Montag, 7. Mai 2012

Re:action auf der Re:publica!

Am 14. April 2011 hatte ich ja meinen ersten Auftritt auf der Re:publica, welcher mir doch gehörig Gehör verschaffte für mein Anliegen. :-)

Dieses Jahr trat ich auch wieder auf der Re:publica auf - zu meinem Auftritt möchte ich nicht viel sagen, außer dass ich ein bisschen geblendet war vom Licht auf der Bühne und die Arbeit meiner Gebärdensprachdolmetscherin erschwert wurde durch die Tonprobleme. Und ich war nervös. ;-)

credits: (cc) iStockphoto I re:publica 2012 
(Bildbeschreibung: Hier sitzen von links nach Rechts: Julia Probst, Alexander Görsdorf, Enno Park und Florian Blaschke)

Achja, für nächstes Jahr habe ich mir vorgenommen, dass ich endlich mal mutiger bin und alleine auftrete. IRGENDWANN muss ich das ja mal hinkriegen und ins kalte Wasser springen, denn ich bin ganz gut darin geworden, im kalten Wasser zu schwimmen, wie ich es ein paar Tage später feststellen durfte.

Die Barrierefreiheit für Gehörlose und Schwerhörige war sehr schwankend auf der re:publica - mal waren die Speech-to-Text-Transkriptionen ganz gut, dann weniger gut und beim Vortrag von Sascha Lobo endete sie komischerweise eine halbe Stunde vor dem Ende. Aber zum Glück hat Christiane vom www.behindertenparkplatz.de fleissig zu Ende für uns von ihrem Laptop getippt. Ich hab den Vortrag von Lobo sehr gemocht - er hat es scharf und detailliert auf den Punkt gebracht, was dringend notwendig  ist durch uns digitale Ureinwohner. ;-)

Die schwankende Qualität der Schriftverdolmetschung lag wohl daran, dass es den Beruf des Schriftdolmetschers noch gar nicht so lange in Deutschland gibt und die Dolmetscher es wohl gar nicht gewohnt waren bei diesem Auftrag mehrheitlich im Englischen zu tippen. Deutsch ging ihnen flüssiger von den Händen, aber laut meiner Erinnerung kam ja nur der Talk mit dem Regierungssprecher und Sascha Lobo auf Deutsch. Alles andere war auf Stage 1 auf Englisch.

Hier mal ein Beispielfoto, wie das ausgesehen hat. Hier Jacob Applebaum bei seinem Talk:
(Bildbeschreibung: Man sieht Jacob Applebaum auf der Leinwand und darunter den Text der Schriftverdolmetschung).

Aber wie habe ich die re:publica eigentlich erlebt? Viele alte und neue Bekannte wieder getroffen, tolle Gespräche gehabt.

Eins meiner Higlights auf der re:publica: Ich traf die absolut tolle CindyGallop in der VIP-Lounge und war ganz hingerissen von ihrer Fröhlichkeit. Sie hat sich erkundigt, ob ich Gebärdensprachdolmetscher habe und ich sagte, dass es Speech-to-Text-Verdolmetschung gibt. Das fand sie auch gut. :-) Nach ihrem Vortrag kam ich noch mal auf sie zu und sagte ihr, wie großartig ich ihren Auftritt fand.  Und dann hat ein Freund von von mir ein richtig schönes Foto von mir und Cindy gemacht.

 
credits: Manuel Schmutte 
Bildbeschreibung: Cindy Gallop im schönen schwarzen Kleid und ich mit meinem T-Shirt, worauf steht: "I love Barrier-free)

Cindy hat es sich zur Aufgabe gemacht, die  Gesellschaft, vor allem jugendliche Heranwachsende darüber aufzuklären, dass Pornografie eben nur Pornografie hat und mit echter Sexualität und Liebe eben nichts gemeinsam hat. Hier findet man den guten Spiegelartikel mit der Aufzeichnung von ihrem Talk dazu:

