Freitag, 10. November 2017

Neugeborenenen-Hörscreening - ja oder Nein?

In wenigen Monaten werde ich zum ersten Mal Mutter, was natürlich eine schöne Nachricht ist, aber auch für viel Kopfzerbrechen sorgt auf meiner Seite, ob ich eine gute Mutter sein kann und werde?

Und dieses Kopfzerbrechen mache ich mir nicht, WEIL ich gehörlos bin, sondern weil das die völlig normalen Gedanken jeder werdenden Mutter sind. Gehörlose Eltern haben genau die gleichen Sorgen, Gedanken, Probleme wie andere Eltern auch.

So soll es sein und nicht anders.

Es gibt aber zwei Punkte, die mich mich schon seit längerem besorgen im Bezug auf die Gehörlosigkeit, da Gehörlosigkeit defizitär angesehen wird. Einen Punkt davon möchte ich heute mit diesem Post klarstellen:

Seit dem 01. Januar 2009 gibt es das Neugeborenenhörscrenning. Und es war schon immer ganz klar für mich, dass ich das ablehnen werde aus verschiedenen Gründen und habe dies auch mit meiner Hebamme besprochen, warum ich das so kritisch sehe.

Hier ist ein Blogbeitrag von 2009 dazu: Neugeborenen-Hörscreening sinnvoll?

Meine Mutter, also die künftige Oma kam dann etwas später zum Gespräch hinzu und hat auch gesagt, dass sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen auch dagegen ist und erzählte, dass als bei mir mit knapp etwas über einem Jahr die Gehörlosigkeit diagnostiert wurde, eine ganze Woche aufgehört hat mit mir zu sprechen, weil sie so geschockt war. Sie fing sich dann aber wieder und ging dann auch wieder ganz normal mit mir um.

Zitat Mama aka zukünftige Oma: "Ich hätte es nicht so früh wissen wollen. Ich hatte zum Glück schon diese Bindung da zu meiner Tochter und nach dem ersten Schock habe ich dann einfach ganz normal weitergemacht mit den ganzen Fingerspielen und die ganzen Dinge, die ich davor auch gemacht habe. Ich weiß nicht, ob ich diese ganze Fingerspiele gemacht hätte, wenn ich es schon in den ersten Lebenstagen gewusst hätte - ob ich dann so "normal" umgegangen wäre. Und wenn man die Gehörlosigkeit schon in der Schwangerschaft feststellen hätten können, dann hätte ich sie nicht bekommen."

Über diese Aussage von Mama hab ich auch schon mal gebloggt:
Wer darf leben? - eine Antwort auf den Zeit-Artikel damals

Da war meine Hebamme auch geschockt und es war auch besser verständlich danach, warum ich das auch ablehnen werde: Man muss nicht in den ersten Lebenstagen wissen, ob das Kind hört oder nicht, es ist in meinen Augen einfach nur wichtig eine Bindung zum Kind aufzubauen und zwar ganz ohne Belastung, denn man fragt sich ja sowieso schon von Anfang an, ob man auch alles richtig macht mit dem Kind.

Außerdem ist das Ergebnis des Neugeborenenscreening nicht immer 100% korrekt, denn mir sind Fälle bekannt, wo das Ergebnis so war, dass das Kind schwerhörig/gehörlos sei laut Testergebnis und bei der U4 dann war alles in Ordnung. Von daher sehen wir das alles sehr gelassen: Das Neugeborenenhörscreening wird nicht durchgeführt beim Baby, die Untersuchung bei der U4 reicht völlig aus. Was mich auch besonders freut: Seit neuestem steht bei der U-4 als Empfehlung, dass man diagnostierter Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit den Kindern die Förderung durch Gebärdensprache und Lautsprache empfehlen soll.

Genau so kommt es auch: Das Kind wird billingual erzogen werden von Anfang an. Etwas besseres kann einem Kind gar nicht passieren.

Achja, sollte sich herausstellen, dass das Kind gehörlos/stark schwerhörig ist, wird es kein Cochlear Implantat bekommen. Darüber kann es dann selbst entscheiden, wenn es groß ist.

Und ich wüsste auch nicht, warum es ein Problem sein soll, wenn das Kind gehörlos ist - hauptsache, es ist gesund.

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