Dienstag, 19. April 2016

Heute vor 5 Jahren war mein erster Auftritt auf der Re:publica!

Sie steht mal wieder vor der Türe, die re:publica, das legendäre Klassentreffen der digitalen Natives.

Irgendwann im März 2011 packte mich die Neugier ob der vielen Tweets zur re:publica 2011 in meiner Timeline und ich schrieb das Orgateam an, ob ich möglicherweise eine Freikarte bekommen kann aufgrund der Tatsache, dass das Event ja leider nicht barrierefrei ist, was meine Neugier aber nicht daran hindern würde die re:publica erleben zu wollen.

Hier der Videolink zu meinem Auftritt ab der 12. Minute:

Daraufhin passierte etwas sehr schön verrücktes: Man schrieb mir zurück, dass man mich eh noch einladen wollte als Speakerin. Dieser Satz liess mich so richtig vom Hocker plumpsen und ich sagte zum meinem Chatpartner im Chat: "Hör mal, weißt du, was gerade passiert ist? Die von der re:publica haben mich gerade als Speakerin eingeladen. Dabei wollte ich nur eine Freikarte haben zum Erleben." Er ganz westfälisch trocken:"Deswegen gerade dieser Krach." :-D

Und dann sass ich halt da im Friedrichstadtspalast und habe davon berichtet, wie wenig barrierefrei das deutsche Fernsehen. Und im übrigen: So cool, wie ich damals ausgesehen habe, war ich echt nicht, ehrlich nicht. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, da zu sitzen und mein Anliegen so verständlich auf den Punkt zu bringen - man hat mich wirklich ins kalte Wasser geschmissen. Aber dank Philip Banse's Fragen war ich ganz fokussiert darauf einfach nur mit ihm zu reden und meine Umwelt komplett auszublenden. :)

Heute 5 Jahre gibt es eine Verbesserung in Sachen Barrierefreiheit im Fernsehen: 5 Jahre später ist es viel besser geworden. Auf die einzelnen Programme der öffentlich-rechtlichen Sender haben wir ungefähr 90% Untertitel, wobei es aber sehr schwankt - bei manchen ist es deutlich weniger. Vor allem die Spartensender haben da noch großen Nachholbedarf. Aber im Vergleich zu dem Stand von vor 5 Jahren ist den Sendern schon der ganz große Wurf gelungen, das muss ich auch zugeben. :-) Die Qualität der Untertitel schwankt leider immer noch sehr und mich nervt es immer noch, wenn die Untertitel verkürzt und vereinfacht sind, was ich ganz leicht daran erkennen kann, dass der gesprochene  Dialog nicht mit dem Untertitel übereinstimmt. Dabei gehen viele wichtige Informationen verloren und auch sehr oft der Wortwitz. Lückenfrei barrierefrei mit Untertitel sind die öffentlich-rechtlichen heute also immer noch nicht.

Bei den Privaten gab es auch einen Sprung nach vorne, aber ich weiß nicht, ob man das als Verbesserung bezeichnen kann, wenn "Dschungelcamp", "Let's Dance" "Topmodel" mit Untertitel kommt. ;-) Aber gut, auch Gehörlose haben das Recht auf Wahlfreiheit, womit sie ihre Gehirnzellen absterben lassen wollen.

Aber besonders RTL hat mich da sehr positiv überrascht bei den Fußballspielen: Die Untertitel dort waren ausgezeichnet und so richtig toll voll von Fußballerlatein - da hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich genau die gleichen Infos bekomme wie hörende Zuschauer.

Aber das Problem, welches wir Gehörlose heute immer noch haben, ist: Wir stossen bei der Teilnahme an der Gesellschaft permanent auf Barrieren - wir können nicht einfach auf eine Veranstaltung gehen ohne nachzufragen, ob es Gebärdensprachdolmetscher/Schriftdolmetscher gibt. Einen Kurs an der Volkshochschule zu besuchen, weil man sich weiterbilden will, ist nicht - den Gebärdensprachdolmetscher muss man sich aus eigener Tasche zahlen. Ich könnte die vielen Hindernisse noch weiter aufzählen, aber das würde diesen Blogeintrag doch etwas sprengen. ;-)

Jedenfalls ist es ganz klar, dass ich weiterhin dafür kämpfen werde, dass die Teilhabe an der Gesellschaft barrierefrei wird. :-)

Und die re:publica ist immerhin seit 2013 mit einem Schriftdolmetscher auf Stage 1 barrierefrei geworden - die anderen Stages leider noch nicht. Aber vielleicht wird ja dieses Jahr der Besuch der re:publica barrierefreier, was ich sehr hoffe.

Man sieht sich. :-) In diesem Internet oder gar auf der re:publica!

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