Make Love - not Porn von Cindy Gallop und ihre Homepage: Makelovenotporn

Dann traf ich noch Katharina Borchert, die Online-Chefin von Spiegel und unterhielt mich mit ihr über ihre Coolness, die Frau ist echt sowas von absolut cool in jeder Situation und dabei so lieb. Ich wünschte, ich könnte mir davon noch eine ganze Scheibe abschneiden.

credits: Manuel Schmutte
(Bildbeschreibung: Katharina Borchert und ich lächeln in die Kamera)

Ich hab mich so von den Speech-To-Text-Talks auf der Bühne 1 treiben lassen, aber auch mir auch nicht alle angetan, weil mich das Thema schlicht und einfach nicht interessiert hat. Aber den Auftritt von Patricia Marti über "Interaction of beauty" fand ich ziemlich gut und durchdacht. Also, ich mochte diese simple, aber schöne Wirkung bei der Arbeit mit Alzheimer oder demenzkranken Patienten, die man auch auf Autisten etc. ausweiten kann. 

Der Astronauten-Talk war leider ohne Speech-to-Text auf der Leinwand - oder er begann zu spät und ich bin gefrustet wieder gegangen, bevor er sichtbar wurde. Schade, denn das wäre echt absolut ein Thema gewesen, wo ich gerne gelauscht hätte. Habe grad die Bestätigung bekommen, dass dieser Talk tatsächlich ohne Speech-to-Text auf der Leinwand war. *seufz*

Und Schonung erhielt niemand von mir mit meinen Fragen: Weder ARD noch ZDF oder der @Regsprecher auf ihren Sessions. 

Da die Session der ARD nicht barrierefrei war, bin ich zu ihrem Stand gegangen und habe sie gelobt für die schrittweise Barrierefreiheit in deren Mediathek, so ist zum Beispiel seit einem guten Monat der Tatort in der Mediathek nach der Ausstrahlung mit Untertitel verfügbar. Das war ein Punkt, den ich auf meinem Auftritt auf der Republica 2011 bemängelt habe. 

Dann fragte ich, ob ich meine Fragen vorab schriftlich einreichen dürfe, die dann beim Talk beantwortet werden könnten bei der Fragestunde. Das wurde dann auch so gemacht - ich reichte die Fragen ca. eine Stunde vor dem Beginn am Stand der ARD ein. Zuerst habe ich sie, wie gesagt für die schrittweise Barrierefreiheit in der Mediathek gelobt. Dann nachgefragt, wie die weiteren Pläne für mehr Barrierefreiheit der ARD? Und außerdem gefragt, warum die Sendung mit der Maus im TV zwar mit Untertitel seit immer schon kommt, aber der Gebärdensprachdolmetscher, der erst seit kurzem eingeblendet wird, nur im Internet zu sehen ist? 

Die ARD konnte mir die Fragen nicht zufriedenstellend beantworten, außer dass ab 2013 geplant ist, alle neue Produktionen zu untertiteln. Das jedoch konnte man schon lange im Internet nachlesen. Ich meine, die hatten doch ne gute Stunde Zeit beim Sender anzurufen und zu sagen: "Du, sag mal - ich brauch mal da ganz schnell ne Info zu Barrierefreiheit bei uns und zwar umfassend." Aber wahrscheinlich denke ich auch mal wieder zu praktisch, denn die ARD ist muss man sich wie alle große Sendeanstalten wie eine Krake vorstellen, wo die Zuständigkeiten sich auf sehr verschlungenen Wegen befinden - denn anders kann ich mir nicht erklären, dass sie ihren Pressesprecher kurz bemühen mussten. ;-) 

Fazit: Es war gut und wirklich mutig von der ARD, dass sie versucht haben meine Frage zu beantworten. :-) Sie hätten mich auch gut ignorieren können. Und es ist wirklich toll, dass der Tatort und einige Sendungen in der Mediathek nun mit Untertitel verfügbar sind. 

