Mittwoch, 6. November 2013

Meine Meinung zum Mircosoft Kinect

Derzeit gibt es im Netz einen Hype um den Microsoft Kinect und seinen möglichen Einsatz als Gebärdensprachdolmetscher für Gehörlose, welchen ich aber nicht nachvollziehen kann als gehörloses Mitglied der Gebärdensprachgemeinschaft.

Hier der Beitrag, der derzeit im Netz kursiert: Kinect für Echtzeit-Übersetzung in Gebärdensprache

Dieser Blogpost soll dazu dienen zu veranschaulichen, warum der Einsatz von Microsoft Kinect als Gebärdensprachdolmetscher sehr begrenzt ist und nie so verfeinert werden kann, so dass er tatsächlich Gebärdensprachdolmetscher ersetzen können wird.

Es gab schon in der Vergangenheit diverse ähnliche Projekte, die alle das Ziel hatten, einen Computeravatar als Gebärdensprachdolmetscher zu erstellen, die sind aber alle gescheitert und das Geld, welches in diese Projekte gesteckt wurde, einfach versickert. Die hätte man meiner Meinung nach an anderen Stellen besser investieren können. Das bekannteste Projekt aus dieser Zeit war das gemeinsame Projekt "eSIGN" von Deutschland, Holland und Großbritannien - hier der Link dazu:

Introduction to eSIGN

Die Gebärdensprache jedoch stellt jeden, der versucht sie zu lernen vor 3 Herausforderungen: Das Zusammenspiel von Mimik, Körpersprache und Gebärden muss funktionieren und dann ist noch der Umstand, dass z.B. die deutsche Gebärdensprache eine ganz andere Syntax hat als die deutsche Lautsprache. Das muss man alles berücksichtigen und ich denke nicht, dass ein Gebärdensprachdolmetscher-Avatar das alles so perfekt bewältigen kann wie ein menschlicher Gebärdensprachdolmetscher, der das alles in Sekundenschnelle erfassen kann.

Ein anderer wichtiger Punkt ist auch: Gehörlose sind auf den Augenkontakt angewiesen, denn darüber bekommen sie das Feedback, ob man ihnen zugehört hat und ihr Anliegen verstanden hat. Ein Computeravatar kann dieses natürliche Bedürfnis nicht befriedigen, was natürlich ein Störfaktor in dieser Art von Kommunikation ist.

Ein weiteres Manko fiel mir im Video auch auf: Die Gebärdenden sind dazu gezwungen sehr sauber und akzentuiert zu gebärden, damit der Computer die Gebärden richtig entziffern kann. Schaut man sich aber die normale Geschwindigkeit der Gebärdensprache an, so wird einem klar, dass der Computer das nicht erfassen kann, weil es sehr viele Feinheiten gibt in der Kommunikation.

Ein Beispiel: Für die Piratenpartei habe ich das Wahlprogramm in Gebärdensprache gemacht und man kriegt da schon einen guten Einblick, wie komplex die Gebärdensprache ist:

Wahlprogramm der Piratenpartei mit Gebärdensprache und Untertitel 

Hans Carlos Hofmann aka @hanscarlos, ein Mitglied der Piratenpartei hat sich die Mühe gemacht und von der ersten Minute des Wahlprogramms eine 5-Fach-Slow-Motion zu erstellt:

Wahlprogramm der Piratenpartei mit Gebärdensprache und Untertitel in 5-FACH-Slowmotion

Ich denke, bei diesem Vergleich wird es klar, was ein menschlicher Gebärdensprachler so alles erfassen kann in Sekundenschnelle und auch sofort merkt, ob das Gesagte nun ironisch, zweideutig, ernst oder wütend war.

Außerdem hat jeder Gehörlose eine andere Art zu gebärden, man kann nicht den Computer ungefähr 5 verschiedene Leute vom Computer erfassen lassen und dann denken: "OH prima, jetzt haben wir alle möglichen Unterschiede in der Art zu gebärden erfasst.." So funktioniert es nun mal nicht. Jeder hat ein eigenes Tempo in der Gebärdensprache und die Gebärdensprache lässt sich nicht in ein steifes Korsett pressen.

Den Einsatz von Kinect beim Arzt würde ich nicht empfehlen, denn mir ist die Wahrscheinlichkeit der Fehlerquote einfach zu hoch, dies wurde mir auch vom User @jmairboeck bestätigt:





Die Lösung für das Problem, dass Gebärdensprachdolmetscher oft nur schwer zu bekommen sind, liegt im Internet, aber anders als gedacht.

Die Firma VerbaVoice hat das Problem anders gelöst und zwar mit Hilfe des Internet UND menschlichen Gebärdensprachdolmetschern, die über das Internet zugeschaltet werden können. Diese Art zu dolmetschen in Gebärdensprache nennt man ferndolmetschen.

Dieses Video hier zeigt eine sehr gute Demonstration der Einsatzbereiche:

Einsätze von VerbaVoice - Kommunikation ist immer und überall möglich

Wirklich interessant wird das Video aber erst ab der 02:24 Minute, weil da genau die Bereiche angesprochen werden, die angeblich durch den Einsatz von Kinect gewährleistet werden sollen. Und der nächste Beitrag ab 03:14 Minute ist ebenfalls interessant.

Ich hoffe, dass mein Blogbeitrag nun aufschlussreich Licht ins Dunkle bringen konnte, weswegen ich dem Einsatz von Kinect skeptisch gegenüber stehe. Die einzig möglichen Einsatzbereiche sind wie gesagt, sehr begrenzt.

Was ich mir vorstellen könnte, ist: Kinect wird am Flughafen und am Bahnhof eingesetzt, wo man fragen kann: "Entschuldigung, ich habe mein Gepäck verloren, wie komme ich zur Gepäckermittlungstelle?" Also so Sachen, wo die Gespräche sehr fixiert sind und einem bestimmtem Schema F folgen und nie daraus ausbrechen, das kommt dann der Logik der Computer entgegen.

Menschliche Kommunikation folgt aber nicht immer der Logik und das trifft auch auf die noch komplexere Gebärdensprache zu. :-)

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Filmtipps zum Nachgucken!

Vor einiger Zeit bloggte ich bereits mal über den Dokumentationsfilm "Mea maxima culpa", welcher den vertuschten sexuellen Mißbrauch von gehörlosen Jungen durch den amerikanischen Priester Murphy behandelt.

Der Beitrag findet sich hier: "Mea maxima Culpa  - meine große Schuld" vom 09.November 2012.

Der ganze Film ist sehenswert, weil er auch aufdeckt, wie die Kirche mit ihrem System des Schweigens und Wegschauen verhindert, dass Kinder Opfer des sexuellen Mißbrauch durch die kirchlichen Angestellten werden.

Gestern Abend kam der Film auf ARTE und man kann ihn auch in der Mediathek nachschauen. Schade ist allerdings, dass er in der Mediathek ohne Untertitel verfügbar ist, obwohl er im TV mit Untertitel kam. Seltsam ist: Am Anfang des Films erscheint rechts unten ein gelbes UT-Zeichen, aber wenn man darauf klickt, passiert nichts?

Hier kann man sich den Film angucken:

http://www.arte.tv/guide/de/050520-000/mea-maxima-culpa?autoplay=1

Ich bin gespannt, was ihr zu dem Film sagt.

Und jetzt habe ich noch einen anderen Filmtipp für euch, welcher eigentlich eine eigenen Blogeintrag verdient hat, aber darüber werde ich noch bloggen!

Der Film heißt ganz simpel "Louisa".
Filmbeschreibung: Louisa ist 23 Jahre alt und sie hört immer schlechter, bis nun unumstösslich feststeht, dass sie gehörlos ist. Eine Tatsache, die sie in ihrem bisherigen Leben mehr oder minder erfolgreich verdrängt hat. Sie steht nun vor der Frage, ob sie sich für ein Cochlear Implantat entscheiden soll oder nicht. Wohin wird ihr Weg sie führen?

Kaufen kann man sich den bereits bei Amazon: "Louisa"

3sat hat den Film am Sonntagabend im Spätprogramm gezeigt und er ist auch in der Mediathek von 3sat verfügbar mit Untertitel! :-)

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=39223

Ich finde den Film "Louisa" wirklich sehr schön und er funktioniert auf vielen Ebenen mit den Einblick in die Welt der Gehörlosen. Der Film spielt übrigens im Jahr 2008, wo die Kulturtage der Gehörlosen in Köln stattgefunden haben.

Auch findet man viele große Namen der Gehörlosenszene im Film: Professor Christian Rathmann, der erste gehörlose Professor Deutschlands und Signmark, die finnische Band mit dem gehörlosen Rapper Marko Vuoriheimo, welcher der Kopf der Band ist.

Wikpedia-Eintrag über Signmark. 

