Mittwoch, 1. April 2015

Wenn der Gebärdensprachdolmetscher im Mittelpunkt steht...

dann ist er entweder ein Fake-Gebärdensprachdolmetscher wie bei der Beerdigung von Mandela oder aber ein so mitreißender Gebärdensprachdolmetscher, so dass er auf auf positive Art viral geht.

In diesen Tagen werde ich immer wieder auf den schwedischen Gebärdensprachdolmetscher Tommy Krångh hingewiesen. Ganz verschiedene Menschen schreiben mir: "Guck mal hier, hast du das schon gesehen?" und sind begeistert.

Und heute hatte ich endlich mal bisschen die Zeit mich über den Gebärdensprachdolmetscher Tommy Krångh zu informieren. Verschiedene Quellen sagen, er habe keine Ausbildung zum Gebärdensprachdolmetscher, sondern sei einfacher Angestellter. Aber die Art der Darbietung und der Einsatz der Gebärdenprache liessen mich schnell zum Schluss kommen, dass Tommy ein CODA sein muss.

CODA? Was ist das denn bitte? Diese Abkürzung steht für "Child(ren) of Deaf Adults" - also Kind(er) von gehörlosen Erwachsenen - bzw. mit gehörlosen Eltern!

Und mit etwas googlen fandd ich auch die Bestätigung, dass Tommy ein Coda ist, denn er hat mit Eurovision über seine Auftritt gesprochen und er sagt im übrigen genau das, was Gebärdensprachdolmetscher tun sollten, wenn sie Musik dolmetschen. Nur schade, dass Eurovision ständig den falschen Begriff "Gebärdendolmetscher" verwendet im Interiew, obwohl es korrekterweise Gebärdensprachdolmetscher heißt.

Aber lest euch mal das Interview durch, es ist sehr lesenswert: https://www.eurovision.de/news/Tommy-der-Performer,krangh100.html

Das Melodifestival in Schweden wird übrigens seit Jahren schon gedolmetscht in Gebärdensprache - ein Standard, von dem wir hier in Deutschland noch weit entfernt sind. Jedoch wird der ESC in Wien dieses Jahr die barrierefreiste Show sein im Rahmen des ESC.

Der ORF hat nämlich einen Livestream mit International Sign im Angebot und auch den Fernsehsendern den Gebärdensprachstream im Gesamtpaket angeboten - die Sender müssen also nichts zusätzlich zahlen, um den Gebärdensprachstream zu zeigen. Ich bin gespannt, wieviele Sender dies in Anspruch nehmen werden.

Die Begeisterung auf Tommy Krångh's Darbietung hat doch nur eins gezeigt: Auch Hörende können sich für Gebärdensprache begeistern, auch wenn sie dieser nicht mächtig sind und das Angebot als Bereicherung empfinden anstatt als störendes Bildelement!

Achja, hier ist das Video von seinem Auftritt - leider wird hier das Video beschnitten, daher nur der Link zum Video statt Einbettung: https://www.youtube.com/watch?v=S0OeBrQBPNc#t=11

P.S. Der Gebärdensprachdolmetscher von Mandelas Beerdigung kann übrigens kein Wort Gebärdensprache, weswegen er auch sehr schnell aufflog damals.

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