Das ZDF war auf ihrem Panel wirklich sehr sympahtisch. Ich sage dem @michaelumlandt voraus, dass er in 10 Jahren mal ZDF-Intendant sein wird, denn ich traue ihm das ohne weiteres zu. Auch das @ZDF wurde von mir gelobt für ihre barrierefreie Mediathek, womit sie bisher die Vorreiter sind im deutschen TV. Gefragt wurde, wann der Gebärdensprachdolmetscher ein- und ausblendbar gezeigt wird. Die Antwort ist mir entfallen, aber ich weiß noch, dass ich mit der Antwort zufrieden war. Aber das wird man ja nachgucken können, wenn die ganzen Videos online sind von allen Sessions! 

Aber zum deutschen Fernsehen und der dortigen Barrierefreiheit muss ich einen eigenen Blogeintrag verfassen, ja wieder mal. 

Und weil's grad so schön passt, hier das Foto von mir mit Richard Gutjahr vom BR und Michael Umlandt vom ZDF - ja ich bin tatsächlich so klein!! 

credits: privat 
(Bildbeschreibung: Richard Gutjahr, ich und Michael Umlandt grinsen in die Kamera) 

Was ich noch sehr schade fand: Die Session von Katie Jacobs Stanton, der Vizepräsidentin von Twitter war ohne Speech-To-Text-Verdolmetschung, aber die tolle Präsentation von Katie war zum Glück sehr inhaltsreich auf der Leinwand. Seit dem DLD 2012 in München kennen wir uns und es war so lustig, dass wir uns auf der re:publica gegenseitig nicht erkannt haben - sie hat mich wegen des Kopftuches nicht erkannt und ich sie wegen ihrer mörderisch hohen Absätze. Ich freu mich schon auf das nächste Treffen mit ihr! :-) 

Anscheinend bin ich aber nicht so klein, dass man mich komplett übersehen kann, wie es mir bei der Session mit dem Regierungssprecher passiert ist. Zum Glück hatten Benjamin und ich eine Gebärdensprachdolmetscherin bei dieser Session und so sassen wir ganz vorne und lauschten dem Talk. 


In den ersten Minuten blickte er kurz zu mir und ich winkte ihm schüchtern zu, worauf er mir erkennend zunickte, denn es war nicht das erste Mal, dass wir aufeinander trafen. Gesehen und unterhalten haben wir uns schon auf dem Tag der offenen Türe der Bundesregierung im Jahr 2010 und 2011. :-) Er kennt also mein Gesicht und meinen Namen, was er dann auch ziemlich flott unter Beweis gestellt hat als die Sprache auf mich kam. 

In diesem Video sieht man ab der 13. Minute, wie die Sprache auf mich kam und ich kurz und heftig schlucken muss vor lauter Überraschung über sein Lob, dass nämlich ohne meine Härtnäckigkeit die Videopodcasts der Kanzlerin nicht so schnell mit Untertitel versehen worden wären. Die meinige Härtnäckigkeit solle aber jetzt jeder nachmachen. *g* 


Ab der 29. Minute bedanke ich mich für sein Lob und frage dann noch mal nach dem Starttermin für den angekündigten barrierefreien SMS-Notruf der Bundesregierung. Herr Seibert meinte dann, dass er mir jetzt dazu nichts sagen könnte, aber wenn ich ihn am Montag noch mal antwittern würde... ;-) 

 
credits: Max Lindemann

Außerdem bat ich ihn noch daran, seine Arbeitgeberin Frau Merkel daran zu erinnern, dass für dieses Jahr bei der Tag der offenen Türe der Bundesregierung Gebärdensprachdolmetscher anwesend sein sollten, was sie mir ja versprochen hat. Ich seh ja heute immer noch ihr leicht verdutztes Gesicht vor mir als ich zu ihr sagte: "Okay, nächstes Jahr gibt es also welche - ich komm nächstes Jahr wieder und schau nach." Sie sah da reichlich verdutzt aus, wie sie "Okay." sagte. :-D 

Entschuldigt hab ich mich übrigens auch bei ihm, dass ich ihn doch ganz schön oft auf Twitter "nerve" mit meinen Fragen. Den Gesichtsausdruck dazu von ihm fand ich schon sehr niedlich. Also, der  @RegSprecher hat uns Frauen auf der Session sozusagen hormonpolitisch verführt. Ein Twitterer schrieb, dass er gedacht hätte, dass jeden Moment Schlüpfer und BH's auf die Bühne fliegen..