Viel Spaß beim Nachgucken wünsche ich Euch!





Sonntag, 20. Oktober 2013

20 Dinge über mich

Mich hat auch niemand gefragt, aber ich habe dieses Blogstöckchen einfach dazu genutzt, mal wieder was zu bloggen nach LANGER ZEIT! Aufgehoben habe ich das Blögstöcken bei Christiane Link vom "Behindertenparkplatz" und "Das Nuf".

1. Ich habe absolut keine Ahnung von Mode und ziehe immer nur das an, was mir gefällt und bequem genug ist.

2. In meinem Leben habe ich bestimmt so um die 10tausend Bücher gelesen - die meisten davon zwischen 6 und 25. Danach wurde es etwas weniger mit dem wöchentlichen Lesestoff. Aber dank Kindle steigert er sich wieder so langsam auf das normale Maß von 10 Büchern die Woche.

3. Vom Geruch von Kaffee wird mir schlecht.

4. Als Achtjährige ertrank ich beinahe im Urlaub in der Türkei im Meer, weil ich mich nicht losbinden konnte vom Paddelkanu. Trotzdem habe ich keinerlei Traumata davongetragen und ging 10 Minuten später wieder ins Wasser. :-)

5. Ich habe mir das Schwimmen selber beigebracht mit 6 Jahren, weil ich es ungerecht fand beim Schulschwimmen, dass ich nicht zu den Schwimmern ins tiefe Becken durfte, weil da schwamm doch meine beste Freundin!

6. Meine Lehrer sind regelmässig an mir verzeifelt, weil ich in Physik eine 2 hatte und in Mathematik eine 4 oder eine 5. "Ich versteh das nicht, wie machst du das nur?" Ich pflegte daraufhin zu sagen: "Das ist ganz einfach: Ich bin eine Frau und Frauen sind unverständlich. Und Physik ist nachvollziehbar, das kann man einfach durch Beobachtung sehen, dass es logisch ist."

7. Ich trinke keinen Alkohol und verabscheue Alkohol in jeder Form.

8. Mit 14 habe ich meine erste und letzte Zigarette probiert und eine halbe Stunde später kotzen müssen. So wichtig war mir das mit dem "Erwachsen sein" doch nicht.

9. Ich kann sehr, sehr, sehr, sehr hartnäckig sein.

10. Ich bin ein absoluter Mimikjunkie.

11. Ich bin absolut wählerisch und ich sage nicht, wobei.

12. Ich wurde bereits mal Opfer von häuslicher Gewalt.

13. Ich habe mal Mette Marit von Norwegen die Türe aufgehalten und sie nicht erkannt. Erst später in der Zeitung auf dem Foto von der besagten Veranstaltung: "Oh."

14. Ich bin ein Hundemensch.

15. Man kann mich mit Büchergutscheinen glücklich machen.

16. Wenn ein Mann schöne Lippen und schöne Augen hat, dann kann ich mich manchmal nicht darauf konzentrieren, was er sagt, sondern bin davon abgelenkt, WIE er es sagt.

17. Ich habe ein Tattoo und ein Piercing.

18. Ich hatte mal so eine schlimmen Unfall, das man dachte, das mir an dieser Stelle am Kopf keine Haare mehr wachsen wurden. Sie wuchsen nach, waren aber nicht mehr lockig. Und das übertrug sich auf alle anderen Kopfhaare. *schluchz*

19. Ich war in der Grundschule unsterblich verknallt in einen Mitschüler von mir, weil er so abstehende Ohren hatte und ich mir dachte: "Der kann damit bestimmt ganz toll hören."

20. Mein Name in Gebärdensprache ist: "Die mit den langen Wimpern."




Donnerstag, 11. Juli 2013

Das Video von der WIRED-APP ist nun auch online verfügbar!

Im Herbst 2011 kam ja die deutsche ERSTAUSGABE der WIRED heraus, wo ich dann die Ehre hatte im Heft als auch in der APP dazu aufgeführt zu werden. :-)

Die Zusammenarbeit mit dem WIRED-Team und das Fotoshooting über den Dächern von München war schon etwas tolles, woran ich gerne zurückdenke.

Mehr hier in diesem Blogeintrag: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/09/im-wired.html

In der APP der WIRED taucht auch meine Freundin Kassanda Wedel auf, die übrigens eine wunderbare Schauspielerin und Tänzerin ist. Erst Mitte Mai habe ich sie im Theaterstück "Anirara" des Deutschen Gehörlosentheaters bewundert, aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe mir übrigens damals beim Sitzen im Englischen Garten mit Kassandra eine Zecke eingefangen.

Nun hab ich das Video in den Tiefen des Internets herausgegraben. :-)

Wired: Julia Probst from Eva Schulz on Vimeo.


Ich hatte vor dem Dreh des Videos eine mehrmonatige Pause in Gebärdensprache hinter mir, es ist wirklich so, dass man nach einer Pause etwas Schwierigkeiten hat sich wieder in der kompletten Gebärdensprache zurechtzufinden hat. So nach 10-15 Minuten spielt sich das aber weiter ein.

Im Video rede ich über meine Beziehung zur deutschen Gebärdensprache, über die Gebärdennamen von Merkel, Lafontaine und Mercedes. ;-)

Noch eine kleine Ankündigung: Das Blog hier wird neu gestaltet. Ich freue mich schon auf das neue Design.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Olympia kann losgehen! :-)

"Hä?!" wird sich jetzt wohl manch einer denken, "die waren doch gerade erst!" Ja, das waren sie! Die olympischen Sommerspiele von London 2012 und die Paralympics waren ein wunderbares Sommermärchen. Vor allem die Paralympics erfuhren so hohen Zuspruch wie noch nie in ihrer Geschichte.

Diesen Sommer stehen nun wieder olympische Spiele vor der Türe - die Deaflympics!

Das sind die olympischen Spiele der Gehörlosen. Viele Leute denken, dass die Gehörlosen bei den Paralympics starten, weil da doch alle Menschen mit Behinderungen starten, aber das ist so so nicht richtig.

Es gibt die Paralympics für Sportler mit Behinderung, dann die Special Olympics für Sportler mit Lernschwierigkeiten, dann die Deaflympics für Gehörlose/Schwerhörige.

Die Deaflympics gibt es übrigens bereits seit 1924, sind also viel älter als die Paralympics. 1924 bei den ersten Spielen in Paris waren keine deutschen Athleten dabei, aber seit 1928 in Amsterdam gehört Deutschland aber zu den regelmässig teilnehmenden Ländern

Vom 26. Juli bis zum 04. August 2013 werden in Sofia, Bulgarien Gehörlose aus aller Welt um die Medaillen wetteifern.

Die Deaflympics waren schon oft Blogthema in meinem Blog:

Gehörlose haben ihre eigenen olympischen Spiele! 

158 Athleten treten demnächst an für Deutschland! 

Deaflympics - Olympische Spiele abseits der Medien

Paralympics versus Deaflympics

Ausbeute bei den Deaflympics 2009


Aber nun zur grundsätzlichen Frage, warum Gehörlose nicht bei den Paralympics mitmachen, das wird hier in diesem Blogeintrag sehr ausführlich erklärt:

Die Sache mit den Deaflympics

Ich hab mir gedacht, ich stell jetzt einfach mal ein paar Sportler vor, die bei den Deaflympics starten werden und fange heute mit der Tischtennis - Nationalmannschaft der Gehörlosen an, die dort starten werden.

Der Videoclip ist sehr interessant, unter anderem wird dort die Frage erklärt, welche Informationen den gehörlosen Sportlern eigentlich verloren gehen beim Tischtennis. Die Information trifft auch auf die anderen Ballsportarten zu.

Tischtennis ohne Ton - die gehörlose Nationalmannschaft - natürlich mit Untertitel!


Dienstag, 2. Juli 2013

Phoenix zeigt ab dem 8. Juli keine Gebärdensprachdolmetscher mehr im TV.

Ich habe gern und oft auf Twitter auf die Nachrichtensendungen wie "Tagesschau" und "heute journal" auf Phoenix hingewiesen in der Hoffnung, dass Nichtbehinderte Menschen die Schönheit der Gebärdensprache für sich entdecken und darüber hinaus sensibilisiert werden für die fehlende Barrierefreiheit für gehörlose und schwerhörige Menschen.

Das ist mir das eine oder das andere Mal gelungen. Ich hab mich da echt immer gefreut, wenn ich da eine positive Rückmeldung bekommen habe. Oft lauteten sie so: "Man kann echt in der Gebärdensprache alles sagen? Krass." Oder: "Da kann man auch so schön die Zwischentöne zwischen den Zeilen in die Gebärdensprache übertragen."

