Dienstag, 27. November 2012

Umfassender Standpunkt zum Cochlear Implantat

Heute las ich beim Regierungssprecher, dass die Bundeskanzlerin ein Cochlea Implantat vorgeführt bekommen hat an an der Medizinischen Hochschule Hannover und die Kanzlerin sehr beeindruckt war.

Sein Tweet auf Twitter zum Cochlea Implantat

Und mir hat sich der Magen umgedreht, dass die Bundesregierung sich von der CI-Industrie einspannen und Werbung dafür macht, denn heutzutage werden Babys im Alter von 6 Monaten bereits dieser Operation unterzogen, obwohl diese überhaupt nicht lebensnotwendig ist und die Nebenwirkungen der Narkose bei Kindern unter 3 Jahren nicht ganz ohne sein können.

Es ist übrigens nicht das erste mal, dass die Politik Werbung für das Cochlea Implantat macht - die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer bertrieb das auch schon:

Liebe Frau Haderthauer!

So geht es echt nicht, liebe FDP+CSU+CDU! 

Was ich mich noch neben bei gefragt habe:  Haben der Regierungssprecher und die Kanzlerin bei der Vorführung vielleicht an mich denken müssen und sich gedacht: "Das könnte der Frau Probst und den Gehörlosen die Welt erleichter?"

Mein Standpunnkt zum Cochlea Implantat ist sehr klar: Ich bin selbst Trägerin eines Cochlea Implantat - ich bekam es erst mit 12 Jahren, wichtig wäre an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass ich schon vor der Implantierung meinen großen Wortschatz inne hatte und eine gute Aussprache für eine Gehörlose von Geburt an!

In diesen 3 Blogeinträgen erzähle ich, wie ich zum Cochlea Implantat kam:

Vorbericht zu meinem Standpunkt zur Bionik

Mein Standpunkt zur Bionik - Teil 2

Mein Standpunkt zur Bionik - Teil 3

Ich bin für eine echte Wahlfreiheit - die Entscheidung zum Cochlea Implantat wird zu oft deswegen getroffen, auch von gehörlosen Eltern, weil die Schulbildung und die Bildungschancen für Gehörlose einfach zu schlecht ist. Die Entscheidung zum Cochlea Implantat ist ein Inklusions -bzw. Bildungsproblem, denn alle Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind. Genau da setzt die Cochlea-Implantat-Industrie an! Ich bin nicht dagegen - ich bin nur gegen den sozialen Druck so nach dem Mott:o: "Lass dich doch reparieren!"

Ich würde gerne noch ausführlicher dazu posten, aber diese Blogeinträge von mir sollten einen guten Überblick geben, was ich über das Cochlea Implantat denke: 

Ich bin nicht mein Defizit - oder auch 10 Dinge, die man niemals zu einer gehörlosen Person sagen sollte.

Es gab in Deutschland Fälle, wo man gehörlosen und hörenden Eltern mit dem Sorgerechtsentzug gedroht hat, falls die gehörlosen Kinder kein Cochlea Implantat bekommen:

CI-Zwang für gehörlose Kinder?

Morgen haben die Eltern den Termin beim Jugendamt...

My last 5 cents zu "CI-Zwang für gehörlose Kinder?" 

Lieber keine schlafenden Hunde wecken, sonst...

Grundlage dieser Drohungen ist sehr wahrscheinlich die berühmt- berüchtigte Arbeit von Müller&Zaracko, wo eindringlich gefordert wird, dass es eine Versorungsrichtline eingeführt werden muss für gehörlose Eltern, wonach sie ausnahmslos alle mit dem Cochlea Implantat versorgt werden - egal ob die Eltern dies für ihr Kind wünschen oder nicht.

PDF von Müller & Zaracko

Interessanter Hinweis: Die Arbeit von Müller&Zaracko wurde doch GLATT vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert unter dem Förderungskennzeichen 01 GP 0769 und GP 0804!

Da bleibt einem schon die Spucke weg, wenn man das liest! 

Die Grünen haben in einer Anfrage die Bundesregierung gefragt, ob ob der Bundesregierung  in Sachen Cochlear Implantat bekannt ist, dass es Fälle gibt, wo man Eltern mit einem gehörlosen Kind mit dem Entzug des Sorgerechts gedroht hat, falls das Kind nicht dem Cochlear Implantat versorgt wird, da dies das Kindeswohl gefährden würde. 

Hier habe ich noch eine große Zusammenfassung zu meinem Standpunkt zum Cochlea Implantat:

Das muss mal zum Cochlea Implantat gesagt werden! 

Und unter dem Label "Cochlea Implantat" findet sich noch mehr zum Thema auf meinem Blog.

Ich bin nicht absolut gegen das Cochlea Implantat, sondern für eine echte Wahlfreiheit der Eltern und der gehörlosen und schwerhörigen Menschen, WIE sie leben möchten. Für Schwerhörige und Spätertaubte begrüße ich es übrigens SEHR, dass es das Cochlear Implantat gibt, denn für sie ist das ein echter Segen!


Ich würde sehr gerne mehr schreiben, aber aus zeitlichen Gründen ist mir das heute und in den nächsten Tagen nicht möglich, aber zumindestens habe ich einen guten Überblick geliefert.

Kommentare:

  1. Ich finde auch, dass jeder Mensch die Wahl haben sollte, ob er einen solchen Eingriff möchte und - egal wie er sich entscheidet - die Möglichkeit haben sollte, möglichst vollumfänglich und selbstverständlich am Leben teilhaben können muss. Trotzdem erschließt sich mir manchmal die Radikalität nicht, mit der manch Gehörlose/r das CI verteufelt. Die Kanzlerin zu verurteilen, weil sie sich von den Möglichkeiten beeindruckt zeigte, finde ich jedenfalls stark übertrieben.

    Mich würde mal interessieren, wie du es beurteilen würdest, wenn es für Sehgeschädigte einen Eingriff gäbe, der sie wieder sehend machen würde oder einen Rollifahrer wieder zum Fußgänger und sie dies jeweils ablehnen. (Ist keinesfalls "angriffslustig" gemeint, sondern mich interessiert, ob du es als vergleichbar ansiehst.)
    LG, Dani

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  2. @Anonym,
    Taubheit kann nicht mit Blindheit oder anderen Koerperschden verglichen werden. Kulturell und soziologisch haben diese keine Nebenwirkung, wie Taubheit.

    Nur Blinde allein duerfen ueber den moeglichen medizinische Eingreif. Niemand, auch keine taube Personen, darf sich erlauben lassen, von seiner Warte als Sehender und Hoerender die Taubheit und Blindheit beurteilen. Sonst verstaerkt man den in der Gesellschaft vorherrschende Audismus und Ableismus. Lassen Sie sich davon belehren!

    Die Kritik an die Kanzlerin und anderen finde ich berechtigt, da sie sich einseitig informieren und von ihrer eigenen zu hohen Wertschaetzung des Hoerens leiten lassen.

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