Kurz nach der Session hatte ich noch das Vergnügen mit dem Regierungssprecher sprechen zu dürfen und er  entschuldigte sich noch mal bei mir, dass er damals nicht auf meine Fragen reagiert hat bei #fragReg. Ich sagte, dass ich das verstehe, dass es nicht möglich ist, wenn soviele Fragen innerhalb kürzester Zeit eingehen würden. Und er würde ja in der Regel meistens auf meine Fragen reagieren. Und er so "Ja, genau!" Und ich dann:"Ich frag dann am Montag noch mal per Twitter an, ja? Und dürfte ich ein Foto mit ihnen haben?" 

Das Foto haben wir dann gleich gemacht und er hat tätsächlich auch am Montag geantwortet, aber das ist ein eigener Blogeintrag wert, da ich ja auch gestern Abend noch eine sehr nette E-Mal aus dem Bundespresseamt bekam. 

Vom August 2010 habe ich übrigens auch ein Foto von mir und dem @RegSprecher, damals war er noch ganz frisch im Amt und ich hatte High-Heels an, damit man mich nicht übersieht, weswegen ich auf dem Foto größer aussehe als ich es in Wirklichkeit bin! 


August 2011 trafen wir uns ebenfalls, aber da vergaß leider ich um ein Foto zu bitten, da ich eine gute Unterhaltung mit ihm hatte. Schon 2010 und 2011 begriff ich, warum Merkel Seibert unbedingt für den Job haben wollte, er ist so charmant, dass man ihm überhaupt nicht böse sein kann für seine Antworten, auch wenn man ihm am liebsten die Gurgel umdrehen möchte. 2011 hatte ich so einen Moment - ich fragte ihn, warum keine Gebärdensprachdolmetscher vorhanden seien. Und er gab zur Antwort, dass es eine Kostenfrage seie. Ich war da ganz knapp davor ihm gepfeffert zu antworten, habe mich aber aus diplomatischen Gründen beherrscht und lediglich gemeint: "Im Gesetz steht aber was anderes, es ist ein Menschenrecht." 

Aber bitte, hier ist das aktuellste Foto mit mir und dem @RegSprecher - wer sich jetzt übrigens fragt, warum ich ein Kopftuch trage, dem sei gesagt, dass es an meiner zickigen Hoteldusche lag, die mir kein warmes Wasser spenden wollte für das ordentliche Haarewaschen meiner Haare. Ich hab dem gründlichen Ausspülen des Shampoos durch das kalte Wasser nicht ganz getraut..


Ja und dann habe ich noch am Abend auf Twitter auf englisch darüber sinniert, was für ein tolles Jahr 2012 doch ist: Zuerst hatte ich die Ehre Jack Dorsey und Katie Jacobs Stanton zu treffen, dann bin ich diesen Monat von der Regierung gelobt worden. Und was wohl das nächste große Ding in meinem Leben wäre? 

Katie twitterte mich dann an und schaffte es, dass ich zum zweiten Mal an diesem Tag rot im Gesicht wurde: 


DAS war meine re:publica 2012. Einfach wundervolle Menschen getroffen, wundervolle Momente gehabt. Und das mit der Barrierefreiheit auf der re:publica kriegen wir nächstes Jahr besser hin. :-) 

1 Kommentar:

  1. Da gerade drüben bei notquitelikebeethoven die Diskussion über die Qualität der Übersetzung Deiner Aussagen aufkam, möchte ich Dich mal direkt fragen: Warst Du mit der Verdolmetschung zufrieden, also fühlst Du Dich richtig wiedergegeben?

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