Von daher war gut und wichtig, dass Phoenix die Nachrichten mit Gebärdensprache gezeigt hat, außerdem war es ein Alleinstellungsmerkmal von Phoenix.

War? Genau. Ab dem 8. Juli ist das alles Geschichte laut der Pressemitteilung von Phoenix, die man hier findet: http://presse.phoenix.de/news/pressemitteilungen/2013/06/20130628_PM_Untertitelungen/20130628_PM_Untertitelungen.phtml

Phoenix verzichtet also alleine und freiwillig auf ein Alleinstellungsmerkmal - kein anderer deutscher TV-Sender hat dies angeboten.

Und wie finde ich das? Beschissen und extrem kurzsichtig gedacht von Phoenix.

In Deutschland leben 80tausend Gehörlose. Die meisten Gehörlosen haben Probleme komplizierte Sachverhältnisse in der Schriftsprache zu verstehen, wozu ja bekanntlich die Nachrichten gehören. Über die Vermittlung der Informationen in Gebärdensprache verstehen sie die dargebotenen Informationen in den Nachrichtensendungen.

Damit ist schon mal klar, dass die Pressemitteilung ein Widerspruch in sich ist - angefangen bei der Überschrift: "Phoenix weitet Angebot für Gehörlose und Hörgeschädigte aus."

Nein, eben nicht. Ihr baut eurer Angebot für uns Gehörlose ab, indem ihr die Nachrichten nicht mehr in Gebärdensprache zeigt. Im übrigen sind die Untertitel im deutschen Fernsehen leider immer noch nicht 1:1, so dass viele Informationen verloren gehen, weil man eben nicht auf das Scrollverfahren setzt so wie es die Schweizer, Engländer und Amerikaner tun.

Kurz gesagt: Ihr kommt eurem Bildungsauftrag nicht mehr nach durch die Streichung.

Die "Tagesschau" und das"heutejournal" kommen bereits auf ARD und ZDF mit Untertiteln, womit klar sein sollte, dass ihr eurer Angebot nicht wirklich ausbaut. Das gleiche gilt auch für "Günter Jauch", "Maybritt Illner" und "Presseclub." Allerdings sind die Untertitel dort sehr oft wirklich sehr schlecht und nicht wirklich 1:1.

Es ist wirklich so, dass wir Gehörlosen uns wirklich ganz überfahren fühlen von dieser Entscheidung von Phoenix, die wir nicht im geringsten nachvollziehen können.

Aber hallelulja, wir dürfen ja nicht klagen, sondern sollten dankbar sein, dass ihr das TV-Duell von Merkel und Steinbrück mit Gebärdensprache zeigt, gell?

Auch zeigt der Schritt von Phoenix, dass die Rundfunkgebühren in Höhe von 6 €, die wir Gehörlose, Schwerhörige und Blinde seit dem 01.01.2013 zahlen müssen, nicht sinnvoll verwendet werden.

Sinnvoll wäre es: Die Gebärdensprachdolmetscher bleiben und werden ausgebaut, die Untertitel werden zusätzlich eingeführt bei Phoenix!

Was ich auch noch sehr schön finden würde und was sicherlich auch dabei helfen würde, die Augen der Gesellschaft für die Belange von Gehörlosen und Schwerhörigen zu öffnen: Die Gebärdensprachdolmetscher sollten einfach direkt bei ARD und ZDF zu sehen sein und nicht auf einem Spartensender.

Am 14. Juni 2013 war übrigens die Demo der Gehörlosen in Berlin für 100% Barrierefreiheit und Teilhabe in allen Lebensbereichen. Begonnen hat sie am Bundestag. Die Anzahl der Gehörlosen beliefen sich auf 12.000.

Nur: Es gab keine großen Presseberichte darüber und auch keine großen Fernsehberichte darüber. Dabei liefen 12tausend Gehörlose durch Berlin und zeigten ihre Vielfalt und ihren Unmut darüber, dass  Deutschland die UN-Behindertenkonvention nicht umsetzt.

Man könnte also zynischerweise sagen: Die Reaktion der Fernsehsender auf die Demo war die Abschaffung der Dolmetscher. Aus der Politik kam übrigens auch keine großartige Reaktion, aber das ist ein eigener Blogeintrag wert.

Ich bin gespannt, ob Phoenix wirklich an der Streichung der Dolmetscher festhält oder die eigene Entscheidung noch mal überdenkt.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Inklusion und so!

Ich habe gerade gemerkt, dass ich schon seit Anfang April nichts mehr gebloggt habe, dabei habe ich doch soviel Material im Kopf dafür hängen.

Unter anderem, wie es bei der Anhörung zum Filmförderungsgesetz am 15.4.2013 im Bundestag war - dieser Blogpost folgt aber ganz bestimmt noch! :-)

Am letzten Freitag hatte ich eine tolle Podiumsdiskussion in München zu meinem Lieblingsthema Inklusion und davon möchte ich euch ein Bild zeigen:


Ich hätte mir wohl für die Diskussion einen Professoren- oder einen Doktortitel klauen sollen? ;-) Jedenfalls war es eine sehr lebendige und fruchtbare Diskussion im Institut für Medienpädagogik, welche von gegenseitigem Respekt durchdrungen war und das Essen war auch wirklich sehr lecker.

Besonders beeindruckt war ich von den Erfahrungen der ProfessorInnen und Herrn Dr. Bosse, die ihre Erfahrungen mit den lieben Politikern erzählt habe, welche Auffassungen da so von der Inklusion herrschen und was da alles so falsch im System läuft. Ich habe da lachend angemerkt, dass man mich nicht von der Inklusion überzeugen müsse, sondern längst überzeugt davon bin.

Solche Diskussionen kann man gar nicht oft genug haben, denn solange wir über Inklusion reden, werden wir keine vollständige Inklusion haben. Erst, wenn wir nicht mehr darüber reden, weil es so selbstverständlich, so normal geworden ist, dann haben wir das mit der Inklusion gut hingekriegt! :-)

Was man übrigens im Rahmen der Inklusion gar nicht oft genug betonen kann: Ja, es kostet Geld, aber es ist im Endeffekt eine gute angelegte längerfristige Investition, von der wir als Gesellschaft ungemein profitieren werden. Wichtig ist außerdem noch folgendes: Für Inklusion zu sein, bedeutet nicht, dass man für die komplette Abschaffung der Sonderschulen ist, denn es wird immer ein Bedarf nach denen da sein. Die Inklusion zu wollen, bedeutet, dass man eine echte Wahlfreiheit für die Eltern und die Betroffenen gestalten will!
 
Und im Moment bin ich gerade im hohen Norden, wovon die nächsten Tage ein Blogeintrag folgen wird - twittern werde ich davon auch unter meinem Nick @EinAugenschmaus!

Das war's also mal auf die Schnelle von mir! 

Montag, 8. April 2013

Ein Hinweis auf mein Tier-Blog!

Ich habe ja noch ein anderes Blog, welches sich auch mit Gehörlosigkeit/Taubheit beschäftigt, aber in einer ganz anderen Richtung: Es geht um die Vermittlung von tauben/gehörlosen Hunden und anderen Tieren damit und mit anderen Behinderung(en).

Gehörlosigkeit und Taubheit bedeutet das Gleiche, es sind nur zwei verschiedene Begriffe für die ein und diesselbe Sache - dies nur zur Erklärung, warum ich das mit Schrägstich schreibe.

Hier geht es lang zu diesem Blog und es warten ganz viele Hunde auf ein gutes Zuhause!

http://taube-tiere.blogspot.de/2013/04/diese-taubengehorlosen-hunde-warten-auf.html

Ich hoffe, dass ich mit diesem Blogeintrag dem einen oder anderen Tier eine Chance gebe, die sie so nicht haben.

Freitag, 5. April 2013

Bayernweiter Bereitschaftsdienst der Gebärdensprachdolmetscher!

Die bayerischen Gebärdensprachdolmetscher sind nun flächendeckend in Bayern unter einer einzigen Notfall-Nummer erreichbar, was sehr praktisch ist, denn früher musste man jeden einzelnden Gebärdensprachdolmetscher abtelefonieren, ob er Zeit hat. Das hat natürlich in einem Notfall die reibungslose Kommunikation mit gehörlosen Menschen erschwert, weil es schon Glückssache war, ob man einen Dolmetscher auftreiben kann.

Die Notfall-Rufnummer des Bereitschaftsdienst der bayerischen Gebärdensprachdolmetscher ist erreichbar unter  0800 12 12 789. Mit ihr können Polizei, Ärzte/Notärzte, Krankenhaus und Kriseninterventionsdienste werktags von 17.00 Uhr bis 08.00 Uhr und am Wochenende rund um die Uhr einen Gebärdensprachdolmetscher erreichen.

