England fordern.

Wenn das ZDF 30 Millionen für ein neues Nachrichtenstudio und für die Champions League etwas um die 50 Mio und die ARD für die Boxübertragungen 54 Mio € springen lässt, dann stellt sich die Frage: Warum in aller Welt sollen Schwerbehinderte 6 Euro bezahlen, wenn das Geld schon längst vorhanden ist, aber nicht in Barrierefreiheit investiert wird?

ARD zahlt 54 Mio € für Boxen vom 04.03.2011 Nebeninformation: Der Vertrag der ARD mit der Sauerland Event GMBH beginnt am 01.Januar 2013. Genau an dem Tag, an dem die neuen GEZ-Gebühren gültig werden... Honi soit qui mal y pense!

Das ZDF Nachrichtenstudio kostete 30 Millionen Euro.

Das ZDF zahlt für die Champions-League 54 Mio laut Weltonline für die CL

Schauen wir mal, wohin uns die Zukunft  führen wird!

UPDATE von 12:40 Uhr: Eine Möglichkeit, wie man Kinos für Gehörlose und Schwerhörige barrierefrei gestalten könnte, wäre zum Beispiel die Untertitelbrille von Sony, die ich hier schon mal vorgestellt habe: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/08/sony-stellt-untertitel-brille-vor.html



Kommentare:

  1. Wie sollen deiner Meinung Kino-Vorstellungen für Gehörlose ablaufen? Mit Untertiteln oder Gebärdendolmetscher per Einblendung für alle, oder eigene Vorstellungen?

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    1. Selbsverständlich mit Untertitel, denn Untertitel sind auch für Ausländer nutzbar, die Deutsch lernen möchten.

      Es gibt in vielen Großstädten Vorstellungen mit "OMU", was bedeutet: "Original mit Untertitel."

      Dieses Angebot wird von Gehörlosen sehr gerne genützt, jedoch findet man solche Angeboten eher in den Größstädten in der Größenordnung wie München, Köln, Berlin, Hamburg, etc.

      Ich wäre sehr für eine Einführung, dass mehr solcher Filme gezeigt werden in allen Städten.

      Es gibt eine interessante Entwicklung bei Sony: Sie haben eine Untertitelbrille entwickelt: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/08/sony-stellt-untertitel-brille-vor.html

      Das wäre also eine Möglichkeit, wie man Kinos für Gehörlose und Schwerhörige barrierefrei anbieten können, ohne dass der Film auf "OMU" sein muss.

      P.S Geht's um das #Fernsehen: Ich bin bei Spielfilmen für 1:1 Untertitel. Bei Nachrichtensendungen und Kindersendungen ist die Einblendung eines Gebärdensprachdolmetschers wichtig und zusätzlich natürlich auch Untertitel.

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    2. Die Idee mit der Untertitelbrille finde ich toll. Ich empfinde Untertitel oft als störend, weil sie mir oft die Ruhe aus dem Bild nehmen.

      Mit dieser Technik ist echt allen geholfen.

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    3. Ja, für das Kino ist diese Untertitelbrille echt eine gute Idee.

      Die Untertitel im Fernsehen sind aber in der Regel ein und ausblendbar. ;-)

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  2. Deine Auflistung find ich super, vor allem zeigt sie, wie sehr die Verhältnismäßigkeit abhanden gekommen ist. Sieht man doch bereits am Missverhältnis von Entwicklungs- und Griechenlandhilfe. Da zieren sich die Staaten um jeden Euro, was die Hilfe für Entwicklungsländer betrifft, die u.a. durch die explodierenden Lebensmittelpreise und die Abzweigung von Getreide für E10 von UNS ausgebeutet werden, aber um Griechenland zu retten, ist kein Euro zu schade.

    Und in Sachen CL, neues Studio, etc.... hat man wohl "Behinderte" nicht als potentielle Zuschauer entdeckt. Ich find die Einstellung in Österreich und Deutschland sehr schlimm, was Inklusion betrifft. Da wundert es nicht, wenn sich immer mehr Menschen rücksichts- und respektlos verhalten, wenn es von der Politik doch vorgemacht wird.

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  3. Wir wollen dieses Jahr auch mal ins Kino (das erste Mal für Francis) ich bin mal gespannt , da Marburg ja als barrierefreie Stadt einen sehr guten Ruf hat :)
    toll , dass sich die Politik langsam bewegt , ich hoffe es bleibt dabei . lg

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  4. Das wäre mal eine sinnvolle Verwendung für Googles Datenbrille, die Untertitel könnte man einfach schon vorab als Textfile mit Timecode aus dem Internet laden, das gibt es ja schon für digitale Videosformate:

    http://www.opensubtitles.org/de

    Eine Auf- bzw. Umrüstung der Kinos wäre also gar nicht nötig (problematisch wird es natürlich mit dem "traditionellen" 3D, man kann ja immer nur eine Brille tragen), um auch als Gehörloser "Friedhof der Nuscheltiere" mit Til Schweiger zu verstehen, der bringt ja selbst den besten Lippenleser zur Verzweiflung...

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