Ich hoffe sehr, dass dieses bayerische Modell nun auch flächendeckend in ganz Deutschland Schule macht, also so schnell wie möglich eingeführt wird, denn reibungslose Kommunikation kann Leben retten in einem Notfall.

Ich würde mich freuen, wenn Blogleser aus Bayern ihre Kollegen und Freunde in diesem Bereich auf diese Notrufnummer hinweisen würden, damit im Fall der Fälle das Problem mit der Kommunikation rasch gelöst werden kann.

Hier ist die Pressemitteilung zum 1. flächendeckenden Bereitschaftsdienst der bayerischen Gebärdensprachdolmetscher samt Notfallnummer: http://www.taubenschlag.de/cms_pics/201304_Notfall_Bereitschaftsdienst_GS_Bayern.pdf

An dieser Stelle möchte ich noch mal kurz auf die Unsinnigkeit hinweisen, dass es in Deutschland bis heute keinen SMS-Notruf gibt für gehörlose&Schwerhörige Menschen. Der SMS-Notruf kann aber auch von Autisten, Stotterer und von jedem Menschen in einer Situation genutzt werden, wo es gefährlich sein könnte zu sprechen bzw. die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Bisher läuft der Notruf für Gehörlose so ab: Man lädt sich im Internet ein Notfall-Fax-Formular runter, deponiert es ausgedruckt an einer geeigneten Stelle im Haus und im Notfall soll man dann die Piktogramme ankreuzen, seelenruhig zum Faxgerät marschieren und die Empfangbestätigung abwarten, während es im Haus brennt oder Einbrecher drinnen sind.

Was sich vor allem geändert hat: Früher war das Faxgerät ein selbstverständlicher Bestandteil in einem gehörlosen Haushalt - heute ist es am Aussterben dort durch die Smartphones.

Zweitens: Ein Notruf per Fax ist nicht mobil -  bei einem Autounfall wäre es mir z.b. nicht möglich, ein Fax abzusetzen.

Ich habe schon so oft auf die Dringlichkeit des SMS-Notrufs hingewiesen, vor allem in einigen Medien, z.b. hier:

http://www.haz.de/Nachrichten/Medien/Uebersicht/Es-brennt-Schicken-Sie-ein-Fax

Weitere Blogeinträge von mir zum Thema SMS-Notruf finden sich hier:

Der 11. Februar ist der Tag des Europäischen Notrufs 112







Mittwoch, 3. April 2013

Nominiert bei den "THEBOBS13"!

(Die Bildrechte liegen bei Sina Trinkwalder und sind nur für dieses Blog bestimmt.)

So bin ich heute herumgehüpft - Warum eigentlich?

Auf Twitter erfuhr ich, dass ich bei den 9. Bobs Awards der Deutschen Welle in 2 Kategorien nominiert worden bin, womit ich gar nicht gerechnet hatte, umso mehr freue ich mich über die Nachricht! :-) 

Was sind die Bobs eigentlich? Das ist ein internationaler Award, der Webseiten in 14 Sprachen auszeichnet.

Es wurden laut der Jury über 4200 Vorschläge eingereicht, worunter auch mein Blog war.  Und nun bin ich in einer der 34. Kategorien nominiert! Eigentlich sogar in zwei:

"Best Blog" und in "Best Blog German".

Besonders hat es mich gefreut zu lesen, dass neben mir noch andere Bloggerbekannten nominiert sind, die ich ebenfalls gerne lese, so z.b. ist Thomas Wiegold mit seinem Sicherheitspolitikblog"Augen geraderaus" ebenfalls in der Kategorie "Best Blog German" nominiert.

In der gleichen Kategorie ist auch Meike Lobo nominiert, die einen wunderschönen Blog schreibt. Mir traten die Tränen damals sehr die Augen bei ihrer Schilderung vom Sterben ihres Vaters..

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Stimme schenken würdet, denn hier kann man 2x für mich abstimmen in den Kategorien:

"Best Blog" http://thebobs.com/deutsch/category/2013/best-blog-2013/

"Best Blog German"  http://thebobs.com/deutsch/category/2013/best-blog-german-2013/

 :-)

Abstimmen geht ganz einfach: Ihr könnt euch wahlweise mit eurem Twitter/Facebook/OpenID-Account einloggen und dann zur Abstimmung gehen.


Dienstag, 26. März 2013

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Das Bundesfamilienministerium hat ein Hilfetelefon für Frauen eingerichtet, die von Gewalt betroffen sind.

Zu erreichen ist das Hilfetelefon über www.hilfetelefon.de und wird als barrierefrei beworben.

Ist dem wirklich so?

Ich habe keine Ahnung, ob das Video auf der Startseite Ton hat und daher Untertitel notwendig sind, da ich es ja selbst nicht beurteilen kann. Falls dort aber Ton vorhanden ist, dann ist es bedauerlich, dass dort Untertitel fehlen.

Weiter auf der Seite herumgeschaut, fallen mir rechts die beiden Kasten auf: "Online-Beratung" und "Beratung für Hörgeschädigte".

Oh, gut - mal a angeklickt und es öffnet sich eine neue Seite mit einem Gebärdensprachvideo, welches aber OHNE Untertitel ist!

Barrierefrei kann man dieses 4:23 min lange Video wirklich nicht nennen, denn durch die fehlenden Untertitel grenzt man schwerhörige Frauen aus und auch Gehörlose, die keine große Gebärdensprachkompetenz haben - das darf nicht sein, zumal im Video ja sehr deutlich erklärt wird mit vielen verschiedenen Beispielen für wen das Hilfetelefon so alles da ist - es wird deutlich gemacht, dass es nicht nur für Frauen da ist, die körperliche und sexuelle Gewalt in einer Partnerschaft erlebt haben, sondern auch außerhalb dieser Bereiche. Im alltäglichen Leben, am Arbeitsplatz usw. Daneben werden noch Cybermobbing, Zwangsehen, Stalking und Sexismus aufgezählt.

Im Video wird gesagt: "Egal was passiert ist, hier beim Hilfetelefon bekommen Sie Hilfe und werden beraten. Kompetent und Anonym."

"Oh gut!", denke ich mir beim Weiterschauen. "Mal sehen, wie das Angebot so für Gehörlose und Schwerhörige aussieht!"

Dann fällt beim Weiterschauen der Satz der Gebärdensprachdolmetscherin:

"Beratungszeit ist Montags - Sonntags von 8 Uhr bis 23 Uhr nachts." 

Moment, Leute, hieß es nicht auf der Startseite: "365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen bietet Betroffenen erstmals die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit anonym, kompetent und sicher beraten zu lassen."

Achso, dieser Zugang zum Hilfetelefon rund um die Uhr gilt nur, wenn du selbst nicht gehörlos/schwerhörig bist. Komplett barrierefrei kann man den Zugang anicht nennen, denn Notfälle kennen keine Uhrzeit und können jederzeit passieren.

"Die Beratung findet schriftlich oder in Gebärdensprache statt - ganz wie Sie wünschen. Selbstverständlich kostenlos." 

Natürlich muss ein solches Angebot kostenlos sein.

"Wie können Sie telefonieren? 1. Sie brauchen einen Computer, Webcam, Internetanschluss, DSL.
2. Sie brauchen die Software der Firma Tess. Die Software können Sie hier kostenlos auf unserer Seite herunterladen. Nach dem Download haben Sie dann das Symbol für Frau auf ihrem Desktop, das ist dann die Software. Dort können Sie dann auswählen, welche Kommunikationsform Sie bevorzugen: Schrift oder Gebärdensprache."

Stellen wir uns mal vor: Ich bin eine Frau, die von ihrem Mann misshandelt wird, welcher mich sogar vielleicht überwacht? Oder technisch nicht gerade versiert? Oder ich habe den Kopf nicht richtig frei für sowas vor lauter Pyschoterror? Jedenfalls können wir das festhalten: Barrierfrei ist das auch nicht, wenn ich mir den Zugang zur Software erst mal runterladen muss. Das hätte man einfacher lösen können, z.b. via Skype oder www.sifonr.de

Gut finde ich, dass versichert wird, dass man keine Angst haben muss, dass die eigene Geschichte verraten wird oder die eingegebenen Daten gespeichert werden. Auch gibt es einen "Notknopf" auf www.hilfetelefon.de - wenn man das anklickt, dann verschwindet die Seite und der eigene Desktop erscheint. Kann sehr hilfreich sein, wenn jemand plötzlich im Zimmer steht.

"Sie wollen nicht, dass man ihr Gesicht sieht, wenn Sie per Gebärdenchat Beratung suchen? Dann klicken Sie einfach auf Onlineberatung und schreiben sie uns an."

 Ohne die Webcam ist aber keine Gebärdensprache möglich, das sollte eigentlichklar sein. Das Angebot, dann auf die Schriftsprache auszuweichen, ist in meinen Augen sehr unglücklich, da die Gebärdensprache für die überweigende Mehrheit der Gehörlosen die Muttersprache ist und die Schriftsprache für sie eine Fremdsprache darstellt, in der sie sich nicht besonders gut ausdrücken können.

Was ich mich übrigens ganz stark frage: Kennen die Leute am anderen Ende des Hilfetelefons überhaupt die speziellen Beratungsangeboten für gehörlose & schwerhörige Menschen? 

Ein weiterer Minuspunkt ist, dass das Hilfetelefon keine praktischen Hilfen anbietet, sondern nur Adressen der Anlaufstellen in der unmittelbaren Umgebung. Der Nutzen ist also nicht besonders groß, wenn man das ganze Paket bedenkt:

- nicht 24 h rund um die Uhr erreichbar wie für hörende Frauen.
- es wird keine direkte praktische Hilfe vermittelt, sondern nur Adressen für Anlaufstellen in der Nähe
- Berater kennen sich höchstwahrscheinlich nicht aus bei den besonderen Bedürfnissen der Gehörlosen und Schwerhörigen
- Zugang zum Hilfetelefon ist erschwert, da erst ein Download erforderlich ist.
- es wird als Betriebssystem für den Download seitens des TESS-Dolmetschservice Windows gefordert. Und was ist, wenn man einen bekennender Apple-User ist, sprich einen Mac hat? 

Aufgrund der aufgezählten Faktoren komme ich zur Überzeugung, dass das Hilfetelefon nicht sehr positiv aufgenommen wird von gehörlosen und schwerhörigen Frauen, wodurch bei der Bundesregierung der Eindruck entstehen könnte, dass ein solches Angebot gar nicht notwendig ist.

Das Gegenteil ist der Fall: Ein Statistik aus Norwegen zeigt, dass 45,8% der gehörlosen Mädchen und 42,4% der gehörlosen Jungen Opfer sexueller Gewalt werden (Kwam, 2004).  Die Zahlen dazu im Vergleich zu nichtbehinderten Jugendlichen liegen wesentlich niedriger. Das Bundesfamilienministerium hat im November 2011 eine Studie veröffnetlicht, welche diese hohen Zahlen bestätigt. (Kurzfassung: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=186150.html) 
Langfassung: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=73010.html

Meiner Meinung nach hätte man die Einrichtung des Hilfetelefons für gehörlose und schwerhörige Frauen sehr viel mehr vereinfachen müssen und vor allem rund um die Uhr anbieten müssen, damit der Zugang dazu wirklich als barrierefrei gelten kann. 

Aber was will man auch von einer Regierung erwarten, die bis heute den barrierefreien SMS-Notruf nicht anbietet, wie es in anderen Ländern längst der Fall ist? Mein Blogartikel dazu zum SMS-Notruf:

Am 11. Februar war der Tag des Europäischen Notrufs

Der Tag heute ist übrigens der 4. Jahrestag der UN-Behindertenrechtskonvention, denn in Deutschland trat sie am 26. März 2009 in Kraft. Das wär übrigens auch wieder Stoff für einen neuen Blogeintrag, nicht wahr?

Was auch sehr beschämend ist: Laut der Auflistung des deutschen Institut für Menschenrechte über die Aktionspläne aller Bundesländer haben bis heute 6 der 16 Bundesländer noch nicht mal einen Plan erstellt

Der Bund hat den Nationalen Aktionsplan am 16. März 2011 vorgestellt - übrigens mit diesem Video mit Ursula von der Leyen, wo sie aus PR-Gründen versucht in Gebärdensprache die anwesenden Medienvertreter zu begrüßen:

Ursula von der Leyen versucht sich an der Gebärdensprache

Baden-Württemberg hat bis heute keinen Aktionsplan für Menschen mit Behinderung.

In Bayern trat der Aktionsplan am 12.03.2013 in Kraft.

In Berlin am 09.06.2011.

Brandenburg 29.11.2011

Wie gesagt, heute ist der 4. Jahrestag - es gab mehr als genügend Zeit sich darauf zu vorbereiten und komplette Liste findet man hier: http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/de/monitoring-stelle/monitoring.html

Zu den Bundesländern findet sich übrigens auch recht interesante Zahlen zur Inklusion, aber das ist ein eigener Artikel wert.

*seufz* Deutschland, Deutschland - du Weltmeister im Aussortieren! - das sagte ich schon im Jahr 2009 zu dir! 


Und mir macht es doch auch keinen Spaß, dich dauernd kritisieren zu müssen! vom August 2011.

UPDATE vom 27. März 2012: Ich habe noch mal genauer hingeschaut und möchte an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass es komplett gar nicht barrierefrei ist, wenn für den DOWNLOAD der Dolmeteschersoftware für das Hilfetelefon ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass man das Betriebssystem Windows braucht! Es gibt ja nicht nur Windows auf dem Markt! 


Donnerstag, 21. März 2013

Wie funktionieren eigentlich Gebärdensprachen?

Die häufigsten Fragen, die ich zu hören kriege, wenn mein Gegenüber erfährt, dass ich gehörlos bin, ist:"Kannst du eigentlich Gebärdensprache?"

Ja, kann ich, wenn auch nicht perfekt, da sie nicht meine Muttersprache ist. Aber ich liebe die Gebärdensprache sehr und schätze ihre unerreichte und oftmals etwas ironische Kreativität sehr. :-)

Der größte Irrtum über die Gebärdensprache ist jedoch die oft geäußerte Annahme, dass die Gebärdensprache überall auf der Welt genau gleich ist und Gehörlose so ein naturgegebenes "Esperanto" durch die Gebärdensprache haben.

Schöner Gedanke, aber er ist falsch: Die Gebärdensprache unterscheidet sich von Land zu Land und hat auch ihre regionale Dialekte - ganz wie die Lautsprache, denn sie ist eben auch eine vollwertige Sprache.

Aber es gibt die Internationale Gebärdensprache (ISL), die sich sehr stark an der American Sign Language (ASL) orientiert, aber in jüngster Zeit hat sie vermehrt sehr viele Einflüsse aus den Europäischen Gebärdensprachen.

Diesen tollen Artikel über die Gebärdensprache der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaften möchte ich euch nicht vorenthalten:

Wie funktionieren eigentlich Gebärdensprachen?

Und wer jetzt Lust hat, mehr über die Gebärdensprache zu erfahren oder sie sogar zu lernen, dem lege ich diese Blog-Artikel von hier ans Herz:

In welcher Gebärdensprache wurde eigentlich am Set von "Jenseits der Stille" gesprochen?

Videos zum Lernen der Gebärdensprache auf YouTube

Wo findet man eigentlich Gebärdensprachkurse? - Mit den Händen sprechen

Gebärdensprache in der Werbung - Teil 1

Gebärdensprache in der Werbung Teil 2

P.S. Jetzt im Frühjahr starten doch wieder neue Kurse an den Volkshochschulen... ;-)

Update vom 21.03.2013 um 18:40 Uhr: Die Zeitschrift Spektrum Neo hat einen sehr guten Artikel über ein gehörloses Mädchen und ihr Leben verfasst, es geht um Gebärdensprache und die Kommunikation. Auch das Cochlea Implantat kommt vor. Die Leseprobe lohnt sich echt:  http://www.spektrum-neo.de/2013/leseprobe-leben-mit-gehorlosigkeit/



Donnerstag, 14. März 2013

Niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden.

Die Bundesregierung hat übrigens das Jahr 2013 als Jahr gegen Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und chronisch kranker Menschen erklärt. Klingt gut, aber das Problem ist, dass dieses Themenjahr bisher nicht bekannt ist. Ein ganz aktueller Fall ist der von Carina Stoschek - das ist die Geschichte eines Diskriminationsfall aus Deutschland im Jahr 2012/2013.

Im Grundgesetz steht:

 (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Und auch in der UN-Behindertenrechtskonvention steht das noch mal ganz ausdrücklich drinnen, was seit März 2009 gültiges Recht in Deutschland ist, da zu diesem Zeitpunkt die Ratifizierung stattgefunden hat.

An einer Fachochschule scheint eine Professorin noch nie etwas davon gehört zu haben, dass man Studenten/Innen zu fördern und nicht auszugrenzen habe, denn anders lässt sich ihr Verhalten gegenüber einer Studentin nicht erklären.
Carina Stoschek ist 27 Jahre alt, mit 5 Jahren ertaubte sie aufgrund einer schweren Mittelohrenentzündung auf dem rechten Ohr. Mit 18 Jahren folgt das linke Ohr. Seitdem ist sie beidseitig taub. Im Artikel steht, dass sie ein spezielles Implantat und ein Hörgerät trägt. Ich vermute einfach mal stark, dass sie einseitig mit einem Cochlear Implantat versorgt ist und auf dem linken Ohr ein Hörgerät trägt. In den 1990er Jahren war das noch so, dass man Kinder erst auf einer Seite, also einseitig mit einem Cochlear Implantat versorgt hat - heute ist es eher üblich, dass die Kinder gleich beidseitig oder schnell nacheinander auf beiden Ohren versorgt werden. 

Ich erklär das so ausführlich, damit die Hörbiographie klar ist - Spätertaubte haben mit dem Cochlear Implantat in der Regel viel bessere Hörresultate als Gehörlose, die von Geburt an taub sind und früh oder später mit einem Cochlear Implantat versorgt werden. Ich betone an dieser Stelle noch mal: Es gibt keine Garantie für den bestmöglichsten Hörerfolg durch die Versorgung, denn Menschen sind nun mal individuell. 

Carina Stoschek studiert an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Soziale Arbeit und hatte bisher noch nie Probleme keine Unterstützung im Studium zu bekommen, denn die Professoren und Dozenten stellen sich gene auf ihre Bedürfnisse ein: Sie tragen ohne Murren eine spezielle Höranlage um den Hals - die Höranlage hat die Größe eines Mp3-Players und wiegt gerade mal 50 gramm.  Zum Vergleich: Das ist das Gewicht eines Schokoriegels.
Die Funktionsweise ist so: Carina und ihr Sprechpartner hängen sich eins dieser Geräte um - per Funk wird die Sprecherstimme direkt an ihr Hörgerät übertragen - ganz ohne Störschall. Dadurch ist für Carina die Verständlichkeit gewährleistet, auch wenn der Sprecher weit weg ist oder häufig hin und her läuft. Diese Erkärung im Artikel deutet darauf hin, dass Carina über freies Hörvermögen verfügt, also nicht die ganze Zeit auf das Lippenlesen angewiesen ist.

Es gibt aber eine Professorin an der Hochschule, die sich weigert, diese Höranlage zu tragen - ein Ding, das wie gesagt, gerade mal 50 gramm schwer ist. Grund?  "Frau Dr. B. hat vorgebracht, dass sie aufgrund körperlicher Beschwerden nicht in der Lage sei, das Mikofon zu tragen."

Der Kurs "Sozialrecht" der Frau Professorin B. ist für Carina verpflichtend, was zur Folge hat, dass sie in deren Kurs sitzt und nichts versteht und auf die Mitschriften ihrer Kommilitonen angewiesen ist. Keine Frage, dass diese Situation für Carina beschämend ist, auf andere angewiesen zu sein und um Mitschriften zu bitten.
Frau B. zeigte sich bisher unkooperativ - die Mails von Carina bleiben unbeantwortet. Aus Protest geht sie nun nicht mehr in den Kurs von Frau B. Und viele ihrer Kommilitonen auch nicht mehr aus Solidarität. 
Die Fachhochschule lässt Carina und ihre Mitstreitern nicht ganz im Regen stehen: Es gibt einen Ersatzkurs in Sozialrecht - und zwar barrierefrei. Das restliche Studium wird Carina so legen, dass sie keine Kurse mehr bei Frau Professor B. haben wird.

Eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Frau Professor bleibt mehr als ein Jahr ohne Ergebnis, erst später heißt es sinngemäß: "Juristisch könne man der Professorin nichts anhaben. Um ein Dizplinarverfahren einzuleiten, reicht das Verhalten der Professorin nicht aus. Sollten sich die Vorwürfe wiederholen, müsse sie aber mit strengeren Maßnahmen rechnen. Auch sei ihr mitgeteilt worden, dass ihr Verhalten nicht gebilligt werde."

Wirklich? Aus meiner Sicht kann man juristisch der guten Frau Professor sehr wohl beikommen, wenn man die richtigen Gesetze anwendet, sich zum Beispiel ganz auf die UN-Behindertenrechtskonvention stützt, denn dort heißt es auch, dass die Vertragsstaaten dazu angewiesen sind, in integratives Bildungssystem auf allen Ebenen anzubieten.
Die Hochschule und der zuständige Beauftragte für die Belange behinderter und chronisch kranker Student/Innen bedauern die Situation und finden die sehr unglücklich.

Ich meine auch, dass die Situation auch sehr unglücklich ist: Für die Hochschule entstehen Mehrkosten durch den organisierten Ersatzkurs, weil sich eine einzelne Professorin weigert ihren Kurs barrierefrei anzubieten und gleichzeitig wird damit das Recht von Menschen mit Behinderung(en) mit den Füßen getreten, weil man dieses Verhalten durchgehen lässt. Ein solches Verhalten kann man auf keinen Fall billigen, weswegen die gute Frau von ihrem Posten enthoben gehört.
Carina Stoschek hat die Dienstaufsichtsbeschwerde unter anderem deswegen eingeleitet, weil sie wollte, dass hörgeschädigten Student/Innen nach ihr es einfacher haben werden in ihrem Studium. Hoffentlich können die Medien dazu beitragen, dass so ein behindertenfeindliches und studienunfreundliches Verhalten einer Professorin nicht ohne echte Konsequenzen bleibt.

Sonntag, 10. März 2013

Kleiner Einschub zu Brüderle

Heute vor dem Start der Biathlon-Staffel der Herren wurden kurz die Nachrichten im ZDF gezeigt, darunter war auch die Rede von Brüderle, dem FDP-Frontmann. Die Nachrichten waren ohne Untertitel.

Mein Verhältnis zur FDP ist nicht das Beste, was ja hinlänglich bekannt ist, dennoch gibt es auch gute Leute bei der FDP, denen etwas an der Barrierefreiheit liegt. Ich sagte schon häufig, dass es auf die Menschen hinter dem Parteibuch ankommt, nicht auf das Parteibuch der demokratischen Parteien.

Übrigens ist der Bundesparteitag der FDP ohne Gebärdensprachdolmetscher, also nicht barrierefrei für gebärdensprachkompetente Gehörlose. Für Schwerhörige vermutlich auch nicht. Der ZEIT-Reporter vor Ort auf dem Parteitag vom Politik-Ressort war so nett für mich nachzufragen bei der Pressestelle der FDP, ob es einen Gebärdensprachdolmetscher gibt. Die Auskunft war folgende: "Diesmal leider keine Gebärdensprachdolmetscher vorhanden."

Diesmal keine Gebärdensprachdolmetscher? Ich beobachte seit Jahren, dass auf den Parteitagen der FDP nie Gebärdensprachdolmetscher sind - aber das ist ein anderes Thema.

Also zurück auf Anfang: Es wurde kurz ein Auschnitt vom Bundesparteitag der FDP gezeigt, die Rede von Rainer Brüderle. Ich erwähne hier nochmals, dass es dazu keine Untertitel gab. Die Ursache für die fehlenden Untertitel sind mir nicht bekannt.

Jedenfalls war ich erschrocken, weil mich die Bewegungsabläufe von Brüderle bei seiner Rede an die Videoaufnahmen aus der Nazizeit erinnert haben. Und das habe ich auch so klar und deutlich getwittert.

Warum ich das so deutlich betone, dass es keine Untertitel gab dazu? Vermutlich ist nicht jedem bewußt, dass ich gehörlos bin und für den vollen Kontext bei Reden im Fernsehen Untertitel brauche, auch wenn ich als ausgezeichnete Lippenleserin bekannt bin. Nun nuschelt aber Herr Brüderle ziemlich, was man sehen kann und auch hören kann.

Es ist erschreckend, dass man gleich gerügt wird, wenn man lediglich anmerkt, dass die abgehackte Körpersprache von Brüderle aus dieser Rede einen an die Videoaufnahmen aus der Nazizeit erinnert, womit ich Herrn Brüderle weder in die rechte Ecke gestellt habe noch als Nazi bezeichnet habe.

Wir haben in Deutschland ein ziemlich gute Aufarbeitung des Nationalsozialismus, auch wenn ich mir wünsche, dass historisch da noch mehr Aufklärung betrieben wird. Ich war zum Beispiel über den die historische Enthüllung der engagierten Historiker schockiert, dass es viel mehr Lager der Nationalsozialisten gegeben hat als bisher bekannt.

Es ist auch gut so, dass wir so vorsichtig sind mit solchen Begriffen, aber man sollte den Kontext schon richtig begreifen können, bevor man sagt: "Du kannst den Vergleich nicht bringen."

Als Gehörlose achte ich sehr auf die Körpersprache, womit jedem klar sein sollte, dass ich mich nur auf die Bewegungsabläufe von Herrn Brüderle bezogen habe - nicht auf den Inhalt der Rede, denn die stand mir ja nicht zur Verfügung!

Ich finde, das ist schon ein ziemlich wichtiger Unterschied, den man sich erst mal klar machen sollte, bevor man Schaum vor dem Mund entwickelt wegen der vermeintlichen Kategorisierung von Herrn Brüderle in die rechte Schublade.

Es tut mir leid, wenn ich falsch verstanden worden bin, aber ich entschuldige mich nicht für die Äußerung, denn jeder der den gesamten Kontext erfasst hat, dem ist es klar, wie die (für mich tonlosen) Bewegungen von Herrn Brüderle vor dem Bildschirm bei mir ankamen. Und ich sagte nie, dass er ein Nazi ist oder stellte ihn in der rechten Ecke hab. All das lag mir fern bei meinem geschilderten Eindruck der Rede per Tweet.

Und damit ist dieses Thema auch für mich gegessen.

P.S. Ich habe schon in der Vergangenheit häufig zur Körpersprache von Politikern geschrieben, unter anderem zu Obama's Körpersprache, wo ich auch kurz etwas zur überholten politischen Körpersprache aus den 30er Jahren verfasst habe: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2011/03/obama-und-sein-wichtigstes-instrument.html

Montag, 25. Februar 2013

Tatort Frühstück!

Ihr Lieben, ich bin mal wieder in Berlin, meiner absoluten Traumstadt in Deutschland. Nirgendwo fühle ich mich so wohl wie hier. :-)

Am Freitag hatte ich mal wieder das Vergnügen mit Jan Josef Liefers frühstücken zu dürfen. Ich bin übrigens gar nicht so müde gewesen wie es vielleicht auf dem Bild den Anschein hat. :-) Und bitte igoriert mal alle bitte den absoluten Bad-Hair-Day, den ich an diesem Tag hatte, denn meine Haare pappten sich an meinen Kopf anstatt diesen fluffig zu umschmeicheln.


Frau kann eben nicht alles haben. :-)



Und heute nachmittag besuche ich übrigens die BILD. Nicht für ein Interview, sondern es ist so, dass die Personalabteilung von Springer gerade Gebärdensprache lernt. :-) 

Und bitte unbedingt vormerken: Am 24.3. kommt der neueste TATORT aus Münster! 




Mittwoch, 20. Februar 2013

Die Fotos mit mir und der Kanzlerin sind da!

Im August 2011 versprach mir Frau Dr. Bundeskanzlerin Merkel, dass es im Jahr 2011 Gebärdensprachdolmetscher geben wird beim nächsten Tag der offenen Türe der Politik.

Und im August 2012 war es dann soweit - es gab tatsächlich Gebärdensprachdolmetscher, worüber ich wirklich sehr glücklich war, weil ich ja schon seit 2010 dafür gekämpft hatte.

Und hier ist der Moment der Unterhaltung festgehalten, wo ich mich bedanke und sie für ein Foto mit mir posiert. :-) Sie hat übrigens selbst den Auslöser dafür gegeben.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Bundesregierung für die Erlaubnis zur Veröffnetlichung der Fotos. :-)

Heute Abend werde ich also die Fotos meinen Großeltern unter die Nase halten, vor allem meine Oma wird sich sehr freuen und die Fotos in Ehren halten. :-)

Hier sind sie und hiermit befolge ich den Grundsatz der Social Media: Pic's or it didnt't happen!

Ich bedankte mich sehr herzlich für die Gebärdensprachdolmetscher. Frau Dr. Merkel meinte dann: "Das freut mich, dass wir etwas daraus gelernt haben." Sie meinte es bezogen auf die Kritik, die ich 2011 vor allen Zuschauern direkt an sie gerichtet habe: "Ich bin gehörlos, wie soll ich hier etwas mit bekommen ohne Gebärdensprachdolmetscher?" Daraufhin versprach sie mir welche für 2012.
Ich grinse sehr honigkuchenpferdig. Die Hand von Frau Merkel lag auf meinem Rücken und meine auf ihrem. Das war ein sehr seltsames Gefühl der obersten Frau in Deutschland so nahe zu sein. Aber schlimm war es nicht! :-)

Auf meinem T-Shirt stehe übrigens "I love barrier-free!" :-) Die Frau in der schwarzen Bluse ist übrigens die Gebärdensprachdolmetscherin, die kurz für mich gedolmetscht hatte, aber dann aufgehört hat zu dolmetschen, wo sie gemerkt hat, dass Merkel mich selbst so gut versteht und ich sie auch! :-)

Ich finde, dass man auf dem Foto sehr gut sieht, wie sympahtisch Merkel rüberkommt, wenn man ihr live begegnet. Das ändert aber nichts daran, dass ich nicht damit einverstanden bin mit ihrer Politik. Aber sie ist ist eine sehr angenehme und wache Gesprächspartnerin.

Ich hoffe, euch gefallen die Fotos, obwohl sie ja nicht in allerbester Auflösung zur Verfügung stehen! :-) Ich wollte noch ein Wasserzeichen darüberlegen, aber das Scheiß-Bildbearbeitung wollte einfach nicht so wie ich es wollte und ich war viel zu ungeduldig, um noch länger warten zu können, denn ich wollte euch die Fotos so schnell wie möglich unter diesen Auflagen zugänglich machen.

Montag, 11. Februar 2013

Der 11. Februar ist der Tag des Europäischen Notrufs 112

In ganz Europa kann man mit der Notrufnummer 112 schnell und problemlos Hilfe holen, was seit 1991 einheitlich so ist.

Und die 112 feiert heute in Deutschland den 40. Geburtstag dank Björn Steiger, der seinen Dickschädel durchgesetzt hat für die zentrale Notrufnummer.

Doch kann wirklich jeder mit der 112 schnell und problemlos Hilfe holen? Das ist nicht der Fall, wenn man sich vor die Augen führt, dass in Deutschland nach wie vor immer noch keinen barrierefreien SMS-Notruf gibt.

Laut dem Regierungssprecher ist die Bundesregierung für den Barrierefreien Notruf, wie es in diesem Tweet vom 17.Januar 2012 heißt: ".@EinAugenschmaus Bundesregierung ist für barrierefreien Zugang zum Notruf. Die Innenministerkonferenz hat Arbeitsgruppe Notruf eingesetzt."
Link zum Tweet: https://twitter.com/RegSprecher/status/159173549221883905
 

Ist die Bundesregierung wirklich für den barrierefreien Zugang zum Notruf? Es ist jetzt über ein Jahr her, dass die Regierung daran erinnert wurde von mir, wie wichtig das ist. Und dann gibt es noch einen Videopodcast mit der Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel, wo sie am 03. März 2012 ankündigt, dass der SMS-Notruf für Gehörlose noch in der Zukunft erscheinen werde: https://www.youtube.com/watch?v=TdBwoBGPRww

Was ich übrigens nicht verstehe: Nach meiner Ermahnung gab es den Podcast der Kanzlerin mit Untertitel zum Runterladen, was zwar etwas umständlich war, aber es hat funktioniert. Darüber habe ich schon mal hier berichtet: Gehören wir auch dazu? vom 12. Mai 2012

Jetzt nach dem Relaunch bietet man nun den Podcast nicht mehr mit Untertitel an, sondern nur noch die Textversion zum Nachlesen an. Leute, ich verstehe das nicht, wie das passieren konnte - die ganze Arbeit mit den Untertiteln umsonst? Ihr hättet die Untertitel für YouTube weiterverwenden können und euch so ganz viel Arbeit ersparen können.

Aber das ist ja nun eine andere Baustelle. Zurück zum Hauptthema und meiner eigentlichen Frage:
WANN ist die Zukunft - wann wird es in Deutschland den barrierefreien SMS-Notruf geben?

Eine gehörlose Freundin von mir wurde Anfang letztes Jahres von ihrem damaligen gehörlosen Noch-Ehemann vor den Augen ihrer (ebenfalls gehörlosen)  Kleinkinder auf eine ganz brutale Art übel verprügelt. Sie bekam Hilfe, WEIL sie von ihren Freunden in den Wohnung gefunden wurde, da man sich Sorgen um sie gemacht hat. Es war ihr nicht möglich aufgrund der Verletzungen Hilfe zu holen. Hätte es den SMS-Notruf gegeben, so hätte sie vielleicht ihre ganze Kraft mobilisieren können und die Hilfe wäre schneller gekommen.

Blogeintrag dazu: Kommt der SMS-Notruf bald in ganz Deutschland?
Zuletzt habe ich die Bundesregierung auf der Republica 2012 noch mal persönlich daran erinnert, dass der barrierefreie SMS-Notruf eine wichtige Sache ist, die nicht untergehen darf.

Es macht mich traurig, dass die Bundesregierung dies bis heute nicht umgesetzt hat und somit 80tausend Gehörlose, 16 Millionen Schwerhörige und die Gruppe der Autisten sowie die der Sprachbehinderten im Stich lässt. Aber nicht nur Menschen mit Behinderungen profitieren vom SMS-Notruf, sondern auch Nichtbehinderte. Gerade in Situationen, wo es gefährlich sein könnte, wenn man sich bemerkbar macht, ist ein "stiller" Alarm von Vorteil.

Die Notrufnummer 112 ist heute nicht mehr aus dem alltäglichen Leben wegdenkbar, aber nicht erreichbar für Gehörlose per SMS. Es gibt zwar das Notfall-Fax, aber wer stellt sich den bitte schön ans Faxgerät, wenn es brennt oder ein Einbrecher im Haus ist? Davon mal ganz abgesehen, ist das Faxgerät anders als noch vor wenigen Jahren kein unverzichtbarer Bestandteil mehr in Haushalten von Gehörlosen und Schwerhörigen.

Ich beziehe mich noch mal ganz ausdrücklich an dieser Stelle auf den Artikel 3 des Grundgesetz: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Den SMS-Notruf gibt es übrigens schon in folgenden Ländern: England, USA, Österreich, Slowenien, Irland und Singapur. Davon abgesehen gibt es in anderen Ländern 24 h am Tag die Telefonvermittlung in Gebärdensprache oder schriftlich, was hier in Deutschland nur zu bestimmten Zeit möglich ist. Dort kann man also jeder Zeit Hilfe holen.

Hoffentlich müssen wir hier in Deutschland nicht mehr lange warten. Dieser Zustand ist unerträglich und erfüllt mich mit tiefer Besorgnis, denn ich möchte nicht, dass ein betroffener Mensch in einer Notsituation nicht um Hilfe rufen kann, weil kein barrierefreier Zugang besteht.

Weitere Blogposts zum Thema SMS-Notruf:

SMS-Notruf ist dringend notwendig vom Juli 2012

Dienstag, 29. Januar 2013

Deutschland will Inklusion in Entwicklungsländer exportieren

Bei der Überschrift könnte man auf die Idee kommen, dass Deutschland nun erkannt hat, dass man außer Waffen noch etwas anderes in die Entwicklungsländere exportieren kann.

Nur:  Da ist nichts zum Exportieren in Sachen Inklusion in an deutschem Know-How aus Deutschland vorhanden. Deutschland zählt europawait zu den Schlusslichtern in Sachen Inklusion.

Eine Überraschung ist das nicht, wenn man sich den dürren Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen anschaut, welcher ebenfalls scharf kritisiert worden ist von Menschen mit Behinderungen und Behindertenverbänden.
Hier ist ein guter Überblick, welche Länder außer Deutschland das mit der Inklusion viel besser begriffen und umgesetzt haben.

Der internationale Ländervergleich zeigt: Italien ist top, Deutschland ist ein Flop. 

Italien: Erst heute erschien ein lobender Artikel über die Inklusion in Italien: 99% aller Menschen mit Behinderungen gehen dort auf die Regelschule. Bereits 1971 wurde Inklusion verpflichtend flächendeckend eingeführt. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Ausgerechnet das Land mit der fast totalen Inklusion bietet die wenigesten Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen an.

Hier ein sehr schöner Artikel darüber: Heute kann es sich keiner mehr anders vorstellen
Was am Artikel weniger toll ist: Er stellt Autisten als geistig behindert da, was sie nun mal nicht sind.

Finnland: Das Land wird zwar häufig als Vorbild gehandelt, was den Bildungsbreich betrifft und was die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung betrifft, ist man von flächendeckender Inklusion aber noch weit entfernt. 2010 wurden fast 50 Prozent der Kinder mit Behinderung in Sonderschulen oder speziellen Klassen unterrichtet. Allerdings überwiegen Unterrichtsformen, die zumindest teilweise integrativ sind, wie Sonderklassen an Regelschulen oder zeitweiser Unterricht in Regelklassen, gegenüber der klassischen Sonderschulen.

Was ich aber von meinen gehörlosen Freunden weiß: Die Qualität der Gehörlosenschulen da ist besser als in Deutschland. 

Spanien hat es mit dem könglichen Beschluss von 1985 zur Ordnung der Schulpädagogik hingekriegt eine Grundlage für ein Regelschulsystem zu schafen, indem "alle Formenm der Beeinträchtigung" zu beachtet und berücksichtigt werden. Das war der Startschuss für Spezialklassen in Regelschulen. Die Ausbildung von sonderpädagogischen Lehrer bereitet dem Land noch Probleme.

Aber: In Spanien hat mit Pablo Pineda den  erste Europäer mit Down-Syndom hervorgebracht, der einen Universitätsabschluss hat und als Lehrer tätig ist.

Österreich ist eins der Schlusslichter in Europa. Sie tun sich sehr schwer bei der Umsetzung: Die inklusive Pädagogik wird gefördert, aber die Abschaffung der Sonderschulen wurde nicht beschlossen, wofür Österreich scharfe Kritik von der UN und den Behindertenverbänden bekam. Österreich verstösst damit seit mehr 3 Jahren gegen die UN-Behindertenrechtskonvention.

Deutschland kommt bei der Inklusion nur im Schneckentempo voran. Einige Bundesländer wie Bremen oder Schleswig-Holstein neben Vorbildfunktionen ein, aber Hamburg und Bayern sind absolute Schlusslichter. Dagegen passt auch der Fall der beiden gehörlosen Mädchen aus Bayern, denen die Kostenübernahmne für die Gebärdensprachdolmetscher verweigert wurde, weil man sie lieber auf eine Gehörlosenschule schicken wollte.

Blogeinträge dazu: Eine Blamage für Bayern und Ein Weihnachtsgeschenk bitte für Vanessa & Melissa

In Deutschland gehen 20% aller Kinder mit Behinderungen in eine Regelschule. 80% besuchen nach wie vor Sonderschulen. Was besonders erschreckend ist: Mehr als die Hälfte der Kinder, die eine Sondershcule besuchen, verlassen diese ohne einen Hauptschulabschluss!

Und genau dieses Deutschland will den Entwicklungsländern zeigen, wie das mit der Inklusion geht? Das mit der Barrierefreiheit hat Deutschland auch noch nicht so ganz kapiert.

Mal ein paar Beispiele, welche Länder, die von Deutschland aus gesehen, Entwicklungsländer sind, das mit der Inklusion besser begriffen haben: In Ägypten, Algerien, Tunesien und in Griechenland sah ich Gebärdensprachdolmetscher im Fernsehen, direkt in den Nachrichten. Ohne Aussortierung in ein Nebenprogramm, wie es in Deutschland der Fall ist. Dubai, Kuwait und Abu Dhabi haben das auch - die zählen zwar zu den reicheren Ländern, aber diese Menschenrechte werden beachtet.

Und Deutschland? Ach, die haben sich wohl einfach gedacht: Wenn das mit der Inklusion im eigenen Land nicht so gut klappt, dann probiert man das einfach im Ausland und legt einen globalen Aktionsplan für Inklusion im Ausland vor - made by Germany. 


 Übrigens gibt Deutschland jährlich 600 Millionen €laut einer Bertelsmanstudie  aus für Inklusion an Schulen. Ganz schön viel Geld, was da verpufft, weil es nicht sinnvoll greift in Sachen Inklusion.

 Ich facepalmiere hier mal ganz ungehemmt vor mir hin. Die Bundesregierung sollte beim Export doch lieber bei ihren Leisten bleiben und das importieren, worin sie ja leider sehr gut ist - sie ist der drittgrößte Waffenexporteur. :-( 
  
P.S. Quellen für die Angaben der Inklusion habe ich von Rollingplanet http://rollingplanet.net/2013/01/29/darauf-hat-die-welt-gewartet-deutschlands-globaler-aktionsplan-zur-inklusion/ , die haben's von der UN-Behindertenrecht.)

Freitag, 18. Januar 2013

Ein Video & Zeitungsbericht über mich!

Ich hoffe, ihr hattet alle einen prima Rutsch ins neue Jahr 2013! :-)

Heute gibt's nur einen ganz kurzen Blogartikel:

In der aktuellen "Bella" vom 16. Januar 2013 findet man in der Rubrik "Mein Leben" auf Seite 16 den Bericht: "Ich lasse mir das Wort nicht verbieten!", wo ich über mein Fazit aus dem Auftritt bei "Zdf login" spreche. Der Bericht ist sehr nett geworden.

Dann gibt es noch ein Gebärdensprachvideo mit mir: Ege Karar von Vibelle hat mit mir ein Interview geführt und um eine Stellungsnahme gebeten, warum ich beim Auftritt nicht in Gebärdensprache gesprochen habe. Im Video gebärde ich und es gibt Untertitel dazu: http://vibelle.de/vibelle/aktuelles/5052-im-interview-julia-probst

Ich wünsche euch viel Spaß damit! :-)